Little Bee

von Chris Cleave 
4,0 Sterne bei228 Bewertungen
Little Bee
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (164):
mondblumes avatar

Ein wunderschön geschriebenes Buch, das mich nicht kalt gelassen hat.

Kritisch (16):
Queenelyzas avatar

Hmm, also ich weiß auch nicht, es loben so viele. Mir hat es leider absolut nicht gefallen...

Alle 228 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Little Bee"

Manchmal wünscht sie sich, sie wäre eine englische Pfundmünze: dann würde sich nämlich jeder freuen, sie zu sehen. Little Bee ist 16 Jahre alt und stammt aus Afrika. In ihrer Heimat ist ihr Schreckliches zugestoßen, und seit zwei Jahren lebt sie in einem englischen Abschiebelager für Asylbewerber. Trotz allem ist sie ein Mensch voll Lebensfreude, Witz und Intelligenz. In England kennt sie außerhalb des Lagers nur zwei Menschen: Vor Jahren hat sie in Nigeria das Ehepaar Sarah und Andrew, die im englischen Kingston-upon-Thames ein privilegiertes Leben führen, kennengelernt. Ein furchtbares gemeinsames Erlebnis hat eine tragische Verbindung zwischen ihnen geschaffen. Als Little Bee aus dem Lager entlassen wird, ruft sie bei Sarah und Andrew an. Ein Anruf, der unvorhersehbare Folgen hat: Einige Tage später bringt sich Andrew um. Und kurz darauf steht Little Bee vor Sarahs Tür ...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423248198
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:312 Seiten
Verlag:dtv
Erscheinungsdatum:01.02.2011
Das aktuelle Hörbuch ist am 28.04.2009 bei Tantor Media Inc erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    mondblumes avatar
    mondblumevor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein wunderschön geschriebenes Buch, das mich nicht kalt gelassen hat.
    Ein wunderschön geschriebenes Buch, das mich nicht kalt gelassen hat.

    Little Bee beschreibt die Geschichte des nigerianischen Mädchens Little Bee, welches aus ihrem Land flüchtet und in England bei einem Paar unterkommen möchte, welches es nur einmal flüchtig am Strand getroffen hatte. Zuerst aber kommt Little Bee für zwei Jahre in ein Abschiebegefängnis, aus dem sie unter kuriosen Umständen entlassen wird. Sie taucht genau an dem Tag bei Sarah auf, an dem deren Mann Andrew beerdigt wird. Wie hängt die Geschichte von Little Bee und dem gut situierten, englischen Paar Sarah und Andrew zusammen? Nach und nach, jeweils aus der Sicht von Sarah und Little Bee, werden die Zusammenhänge klar. In nüchterner Sprache bei Sarah, in sehr bildlicher, beinahe schon poetischer Sprache bei Little Bee. Vergangenheit und Gegenwart sind so geschickt miteinander verwebt, dass ich nicht aufhören wollte, weiter in die Geschichte einzutauchen. Ab und an fand ich, dass Little Bee ein wenig zu klischeehaft gezeichnet war, aber als Gegensatz zum europäischen Denken passte es. Das Ende hat mich sehr bewegt.

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    ClaryBlacks avatar
    ClaryBlackvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Alles andere als bloße Unterhaltung oder leichte Lektüre, sondern ein Werk, das Menschen tief berühren und aufrütteln kann.
    Geht so schnell nicht mehr aus dem Kopf!

    Wenn man das Buch in Händen hält, sieht man ein hübsches, farbenfrohes, vielleicht etwas kindlich wirkendes Cover, das auf jeden Fall gefällt und doch wahrscheinlich zunächst falsche Vorstellungen schürt. Denn die Geschichte, die den Leser erwartet, tröpfelt keineswegs leicht vor sich hin, im Gegenteil: sie hinterlässt eindrückliche Spuren.


    Die Thematik an sich ist brisant, hochaktuell und wird wohl an Aktualität leider auch nicht verlieren.

    Es geht um das junge nigerianische Mädchen Little Bee, das vor Tod und Gewalt als letzte Überlebende ihrer Familie nach England flüchtet, um sich zu retten und um die dort lebende Sarah aufzusuchen. Die Familienmutter und die illegale Einwanderin verbindet ein einschneidendes Erlebnis in Afrika und das Mädchen erhofft sich Hilfe von der Engländerin.

