Chris Schlicht

 3.8 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Maschinenseele, Maschinengeist und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Chris Schlicht

Maschinenseele

Maschinenseele

 (3)
Erschienen am 22.04.2014
Maschinengeist

Maschinengeist

 (2)
Erschienen am 15.03.2012
Maschinengeist: Ein Steampunk Roman

Maschinengeist: Ein Steampunk Roman

 (0)
Erschienen am 29.06.2012

Neue Rezensionen zu Chris Schlicht

Neu
phantastische_fluchtens avatar

Rezension zu "Maschinenseele" von Chris Schlicht

mein Highlight 2017 im Jahresrückblick
phantastische_fluchtenvor einem Jahr

Oberkommissar Peter Langendorf ist ein genialer Ermittler und wird für seine unangepassten und  unorthodoxen  Methoden oft gehasst und gefürchtet. Als in Frankfurt-Wiesbaden grauenvoll zugerichtete Leichen gefunden werden, ist schnell ein Täter ermittelt und ein von ihm unterschriebenes Geständnis macht die Angelegenheit einfach.  Langendorf weiß, dass der geistig labile und körperlich schwache Mann unmöglich der Täter sein kann. Der neue Rechtsmediziner, der Ungar Csakanyi, ein eben solcher brillanter Querdenker wie der Oberkommissar, stimmt dem zu. Und als erneute eine schauerlich zugerichtete Leiche gefunden wird, ist klar, dass die Staatsanwaltschaft einen Fehler begangen hat. Die Festnahme des armen Straßenkehrers sorgt für Unmut in den armen Bevölkerungsschichten, die außerhalb des Stadtkerns vor sich hinvegetieren. Die Morde interessieren die Armen nicht sonderlich, doch dass immer mehr ihrer Kinder verschwinden, macht der Bevölkerung Angst, vergeblich hoffen sie auf die Hilfe der Gendarmen oder der Polizei.  Bald wird Langendorf klar, das zwischen den verschwundenen Kindern und den Morden ein Zusammenhang bestehen muss. Das Buch wurde als Steampunk Roman angepriesen und das ist sicherlich auch treffend. Doch die Grusel-und Horrorelemente sind nicht zu unterschätzen, die Geschichte ist bedrückend, düster und beklemmend  und geht unter die Haut. Die Autorin findet sehr drastische Worte für die geschilderten Klassenunterschiede und sie zeigt dem Leser das ganze Elend und die Hilflosigkeit des größten Teils der Bevölkerung. Die Oberstadt, in der die Reichen und Mächtige wohnen, wird zum Abend hin abgeriegelt, alle Arbeiter, die keine Unterkunft bei einem Dienstherren vorweisen können, müssen die Stadt verlassen und in ihre Elendsbehausungen zurück. In den Armenvierteln steigt die Zahl der Arbeitslosen. Schulen werden geschlossen und immer mehr Seuchen und Krankheiten breiten sich aus. Peter Langendorf hat noch gute Kontakte zu der Unterstadt aus seiner Zeit als Detektiv und er hört vieles, was seinen Vorgesetzten und der Staatsanwaltschaft verborgen bleibt. So erfährt er auch auf Umwegen von dem Verschwinden der Kinder. Allerdings handelt es sich bei den Mordopfern nicht um Kinder, also wo besteht der Zusammenhang? Es handelt sich hier um einen zweiten Roman über den Ermittler Langendorf, es gibt immer wieder Hinweise auf Baron von Wallenfels und seine Familie, die im ersten Roman wohl eine bedeutende Rolle spielen. Und die Art und Weise der Morde erinnert den Ermittler sehr an den Baron, dessen Grausamkeiten und perfiden Pläne denen des Mörders ähneln. Er ist sich sicher, dass der Baron nicht der Täter sein kann, doch er beginnt, in dessen Umfeld zu ermitteln. Andere, wiederkehrende Personen sind sein Bruder Paul, ein Ingenieur und dessen Geliebter Valerian, sowie die Familie Bartfelder aus der Unterstadt. Die Personen werden sehr anschaulich beschrieben und besitzen wahrhaft Charakter. Man leidet mit der Bevölkerung, deren Nöte niemand ernst niemand, man versteht den Frust und den Ärger des Oberkommissars ob der Borniertheit einiger Mächtiger und man versteht, warum sich einige Menschen für ein paar Kupferlinge zu grausigen Taten verleiten lassen. Die Autorin schreibt sehr klar, flüssig und überzeugend, die Geschichte hat mich vom ersten Moment an gepackt und ich werde sicherlich das vorherige Buch ebenfalls lesen. Obwohl es sich um ein fiktives Wiesbaden- Frankfurt des Jahres 1900 handelt, wirken die Ereignisse sehr glaubhaft. Die Industrialisierung hat Ausmaße angenommen, die niemand vorhersehen konnte. Die Menschen vegetieren in den Fabriken, deren Abfall und Schmutz ungefiltert in die Seen, Flüsse und die Luft abgeleitet werden. Automobile vertreiben das Pferd, Luftschiffe erobern den Himmel und mechanische Ersatzteile ersetzen verlorene Gliedmaßen. Die Menschen können kaum mit dem Fortschritt mithalten, Nutznießer sind die Reichen und Verlierer und Opfer die Armen. Peter Langendorf verkörpert hier eine Mitte, ein Mensch zwischen den Welten, einer der wenigen Personen, der beide Seiten sieht und kennt. In dieser ungerechten Welt zu seinen Werten zu stehen ist nicht leicht, doch in seinen drei Untergebenen findet er Freunde und Helfer, die ihn bei seinen Ermittlungen unterstützen und die ihm tatkräftig zur Seite stehen. Trotz all der Düsternis, des Gruselns  und des Elends darf auch hier ein bisschen Romantik  nicht fehlen, was dem Buch einen Hauch der Schwere nimmt und etwas Licht in den Horror bringt. Optisch passt das Cover beeindruckend gut zu der Geschichte, wie fast immer bei Feder & Schwert. Der Titel, so wie er dargestellt ist, verdeutlicht sehr klar, dass es um Steampunk geht und das Cover vermittelt einen ersten Eindruck, dass es keine leichte Story ist.

