Christa Vogel

Alle Bücher von Christa Vogel

Cover des Buches Picknick auf dem Eis (ISBN: 9783257603194)

Picknick auf dem Eis

 (127)
Erschienen am 23.04.2013
Cover des Buches Ein Freund des Verblichenen (ISBN: 9783257610611)

Ein Freund des Verblichenen

 (37)
Erschienen am 28.07.2021
Cover des Buches Petrowitsch (ISBN: 9783257610635)

Petrowitsch

 (15)
Erschienen am 28.07.2021
Cover des Buches So helle Augen (ISBN: 9783257233636)

So helle Augen

 (6)
Erschienen am 01.06.2003
Cover des Buches Die Geheimnisse des Jenseits (ISBN: 9783257019759)

Die Geheimnisse des Jenseits

 (2)
Erschienen am 14.09.1993
Cover des Buches Lauter Sünder / Schöne Aussicht (ISBN: 9783257063127)

Lauter Sünder / Schöne Aussicht

 (1)
Erschienen am 28.02.2002
Cover des Buches Der Doppelgänger (ISBN: 9783257062427)

Der Doppelgänger

 (0)
Erschienen am 31.03.2000
Cover des Buches Der Perverse (ISBN: 9783257060775)

Der Perverse

 (0)
Erschienen am 29.09.1995

Neue Rezensionen zu Christa Vogel

Cover des Buches Picknick auf dem Eis (ISBN: 9783257603194)N

Rezension zu "Picknick auf dem Eis" von Andrej Kurkow

Pinguin-Leben
NiWavor 2 Monaten

Viktor lebt mit seinem Pinguin Mischa allein. Als Schriftsteller hat er es nicht geschafft und verfasst statt des großen literarischen Durchbruchs Nekrologe auf Vorrat für eine bekannte Tageszeitung. Er bedauert, dass seine Werke bisher nicht veröffentlicht sind, weil die dazugehörigen Personen noch leben. Doch sein Wunsch nach Ruhm wird schneller Realität, als er denkt.

Andrej Kurkow hat mit „Picknick auf dem Eis“ einen skurrilen und kritischen Roman geschrieben, der dank des unaufgeregten Stils und dem tierischen Star ein bemerkenswertes Leseerlebnis ist.

Viktor lebt in Kiew und vertreibt sich als erfolgloser Schriftsteller seine Zeit. Er schreibt kurze Geschichten, die allesamt in der Schublade enden. Doch dann ist mit dem Job-Angebot einer Tageszeitung sein Unterhalt gesichert: Er schreibt Nekrologe bzw. Nachrufe auf bekannte Menschen, die noch nicht gestorben sind. 

Seine Arbeit wird hochgelobt und er hat selbst Freude daran. Er fiebert einer ersten Veröffentlichung entgegen, die allerdings erst mit dem Tod eines Menschen möglich ist. 

Das Leben nimmt seinen Lauf und somit kommt es zu Viktors Erstveröffentlichung, die ihm heimlichen Ruhm, mehr Arbeit und Verstrickungen mit der Mafia beschert.

Die Handlung ist ruhig, eher eintönig erzählt. Der Leser taucht in Viktors farblosen Alltag ein, der durch eine herausragende Besonderheit besticht: Mischa, ein Pinguin. Viktor hat sich einen Pinguin aus dem Zoo geholt, als die Tiere abgegeben wurden, weil deren Erhaltung der Institution zu teuer kam. 

Auf diesem Grundgedanken baut meiner Meinung nach die gesamte Handlung auf. Ich habe es als kritischen Blick auf das ukrainische System verstanden. Als Seitenhieb auf einen Staat, der von Korruption durchzogen und von mafiösen Machenschaften getrieben wird. Tiere verhungern, Kranke bleiben unbehandelt, nichts geht mehr, außer man hat Devisen für Bestechung zur Hand.

Gleichzeitig sind die Menschen hilfsbereit, passen aufeinander auf, kümmern sich und achten darauf, dass dem Nächsten nichts Böses widerfährt.

Ich denke, dass ich viele Szenen und Anspielungen in diesem Roman nicht verstanden habe, weil mir tieferes Wissen zu den damaligen Zuständen in der postsowjetischen Ukraine fehlt. Die Geschichte ist ungefähr in den 1990er-Jahren angesiedelt, wobei sich System, Mafia und Politik seither vermutlich weiter entwickelt haben. 