    Das Wiedertreffen ist nicht einfach, das Zusammenleben, Hoffen und Bangen gestaltet sich schwierig und doch wird Little Bee irgendwie Teil der Familie, die versucht sie vor der Abschiebung zu bewahren. Denn die Rückkehr in das von Schrecken gebeutelte Land würde den sicheren Tod des Mädchens bedeuten …


    Chris Cleaves Sprache finde ich wunderschön, Little Bee ist hin und wieder sogar humorvoll geschrieben. Die Geschichte malt starke, poetische Bilder und ist in ihrer Schonungslosigkeit doch erschütternd. Die Ereignisse werden sowohl aus Sarahs als auch aus Little Bees Perspektive geschildert und man gewinnt die Figuren schnell lieb.


    Mich hat das Buch mehr als überzeugt: seine Worte, seine Bilder, seine Botschaft hallen noch lange nach, es hat mich unglaublich wütend, beschämt und vor allem sehr traurig gemacht. Von daher ist es alles andere als bloße Unterhaltung oder leichte Lektüre, sondern ein Werk, das Menschen tief berühren und aufrütteln kann.

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    SEKOs avatar
    SEKOvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine überraschende und dabei sehr poetische Lektüre, die mich sehr erschüttert und nachhaltig beeindruckt hat.
    Erschütternd und nachhaltig beeindruckend

    Dieses Buch ist nach wie vor brandaktuell und stellt unser Verhältnis zu Flüchtlingen auf den Prüfstand. Eine überraschende und dabei sehr poetische Lektüre, die mich sehr erschüttert und nachhaltig beeindruckt hat. Wer gerne englisch liest, dem lege ich die Originalfassung unter dem passenderen Titel "The Other Hand" ans Herz.

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    Kerrys avatar
    Kerryvor 3 Jahren
    Kleine Biene - großer Schmerz

    Die 16-jährige Little Bee ist ganz alleine nach England gekommen - illegal, aber sie ist zumindest schon mal in dem Land, in das sie wollte. Vor fast zwei Jahren begann ihre Flucht, ihre Flucht vor Verfolgung, ihre Flucht vor Gewalt, ihre Flucht vor ihrem eigenen Tod. Sie ist die letzte ihrer Familie, die überlebt hat. Little Bee ist nicht dumm, doch die junge Frau aus Namibia ist nun einmal illegal im Land und wurde erst einmal für Monate in einem Abschiebelager untergebracht, zumindest so lange, wie ihr Asylantrag läuft. In einer solchen "Verwahrstelle" hat man genau zwei Möglichkeiten, wenn man als Flüchtling anerkannt werden will (so heißt es zumindest) - Schönheit und Sprache. Little Bee weiß, dass Schönheit ihren Preis hat, sodass sie sich dazu entschließt, ihre Sprachkenntnisse zu vervollkommnen.


    Ein glücklicher "Zufall" will es, dass Little Bee und drei andere asylsuchende Frauen aus verschiedenen Ländern die Einrichtung verlassen dürfen. Von den Vieren hat lediglich Little Bee ein klares Ziel vor Augen: Sie will zur Sarah und Andrew, einem Ehepaar aus Kingston-upon-Thames, dass sie vor zwei Jahren an einem namibischen Strand kennengelernt hat. Sie kennt sonst niemanden in England und wenn ihr jemand helfen kann, dann sind es diese Beiden. Noch vor ihrer Freilassung meldet sie sich telefonisch an - doch als sie endlich bei ihnen ankommt, kann sie nur noch an Andrews Beerdigung teilnehmen - denn dieser hatte sich fünf Tage nach ihrem Anruf das Leben genommen.


    Sarah, die mehr mit Little Bee verbindet, als es auf den ersten Blick scheint, nimmt sich der jungen Frau an und langsam aber sicher wachsen sie zu einer Einheit, zu einer Familie zusammen. Doch immer droht Gefahr, denn wenn Little Bee als das entdeckt wird, was sie ist, nämlich eine illegale Einwandererin, droht ihr die umgehende Abschiebung nach Namibia, wo nur der Tod auf sie wartet. Dann jedoch überschlagen sich die Ereignisse ...



