Chris Inken Soppa

 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen

Alle Bücher von Chris Inken Soppa

Chris Inken SoppaKalypsos Liebe zum kalten Seerhein
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Kalypsos Liebe zum kalten Seerhein
Kalypsos Liebe zum kalten Seerhein
 (2)
Erschienen am 10.05.2015
Chris Inken SoppaKaspar und die verschwundene Riechkugel
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Kaspar und die verschwundene Riechkugel
Kaspar und die verschwundene Riechkugel
 (1)
Erschienen am 03.08.2015
Chris Inken SoppaUnter Wasser
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Unter Wasser
Unter Wasser
 (1)
Erschienen am 27.04.2010
Chris Inken SoppaRing der Narren
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Ring der Narren
Ring der Narren
 (0)
Erschienen am 01.07.2012

Neue Rezensionen zu Chris Inken Soppa

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Nikolaus_Klammers avatar

Rezension zu "Unter Wasser" von Chris Inken Soppa

Ein Haufen unsymphatischer Menschen
Nikolaus_Klammervor einem Jahr

Dieser von einem Berliner Literaturverlag in der edition karo herausgegebene Roman der Konstanzer Journalistin und Autorin Chris Inken Soppa wurde mir von dem Schriftsteller und Lebenskünstler Hans-Dieter Heun empfohlen. Er erzählte mir, er habe das Buch atemlos und angeregt in einem Zug durchgelesen. Mein Freund Heun ist zwar ein Vielschreiber, aber alles andere als ein Vielleser. Wenn er mir also begeistert ein Buch geradezu aufzwingt, dann hat seine Meinung Gewicht. Die Autorin selbst war von meiner Kritik, die ich sie vor der geplanten Veröffentlichung lesen ließ, alles andere als begeistert. Ich war deshalb lange mit mir uneinig, ob ich sie hier veröffentlichen sollte, habe mich jedoch endlich doch dazu entschieden, weil ich meine, dass eine Schriftstellerin auch mit etwas kritischeren Stellungnahmen umgehen können sollte. Zudem ist eine ehrliche Kritik m. E. eher dazu geeignet, den einen oder anderen zum Lesen des Buches zu animieren, als eine offensichtliche und überzogene Lobpreisung.

*

Der Ich-Erzähler Thomas berichtet in „Unter Wasser“ vordergründig die Geschichte seiner Begegnung mit der religiösen Nora; es ist eine vorsichtig tastende Beziehung, die durch die eigenen menschlichen Unzulänglichkeiten und Traumata und nicht zuletzt auch wegen beider familiärer Umfelder zum Scheitern verurteilt scheint. Unter der Oberfläche dieser Liebesgeschichte nutzt Thomas den Text für eine Abrechnung mit seiner Vergangenheit, in der in seiner Jugend eine gut verdrängte Tat verborgen liegt, die ihn immer wieder ans Wasser des Bodensees und zur Selbstaufgabe, im Höhepunkt des Romans zu einer missglückten Selbsttötung treibt. Dabei hält Thomas immer viel Abstand zum Leser. Er beobachtete den meist antriebslosen, manchmal hinterhältigen und in vielerlei Hinsicht gebrochenen „Helden“ voller innerer Narben, der weniger handelt, als vielmehr gehandelt wird, mit Unverständnis und Kopfschütteln. Da konnten auch die anderen Figuren wenig retten. Bis auf ein im letzten Drittel des Buches recht unmotiviert auftauchendes Obdachlosenpaar und eine Tante als deus ex machina sind sie alle recht unsympatisch gezeichnet und wirken wie aus einer Familienaufstellung herausgelöste Stereotype, denen es kaum gelingt, eigene Konturen zu entwickeln. Das ist sicherlich auch ein wenig ironisch und karikierend gemeint, der Leser jedoch möchte gerade den personalen Erzähler gerne adoptieren und sich mit ihm vergleichen. Dieser Weg wird ihm von der Autorin konsequent und bewusst verbaut.

Während des Lesens stellte sich immer wieder die Frage, an wen Thomas sich mit seiner stellenweise masochistischen Selbstdarstellung eigentlich richtet, wem er das alles offenlegt; schließlich gibt er sogar eine Tat zu, für die er nicht belangt wurde. Diese Frage blieb bis zum Schluss unbeantwortet. Auch wann er schreibt, während der Geschehnisse oder erst danach, ist nicht schlüssig, der Abstand zum Erzählten ist in den Kapiteln unterschiedlich groß. Dennoch las sich alles in der Tat flüssig und interessant und ich war neugierig, wohin mich Thomas, bzw. die Autorin, führen würden und Soppa gelingt es auch, den Roman abgerundet zu einem befriedigenden Ende zu bringen, das den Konflikt in einer klassischen Katharsis auflöst.

Obwohl „Unter Wasser“ also in seinen besten Kapiteln an ein Werk von Martin Walser aus den späten 70ern erinnert und in seinen schlechtesten an einen Konstanzer Tatort, also eine Leseempfehlung verdient, muss der Kritiker doch anmerken, dass er selten einen schlechter lektorierten Roman als diesen in den Händen hielt, wenn er denn überhaupt ein Lektorat erfahren hat. Es finden sich recht häufig Druckfehler, im deutschen völlig ungebräuchliche Fremdwörter („ruminative“ Vorwürfe, S. 87) und schräge bis unsinnige Sätze, die kein Verlag so hätte stehen lassen dürfen. („..der schmalen, aber teuer wirkenden Uhr an ihrem Zeigefinger.“, S.30 - „...wo sich verstecken, ohne unentdeckt zu bleiben?“, S. 123 - „Ihre ungleichen Augenfarben fixierten mich im Zentrum zweier zornig schwarzer Pupillen.“, S. 171. Die Auszeichnungen stammen von mir.)

