Chris Beckett

 3.2 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor von Messias-Maschine, Dark Eden und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Chris Beckett

Chris Beckett hatte schon immer den Plan Bücher zu schreiben. Neben dem Job als Autor arbeitet er auch als Dozent an der Universität. Seit 2005 verfasst Beckett regelmäßig Kurzgeschichten. Im Jahr 2009 wurde er für diese mit dem Edge Hill Short Story Award ausgzeichnet. "Messias-Maschine" ist sein erster Roman. Heute lebt Chris Beckett in Cambridge.

Alle Bücher von Chris Beckett

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Chris BeckettMessias-Maschine
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Messias-Maschine
Messias-Maschine
 (22)
Erschienen am 02.07.2012
Chris BeckettMessias-Maschine: Roman
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Messias-Maschine: Roman
Messias-Maschine: Roman
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Erschienen am 02.07.2012
Chris BeckettDark Eden
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Dark Eden
Dark Eden
 (1)
Erschienen am 01.04.2014
Chris BeckettHOLY MACHINE
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HOLY MACHINE
HOLY MACHINE
 (0)
Erschienen am 05.12.2013
Chris BeckettEssential Theory for Social Work Practice
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Essential Theory for Social Work Practice
Essential Theory for Social Work Practice
 (0)
Erschienen am 06.04.2006
Chris BeckettChild Protection
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Child Protection
Child Protection
 (0)
Erschienen am 09.05.2007
Chris BeckettMarcher
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Marcher
Marcher
 (0)
Erschienen am 15.08.2014
Chris BeckettMother of Eden
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Mother of Eden
Mother of Eden
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Erschienen am 04.06.2015

Neue Rezensionen zu Chris Beckett

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NicolePs avatar

Rezension zu "Messias-Maschine" von Chris Beckett

Messias Maschine
NicolePvor einem Jahr

Irgendwann in einer nicht so fernen Zukunft lebt George in Illyria, einer modernen Stadt mit neuesten Technologien und Robotern aller Art. Die Stadt ist der letzte Zufluchtsort von Wissenschaftlern, Atheisten und sonstigen Freidenkern. Um sie herum ist die Welt nach Religionskriegen, welche als „die Reaktion“ in die Geschichte eingegangen sind, wieder zurück im Mittelalter.

Jede Religion behauptet von sich, die einzig wahre zu sein, und es gibt weiterhin Konflikte. Nur eines eint sie, der Hass auf die Bewohner von Illyria und deren teuflische Technologie. George verliebt sich in Lucy. Sie ist ein Sex-Roboter und körperlich kaum von einem Menschen zu unterscheiden. Doch Lucy beginnt, sich zu verändern.

Was sich nach einer guten Geschichte anhört, erweist sich während des Lesens als ein sich langsam dahinziehender Roman. Sehr schade, denn die Grundidee ist nicht schlecht. Eine veränderte Welt, die durch religiöse Fanatiker bestimmt wird, und eine Stadt mit allen technischen Raffinessen klingt nach Konfliktpotential. Auch die Liebe zwischen einem Menschen und einem Roboter mit den daraus resultierenden Problematiken ist ein guter Ansatz.

Jedoch schafft Autor Chris Beckett es nicht, daraus eine spannende Geschichte zu entwickeln. Sie bleibt oberflächlich, und die Figuren haben mich nicht erreicht. Der Kampf der Religionen untereinander und gegen Illyria wird eher nur am Rande erwähnt. Die Geschehnisse um George sind jeweils nur kurz umschrieben bzw. angerissen.

Die Liebesgeschichte zwischen George und Lucy zeigt, dass es irgendwann nicht mehr einfach ist, zwischen einem Menschen und einer Maschine zu unterscheiden. Leider hatte ich durch den Klappentext erwartet, dass sich die Geschichte hauptsächlich mit der Liebe zwischen ihnen beschäftigt. Doch auch dieser Teil der Geschichte bleibt blass und oberflächlich.