    Kleine Biene - großer Schmerz! Der Plot wurde abwechslungsreich erarbeitet. Erzählt wird die Geschichte sowohl aus der Sicht Little Bees, wie auch aus der von Sarah und immer wieder "erinnern" sich beide daran, wie ihre Bekanntschaft vor zwei Jahren anfing und nähern sich mit diesen Rückblenden der Gegenwart an. Die Figuren an sich wurden authentisch erarbeitet, jedoch konnte ich zu diesen keine wirkliche Beziehung aufbauen, irgendwie fehlte mir hier vollkommen die Verbindung zu jeder einzelnen Figur. Mein absolutes Highlight an diesem Buch ist der sprachliche Aufbau, denn dieser zog mich in einen Bann, ich war förmlich vom Schreibstil wie hypnotisiert. Leider konnte der Schreibstil, so wundervoll ich ihn fand, mich nicht der Geschichte an sich näher bringen und auch nicht den Figuren.

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    sandra_plaars avatar
    sandra_plaarvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wuchtiges, eindringliches Werk, das mit seiner beklemmenden Aktualität zum Nachdenken anregt.
    Ein wuchtiges, eindringliches Werk, das zum Nachdenken anregt

    Das Cover lässt nichts über die zugleich wuchtige wie tragische Thematik des Buches erahnen. Im Roman von Chris Cleave prallen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite wird die Geschichte von Little Bee, einer aus Nigeria stammenden 16-Jährigen, geschildert, die aus ihrem Land flüchtet, um sich auf den Weg zu einem Ehepaar zu machen, mit dem sie lediglich durch ein tragisches Ereignis verbunden ist. Nach zweijähriger Haft in einem Abschiebelager wird sie, einem Zufall verdankend, entlassen und setzt ihre Reise fort. Sie taucht just in dem Moment bei dieser Familie auf, als der Ehemann beerdigt wird.

    Auf der anderen Seite steht Sarah, eine erfolgreiche Journalistin, stellvertretend für die nach Erfolg und Macht Strebenden der industriellen Gesellschaft. Mit dem Auftauchen von Little Bee reissen alte, verdrängt geglaubte Wunden auf. Gleichzeitig werden in Sarah die in Vergessenheit geratenen Ideale von einst, etwas auf dieser Welt bewegen zu wollen, wach. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich trotz aller widriger Umstände eine tiefe durch Menschlichkeit geprägte Freundschaft. Doch wird es Sarah gelingen, Little Bee vor der Abschiebung zu bewahren?

    „Little Bee“ ist von beklemmender Aktualität, gerade in dieser Zeit, in der wir durch die täglichen Bilder ertrinkender Flüchtlingsopfer in den Medien daran erinnert werden.

    „Vielleicht ist die ganze Welt ein Entwicklungsland.“, stellt Sarah resigniert fest und drückt damit messerscharf aus, dass  Europa in Sachen Flüchtlingsproblematik durchaus Entwicklungsbedarf hat und sich den grundlegenden Problemen humanitärer Hilfe stellen müsste.

    Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt. Es hat mich zu Tränen gerührt, nachdenklich gestimmt und auch wütend, ohnmächtig gemacht. Selbst, wenn die Figuren und Handlungsorte des Romans fiktiv sind, können wir uns der Tatsache nicht entziehen, dass das Geschilderte bittere, alltägliche Realität ist. Und gerade durch dieses stille Wissen löst dieses Buch eine tiefe Betroffenheit aus.
    Ich kann das Buch nur empfehlen. Allerdings darf man nicht allzu zart besaitet sein.

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    BethDoloress avatar
    BethDoloresvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Dieses Buch trifft einen mit voller Wucht - von der ersten bis zur letzten Seite!
    Dieses Buch trifft einen mit voller Wucht - von der ersten bis zur letzten Seite!

    "Little Bee" trifft einen mit voller Wucht - von der ersten bis zur letzten Seite. Chris Cleave malt Bilder mit seiner Sprache. Bilder, die sich einem einprägen, Bilder, die schockieren, Bilder, die aufwühlen. Grausam und witzig zugleich hält er der reichen, zivilisierten Welt schonungslos den Spiegel vor. Die Geschichte der 16jährigen Little Bee, die aus Nigeria flüchten musste um ihr Leben zu retten, ist fiktiv, doch nie so aktuell wie heute.