Den Erzählstil empfand ich als sehr besonders. Es hat sich angefühlt, als würde man via Kamera an Viktors Leben Anteil nehmen. Kurkow beschreibt banale Situationen und alltägliche Ereignisse. Anstatt der Handlung einzuheizen, legt er die Brisanz in das Offensichtliche, was seiner Figur Viktor erst spät bewusst wird. Ich hatte den Eindruck, dass Viktor wissentlich die Augen vor naheliegenden Zusammenhängen verschließt. Er konzentriert sich gleichmütig auf sein Leben, weil es sicherer erscheint. Sobald er gefährliche Gedanken und Vermutungen hegt, fokussiert er sich auf eine unerschütterliche naive Weltsicht, die seinen Blickwinkel gerade rückt, um nur nicht die Wahrheit zu sehen.

Trotz ernster Töne und skurril anmutender Kritik am postsowjetischen Kiew, verleiht Pinguin Mischa dem Geschehen herausragende Eleganz, in dem er einfach nur anwesend ist. Er ist eine Nebenfigur, die vom Rand in den Mittelpunkt watschelt, wo sie die volle Aufmerksamkeit ihrer Romanwelt und des Lesers erhält.

In die Symbolik des Pinguins lässt sich viel interpretieren, was ich grob andeuten und womit ich dem Autor nichts unterstellen will: Er ist ein Vogel, der nicht fliegen kann, was eventuell auf die Lebensumstände der Ukrainer anspielt. Gleichzeitig lebt er farblich gut getarnt in einer großen Gruppe, in der sich die Individuen gegenseitig wärmen, damit jeder selbst überlebt. Vielleicht schwingen diese oder andere Bedeutungen des Pinguins in Kurkows Erzählung mit. Oder Mischa ist einfach nur ein Pinguin, der in einer Wohnung in Kiew lebt. 

Ich habe dieses Buch gerne gelesen und war fasziniert davon. Obwohl es ruhig, teilweise monoton, geschrieben ist, hat es mich zum Nachdenken gebracht. Für mich war es ein Blick in eine andere Welt, ein korruptes System und eine fremde Lebenswirklichkeit, die stark von würdevoller Bedürftigkeit und neureichem Gebaren getrieben ist.

 


Pinguin Mischa:

1) Picknick auf dem Eis

2) Pinguine frieren nicht

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Cover des Buches Picknick auf dem Eis (ISBN: 9783257603194)T

Rezension zu "Picknick auf dem Eis" von Andrej Kurkow

Viktor und sein trauriger Pinguin
Tommywienvor 2 Jahren

Klappentext

Als Tagträumer hat es Viktor schwer im Kiew der Neureichen und der Mafia: Ohne Geld und ohne Freundin lebt er mit dem Pinguin Mischa und schreibt unvollendete Romane für die Schublade. Zum Überleben verfasst er für eine große Tageszeitung Nekrologe über Berühmtheiten, die allerdings noch gar nicht gestorben sind. Wie jeder Autor möchte Viktor seine Texte auch veröffentlicht sehen. Ein Wunsch, der beängstigend schnell in Erfüllung geht.

Eindruck und Bewertung

Andrej Kurkow war mir bisher noch kein Begriff. Mir ist aufgefallen, dass ich bisher die gesamte russische Literatur nicht auf meinen Radar hatte.  Dieses Buch aus dem Jahr 2000 ist mir zufällig in die Hände gefallen und schrie förmlich danach meinen Lesehorizont zu erweitern und ich bin dem Zufall unendlich dankbar.   