Interessanter ist dagegen das Leben von Ruth, Georges Mutter. Auch sie lebt in Illyria und genießt dort die künstliche Realität von SenSpace. Darin hat sie sich als Figur „Kleine Rose“ ein zweites Ich erschaffen. Durch Ruth erfährt der Leser, was alles mit und in einer künstlichen Welt möglich ist.

Dem Klappentext nach hätte es ein guter Roman sein können. Doch leider wurde das Potential, welches eine solche Geschichte liefert, nicht genutzt.

Weitere Rezensionen unter www.nicole-plath.de

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Wortmagies avatar

Rezension zu "Dark Eden" von Chris Beckett

Bizarr, aber wunderschön
Wortmagievor 4 Jahren

Die Geschichte katapultiert den Leser auf einen anderen Planeten, einen Planeten, auf dem die Bäume geothermisch sind und brummen, die Tiere zwei Herzen haben und dunkelgrünes Blut durch ihre Adern pumpt. Ein Planet, der permanent im Dunkeln lebt – Eden.

Dort begegnen wir John Redlantern, ein 15-jähriger menschlicher Jugendlicher, der sich nichts sehnlicher wünscht als Veränderung.  Doch Veränderung ist in seiner Familie, die 532 Mitglieder zählt, nicht gern gesehen. Er und seine Verwandten warten seit 163 Jahren darauf, von Eden abgeholt und zur Erde gebracht zu werden. Daher hat in dieser langen Zeit nie jemand versucht, den bizarren und doch wunderschönen Planeten zu erkunden. Geduldig harren sie in der Nähe eines Steinkreises aus, mit dem ihre Vorfahren (Angela und Tommy) ihre Ankunft mit einem Raumschiff markierten. Alle sind überzeugt, man dürfe sich nicht zu weit von der Siedlung um den Steinkreis herum entfernen, da man sonst von Erde nicht gefunden werden könnte. Alle sind zufrieden, obwohl die Nahrungsquellen knapp werden, die Familie durch Inzucht und eine Form von freier Liebe immer weiter wächst und der Lebensraum zusehends beengter wird.
Alle, außer John. Aus Sorge um die Zukunft seiner Familie und einer eigenen inneren Unruhe heraus beginnt er zu revoltieren. Er stellt das Leben, wie die menschlichen Bewohner von Eden es kannten, komplett auf den Kopf; so sehr, dass sich eine Gruppe Jugendlicher abspaltet und ihr Glück darin sucht, die unentdeckten Territorien des Planeten zu erkunden, um eine neue Heimat zu finden.
Getrieben von dem Wunsch nach Verbesserung ihrer Lebensumstände, werden sie mit Sturheit, Wut und Ignoranz konfrontiert. Sie müssen lernen, dass es nicht leicht ist, mit alten Traditionen zu brechen und darüber hinaus, was es bedeutet, wenn die eigene Familie zum Feind wird.
Auf ihrer Reise entdecken sie völlig neue Seiten ihrer Heimat und decken dabei das große Geheimnis um die Vergangenheit und ihre Vorfahren auf…