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    MagicMoments avatar
    MagicMomentvor 4 Jahren
    Nichts für Zartbesaitete

    In "Little Bee" geht es um ein 16 jähriges Mädchen, das sich selbst "Little Bee" nennt und von Nigeria nach England geflohen ist. In England lebt sie zunächst 2 Jahre in einem Abschiebegefängnis, bis sie mehr oder weniger versehentlich entlassen wird. Little Bee macht sich auf den Weg zu Sarah und Andrew, die sie vor 2 Jahren am Strand von Nigeria kennengelernt hat. Woher die Drei sich kennen, bleibt dem Leser zunächst vorenthalten. Er kann nur erahnen, dass sie alle durch einen schlimmen Vorfall miteinander verbunden sein müssen.

    Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Sarah und Little Bee erzählt. Der Schreibstil des Autors hat mich sehr beeindruckt. Die Geschichte ist flüssig geschrieben, leicht zu lesen und obwohl keine Zitate oder ähnliches verwendet werden, hatte ich bei vielen Sätzen das Gefühl, mir diese aufschreiben zu wollen, weil sie so viel Wahrheit und Weisheit enthalten. Außerdem schafft es Chris Cleave immer wieder ein pefektes Timing anzuwenden. Genau an dem Zeitpunkt als ich dachte, so langsam möchte ich aber mal wissen, was denn da nun wirklich am Strand passiert ist, wird das Geheimnis offenbart. Und auch in dem Moment, als ich mich gefragt habe, warum Little Bee sich eigentlich so einen seltsamen Namen gegeben hat, wird dies erklärt.
    Der Autor besitzt einfach ein extremes Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen, so dass man sehr gut mit den Protagonisten mitfühlen kann. Dennoch ist "Little Bee" keine gefühlsduselige Geschichte. Die Wahrheit wird dem Leser regelrecht an den Kopf geknallt. Es wird nichts schön geredet und nichts vorenthalten. Wer eher zart besaitet ist, sollte sich gut überlegen, ob er diesen Roman wirklich lesen möchte.
    Ich gebe dennoch "nur" 4 Sterne, obwohl ich gerne 5 gegeben hätte. Aber 5 Sterne bedeutet für mich perfekt, nicht zu toppen. Und das ist leider dann doch nicht ganz der Fall.
    Ich kann nicht genau festmachen, was mich stört. Vielleicht das Ende, weil ich absolut nicht nachvollziehen kann, wieso man sich (und das eigene Kind) wissentlich in so starke Gefahr begibt. Vielleicht auch, weil die Story nach der Enthüllung des Strandgeheimnisses deutlich an Spannung verliert. Vielleicht aber auch, weil mir diese Batman-Sache irgendwann zu viel wurde.

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    Salzstaengels avatar
    Salzstaengelvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch das man lesen sollte!
    Little Bee - ein Buch, dass man so schnell nicht wieder vergisst!