Kommentieren0
2
Teilen
Elmar Hubers avatar

Rezension zu "Maschinengeist" von Chris Schlicht

Maschinengeist
Elmar Hubervor 3 Jahren

„Der Nebel verdichtete sich immer mehr, weil er sich in den Gassen staute. Früher waren alle Straßen durchgängig gewesen, durchflutet von der frischen Luft, die von den Taunushängen oder den Flüssen einströmte. Doch die Wohnungsnot hatte kunstvolle Blüten in Form bizarrer Bauten getrieben. Wenig vertrauenserweckende Konstrukte aus krummen Balken, Ziegelsteinen und allem möglichen gesammelten Schutt und Treibgut überspannten die Straßen und ließen nur kleine Durchgänge. Die Innenhöfe waren ohnehin alle vollständig überdacht.“

STORY
Groß-Stadtkreis Wiesbaden-Frankfurt 1899: Der ehemalige Polizist Peter Langendorf hält sich als Privatermittler mehr schlecht als recht mit Kopfprämien für Metalldiebe über Wasser, als unvermittelt der reiche und mächtige Baron von Wallenfels mit einem Ermittlungsauftrag in seinem Büro auftaucht. Langendorf soll in die Niederungen der Metropole Wiesbaden-Frankfurt hinabsteigen und Informationen über die Sekte “Lebenslicht” sammeln. Von dort befürchtet der Baron eine drohende Gefahr für seine Luftschiffe. Kurz darauf sucht auch die Tochter des Barons den Detektiv auf und überzeugt ihn davon, dass die Pläne ihres Vaters nicht nur den hehren Zielen dienen, die dieser dem Detektiv gegenüber herausgestellt hat. Mit Hilfe seines Bruders Paul, einem Architekt, der bei seinen korrupten Vorgesetzten in Ungnade gefallen ist, sammelt Peter Langendorf Hintergründe zu von Wallenfels Bauvorhaben, anhand derer er sich ein Bild von den Plänen des Adligen machen kann.
Der Zufall beschert Langendorf gleich noch einen zweiten Fall. Die uneheliche Halbschwester – das Produkt eines Seitensprungs seines Vaters mit einem Dienstmädchen – des Künstlers Valerian de Casard ist immer tiefer in die Abgründe der Gosse abgerutscht und muss sich Gerüchten zufolge inzwischen als Freudenmädchen für den übelsten Abschaum verdingen. Von organisierten Orgien ist die Rede, die nicht selten mit dem Tod der schönen Ware enden. Für de Casard soll Langendorf Katharina finden und aus den Händen ihres Zuhälters befreien.