„Dark Eden“ ist ein Dystopie-Roman aus der Science Fiction – Ecke, wie er im Buche steht. Alles wirkt fremd und für Menschen lebensfeindlich, trotzdem aber faszinierend und wunderschön. Die Welt, die Chris Beckett beschreibt, gleicht einer giftigen Pflanze: herrlich anzuschauen, aber auf näheren Kontakt sollte man verzichten.
Die Menschen, die dort aufgrund unglücklicher Umstände leben, erscheinen wie Kinder. Fast alles Wissen, dass Angela und Tommy einst von der Erde mitbrachten, ist verloren oder vergessen. Sie wissen nicht, wie man warme Kleidung näht, der Großteil kann weder lesen noch schreiben und 163 Jahre nach der Landung ist man auch nicht mehr ganz sicher, wie Jahre überhaupt gezählt werden.
Die Familie ist durch Inzucht entstanden, daher sind alle mehr oder weniger eng miteinander verwandt. Natürlich hatte dies auch über die Generationen hinweg Auswirkungen, es werden immer mehr Kinder mit schlimmen Hasenscharten oder sogenannten Klauenfüßen (clawfeet) geboren. Es ist zwar bekannt, dass man nicht mit Brüdern, Schwestern oder der eigenen Mutter schlafen sollte, doch warum das so ist, weiß niemand, geschweige denn, dass sie den Zusammenhang zwischen Missbildungen und ihrem Sexualverhalten erkennen würden. Ich muss gestehen, dass mich diese Eigenheit anfangs sehr schockiert hat, die Familie wirkt wie eine Kommune, in der im Grunde jeder mit jedem (natürlich ungeschützt) ein Nümmerchen schieben darf. Sex gehört dort einfach zum Alltag dazu, es ist nichts Außergewöhnliches und auch nichts, dass zwei Menschen auf besondere Art und Weise miteinander verbinden würde. Er hat nur zwei Funktionen: Fortpflanzung und Entspannung. Trotzdem sind die Bewohner von Eden so menschlich, wie sie nur hätten sein können. Beckett hat die typisch humane Eigenschaft, Angst vor allem Neuen zu haben und es kategorisch abzulehnen, wunderbar herausgearbeitet.
Der Widerwille, den eigenen Planeten zu erkunden; der Hass, der der Gruppe um den Protagonisten John Redlantern entgegen schlägt, ist so tiefgreifend und facettenreich beschrieben, dass die Geschichte von diesem Standpunkt aus auch hätte auf unserem Planeten spielen können.

Insgesamt empfand ich die Charaktere als sehr fein und umfangreich konstruiert. Den Hauptteil des Buches bestreitet der Leser aus der Perspektive von John Redlantern, da er trotz vielen Nebenfiguren Protagonist ist und auch bleibt. Beckett dreht die Perspektive jedoch häufiger, indem er (teilweise parallel) andere Figuren einen Teil der Geschichte erzählen lässt. Mir hat das sehr gut gefallen, es war zum Einen eine Möglichkeit, den Protagonisten aus verschiedenen Blickwinkeln kennenzulernen und dadurch einen recht vollständigen Eindruck von ihm zu bekommen, zum Anderen gab es einen hervorragenden Einblick in die Denkweise der Menschen auf Eden.
Der Protagonist John ist ein komplizierter Charakter. Tatsächlich bin ich bis jetzt immer noch nicht sicher, ob er meiner Meinung nach wirklich ein Sympathieträger ist oder nicht. Er versucht zwar, das Leben für alle zu verbessern, ich hatte aber trotzdem oft das Gefühl, dass er auch von egoistischen Motiven getrieben wird. Die bereits erwähnte eigene Unruhe scheint in ihm oft gepaart zu sein mit dem Bedürfnis, etwas Besonderes und Großes zu leisten und dabei zusätzlich noch im Mittelpunkt zu stehen. Wird ihm die zentrale Rolle in den Ereignissen abgesprochen oder von jemand anderem übernommen, fühlt er sich unwohl und trägt sich sofort mit dem Gedanken, wie er auch das zu seinem Vorteil nutzen kann, um sich wieder in den Vordergrund zu rücken.
Des Weiteren ist John ein extrem vorausschauender junger Mann, manchmal sogar ZU vorausschauend und berechnend für sein angegebenes Alter von etwa 15 Jahren. Allerdings half hier die Unsicherheit, was die Zeitrechnung in Eden betrifft, da es genauso gut möglich wäre, dass er bereits etwa 18 Jahre alt ist. Der Leser kann sich nie ganz sicher sein, ebenso wenig wie die Menschen auf Eden. Daher stellte dies für mich kein Hindernis dar.
Dazu passend ist sein manipulatives Wesen, eine seiner dominantesten Eigenschaften. Das ganze Buch über hatte ich den Eindruck, dass ihm zwischenmenschliche Kontakte unglaublich schwer fallen, es sei denn, er will etwas durch sie erreichen. Er scheint immer recht genau zu wissen, welche Knöpfe er bei seinen Gesprächspartnern drücken muss, um sie in die eine oder andere Richtung zu lenken. Doch sobald es um Gefühle geht oder darum, einfach nur das Leben zu spüren, versagt John komplett. Er kann nie loslassen, zerdenkt alles bis ins kleinste Detail.
Außerdem ist John sehr mutig, er hat einen wachen, intelligenten Geist und betätigt sich für die dargestellten Verhältnisse relativ erfolgreich als Erfinder. Es sind gerade seine Fehler, die ihn real erscheinen lassen. John ist kein Held aus dem Bilderbuch. Chris Beckett gab ihm einen vielschichtigen Charakter mit egoistischen Zügen, und dadurch ein durch und durch menschliches und nachvollziehbares Verhalten. Es spielt keine große Rolle, ob der Leser ihn mag oder nicht; er trägt die Geschichte, die sich eigentlich um viel größere Dinge dreht als nur um diesen einen jungen Mann.
Darüber hinaus hat Beckett seinen Roman auf erfrischende Weise durch den Einsatz unterschiedlichster Perspektiven aufgebrochen, wie bereits erwähnt. Daher weiß man nie, wer die Hauptfigur des nächsten Kapitels sein wird. Es erzeugt Spannung und eine gewisse Loslösung von John, was durch seine nicht immer sympathische Art sehr angenehm war. Manche Figuren bekommen mehrere Kapitel, um aus ihrem Blickwinkel zu erzählen, manche nur eines.
Die größte Rolle neben John spielt Tina Spiketree, eine junge Frau in Johns Alter, die ihm letztendlich auch auf seine Reise durch Eden folgt. Sie ist intelligent und scharfzüngig; mit John verbindet sie eine recht komplizierte Beziehung, die auch zu keinem Happy End findet. Dies liegt jedoch nicht an ihr, sondern an John und seinem schwierigen zwischenmenschlichen Verhalten. Tina ist für den Leser der größte und verlässlichste Faktor, um zu verstehen, wie der Protagonist auf die anderen Figuren wirkt.