    WE DON'T WANT TO TELL YOU TOO MUCH ABOUT THIS BOOK. It is a truly special story and we don't want to spoil it. Nevertheless, you need to know something, so we will just say this: It is extremely funny, but the African beach scene is horrific. The story starts there, but the book doesn't. And it's what happens afterward that is most important. Once you have read it, you'll want to tell everyone about it. When you do, please don't tell them what happens either. The magic is in how it unfolds. Diese Worte stehen auf dem Klappentext meiner englischen Ausgabe "The other hand". Auch die deutsche Ausgabe hält sich bedeckt, was den Inhalt angeht. Und auch wenn ich sonst immer auf den Klappentext verzichte, denke ich diesmal, dass es vollkommen ausreicht meine Rezension auf diesem zu beruhen und ein paar Zitate aus dem Buch einzubinden. Aber eins könnt ihr mir glauben: Die Geschichte ist so emotional, dass mir bereits nach den ersten Seiten Tränen übers Geschicht gelaufen sind. So eindringlich, dass ich eine Gänsehaut bekommen habe! Dabei ist die Geschichte so gefühlsbetont geschrieben, dass man kaum glauben kann, wie hart die Worte in Wirklichkeit sind. An den braunen Beinen des Mädchens waren viele kleine weiße Narben zu sehen. Ich überlegte, ob diese Narben wohl ihren ganzen Körper bedeckten, so wie die Sterne und Monde ihr Kleid. Das stellte ich mir hübsch vor, und ich bitte euch hier und jetzt um eure Zustimmung, dass eine Narbe niemals hässlich ist. Das wollen uns nur die Narbenmacher einreden. Aber ihr und ich, wir müssen uns zusammentun und ihnen trotzen. Wir müssen alle Narben als schön ansehen. Okay? Das ist unser Geheimnis. Denn glaubt mir, wer stirbt, bekommt keine Narben. Eine Narbe bedeutet: "Ich habe überlebt." S. 17 Ich schaltete das Handy auf lautlos - und mich selbst ebenfalls. Die Lautlosigkeit hielt die ganze Woche an. Sie polterte im Taxi auf der Fahrt nach Hause. Sie heulte, als ich Charlie aus dem Kindergarten abholte. Sie knisterte in der Leitung, als ich mit meinen Eltern telefonierte. Sie dröhnte mir in den Ohren, als sich der Bestatter über die jeweiligen Vorteile von Eiche und Kiefer ausließ. Sie räusperte sich entschuldigend, als der für Nachrufe zuständige Redakteur der Times anrief, um einige letzte Details zu klären. Und nun war mir die Lautlosigkeit in die kalte, widerhallende Kirche gefolgt. S. 54 Doch den Film im eigenen Gedächtnis kann man nicht so einfach hinter sich lassen. Wohin man auch geht, er wird überall gespielt. Wenn ich sage, ich bin ein Flüchtling, heißt das auch, dass es keine Zuflucht gibt. S. 62 "Ich kann nicht darüber sprechen. Es ist in einem anderen Leben passiert." "Vielleicht zu lange feines Englisch gelernt, Käferlein, redest verrückt. Hast nur ein Leben, Süße. Egal, ob du Teil davon nicht magst, gehört immer noch zu dir." S. 88 Ich wollte ihr nicht erzählen, was passiert war, doch nun musste ich es. Ich konnte nicht aufhören zu reden, denn nun, da ich meine Geschichte begonnen hatte, wollte sie zu Ende erzählt werden. Wir können nicht entscheiden, wo wir anfangen und aufhören. Unsere Geschichten erzählen uns. S. 160 Wenn ihr an meinen Kontinent denkt, denkt ihr vielleicht an das Leben in der Wildnis - an Löwen und Hyänen und Affen. Wenn ich daran denke, denke ich an all die kaputten Maschinen, an die verschlissenen, zerstörten, zerschmetterten und geborstenen Dinge. Ja, bei uns gibt es Löwen. Sie schlafen auf den Dächern rostiger Container. Es gibt auch Hyänen. Sie zerbrechen die Schädel von Männern, die zu langsam waren, um vor ihren eigenen Truppen davonzulaufen. Und die Affen? Die Affen spielen draußen am Rand des Dorfes auf einem Berg alter Computer, die ihr geschickt habt, um unsere Schule zu unterstützen - die Schule, die keine Elektrizität hat. Aus meinem Land habt ihr die Zukunft mitgenommen, und in mein Land habt ihr Gegenstände aus eurer Vergangenheit geschickt. Wir haben nicht den Samen, nur die Kapsel. Wir haben nicht den Geist, nur den Schädel. S. 219 In der einzigen Bibel unseres Dorfes fehlten alle Seiten nach dem 46. Vers des 27. Kapitels des Matthäus-Evangeliums, so dass die Religion für uns mit den Worten endete: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? So lebten wir, glücklich und ohne Hoffnung. Ich war damals noch sehr klein und vermisste die Zukunft nicht, weil ich nicht wusste, dass mir eine zustand. S. 220

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    lovelylieschens avatar
    lovelylieschenvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Packend und erschütternd! Brutal und mitreißend.
    Erschütternd, skrupellos und einnehmend!

    Beim Lesen des Buchrückens hatte ich etwas ganz anderes erwartet. Die Geschichte einer jungen Farbigen, die von ihren Erfahrungen als Immigrantin in GB berichtet. Doch letztendlich hat mich diese Geschichte - und ja, es ist wirklich nur ein Roman - zutiefst ergriffen. 

    Little Bee, so nennt sich das 16-jährige farbige Mädchen, seit sie ihre Heimat verlassen hatte, hat einiges durchgestanden. Ich will nicht zu viel vorweg nehmen. Aber all' die Erlebnisse, die hinter ihr liegen, hätte unsereins vermutlich psychisch nie überstanden. Nachdem sie ihre Heimat verlassen und 2 Jahre Abschiebelager überstanden hat, macht sich die junge Frau auf die Suche nach alten Bekannten, die sie flüchtig in ihrer Heimat kennengelernt hatte. Gemeinsam mit drei Leidensgenossin begibt sie sich auf die Reise. Nach einigen Zwischenfällen erreicht sie ihr Ziel und steht ausgerechnet am Tag der Beerdigung ihres Bekannten vor der Tür und reißt damit alte Wunden bei der Ehefrau Sarah auf. Es kommen Erinnerungen an ein Erlebnis hoch, die großen Einfluss auf das Leben beider nehmen werden. Und Sarah erkennt, worauf es wirklich im Leben ankommt und das manchmal der größte Reichtum und Einfluss nicht ausreicht, um ein Menschenleben zu retten.

