Chris Power

 4 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Mothers.

Lebenslauf von Chris Power

Über Männer und Frauen aus dem Leben: Chris Power stammt aus London, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. Seit 2007 veröffentlicht er im Guardian seine Kolumne „Brief Survey of the Short Story“. Seine Geschichten werden in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht, unter anderem beispielsweise in The Dublin Review und in Granta. Als Journalist schrieb er bereits unter anderem für die New York Times und den BBC.

2019 erscheint sein erstes Buch, „Mothers“ (engl. 2018), auch in Deutschland. Eine Sammlung von mehreren Kurzgeschichten über Männer und Frauen mit großer Publikumsnähe. Mit wenigen Mitteln erzählt Power erstaunlich tiefgehend von gescheiterten Beziehungen und menschlicher Nähe.

Alle Bücher von Chris Power

Cover des Buches Mothers (ISBN:9783550050558)

Mothers

 (3)
Erschienen am 26.07.2019

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Rezension zu "Mothers" von Chris Power

Chris Power: Mothers
RenaMvor einem Monat

„Gewichtig wunderschöne Erzählungen“ so urteilt laut Klappentext die Daily Mail über dieses Buch. Gewichtig sind die Erzählungen von Chris Power in jedem Fall. Es sind keine leichten, seichten Texte, die man mal so eben zur Entspannung liest.  

Chris Power hat bisher in Zeitungen und Magazinen veröffentlicht und stellt in diesem Debüt zehn Erzählungen von ganz unterschiedlicher Art vor. Er nimmt einen mit zu den verschiedensten Schauplätzen – Schweden, London, die englischen Hügellandschaften, Mexico. Und immer sind seine Beschreibungen so plastisch, dass man die Straßen, Wege und Wälder förmlich vor sich sieht, die scharfen Blätter der Pflanzen spürt, den Alkoholdunst der Kneipen riecht.

Es geschieht nicht viel in den Geschichten, es geht ihm mehr um die inneren „Geschehnisse“, um Einblicke in den Menschen. Sehr intensiv setzt er sich in drei der Erzählungen, die sich alle um die gleiche Person ranken, mit der Psychologie einer Frau auseinander, die als einzigen Bezugspunkt zu ihrer Mutter einen alten Reiseführer hat. Überhaupt drehen sich all die in diesem Buch gesammelten Erzählungen um nicht zustande gekommene Beziehungen, um Menschen, die beziehungsunfähig zu sein scheinen. So begleiten wir in einem Text einen Mann durch eine Nacht, die er auf verschiedenen privaten Partys und in diversen Kneipen verbringt, ohne dass es ihm gelingt, sich der von ihm begehrten Frau wirklich zu nähern.

Was mich an diesem Buch besonders fasziniert hat, sind aber vor allem die bereits erwähnten ausdrucksstarken Beschreibungen der Handlungsorte und der Aktivitäten der Protagonisten.  Dies ist beispielsweise sehr intensiv der Fall in einer der Erzählungen, die von einem Mann berichtet, der auch als Erwachsener ein einschneidendes Kindheitserlebnis noch nicht verarbeitet hat. Man begleitet ihn über ein paar Tage und erfährt nahezu jeden einzelnen Schritt, jede Mahlzeit, jede Begebenheit, die sich auf seiner Fahrt zuträgt. Begleiten meine ich hier tatsächlich wörtlich, denn man bekommt in der Tat das Gefühl, man reise mit ihm zusammen.

„Mothers“ ist kein Buch für Leser, die Aktion und Spannung suchen, aber eine wirklich empfehlenswerte Lektüre für jeden, der sich an wohlformulierten Sätzen und durchdachten Psychogrammen der Protagonisten erfreuen kann.

Einzig mit dem Titel des Buches hadere ich ein wenig. Ich habe keine Probleme mit der englischen Sprache oder mit Anglizismen in der täglichen Unterhaltung. Ob man allerdings den seit Jahren anhaltenden Trend in Film und Fernsehen, Titel nicht mehr ins Deutsche zu übersetzen, auch auf Bücher übertragen muss, habe ich meine Zweifel. Allerdings gebe ich zu, dass „ Mütter“ als Titel möglicherweise weniger attraktiv und interessant wirken würde.


Chris Power: Mothers

Ullstein Verlag, Juli 2019

Hardcover, 287 Seiten

22,00 €

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Rezension zu "Mothers" von Chris Power

Bittersüße Kurzgeschichtensammlung
katzenminzevor 6 Monaten

Das war genau die richtige Lektüre für diese unglaublich heißen Sommertage: Kurze Geschichten mit durchweg gelungenem Personal, sehr stimmungsvoll, nachdenklich und immer wieder wunderbare Landschaftsbeschreibungen.

Dieses Buch ist bevölkert mit Figuren, die von einer inneren Unruhe getrieben scheinen. Die oft keine Beziehung eingehen können oder wollen, die vor allem mit sich selbst nicht im reinen zu sein scheinen. Wie durch ein Fenster blickt man in fremde Leben. Immer nur für einen kurzen, aber sehr prägsamen Moment. Allein Eva folgen wir öfter und das hat mir sehr gut gefallen. So haben wir zumindest eine Geschichte, die eine Art roten Faden bildet und einen Charakter, den wir auch durch verschiedene Erzählperspektiven näher kennenlernen. Außerdem liebe ich es ja, wenn das Ende eines Buches in irgendeiner Form auf den Anfang verweist. Das hat Chris Power hier so simpel wie genial umgesetzt.

Was alle Geschichten gemein haben, ist ein stimmungsvolle Atmosphäre, die mal sommerlich entspannt, mal düster und melancholisch sein kann und eine sehr bildhafte Erzählweise, in der ich Landschaften und Orte immer sehr plastisch vor Augen hatte.

Mothers ist eine bittersüße Kurzgeschichtensammlung, die mir insgesamt sehr gefallen hat. Chris Power hat ein Händchen für komplexe Charaktere. Und auch wenn diese oft unbequem und manchmal wenig liebenswert sind, so macht gerade das den Reiz der Geschichten aus. Wie leicht es Power offenbar fällt, mit wenigen Worten Figuren mit Tiefe und Charakter zu erschaffen, ist beeindruckend.

Diese Kurzgeschichtensammlung dürfte allen Lesern gefallen, die es ruhig, unaufgeregt und melancholisch mögen. Nicht jede Geschichte war gleich stark, aber die Mischung insgesamt sehr rund. Die Kurzgeschichten machen auf jeden Fall große Lust auf den Roman, an dem Chris Power laut Verlagswebsite gerade schreibt. Ganz unabhängig vom unglaublich einprägsamen Namen: Diesen Autor sollte man sich merken!

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