Ein absolutes Highlight des Buches war für mich die Schreibweise. Die Menschen in Eden neigen dazu, Adjektive mehrfach zu wiederholen, wenn sie ausdrücken möchten, wie sehr sie etwas geärgert, gefreut, erstaunt etc. hat. Anfangs fand ich das befremdlich, es erinnerte mich erneut an die Kommunikation von Kindern, aber im Laufe des Buches habe ich diese Ausdrucksweise wirklich zu schätzen gelernt. Der Autor erlaubte seinen Figuren dadurch einen ganz eigenen Charme.
Zusätzlich verwendet Beckett hin und wieder Worte, die eindeutig ursprünglich von der Erde kommen, auf Eden in den Jahren aber verfälscht und abgeändert wurden. Aus „electricity“ wurde so beispielsweise „lecky-trickity“ und „televison“ wurde zu „telly vision“. Aus linguistischer Sicht stellt das eine absolut plausible Entwicklung dar, denn schließlich sind die einzigen Personen, die sich an diese Worte hätten erinnern können, schon seit Jahrzehnten verstorben. Ich musste über dieses Detail mehrfach schmunzeln und mochte den auflockernden Effekt.

Zusammenfassend erzählt das Buch eine eher ruhige Geschichte, die ohne große Spannungsmomente auskommt. Die Zugkraft geht völlig von der Reise der Gruppe um John Redlantern aus, man wünscht ihnen einfach so sehr, dass sie einen sicheren Platz zum Leben finden und natürlich trieb mich auch die Neugier an, zu erfahren, was die große Entdeckung um die Vorfahren der Familie darstellt.
Im Mittelpunkt stehen absolut zwischenmenschliche Beziehungen in allen ihren Facetten. Chris Beckett hat in der Konstruktion seiner Charaktere sehr viel Feingefühl und Liebe zum Detail bewiesen, wodurch sie glaubhaft und echt wirken.
Dieses Buch ist etwas für all die LeserInnen, die Science Fiction eher kritisch gegenüber stehen, weil sie sich nicht mit der Vorstellung von Aliens anfreunden können. „Dark Eden“ braucht weder abgefahrene, ausgeflippte und eindeutig nicht menschliche Feinde, noch ein besonders umfangreiches, kompliziertes Gesellschaftssystem, um zu überzeugen. Durch und durch menschliche Konflikte, Ängste und Emotionen in einer faszinierenden und befremdlichen Natur reichen völlig aus, um eine fesselnde Geschichte zu erzählen.

