Chris Bailey

 3,5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Hyperfocus.

Lebenslauf von Chris Bailey

Chris Bailey ist Produktivitätsexperte und Bestsellerautor. Bis heute hat er bereits unzählige Artikel zu diesem Thema veröffentlicht, unter anderem in der New York Times und der Huffington Post. Er veröffentlichte bereits ein Buch zu diesem Thema unter dem Titel The Productivy Project.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Chris Bailey

Cover des Buches Hyperfocus (ISBN: 9783868817478)

Hyperfocus

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Erschienen am 20.03.2019

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Rezension zu "Hyperfocus" von Chris Bailey

"Richten Sie bei der Arbeit Ihr volles Bewusstsein auf eine einzige wichtige, komplexe Sache"
R_Mantheyvor 2 Jahren

Das, so der Autor, ist die Zusammenfassung des ganzen Konzepts der Hyperfokussierung. Eigentlich müsste man nun loslachen, weil dies so banal und offensichtlich ist. Aber anscheinend dringen solche einfachen und schon seit Ewigkeiten bekannten Wahrheiten nicht mehr durch. Stattdessen müssen unzählige "wissenschaftliche" Studien verfasst und gelesen werden, bis man auf Erkenntnisse kommt, die schon unsere Vorfahren kannten. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass beim angeblich exponentiell ansteigenden Wissen wirklich Wichtiges einfach nach unten durchsackt und verlorengeht. Das ist sehr seltsam.

Man findet Teile der in diesem Buch erläuterten Erkenntnisse zum Beispiel bereits im Buddhismus. Natürlich heißt es dort nicht so, denn für angeberische Übertreibungen ist der Buddhismus nicht bekannt. Obwohl man aus dem Buch entnehmen kann, dass Chris Baily sich wenigstens in einer gewissen Näherung mit einigen buddhistischen Prinzipien vertraut gemacht hat, entschloss er sich dennoch, sich durch tausende Seite wissenschaftlicher Studien durchquälen. Mich erinnert das an einen Spruch, den ich neulich auf einem T-Shirt las: Denken ist wie Googlen, nur krasser.

Da ich mich schon durch einige Bücher über "Fokussierungen" gequält habe, wundert es mich nicht, dass auch dieses Buch seltsam unfokussiert ist. Auch Bailys Text ist völlig überfrachtet. Auch ihm gelingt es nicht, Wesentliches vom Unwesentlichen so zu trennen, dass ein Text übrigbleibt, der geradlinig, leicht verständlich und gut umsetzbar ist. Das ist zugegeben eine wirkliche Kunst, an der sich aber zeigt, ob ein Autor wirklich zur Fokussierung fähig ist oder ob er das von sich nur annimmt. Baily hätte sich nämlich diese seitenlangen "Studien" ersparen können, wenn er sich einfach einmal ein paar Stunden konzentriert mit seinen Problemen befasst hätte. Denn sein Buch ist eigentlich – so schreibt er jedenfalls – für ihn gedacht und sollte ihm endlich helfen, sich fokussiert mit seinen Arbeitsaufgaben befassen zu können. Wie nicht wenige andere Zeitgenossen überrannten auch ihn die elektronischen Ablenkungsmöglichkeiten. Insbesondere Smartphones oder besser die dort programmierten Anwendungen machen süchtig. Das sollen sie schließlich auch, auch wenn das nicht jedem klar ist.

Baily kommt selten fokussiert auf den Punkt und braucht lange Abschweifungen, um endlich den Kern seines aktuellen Themas zu erörtern. Wenn jemand zu viele Studien liest, selbst aber nicht über den Dingen steht und deswegen zu wenig Kritikfähigkeit bei dieser Beschäftigung besitzt, dann kommt ein solches Buch zustande. Es steht nichts Falsches in ihm, aber es ist viel zu lang, es gibt viel zu viele Wiederholungen und es werden banale Dinge breitgetreten, obwohl man sie kurzfassen und für den Leser einfach darstellen kann. Wahrscheinlich weiß Baily auch nicht, was ein Fokus in der Optik ist. Jedenfalls lässt sein Begriff "Streufokussierung" darauf schließen, der ein Widerspruch in sich ist. Bei einem nahen Fokus (große Blende bei einem Foto-Objektiv) sieht man den Hintergrund nicht oder kaum noch. Das Objekt erscheint groß auf dem Bild. Bei einem weiten Fokus sieht man zum Beispiel Landschaften mit großer Tiefenschärfe. Das entspricht Bailys "Streufokussierung". Gestreut wird der Fokus jedoch dabei nicht, vielmehr wird er verschoben.

