Christian Bangel Oder Florida

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Inhaltsangabe zu „Oder Florida“ von Christian Bangel

Man kann alles erreichen, wenn man nur will - daran würde Matthias Freier, 20, so gerne glauben. Aber wenn er im Jahr 1998 in seiner Platte sitzt und auf Frankfurt (Oder) blickt, weiß er nicht recht: Ist das der wilde Osten der unbegrenzten Möglichkeiten oder nur eine öde Brache, die sich fest in der Hand von Neonazis befindet? Aber Freiers Kumpel Fliege hat eine Lösung für alle Probleme: die Frankfurter SPD durch organisierten Masseneintritt übernehmen. Das Wahlprogramm: endlich besseres Wetter für Frankfurt. Zur Sonne, zur Freiheit! Christian Bangel hat einen so humorvoll-nostalgischen wie scharfsichtig-visionären Roman geschrieben und einen Helden erfunden, der zwischen Ost und West seinen eigenen Weg gehen muss.

Puh ... das war so gar nicht mein Buch. Die Story ist flach und die "Witze" platt ....

— 19angelika63

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  • Frankfurt/Oder - oder Florida?

    Oder Florida

    Buecherschmaus

    25. December 2017 um 07:14

    Vielleicht Florida? Eine Option. Oder vielleicht mit Nadja nach Berlin? Auch möglich. Oder doch in Frankfurt an der Oder bleiben?Der Ich-Erzähler Matthias Freier hat das Abi in der Tasche, aber seine weitere Lebensplanung ist, vorsichtig ausgedrückt, noch recht offen. Wir schreiben das Jahr 1998, Freier gehört irgendwie zur linken Szene, hat mit seinem Kumpel Fliege die Stadtzeitung 0335 gegründet und schreibt gelegentlich Artikel für diese. Fliege ist Punker mit Irokesenschnitt und gleichzeitig ein ganz gewiefter Kopf. Nicht nur verdient er mit seiner Agentur, in der Freier eher wenig motiviert Flyer für die unterschiedlichsten Unternehmen verfasst, ganz gut Geld, nein, er hat auch einen politischen Plan: durch Masseneintritte und einen geeigneten Kandidaten will er die SPD übernehmen und bei den kommenden Wahlen gegen den durch seine DDR-Vergangenheit in Schieflage geratenen bisherigen Bürgermeister siegen. Schade nur, dass der ausgeguckte Kandidat Franziskus so gar nicht bei der Wählerschaft ankommt. Nicht zuletzt, weil er den "Ossis" immer wieder vorwirft, den Hintern nicht hochzukriegen und stattdessen in Jammerei zu verfallen. Ein typischer hemdärmeliger Kapitalist und „Wessi“. Schade besonders, weil die von Fliege ins Leben gerufenen Kampagne "Mehr Sonne für Frankfurt! Für ein gerechtes Klimaabkommen mit Afrika und Schluss mit der Wetterapartheid!“ eigentlich ganz gut läuft. Dafür lassen sich, bittere Ironie, plötzlich die Menschen mobilisieren, die bei demokratischen Vorhaben sonst nur müde abwinken. Eigentliches Ziel wäre, endlich „mal was gegen die Nazis machen“, die die Stadt zunehmend terrorisieren, für Linke und Liberale richtige Listen führen und auch vor körperlichen Angriffen gegen diese nicht zurückschrecken. Eine Erfahrung, die Freier nicht nur einmal gemacht hat.So ist auch eines seiner vorherrschenden Gefühle, neben der für sein Alter nicht ganz untypischen Plan- und Ziellosigkeit, die Angst. Angst vor den Rechtsradikalen, Angst vor seinen Gefühlen für die zurückgekehrte Schülerliebe Nadja, Angst vor der ganzen Umbruchsituation der Nachwendejahre.„Aber was in den Archiven und auch sonst kaum vorkommt, ist, wie beschissen es danach wurde. Es war wie in einem Hollywoodfilm: Niemand will etwas über die Zeit nach der Kussszene wissen. Die Geschichte der zwei Länder, die sich friedlich und fröhlich wiedervereinten, war zu gut, um sie zu versauen.