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Hallorin

vor 3 Jahren

Ich möchte mitlesen

Liebe Klassiker-Freunde, willkommen zur Oktoberrunde der Gruppe "Wir lesen Klassiker der Weltliteratur - Monat für Monat".

Beginn der Leserunde ist am 1. Oktober 2014, wobei späteres Einsteigen immer möglich ist :)

Wikipedia sagt:
"Nach Aussage der Autorin entstand die Idee zu Kassandra eher zufällig. Als eine der wenigen Autorinnen der DDR hatte Wolf die Möglichkeit, ins westliche Ausland – genauer: nach Griechenland – zu reisen. Sie verpasste aber ihren Flug nach Athen und musste in Berlin übernachten. In Ermangelung anderer Literatur begann sie, die Orestie von Aischylos zu lesen. Fasziniert von der Person der Kassandra begann sie Forschungen über sie und das alte Griechenland anzustellen.

Die Entstehung der Figur Kassandra und der Erzählung beschrieb Wolf in vier Vorlesungen 1982 im Rahmen der Frankfurter Poetik-Vorlesungen. In der Bundesrepublik erschienen diese zeitgleich mit der Erzählung in einem eigenen Band. Die im Aufbau-Verlag erschienene DDR-Ausgabe enthielt Vorlesungen und Erzählung in einem Band. Die Vorlesungen waren darin zensiert. Es gab an einigen Stellen Auslassungen, die auf Intervention Wolfs durch Auslassungspunkte [...] kenntlich gemacht wurden."


Wie immer meine zwei Bitten:

1. Beiträge in Leseabschnitten immer mit Spoiler-Haken versehen, schließlich will keiner schon vorher wissen, wer der Mörder ist ;)

2. Schreibt Eure Beiträge in die bestehenden Kategorien, es macht Leserunden unübersichtlich, wenn Texte nur unter "Alle Beiträge" stehen. Bitte auf das angehängte Foto schauen!

Autor: Christa Wolf
Buch: Kassandra

gst

vor 3 Jahren

Ich möchte mitlesen
@Hallorin

Uiiii, da freue ich mich aber, dass mein Vorschlag Anklang fand!

Ich kam vor Jahrzehnten auf dieses Buch, nachdem ich in einem ganz kleinen Theater in München das Stück gesehen hatte. Es hat mich fasziniert und ich wollte mich unbedingt mehr damit beschäftigen. Lang, lang ist's her. Inzwischen sind meine Haare grauer geworden und ich lebe bei Dresden ...

Am 2.Oktober heiratet mein ältester Sohn, so dass ich erst danach einsteigen werde.

gst

vor 3 Jahren

Eure Ausgabe

Ich habe die 5. dtv-Ausgabe von Januar 2000 (ohne Kommentar). Ich dachte, mein Buch wäre viieeel älter. So kann man sich täuschen ...

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sKnaerzle

vor 3 Jahren

Fazit & Rezensionen
@CitizenWeasel

Die Frage, warum sie sich von Äneas trennt und lieber in den Tod geht, versucht Kassandra mehrmals zu beantworten. Verstanden habe ich nur diese letzte. Irgendwie kann sie es selbst nicht erklären und es bleibt bei diesen tastenden Versuchen.

sKnaerzle

vor 3 Jahren

Fazit & Rezensionen

Ich sehe in der Figur Kassandra einen ganz großen Widerspruch. Der ganze Roman geht darum, wie sie sich aus der Solidarität der Familie und des Vaterlandes löst, weil sie merkt, egal ob Grieche oder Trojaner, beide vernichten gleichermaßen die Welt, in der Frauen leben können und am Ende wird sie wieder zur trojanischen Nationalistin. Damit ist aber alles, was sie gelernt hat, wieder verloren.

Außerdem hat sie noch den Wunsch, ihre matriarchalischen Erfahrungen weiterzugeben. Sie stellt sich ja vor, Penthesilea zu bitten, sie noch alles aufschreiben zu lassen. Aber hätte sie sich dann nicht gemeinsam mit Äneas retten müssen. Klar, Wolf konnte da nicht frei entscheiden, die "echte" Geschichte war halt nicht so.