Ob Chris Baily jemals etwas von Didaktik gehört hat, ist nicht überliefert. Jedenfalls gibt er so viele Ratschläge zur Fokussierung, wie er nur finden konnte. Man kann sich also entweder die passenden aussuchen oder aber das Ganze geht an einem vorbei, weil es einfach nicht wirklich fokussiert dargestellt wird. Letzteres ist die wahrscheinlichere Variante. Ermüdung tritt immer dann beim Leser oder Zuhörer auf, wenn seine Aufnahmefähigkeit überfordert wird. Baily schafft das geradezu beispielhaft. Er hat zu viel gelesen und gehört und muss das nun alles irgendwie an den Leser bringen. Eben weil er sich nicht fokussieren kann.

Immer wieder behaupten Menschen, sie wären multitasking-fähig. Ein wenig Nachdenken bringt schnell die Erkenntnis, dass sich Aufmerksamkeit zwar auf einige Dinge gleichzeitig aufteilen lässt, aber dadurch in der Summe nicht größer wird, woraus zwangsläufig folgt, dass sie sich aufspalten muss, also für jede der gleichzeitig ausgeführten Tätigkeiten geringer werden wird, als sie es wäre, würde man sich nur auf eine konzentrieren. Schlimmer noch: Bei Menschen, die eine solche angebliche Fähigkeit nicht besitzen, führt Multitasking zu erheblichem Stress. Wann immer man diesen Unsinn also vermeiden kann, sollte man es auch tun. Als eine Methode, sich zu fokussieren, erwähnt Baily die Meditation. Alles, was er dazu schreibt, ist richtig, und diese Übungen dienen genau dem Zweck, die Aufmerksamkeit lenken zu lernen. Lustig ist allerdings, dass Mister Baily zum Meditieren eine App braucht. Was hat nur Buddha früher gemacht?

Wenn man aus Bailys Buch einen Nutzen ziehen möchte, dann muss man es sehr aufmerksam lesen, um sich dabei aus seinen vielen Vorschlägen und Hinweisen ein persönliches Konzept herauszufiltern. Ungeachtet seines Titels befasst sich Bailys Buch in einem zweiten Teil mit einer anderen Methode, die er "Streufokussierung" nennt. Dort empfiehlt er seinen Lesern, auch einmal Gedanken (gezielt!) schweifen zu lassen. Der Fokus liegt also dabei (wie oben erläutert) etwas mehr in der gedanklichen Ferne, sodass man umfangreicher und konzeptioneller denken muss. Baily nennt das "kreativ sein". Auf diese Weise macht man Pläne, entwickelt Ideen oder denkt über größere Projekte nach.

Manchmal kommt man bei der sogenannten Hyperfokussierung an Grenzen, an denen man erst einmal scheitert. Wenn man dann alles bisher Erreichte zusammenfasst und eine Pause einlegt, kann es passieren, dass unser Gehirn im Stillen weiterarbeitet und uns irgendwann völlig überraschend eine Lösung präsentiert. Das funktioniert umso besser, je klarer man das ungelöste Problem zu formulieren in der Lage ist. Schon so manche geniale Idee ist auf diese Weise entstanden. Pausen sind also nichts Schlechtes, sondern der Schlüssel zu kreativem Denken.

Wer also wirklich fokussiert arbeiten möchte, sollte sich von allen Ablenkungen befreien und sich konzentrieren lernen. Im Buch gibt es dazu viele Vorschläge, aus denen man sein ganz persönliches Konzept erstellen kann. Das Lesen selbst ist bereits eine Aufgabe, bei der man Fokussieren üben kann. Baily selbst schweift oft ab. Und viele Leser werden ihm folgen. Ohne inhaltliche Verluste hätte man die Seitenzahl dieses Werkes locker halbieren können. Kurz: Ein Buch über den inneren Fokus, in dem nichts wirklich Falsches steht, das aber viel zu unfokussiert ist.

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