    Keine Spur von Sensibilität. Knallhart beschreibt Cleave die Geschichte der Nigerianerin. Höllenqualen, die sie durchleidet. In vielen Momenten war ich einfach nur geschockt und wollte gar nicht wissen, wie viele Menschen tatsächlich diese Dinge erlebt haben. Gerade weil ich anderes erwartet habe, hat mich dieses Buch wohl so gepackt und mitgerissen. Mitgenommen in eine mir unbekannte und schwer vorstellbare Welt.

    Sehr zu empfehlen, jedoch nichts für schwache Nerven.

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    uli123s avatar
    uli123vor 4 Jahren
    Zwei Welten

    Das britische Journalistenehepaar Sarah und Andrew verbringt im Sommer 2005 einen Kurzurlaub am Strand von Nigeria in Unkenntnis, dass dort ein Ölkrieg tobt. Sie treffen auf die 14jährige Little Bee und ihre ältere Schwester, beide auf der Flucht vor Soldaten der Nigerianischen Regierung, die die Mädchen als unliebsame Zeugen eines Massakers in ihrem Dorf, in dem ein Ölfeld entstehen soll, töten wollen. Sarah schneidet sich aufopfernd ihren Mittelfinger ab, um Little Bees Leben zu retten. Deren Schwester wird brutal vergewaltigt und ermordet. Sarah und Andrew kehren nach England zurück im vermeintlichen Glauben, auch Little Bee sei tot. Tatsächlich gelingt dieser auf einem Schiff die Flucht nach England, wo sie zwei Jahre in einer Abschiebehaftanstalt zubringt. Durch einen Irrtum gelangt sie ohne Papiere in Freiheit und wendet sich an Andrew, dessen Papiere sie am Stand aufgesammelt hat. Andrew jedoch ist über das traumatische Erlebnis depressiv geworden. Durch das Auftauchen der tot geglaubten Little Bee meint er zu halluzinieren und nimmt sich das Leben. Sarah nimmt Little Bee auf und setzt alles daran, damit diese nicht abgeschoben wird. Gibt es für Little Bee ein Happy End?

     

    Dieser Roman spricht ernste Themen an, die an Aktualität nicht verloren haben: Massaker in Afrika, die durch die Gier nach Öl und Geld herbeigeführt werden; Korruption; Europas Umgang mit illegal eingereisten Flüchtlingen; fragwürdige Abschiebepraktiken. Umso schöner ist es, dass das Ende versöhnlich ist, obwohl Sarah letztlich mit ihrem Plan scheitert. Vor ihrer abschließenden Verhaftung sieht Little Bee Sarahs kleinen weißen Sohn gemeinsam mit afrikanischen Kindern spielen. Das lässt vielleicht den Schluss zu, dass sich unterschiedliche Welten in den kommenden Generationen näher kommen werden.

     

    Die Geschichte wird abwechselnd von Kapitel zu Kapitel aus den Perspektiven von Little Bee und Sarah erzählt. So wird gut herausgearbeitet, welche großen kulturellen Unterschiede zwischen den Frauen bestehen. Insbesondere Little Bee überlegt in Gedanken immer wieder, wie sie ihren Freundinnen in ihrem nigerianischen Dorf die Erlebnisse erzählen müsste, damit sie sie auch verstehen können.

     

    Gut gelangen ist, sie Spannung aufgebaut wird. Erst zu Beginn des zweiten Drittels erfahren wir, welch grauenhaftes Geschehen sich am Stand von Nigeria zugetragen hat und auf welche Weise die Romanfiguren miteinander verflochten sind. Ebenfalls recht spät wird Little Bees tatsächlicher Name bekannt gemacht.

     

    Ein beeindruckender Roman.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    L
    Hallo, ich überlege, ob ich mir das Buch Little Bee kaufe. Cover und Inhaltsangabe sprechen mich an. Habt Ihr das Buch schon gelesen? Könnt Ihr es empfehlen? Vielen Dank
    Zum Thema

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