„Er [Peter] hockte auf dem Badewannenrand, die Arme um den Körper geschlungen, und starrte ins Leere, während seine Gedanken die letzten Erinnerungen an den zu Traum zu ordnen versuchten. Das meiste schwand bereits aus seinem Gedächtnis, aber ein paar Bilder blieben haften, und er hielt sie fest, um sie genauer zu betrachten. Der Baron oder zumindest sein Kopf war am deutlichsten. Der Körper verschwamm im Dunkel, doch es war kein menschlicher, sondern der eines Oktopus mit acht mächtigen Armen, die in alle Richtungen griffen. Sie umfingen Fabriken und Menschen und zerstörten sie, währen der Baron bösartig lachte.“

MEINUNG
Mit MASCHINENGEIST legt die Künstlerin Chris(tine) Schlicht, die schon diverse Zeitschriften- und Buchcover und Rollenspielillustrationen (u.a. im Verlag Torsten Low) gestaltet hat, ihren Debutroman vor, der mit über 400 Seiten schon ein ganz ordentliches Werk darstellt. Als „Hauptdarsteller“ fungiert der ehemalige Polizist Peter Langendorf, der bereits in Chris Schlichts Kurzgeschichten DEUS EX MACHINA einen Auftritt hatte. Zu Beginn des Romans fallen die großzügigen Beschreibungen des Handlungsumfelds und der herrschenden sozialen Zustände des Groß-Stadtkreises Wiesbaden-Frankfurt auf. Da zunächst noch keine Handlung in Sicht ist, wirkt dies etwas bemüht. Doch bald schon setzt sich das Geschehen in Gang und Fr. Schlicht findet ein sehr angenehmes Tempo für ihre Geschichte und unversehens befindet sich der Leser an der Seite des sympathischen Peter Langendorf inmitten seiner Ermittlungen. Im weiteren Verlauf gelingt es der Autorin geschickt, die Romanhandlung immer mehr aufzufächern und auszubauen. Zunächst werden Zweifel an der Geschichte vom Langendorfs Auftraggeber gesät, was den aufrechten Detektiv in eine moralische Zwickmühle bringt. So gräbt der Ermittler immer tiefer, befördert immer mehr Schmutz ans Tageslicht und wird schließlich zu einer Gefahr für den Baron und dessen Kreise. Sieht man sich dieses grundsätzliche Handlungsgerüst von MASCHINENGEIST an, kann man dem Roman also durchaus eine Vetternschaft mit einem Noir-Krimi bescheinigen. Mit der Heimkehr von Peter Langendorfs Bruder Paul eröffnet sich zusätzlich noch eine persönliche Ebene, die ebenfalls immer weiter ausgebaut wird, auch in romantischer Hinsicht. Weiterhin tummeln sich hier noch eine Zuhälterbande und eine Plage riesenhaft mutierter Ratten.
So wird die Handlung nach und nach vielschichtiger, komplexer und auch ausladender. Und hier muss man Chris Schlicht ein – für eine Debutautorin – enormes schriftstellerisches Geschick bescheinigen, denn es gelingt ihr bravourös, ihren Roman trotz einiger verlockender Abzweigungen stets auf der Schiene zu halten. Schon die schiere Anzahl an Personen mit denen die Autorin hier jongliert, hätte die Handlung leicht entgleisen lassen können.

Obwohl MASCHINENGEIST unter dem Label „Steampunk“ läuft gibt es hier kaum Futter für den Technik- Aficionado. In einem Interview sagt Chris Schlicht selbst, dass sie nicht besonders technikaffin ist und sich deswegen mehr auf ihre Charaktere konzentriert. Vergleichsweise großen Raum nehmen so auch die romantischen, ja sogar homoerotischen (Hut ab für diese Courage, liebe Chris!) Aspekte der Geschichte ein, denen einige unerwartet brutale Szenen entgegenstehen, wie etwa die Orgien der „edlen“ Lebemänner, bei denen so manche Dirne im drogeninduzierten Rausch der Geilheit auf blutige Weise getötet wird. Für machen Leser wird sicherlich etwas zu viel „geknufft, „gegrinst“ und „gezwinkert“ und auch der erhobene Zeigefinger des Umweltschutzes ist nicht zu überlesen, doch fällt dies angesichts des gelungenen Ganzen kaum ins Gewicht.

Das MASCHINENGEIST-Cover wurde samt exklusiver Grafik und den schön gestalteten Kapitelüberschriften im Inneren von Feder & Schwert-Hausgrafiker Oliver Graute gestaltet und hebt sich angenehm von der leidlich bekannten Steampunk-Massenware ab. Schön wäre noch eine Vita der Autorin gewesen, wie sie z.B. etwas versteckt auf der Verlagswebseite zu finden ist, sowie ggf. Danksagungen oder ein Nachwort.

FAZIT
Außergewöhnlich vielschichtiges und gut gelungenes Romandebut. Krimi und Romanze vor einer deutschen Retro-SF-Kulisse.

Kommentieren0
0
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 18 Bibliotheken

auf 3 Wunschlisten

von 1 Lesern gefolgt

Worüber schreibt Chris Schlicht?

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks