Chrissi Winterfeld Anarchie im Herzen (e-Books im Plauderton)

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Inhaltsangabe zu „Anarchie im Herzen (e-Books im Plauderton)“ von Chrissi Winterfeld

Ein mutiges Buch

— astridkorten
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  • Authentisch und geistfüllend

    Anarchie im Herzen (e-Books im Plauderton)

    Ariela

    24. August 2013 um 12:24

    An diese Bücher traue ich mich nie so recht ran mit dem Lesen. Es gibt zu viele Klippen, die umschifft werden müssen. Larmoyanz ist eine Gefahr, die Anklage der Gesellschaft oder der Versuch der Vereinnahmung des Lesers für die eigene Sache, dann aber auch Sarkasmus oder Zynismus die andere. Die Grenze zwischen therapeutischem und kreativem Schreiben ist fließend, wenn autobiografisch geschrieben wird. Aber nichts von dem ist in Chrissi Winterfelds Anarchie im Herzen passiert. Chrissi Winterfeld zeigt, wie stark die Literarisierung subjektiv empfundener Realität sein kann, wie fesselnd, wie viel Empathie sie erzeugen kann, ohne den Leser am Boden zerstört zurück zu lassen. Dass es sich um Geschichten handelt, die der eigenen Biografie entnommen sind, daraus macht Chrissi Winterfeld keinen Hehl. Ich würde fast empfehlen, die Lektüre mit dem Nachwort zu beginnen, es aber auf jeden Fall am Ende der fünf Kurzgeschichten nicht außer Acht zu lassen und auch den vorangestellten Kommentar nach Beendigung der Lektüre noch einmal zu lesen. Das zusätzliche Wissen, dass die Geschichten durch mindestens eine Person miteinander verbunden sind, braucht es nicht, um die Kraft der Texte zu fühlen, es legt aber dennoch sein ganz eigenes Gewicht über die Wahrnehmung des Lesers. “Sie sind nicht erfunden”, schreibt die Autorin im Nachwort, “sondern passiert, wie sie geschrieben wurden”. Natürlich sind sie nicht geschrieben, wie sie passiert sind, sondern wie sie wahrgenommen wurden und erzählt werden sie, wie die anschließende Sicht auf das Geschehen ist und was der Filter des erzählerischen Könnens der Autorin aus dieser Sicht gemacht hat. Weshalb diese fünf Texte zu Literatur werden. Chrissi Winterfeld wählt die fünf Erzählsituationen sehr bewusst, gestaltet jede Geschichte aus genau dem Blickwinkel, der der jeweiligen Geschichte am besten gerecht wird. Sehr authentisch und dadurch zuweilen brutal, fast unerträglich nah wird von menschlichem Leid erzählt, einem Leid, das einer Frau, einem Kind zugefügt oder das durch Krankheit oder den Freitod eines Bruders verursacht wird. Manchmal scheint es, als würde die Autorin sich der Ereignisse und ihrer Bedeutung beim Schreiben selbst erst bewusst, dann, wenn die Textstimmung von Zuversicht in Verzweiflung umschlägt und der Leser den Umschwung nicht hatte kommen sehen können. Aber es scheint nur so, die Autorin weiß zu jeder Zeit sehr genau, was sie tut, denn es gibt ebenso die Variante, dass die Stimmung hin und her wechselt, je nach Zeitebene des erzählten Geschehens. Gleichzeitig liegt eine unterschwellige Zuversicht über allem. In den Figuren liegt eine Stärke, eine Heiterkeit sogar manchmal, die einen bei aller Grausamkeit dieser auf fünf Figuren aufgeteilten Schicksale, empathisch sein lassen, aber nicht mitleidsvoll, nicht bedrückt. Immer wieder thematisieren Autoren, die von biografischen Schicksalsschlägen erzählen, die Unfähigkeit der Umwelt, mit dem Leid der Betroffenen umzugehen, sich angemessen zu verhalten und auch hier wird dieser Mangel am Rande erwähnt: die mitleidigen Blicke von Nachbarn, Kellnerinnen, Freunden, die nichts zu tun wissen, Familie, die sich selbst ohnmächtig fühlt, vielleicht auch ignorant ist. Allerdings klagt die Autorin nicht die Unfähigkeit der Umwelt an, vielmehr beschreibt sie die Einsamkeit, die daraus für Betroffene entsteht – egal wovon sie betroffen sind, ob von Krankheit, Gewalt oder dem Selbstmord eines Angehörigen. Woraus die Einsamkeit entsteht ist die Scham, die wiederum aus der zwischenmenschlichen Distanz erwächst und mit der besonders Opfer von häuslicher Gewalt oder Gewaltverbrechen sich niemandem anvertrauen und darum auch keine Unterstützung erlangen. Aus der Abwärtsspirale kann deshalb nur schwer ausgebrochen werden, weil die Menschen die Kraft aus sich selbst heraus aufbringen müssten, was nur schwer gelingen kann. Vier der fünf Figuren allerdings gelingt es, das ist der Ton, der über den Geschichten liegt und der die Texte lesenswert macht, während die menschlichen Schwächen, die das Leid ebenfalls produziert, nicht verschwiegen werden. Ich frage mich seit einiger Zeit, wie jetzt gerade eigentlich Texte geschrieben sein können, die nicht im Mainstream liegen, nicht Fantasy, Krimi oder Chic-Lit usw. sind, die nicht vor Künstlichkeit langweilen und vor handwerklichem Können strotzen. Ich glaube, die letzten drei hier rezensierten Texte (Chrissie Winterfeld, Nicole Schröter, Silke Heichel) sind mir Antwort: Ehrlich geschrieben. Mit Kunstfertigkeit, aber ehrlich, wahrhaftig, authentisch. Das zu Text gemachte Bewusstsein und mit dem Bewusstsein für die dreifache Subjektivität, die des Erlebens, des Erinnerns und des Erzählens, schafft es, wirklich zu fesseln und die Seele, den Geist anzufüllen. Die Originalrezension wurde für den Blog Autorenfreiheit. Die Seite für unabhängige Literatur erstellt www.autorenfreiheit.de

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  • Ein mutiges Buch.

    Anarchie im Herzen (e-Books im Plauderton)

    astridkorten

    23. August 2013 um 16:49

    Fünf Kurzgeschichten, die unter die Haut gehen. Geschichten, die wir zum Beispiel von Zeitungsberichten kennen. Nur diese sind so authentisch, dass sie einen tiefen Eindruck hinterlassen. Es sind Geschichten von Gewalt, Missbrauch, Suizid, von Gefühlen wie Angst und unsagbarem Leid, aber auch von Mut und Hoffnung. Anarchie im Herzen handelt vom „Hinsehen“ und nicht vom „Wegschauen“. Ein mutiges Buch, das ich nur empfehlen kann

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