Um es deutlich zu sagen: Dies ist nicht der Autorin, sondern allein dem Verlag zuzuschreiben, der äußerst schlampig gearbeitet hat und den kleinen Roman-Diamanten eintrübt. Es steht zu hoffen, dass eine 2. Auflage, die das Buch verdient hat, solche Fehler ausmerzt.

Dann wird es ein Vergnügen und ein Gewinn sein, ihn zu lesen.


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Ulrike_Blatters avatar

Rezension zu "Kaspar und die verschwundene Riechkugel" von Chris Inken Soppa

nicht nur für die Kleinen ...
Ulrike_Blattervor 3 Jahren

Rund um den 13-jährigen Kaspar entwickelt sich ein Mittelalter-Krimi, nachdem der Junge bei einem Zaubertrick ein kostbares Schmuckstück so gründlich verschwinden lässt, dass es unauffindbar bleibt. Die nun einsetzende Jagd auf den Übeltäter führt ihn quer durch die Stadt und er begegnet vom Gesetzlosen über den Bänkelsänger bis zu gekrönten Häuptern den unterschiedlichsten Figuren. Das glückliche Ende ist vorgezeichnet – es handelt sich ja um ein kinderbuch – allerdings sind einige happige Szenen darunter, z.B. als der Kaspar auf seiner Flucht auf dem Galgenbuck landet … Lebendige Charaktere, glaubwürdige Dialoge und eine hervorragend recherchierte Geschichte – dies alles macht ein tolles Kinderbuch aus. Was dieses Werk aber zu einer kleinen Kostbarkeit macht, sind die außergewöhnlichen Illustrationen von Ralf Staiger, die den Text lebendig machen und die Szenen fast schon filmreif. Geschichte zum Anfassen im besten Wortsinn und ich stehe mitten im modernen Konstanz, schließe meine Augen und auf einmal entsteht um mich herum eine ganz andere, versunkene Welt. Magisch! Ich habe das Buch weiterverschenkt aber mir selber noch ein zweites Exemplar zugelegt, das ich nicht mehr hergeben werde!

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Ulrike_Blatters avatar

Rezension zu "Kalypsos Liebe zum kalten Seerhein" von Chris Inken Soppa

Halb zog sie ihn, halb sank er hin ...
Ulrike_Blattervor 3 Jahren

In der antiken Mythologie ist Kalypso eine Meernymphe, die Odysseus sieben Jahre lang festhält und ihm ewige Jugend verspricht, wenn er bei ihr bleibt.
In Chris Inkens Roman befinden wir uns nicht an der Ägäis, sondern am winterlichen Bodensee und die alternde Niks übernimmt die Rolle der Kalypso. Eigentlich heißt sie Nikola, aber nicht umsonst klingt ihr Rufname wie ‚Nix‘ ... Oft genug drohte in ihrem Leben das ‚Nichts‘ und sie bewegt sich zu allen Jahreszeiten im Wasser des Seerheins wie eine Nixe. Und nasskalt, oder sollte man sagen ‚nassforsch‘ nähert sie sich einem jungen ‚Trojaner‘. Nein, es ist nicht Odysseus, sondern Hektor, und nein, er ist auch kein besonderer Held, sondern eher ein Muttersöhnchen, mit trotzig verstrubbeltem Goldhaar, das mit dem kalkulierten Aufstand droht. Natürlich verfällt er der Nixe – oder etwa dem Nichts? „Halb zog sie ihn, halb sank er hin“ ... gerade so erotisch, dass es schön ist, und so komisch, dass es nicht weh tut (zumindest lässt es sich aushalten). Jedenfalls geht die Sache nicht ohne heftigen Schnupfen ab und man(n) kann das, was passiert, für eine Fieberphantasie halten: „Fever all through the night“ oder für eine mehr oder minder gelungene Verleugnung der eigenen Sterblichkeit. Fest steht jedenfalls: Die Nixe Niks hat nicht verlernt, was sie schon immer am intensivsten ans Leben gebunden hat, wofür sie Freundschaften riskierte und Herzen brach. Und ebenso traumwandlerisch streift sie das Kleid des Alters ab ‚wie einen alten Fetzen‘ und schwimmt, trotz verdicktem Herzmuskels in den kalten Fluten – bricht ihr Herz oder bricht es nicht? Sie streift durch das winterliche Konstanz und beobachtet das bieder-bunte Völkchen der Möchtegern-mediterran-mittelalterlichen Stadt am Bodensee (Köstlich: die Ökos mit Stockbrot!). Nimmt Anteil, teilt sich aber nicht – bleibt ganz und gar sie selbst und auch die Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit stört uns da nicht weiter, den es wird weitergehen, immer weiter ... Nixen und Nymphen sind unsterblich, mögen auch die Helden ihrer Wege ziehen.
In der antiken Mythologie wissen wir wie die Geschichte ausgeht: Odysseus verzichtet auf ewige Jugend und macht sich auf zu seinem angetrauten Eheweib. Aber es dauert lange, bis er wieder im Hafen der Ehe landet. Eins steht jedenfalls fest: Wehe Hektors Ehe, falls er auf die Idee käme Niks zur Trauzeugin zu erwählen!

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