Chris Ker

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Giftiger Prinz

Giftiger Prinz

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Erschienen am 03.12.2015
Giftiger Prinz: Kriminalroman

Giftiger Prinz: Kriminalroman

 (1)
Erschienen am 02.06.2014

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Rezension zu "Giftiger Prinz: Kriminalroman" von Chris Ker

Gerichtskrimi mit authentischen und erschreckenden Einblicken...
pardenvor 2 Jahren

GERICHTSKRIMI MIT AUTHENTISCHEN UND ERSCHRECKENDEN EINBLICKEN...

Anna Bäcker praktiziert als Strafverteidigerin in Essen sowie im umliegenden Ruhrgebiet. Gemeinsam mit einem befreundeten Anwalt führt sie eine eigene Praxis und kann sich über mangelnde Aufträge nicht beklagen. Sonja Heitkamp wendet sich jedoch zunächst nicht in einer Strafsache an die Anwältin, sondern weil sie sich von ihr beraten lassen möchte, da sie sich, obschon schwanger, mit dem Gedanken trägt, sich von ihrem Mann zu trennen. Anna Bäcker verweist sie an ihren Kollegen, der sich auf Familienrecht spezialisiert hat, doch bereits einige Wochen später steht Sonja Heitkamp erneut auf der Matte. Diesmal in Begleitung ihres gutsituireten Ehemannes.

Das Ehepaar Heitkamp möchte die Anwältin Anna Bäcker damit beauftragen, einen Taxifahrer zu verklagen. Dieser habe vollkommen überreagiert, als die schwangere Ehefrau sich in seinem Taxi eine Zigarette angezündet und auch auf ausdrücklichen Wunsch des Fahrers nicht wieder ausgemacht habe. Eine Vollbremsung, eine wüste Beschimpfung und ein Rauswurf mitten in der Nacht an einer unbelebten Stelle seien die Folge gewesen, und durch die Aufregung sei es bei Sonja zu Blutungen gekommen. Eine drohende Fehlgeburt sei mit einem anschließenden Krankenhausaufenthalt gerade noch zu verhindern gewesen. Wie von ihren Mandanten gewünscht, verklagt Anna Bäcker schließlich den Taxifahrer.

Doch nur wenige Wochen später beauftragt die Schwester von Sonja Heitkamp die Anwältin mit einem neuen Fall, der Anna Bäcker zunächst schockiert. Die hochschwangere Sonja wurde in ihrem eigenen Haus überfallen und wies in der Folge schwere Kopfverletzungen auf, die ihr brutal mit einigen Hammerschlägen zugefügt wurden. Der psychisch labile Taxifahrer und offensichtliche Täter, gegen den seinerzeit die Strafanzeige gestellt wurde, lag beim Eintreffen der Polizei tot neben der Schwerverletzten - durch einige Schüsse niedergestreckt vom heimgekehrten Ehemann Sonjas. Notwehr? Rache? Selbstjustiz? Dies gilt es im anschließenden Stafprozess vor dem Landgericht Essen zu klären...


"Du musst dir keine Vorwürfe machen. Mit so einer Reaktion von Kulisch konnte nun wirklich niemand rechnen." - (...) "Danke. Ich fühle mich bei der ganzen Sache irgendwie mitschuldig. Ich frage mich heute, ob ich die Heitkamps von einer Strafanzeige hätte abhalten sollen. Auf der anderen Seite kann ich ja nicht jedes Mal aus Angst vor völlig überzogenen Reaktionen zukünftig keine Strafanzeigen mehr erstatten."


Hinter dem Pseudonym Chris Ker steckt eine Rechtsanwältin aus dem Ruhrgebiet, die wie der Hauptcharakter des Buches als Strafverteidigerin arbeitet. Entsprechend authentisch sind die in diesem Krimi geschilderten Szenen vor Gericht, die das Handwerk des Stafverteidigers vor deutschen Gerichten mit seinen Abläufen, seinen Problemen und auch Enttäuschungen gelungen wiedergeben. Der Charakter der Anna Bäcker ist dabei gut gewählt und in seiner Mischung aus Unnachgiebigkeit vor Gericht und ganz normaler Frau im Alltag glaubhaft gestrickt. Die eingewobene kleine Liebesgeschichte hätte es dabei für mich persönlich nicht geben müssen, nahm andererseits aber auch keinen überdimensionierten Raum ein.

Neben dem spannenden Fall an sich, in dem es immer wieder zu überraschenden Wendungen kommt, waren es die geschilderten Gerichtsszenen, die mich hier faszinierten. Und teilweise auch erschreckten. Die Abläufe vor deutschen Gerichten im Vergleich beispielsweise zur amerikanischen Justiz sind doch um einiges anders. Und deutlich wird auch, dass nicht alles wirklich gerecht ist, was sich Dementsprechendes auf die Fahne schreibt. So gibt es z.B. zwar Gerichtsprotokolle, doch sind diese erstaunlicherweise viel oberflächlicher als erwartet. Dort steht dann beispielsweise, dass ein Zeuge sich zum einem Sachverhalt ausgelassen hat, jedoch nicht inwiefern. Und so bleibt letztlich nur das Vertrauen in den Richter, dass der sich alles wortgetreu merken kann und im übrigen tatsächlich so objektiv und voreingenommen und frei von Sympathie und Antipathie ist wie er sollte - sagt der Richter am Ende nämlich, der Zeuge habe x gesagt, obwohl er y verkündet hat, so gilt x, ohne wirkliche Gelegenheit für die anderen an der Verhandlung Beteiligten, hier noch einmal korrigierend einzugreifen. Für mich erschüttert dies das Bild der deutschen Gerichtsbarkeit noch einmal ganz erheblich.

Insgesamt jedenfalls ein unterhaltsamer und spannender Gerichtskrimi, der authentische (und erschreckende) Einblicke hinter die Kulissen gewährt. Gerne mehr davon!


© Parden

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