Ich kann es guten Gewissens weiter empfehlen.

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Elwes avatar

Rezension zu "Messias-Maschine" von Chris Beckett

Rezension zu "Messias-Maschine" von Chris Beckett
Elwevor 6 Jahren

'Die Messias-Maschine ist als Buch eine Überraschung - denn die Verpackung weist tatsächlich überhaupt nicht auf das hin, was man dann auch bekommt.
Hier wird viel Philosophisches und klug Gesellschaftskritisches in das Gewand eines Unterhaltungsromans verpackt, während der Klappentext suggeriert, dass wir eine Dystopie mit den typischen Zutaten in der Hand halten: eine postapokalyptische Welt und eine die Handlung dominierende Liebesgeschichte. Und da Liebesgeschichten überwiegnd so funktionieren, dass man sich als Leser mit den Figuren identifizieren oder sie wenigstens anhimmeln kann, ist man von diesem Setting hier zuerst einmal enttäuscht:
George nämlich, der Protagonist, ist wirklich nicht der klassische Held. Im Gegenteil. Er ist ein ganz gewöhnlicher Typ wie Du und ich, vielleicht etwas nerdiger, passiver und weltfremder als die meisten, der Bewohner einer Luxus-Blase, in der nach und nach Roboter die gewöhnlichen Arbeiten übernehmen und in der man kraft Überlegenheit des analytischen Verstands herabblickt auf die rückständigen Kulturen, die sich in religiöse Verwirrungen verlieren. George ist Übersetzer im Stadtstaat Illyrien, einer hochtechnisierten Enklave von Wissenschaft und Technik, die sich nach dem weltweiten Zusammenbruch der bekannten Zivilisationen unter einem Ansturm religiösen Fundamentalismus bildete. Illyrien befindet sich irgendwo auf dem Gebiet des heutigen Griechenland, umringt von kleinen Theokratien, die auf den Stand von vor der industriellen Revolution zurückgefallen sind und sich unablässig über Religionsfragen bekriegen. Die Stadt ist nun, etliche Jahre nach ihre Gründung, bevölkert von Menschen, denen in Ermangelung existentieller Sorgen Realitätsflucht das liebste Hobby geworden ist.
George lebt zusammen mit seiner Mutter, die sich aber den Großteil ihrer Zeit im SenSpace aufhält, einem virtuellen Online-Konstrukt, in dem man mit seinem Avatar lebensechte Erfahrungen in perfekten Welten erlebt, voll-immersiv und mit allen Sinnen an die Maschine angeschlossen. Die Mutter ist schwer traumatisiert, da sie die Wissenschaftler-Verfolgungen noch am eigenen Leib erlebte.
George ist der Prototyp vom naiven, wohlstandsverwöhnten Großstädter ohne echtes Ziel im Leben, der mit einer weltfremden Naivität gegenüber dem Leben außerhalb der privilegierten Blase alles dort romantisiert. Und der vom bösen Erwachen getroffen wird, als er nach draußen tritt. Nichts ist so, wie er es sich vorstellt. Die 'echte' Welt entpuppt sich für ihn einfach nur als gräßliche und unromantische Qual.
Er leidet an Langeweile und hat noch nie ein Date gehabt. Er sucht schließlich käufliche Liebe bei einem Syntec - das sind Roboter, die Menschen täuschend ähnlich sehen und aufgrund ihrer Programmierung perfekt auf ihre jeweiligen Aufgaben abgestimmt sind - und verliebt sich in Lucy, so der Name des Syntec. Als Lucys Generation von Robotern, die mit selbstlernenden Systemen ausgestattet sind, beginnen, ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln, verabschiedet der Staat ein Gesetz zu ihrer sechsmonatigen Gedächtnislöschung. Um Lucy vor diesem Schicksal zu bewahren, flieht George mit ihr aus der Stadt - hinaus in eine Welt, die er sich viel romantischer vorgestellt hat, als sie wirklich ist. Die religiösen Menschen außerhalb Illyriens halten Roboter nämlich für Dämonen, deshalb hat er alle Hände voll zu tun, Lucys Identität geheimzuhalten (vor allem, nachdem sie - als Sexroboter - den Leuten beim Tischgespräch alle Nase lang anbietet, sich auszuziehen oder es ihnen mit der Hand zu machen ... woraus sich einige sehr bizarre Situationen ergeben).