CitizenWeasel

vor 3 Jahren

Bis Ende
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Der Krieg erreicht seinen Höhepunkt, und damit auch Kassandras Qualen. Troja hat sich verändert, den Wandel ins Patriarchat ist endgültig vollzogen. In ihrer Kriegsblindheit weihen sich die Trojaner selbst dem Untergang - der Krieg frisst seine Kinder.

Nun, kurz vor Kassandras Tod, kommen die Geschichte all jener Personen hoch, die sie am tiefsten berühren: Penthesilea, ihr wildes, zum Untergang verdammtes Alter Ego, die selbstzerstörerische Polyxena, und, natürlich, wieder Äneas. Letzlich glaube ich, dass sie auch deshalb nicht mit ihm geht, weil sie sieht, dass er, um die Seinen zu retten, zum "Held" werden muss, d.h. eine patriarchalische Rolle übernehmen muss - das Kassandra Aineas - Aineas Kassandra wird es nicht mehr geben, in dieser "neuen" Welt hat sie keine Zukunft.

Oh, ich mag dieses Roman, gerade, weil er so dicht ist: sprachlich und emotional. Der letzte Teil lässt einen kaum zu Atem kommen in seiner Intensität. Ich mag, dass Christa Wolf ihren Lesern Deutungen zutraut und Gedanken, komplexe Charaktere und starke Gefühle. Was für ein wunderbares Plädoyer gegen Krieg in all seinen Formen.

CitizenWeasel

vor 3 Jahren

Bis Ende
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gst schreibt:
Könnt Ihr verstehen, warum Polyxena, "von Andron, dem sie doch verfallen war", kein Kind wollte? Das habe ich mich während des Abschnittes noch gefragt. Nun denke ich mir, dass sie schon ahnte, eines Tages von ihm verraten zu werden ...

Na, Andron ist ein kleiner Handlanger des Eumelos, und Polyxena ist eine Prinzessin, die zudem noch an Achill verschachert werden soll. Ausserdem ist das, was Polyxena Andron gegenüber empfindet, nicht Liebe, sondern masochistische Unterwerfungsphantasien - deswegen grämt sich Kassandra ja so, dass sie der Schwester das Priesteramt, für das sie eigentlich bestimmt gewesen war und das sie vor sich selbst geschützt hätte, weggenommen hat.

CitizenWeasel

vor 3 Jahren

Fazit & Rezensionen
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Apfelgruen schreibt:
Was ich aber auch nicht verstanden habe, warum sie keinen Helden lieben kann.

Weil sie für eine "männliche" Welt stehen, in der Frauen wie Kassandra (und gleichberechtigte Liebe) keinen Platz hat?

CitizenWeasel

vor 3 Jahren

Fazit & Rezensionen
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sKnaerzle schreibt:
Und dass man nicht alle Szenen lesen will, finde ich gut. Gegen Grausamkeiten muss man sich nicht abhärten.

Das unterschreibe ich in den allermeisten Fällen - und das ist ein Grund, warum ich keine modernen Thriller mag. Aber in diesem Fall ist das bei mir anders. Ich sehe das ein bisschen wie Kassandra: manchmal ist es nötig, hinzusehen und Zeuge zu sein, gerade, damit solche Dinge nicht mehr passieren.

Aura

vor 3 Jahren

Fazit & Rezensionen
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CitizenWeasel schreibt:
Das unterschreibe ich in den allermeisten Fällen - und das ist ein Grund, warum ich keine modernen Thriller mag. Aber in diesem Fall ist das bei mir anders. Ich sehe das ein bisschen wie Kassandra: manchmal ist es nötig, hinzusehen und Zeuge zu sein, gerade, damit solche Dinge nicht mehr passieren.

Gerade auch, weil Christa Wolf diese Szenen nicht als geschmackloses Mittel zum Zweck (z.B. Spannungsaufbau) eingebaut hat, sondern mit ihnen gegen die sinnlose Grausamkeit des Krieges appelliert.

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