Christa Wolf Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud

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Inhaltsangabe zu „Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud“ von Christa Wolf

Los Angeles, die Stadt der Engel: Dort verbringt die Erzählerin Anfang der Neunziger einige Monate auf Einladung des Getty Center. Sie spürt dem Schicksal einer gewissen L. nach, die aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA emigrierte. Ein ums andere Mal wird sie über die Lage im wiedervereinigten Deutschland verhört: Wird der »Virus der Menschenverachtung« in den neuen, ungewissen deutschen Zuständen wiederbelebt? In der täglichen Lektüre, in Gesprächen, in Träumen stellt sich die Erzählerin einem Ereignis aus ihrer Vergangenheit, das sie in eine existentielle Krise bringt und zu einem Ringen um die Wahrhaftigkeit der eigenen Erinnerung führt.
Der neue große Roman von Christa Wolf ist auch autobiographische Prosa: Sie erzählt von einem Menschenleben, das drei deutschen Staats- und Gesellschaftsformen standhält, von einer Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, von der Kunst, sich zu erinnern. »Du bist dabei gewesen. Du hast es überlebt. Du kannst davon berichten.«

eine sprachliche Meisterleistung, sehr persönlich und dennoch hochliterarisch

— RitaKoenig

Ein lesenswertes Buch, sehr dicht, historisch sezierend und menschlich berührend.

— skelligs

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  • Rezension zu "Stadt der Engel" von Christa Wolf

    Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud

    Heike110566

    14. January 2011 um 14:37

    "Vielleicht, sagte Peter Gutman, wird man sagen, sie haben zuletzt ohne Illusionen, aber nicht ohne Erinnerung an ihre Träume gelebt. An den Wind Utopias in den Segeln ihrer Jugend. Dein Wort in Gottes Gehörgang, sagte ich." (Seite 317) Auch zwanzig Jahre nach dem Beitritt der DDR zur BRD ist noch nicht wieder zusammengewachsen, was zusammen gehört. Eine kulturelle Differenz lässt sich nicht per Erklärung aufheben. Zu unterschiedlich waren die Einflüsse auf die Menschen im geteilten Deutschland, die sie entscheidend prägten. Das gegenseitige Verständnis für Lebensläufe fällt immer wieder schwer. Selbst das Geben von Erklärungen hilft da oft nicht weiter, denn es sind nur immer Bruchstücke, die man da erklärt, die aber nicht das Ganze auch nur annähernd beschreiben, was welchen Einfluss auf einem hatte. Christa Wolf (geb. 1929), eine der bedeutendsten Intellektuellen der DDR und für mich die herausragendste Schriftstellerin im untergegangenen Staat, versucht daher auch gar nicht erst zu erklären, sondern reflektiert einfach nur. Reflektiert auf verschiedenen Ebenen das eigene Leben, eingebettet in einer fiktionalen Geschichte, sodass sich nach und nach auch bei einem Nicht-Dabeigewesenen ein Bild davon bilden kann, wie komplex die Gesellschaft und das Dasein war und wie scheinbare Widersprüchlichkeiten, wie zB die, dass man über vierzig dicke Akten als Beobachtungsgegenstand des Ministeriums für Staatssicherheit besitzt, aber eben auch eine ganz dünne Täterakte, wenn auch nicht herkömmlich logisch, aber dennoch konsistent nachvollziehbar werden. Und eben auch was es für einem bedeutet, dass in der heutigen Gesellschaft nur anhand eines Mosaiksteinchens, wie die letztere Akte als das Letztgültige, was es zu der Person zu sagen gibt, stigmatisiert und schubladisiert wird. Der Roman ist etwas besonderes. Die Erzählperspektiven wechseln, genauso wie die Erzählebenen, ständig, verwirren aber dennoch nicht. Selbst innerhalb eines Satzes kann es zu derartigen Wechseln kommen. Die Ebenen, auf denen die Ich-Erzählerin zuhause ist, sind die Erlebnisse in Los Angeles und den USA 1992/93 und die jüngste Vergangenheit, also das Jahr 2010, wo sie diese Erinnerungen zu einem Roman verarbeitet. Die dritte Ebene wird von der Ich-Erzählerin aus der Distanz heraus in der 2. Person Singular, also mit Du, erzählt, wobei dieses Du das Ich in der Vergangenheit ist. Die Erzählerin erklärt diese Erzählweise auch im Roman: Sie resultiert aus der Tatsache, dass sie das Gefühl hat, dass es im Laufe der Entwicklung mehrere Ichs gegeben hat. Es entstand in der Erzählerin eine distanzierte Haltung zu dem Ich von damals (egal welcher Zeit der DDR) und diese Differenz wird auf diese Weise auch sichtbar gemacht. Was hier ein methodisches Mittel ist, ist aber im Grunde auch wichtig für die Beurteilung von eigenen Handlungen. Man muss das Handeln unter den jeweiligen Kontexten betrachten. Man hatte noch nicht gewusst, was man später wusste. Interessant auch, wie es Christa Wolf gelingt, scheinbar völlig verschiedene Welten so miteinander in einem Zusammenhang zu bringen, dass man Vergangenes aus dem Reich des einst real-existierenden Sozialismus in ähnlicher Form auch anderswo findet. Die Analogieform als Mittel zum Verstehen. In Los Angeles ist die Erzählerin auf einer Suche nach einer gewissen L., deren Briefe sie aus dem Nachlass einer Freundin, die verstorben ist, kennt. Die Spurensuche geht dabei in die Zeit, als L. A. Exilort für vele deutsche und jüdische Autoren wurde. Aber auch die Nachwirkungen dieser Zeit, zB in Form der Begegnung mit den Nachkommen dieser Menschen. Gleichzeitig ist sie aber auch auf Spurensuche nach sich selbst, nach den Wurzeln ihres Dasein und nach ihrem Handeln in bestimmten Situationen. Immer wieder wird sie mit der Frage konfrontiert, warum sie in diesem Staat DDR geblieben ist. besonders akut wird diese Fragestellung als ihre Täterakte durch die bundesdeutschen Medien veröffentlicht wird und diese "Enthüllungen" bis nach Amerika hinüberschwappen. Interessant ist, wie die Erzählerin mit dieser Belastungsprobe umgeht und letztlich stark aus dieser Konfliktsituation hervorgeht. Sie lüftet das Geheimnis um L. - Bevor sie aber in die Bundesrepublik zurückkehrt, macht sie noch einen Abstecher in den Südwesten der USA und erlebt wie fremd man als Mensch im eigenen Land sein kann. Ich bin Frau Wolf sehr dankbar, dass sie dieses Buch geschrieben hat. Es ist meiner Auffassung nach ein wichtiger Beitrag zum Verständnis von durch das Dasein in der DDR geprägten Biographien und somit auch dafür, dass zusammenwächst, was zusammengehört. Es ist ein Stück kulturelles Gedächtnis. Durch das Erscheinen dieses Buches, das eine riesige Anzahl von Verweisen auf Exil- und DDR-Kultur enthält, und die damit verbundene Aufnahme in die Deutsche Nationalbibliothek ist dieser Roman und das in ihm stehende ein Teil unseres nationalen Gedächtnisses geworden. Ein für mich unschätzbar wertvoller Beitrag. Dieser Roman gehört für mich zu einem der wichtigsten, die seit der sogenannten Wiedervereinigung veröffentlicht wurden. Ich bin froh, dass ich ihn lesen durfte.