Soweit die Ausgangssituation.
Wie schon eingangs gesagt, George ist kein Sympathieträger. Er ist im Grunde feige, wankelmütig, naiv und ein Zivilisations-Weichei. Tatsächlich vereint er eine Menge Eigenschaften auf sich, die man ohne weiteres auf sich selbst oder Freunde und Bekannte anwenden könnte. Er hält einem die eigenen Schwächen schmerzlich deutlich vor Augen, und vielleicht fand ich es deshalb so unangenehm, ihn zu lesen. Es wird einem schnell klar, dass von ihm keine Heldentaten zu erwarten sind, und dass also eine brenzliche Situation sich nur mit Glück entschärfen lässt, oder wahrscheinlich direkt in die Katastrophe führt.
Trotzdem ... trotzdem ist das Buch sehr lesenswert.
Vor allem zum Ende hin tun sich eine Menge interessanter Denkanstöße auf. Vordergründig scheint es um Religion versus Technik zu gehen, aber ich glaube, das ist gar nicht die wichtige Frage. Viel wichtiger fand ich zum Beispiel das Thema der wohlstandsverwöhnten Realitätsflucht, über das ich weiter oben schon einmal geschrieben habe. Oder eine Erkenntnis am Ende, über die Unterschiedlichkeit der Wahrnehmung, die George und seine Mutter von der Welt haben: Er, der monatelang durch die verlumpten Outskirts außerhalb Illyriens getourt ist, ist fasziniert von der Schönheit und Makellosigkeit der Menschen in Illyria. Sie dagegen, die sich im SenSpace aufgehalten wird, in dem es nur makellose Schönheit gibt, denkt, wie plump und ungelenk die Leute sich in Wahrheit doch bewegen, und wie häßlich echte Menschen sind. Und dem gegenüber steht die Wahrnehmung eines dritten, zerbrechenden (künstlichen) Wesens, das im Gegenteil die Fähigkeit der Menschen bewundert, sich immer der Umgebung anzupassen und sich aus sich selbst heraus erneuern zu können.
Das liest sich wie ein Gedankenspiel: Was wäre, wenn sich unsere Welt, unser (marketinggetriebenes) Streben nach Perfektion, die Schönheit, die jetzt schon von jeder Plakatwand herunterlächelt, noch zwanzig Jahre weiterentwickelt?
Für mich liegt in diesem Ende des Buches eine ganze Menge nachdenkenswerter Philosophie.
.
Abschließend kann ich sagen:
Ich habe das Buch nicht mit Genuss gelesen, aber ich bin froh, dass ich es getan habe, denn es gibt eine Menge Denkanstöße und berührt in gewisser Weise.
Es ist ein sehr lesenswerter Roman, der durchaus mit ein paar Überraschungen aufwartet - man darf nur nicht mit der Erwartungshaltung an leicht zu konsumierende Unterhaltung herangehen. Viele Stellen in diesem Buch sind es wert, darüber nachzudenken und hinter die offensichtliche Aussage zu schauen. Wer sich die Mühe macht, wird ein paar interessante Überlegungen entdecken.
Nicht jede Frage erhält eine Antwort - aber das ist vielleicht auch nicht möglich, einfach weil es diese Antworten nicht allgemeingültig gibt und weil sie für jeden anders ausfallen, immer abhängig von der Prämisse, unter der er die Frage stellt.

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