Devi ist erst elf Jahre alt, als sie gegen ihren Willen mit einem viel älteren, brutalen Mann verheiratet wird, der ihr in seinem ganzen Wesen widerstrebt. Er behandelt sie nicht gut, und sie flieht aus seinem Haus. Zurück bei ihren Eltern, zieht sie die Verachtung der Dorfbevölkerung auf sich. Sie wird ausgegrenzt und gilt als unrein, da sie sich gegen die allgemeinen Sitten aufgelehnt hat.
Soviel zur Vorgeschichte, an die sich die Handlung des Romans anschließt. Devi und ihre Schwester Shalini schleichen sich heimlich zum Palast des reichen Babu, wo die Hochzeit seiner Tochter gefeiert wird. Die beiden 15-jährigen Mädchen sind überwältigt von der Pracht der Feier und des Anwesens. Beim Anblick der vielen aufgetragenen Speisen macht sich bei den Zwillingsschwestern der Hunger bemerkbar, denn sie stammen aus einer armen Familie, wo es oft nicht für eine Mahlzeit reicht. Als die Mädchen entdeckt werden, droht ihnen eine schwere Strafe, denn sie gehören einer niederen Kaste an und werden von dem reichen Babu als minderwertig betrachtet und gedemütigt.
Die Begegnung mit dem Banditenführer Vikram gibt für Devi kurz darauf den Ausschlag, sich nicht länger unterdrücken zu lassen. Sie verlässt ihr Elternhaus und schließt sich den Banditen an. Die Männer der Bande verehren sie, da Devi ihrer Ansicht nach unter dem Schutz der Göttin Durga steht. Bald schon wird sie zur Anführerin der Gruppe. Die Banditen berauben die Reichen und geben den Armen, um deren Leben zu verbessern. Devi wird von den einfachen Menschen als Banditenkönigin und als „Heldin der Armen“ gefeiert. Bei einem ihrer Raubzüge trifft sie den angehenden Juristen Singh. Ausführliche Gespräche mit ihm bringen die junge Frau zum Nachdenken, ob es nicht noch einen anderen Weg gäbe, die Situation der Frauen und Mädchen im Land zu verändern und das ungerechte Kastensystem aufzulösen.
Dieser Roman ist nach dem wahren Schicksal der Phoolan Devi erzählt. Er berichtet über einen kurzen Abschnitt ihres Lebens, beginnend bei ihrem Entschluss, zu den Banditen zu gehen bis hin zu ihrer freiwilligen Kapitulation.
Nachdem ich das Buch gelesen hatte, war mein Interesse an der Biografie dieser außergewöhnlichen Frau geweckt, die sich von der Banditenkönigin und Rebellin zur Menschenrechtlerin entwickelte. Man könnte sie als weiblichen Robin Hood Indiens bezeichnen, denn sie handelte nicht aus Habgier, sondern um anderen Menschen zu helfen und um etwas in der Gesellschaft zu verändern. Diversen Berichten zufolge ist der realen Phoolan Devi viel Grausames widerfahren.
Die Autorin hat ihre Geschichte sehr einfühlsam aufgebaut und den Schwerpunkt ihrer Erzählung auf Devis ausgeprägten Gerechtigkeitssinn gelegt. Da es sich um ein Jugendbuch handelt, das ab 12 Jahren empfohlen wird, hat sie darauf verzichtet, sehr schlimme, radikale Ereignisse aus Devis Leben allzu detailliert auszuführen, sondern sich auf wesentliche Tatsachen beschränkt. Für diesen Roman hat sie ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Realität und Phantasie gefunden, um schon jungen Menschen den Zugang zum Lebenslauf dieser eindrucksvollen, mutigen Frau zu ermöglichen.