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  • Rezension zu "Stadt der Engel" von Christa Wolf

    Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud

    Gert

    16. December 2010 um 12:49

    Habe deses Buch mit etwas Vorsicht begonnen, da es doch im Sommer ziemlich stark promoted wurde und man allmählich die Interviews nicht mehr hören oder lesen wollte. Trotzdem war es für mich dann ein Lesevergnügen, zumal ich die Gedankengänge, Erinnerungen und Beobachtungen, gerade weil sie bereits eine rüstige Seniorin ist, durch "langsames Lesen" nachverfolgen konnte. Besonders spannend finde ich natürlich die Einschätzung der DDR Vergangenheit und des Sozialismus, gerade weil ich Wessi bin und weit davon entfernt bin, in Bausch und Bogen alles aus der DDR Zeit einseitig zu verurteilen. Christa Wolf ist hier für mich immer eine Stimme gewesen, die für mich wichtig war. Daher ist vor allem die parabelhafte Frage des "vergessenen Volkes" (DDR und die amerikanischen Indianer) und die Rolle des Engels am Ende eine sehr nachdenkenswerte Stelle. Man braucht Geduld für dieses Buch, und diese Geduld wird belohnt.

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  • Rezension zu "Stadt der Engel" von Christa Wolf

    Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud

    dalembert

    11. October 2010 um 18:31

    Mir wurde erst im Nachhinein bewusst, dass Christa Wolf schon 80 Jahre alt ist. So erklär ich mir hauptsächlich, dass ich das Buch furchtbar altbacken und piefig fand, sowohl inhaltlich wie sprachlich. Da nützte auch Captain Picards Auftritt nichts. Als ich zum zehnten Mal "Ich setzte mich an mein Maschinchen und schrieb" lesen musste, habe ich das Buch zugeklappt. Dann doch lieber nochmal "Sommerstück". Schade.

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  • Frage zu "Stadt der Engel" von Christa Wolf

    Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud

    Marie

    Ich überlege, ob ich das neue Buch von Christa Wolf "Stadt der Engel" lesen soll. Habt ihr das Buch schon gelesen und könnt es empfehlen?

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  • Rezension zu "Stadt der Engel" von Christa Wolf

    Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud

    UteSeiberth

    17. July 2010 um 21:58

    In diesem Bericht üb er einen Stipendienaufenthalt in Los Angeles (Stadt der Engel) kommen mehrere Ebenen aus Christa Wolfs Leben zum Vorschein und zur Sprache.Einmal wird sie immer wieder nach der untergegangenen DDR und ihrer Rolle darin gefragt, zum anderen wird sie mit ehemaligen berühmten Exilanten wie Thomas Mann usw. konfrontiert,da dieser Aufenthalt in der unmittelbaren Umgebung von Santa Monica spielt.Diese persönliche Durchmischung von Erfahrungen und neu Erlebtem finde ich sehr glaubwürdig und lesenswert.

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