Wenn man sich den Klappentext dieses Buches durchliest, stellt man sehr schnell fest, dass man sich auf die Geschichte einlassen muss. Ein Autor, der Nachrufe über noch lebende Persönlichkeiten verfasst und zusätzlich seine Wohnung mit einem Königspinguin teilt, den er vor einiger Zeit aus dem Kiewer Zoo bekommen hat – das schreit förmlich nach Fantasie. Ich muss zugegeben, ich war mir bei dieser Inhaltsangabe auch nicht sicher, ob das Buch etwas für mich ist. Aber ich war neugierig und habe mich auf das Experiment eingelassen.   Wenn man sich nämlich auf diese Geschichte einlässt, dann erwartet einen eine zeitlose, frische Geschichte die teilweise fern jeder Realität ist aber ihr gleichzeitig erschreckend nahe wirkt. Der Roman ist mit einer derartigen Leichtigkeit geschrieben, dass man als Leser nur von einem Kapitel zum nächsten fließt, ständig begleitet von dem traurig dreinblickenden Pinguin. Der Pinguin ist zwar eine Nebenfigur in diesem Roman, nimmt aber in der Wahrnehmung einen riesen Raum ein. Der Pinguin Mischa kommt beinahe in jedem Kapitel vor. Mit jedem Kapitel wächst die Neugier über Mischa. Mein Highlight ist aber die Hauptfigur Viktor. Anfangs wirkte er auf mich ziemlich teilnahmslos, doch dies ändert sich mit Fortdauer des Romans. Die aufbauende Entwicklung seines Wesens, wurde perfekt niedergeschrieben.  Ich empfinde die Art und Weise, wie dieses Werk geschrieben wurde als große Kunst. Wenn man es schafft, eine derart antirealistische Geschichte am Rande absoluter Absurdität dem Leser fesselnd als leichte Kost zu verkaufen, dann  gebührt dem Autor, aber auch der Übersetzerin Christa Vogel, mein tiefster Respekt. Eine ruhige Geschichte über das korrupte, mafiöse Kiew, deren melancholischer Stimmung man nicht entfliehen kann.  Gerne würde man den einen oder anderen Wodka mittrinken.

Autor

Andrej Kurkow, geboren 1961 in St. Petersburg, lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen (er spricht insgesamt elf Sprachen), war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach wurde er Kameramann und schrieb zahlreiche Drehbücher. Sein Roman ›Picknick auf dem Eis‹ ist ein Welterfolg. Kurkow lebt als freier Schriftsteller in Kiew und arbeitet auch für Radio und Fernsehen.

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Cover des Buches Picknick auf dem Eis (ISBN: 9783257603194)S

Rezension zu "Picknick auf dem Eis" von Andrej Kurkow

Wie das Leben so spielen kann
Sikalvor 3 Jahren

Viktor, ein Möchtegern-Schriftsteller, der von Romanen und Kurzgeschichten träumt, führt ein einsames Leben. Ohne Freunde und Geld lebt er gemeinsam mit seinem Pinguin Mischa, den er aus einem Zoo holte. Als er vom Chefredakteur einer großen Zeitung die Chance bekommt, Nekrologe für Menschen, die noch nicht gestorben sind zu verfassen, nutzt er diese. Doch auch diese Nachrufe scheinen erst nur für die Schublade zu sein, was sich plötzlich ändert – sein Wunsch nach einer Veröffentlichung geht auf einmal in Erfüllung und Viktor liest eine seiner Anzeigen in der Zeitung. Nach und nach merkt Viktor, welches Spiel hier gespielt wird. Durch einige Zufälle in seinem Leben wird seine Zweierbeziehung mit Mischa durch das kleine Mädchen Sonja sowie das Kindermädchen Nina erweitert.

 

Andrej Kurkow gelingt mit seinem Roman „Picknick auf dem Eis“ eine berührende Geschichte rund um den Pinguin Mischa, der sich immer mehr zur Hauptperson entwickelt. Kurkow beschreibt mit dem ihm eigenen leichten Stil über einen möglichen Lebensentwurf – satirisch, skurril. Wie durch Zufall ergeben sich so manche Dinge. Durch die zum Teil naiven Handlungen (oder auch Nicht-Handlungen) des Protagonisten Viktor wird dieser in einen Weg gedrängt, dem er sich nicht gewachsen fühlt. Doch Viktor kehrt die unangenehmen Dinge beiseite und schaut stoisch auf das Positive in seinem Leben.

 

Dem Leser wird bald klar in welche Situation sich Viktor manövriert, doch er scheint es nicht zu merken. Man wartet auf seine Erkenntnis, die dann letztendlich zu einer überraschenden Lösung führt.

 

Kurkows Stil zu schreiben begeistert mich, seine ruhige und gelassene Art überträgt sich auf seine Charaktere. Es scheint, dass hier niemals zu viel Adrenalin zum Einsatz kommt und doch folgt man mit Spannung der Geschichte.

 

Zum Glück habe ich noch einige ungelesene Bücher Kurkows, von den Pinguinen gibt es sogar einen 2. Teil. Für dieses Picknick auf dem Eis gibt es von mir 4 Sterne.

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