“Dass es so einfach nicht war und ist, wissen wir mittlerweile. Dass zusammenwächst, was zusammen gehört, ist bis heute ein eher frommer Wunsch. Deutlich sind immer noch die Gräben zwischen Ost und West zu spüren, Argwohn und Misstrauen auf beiden Seiten noch immer nicht gänzlich beseitigt. Immer deutlicher wird, dass die sogenannte Wende mehr ein Epochenbruch zumindest für den einen Teil der Bevölkerung war, dessen Aufarbeitung Zeit braucht.Auch Freiers Eltern bekommen die weniger schönen Seiten der Wiedervereinigung zu spüren. Die Mutter, früher Illustratorin, arbeitet seit der Übernahme des Verlags in einem Callcenter. Ihre Telefonate von dort mit dem Sohn, gehören mit zum Rührendsten des Romans. Der Vater, einst Leiter einer Bauartikelgenossenschaft, ist kaum noch zuhause, sondern jobbt im Westen.Verlusterfahrungen allerorten, Existenzängste, Verunsicherungen, Demütigungen – auch Freier erlebt sie, als er, nachdem die Wahlsache in Frankfurt gescheitert ist, für den Unternehmer Franziskus, dessen „Pressesprecher“ er für die Zeit der Kampagne war, nach Hamburg gehen soll. Franziskus erkennt in dem jungen Mann ein Potential, das er für die Gründung einer Zoogeschäftskette in Florida nutzen möchte. Zuerst soll sich Freier bei einem befreundeten Hamburger Unternehmer ein paar „Kenntnisse“ aneignen, ein wenig „Biss“ erhalten. Für Freier die Chance auf den großen Gewinn – es locken immerhin 100.000 Mark -, im Alltag eher Ausbeutung beim Scheibenputzen in der Aquaristik oder bei der Müllentsorgung. Für die Kollegen ist er Udo – Unser doofer Ossi. Irgendwann muss er sich entscheiden, ob es das ist, was er will.Freier – der Name ist kein Zufall. Mit der Leichtfüßigkeit und Lässigkeit, mit der der Roman erzählt ist, geht Freier auch sein Leben an. Alle Trostlosigkeit und alle Widrigkeiten können ihn nicht völlig erschüttern. Es steckt vermutlich viel Christian Bangel in Matthias Freier. Dasselbe Alter, Heimatort Frankfurt/Oder, journalistische Neigungen. Auch eine linke Szene rund um die KuFa, die Kulturfabrik gab es in der Form in der Stadt. Selbst Gerüchte, dass eine Art feindliche Übernahme der SPD geplant wurde, existieren. Und leider auch die Probleme mit den Rechtsradikalen. So schlimm wie geschildert, hätte ich mir diese nicht vorgestellt, hätte ich nicht vor zwei Jahren den Roman 89/90 von Peter Richter gelesen, der wie eine Art Vorgänger, wenn auch in Dresden beheimatet, wirkt. Doch, es war wohl wirklich so schlimm mit den Nazis. Und dass diese auch heute noch ein großes Problem sind, hat sich mittlerweile auch herumgesprochen.Man findet vieles so, wie man es erwartet hat: der Ossi mit Selbstmitleid und Wut, der Wessi mit Arroganz und Rücksichtslosigkeit. Aber eben nicht nur. Klischees ja, aber keine Stereotypen. Da rackern sich die Leute im Osten eben auch ab, sind kreativ und innovativ, da sind die Menschen im Westen eben auch ungeheuer friedlich und freundlich. Da schauen die Bürger im Osten gerne mal weg, wenn von rechts gegrölt, gekloppt und gesoffen wird, verfallen in bitteren Trotz und Ostalgie, wenn es nicht so läuft, wie gedacht. Und die im Westen haben keine Probleme, auf ihre „Udos“ herabzuschauen und immer alles besser zu wissen. So und so.Die Menschen in Christian Bangels Roman sind keine Karikaturen, sondern eben Menschen. Der Autor verrät sie nicht, hat aber auch kein Mitleid oder ergreift für die eine oder andere Seite Partei. Man kann sehr gut sehen, was da alles schief läuft und was seine Schatten bis in unsere Zeit wirft. „Oder Florida“ wird dadurch für mich zu einem Zeitdokument, das auch sehr authentisch ein Lebensgefühl transportiert. Es ist witzig und tragisch, nachdenklich und lässig, gefühlvoll und komisch.Es gibt auch Dinge, die nicht perfekt geglückt sind, so zum Beispiel die wahre Identität von Nachbar Töffler. Auch Nadja bleibt als Figur so wenig greifbar wie die Geschäftsabsichten von Herrn Franziskus. Aber das ist Erbsenzählerei an einem gelungenen Debütroman.

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