Christian Baron

 4,2 Sterne bei 56 Bewertungen
Autor*in von Ein Mann seiner Klasse, Klasse und Kampf und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Christian Baron, geboren 1985 in Kaiserslautern, lebt als freier Autor in Berlin. 2020 erschien bei Claassen sein literarisches Debüt Ein Mann seiner Klasse.Maria Barankow, geboren 1987 in Russland, Studium der Romanistik und Anglistik in Köln und London, ist seit 2013 Lektorin und Programmleiterin bei den Ullstein Buchverlagen.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Christian Baron

Cover des Buches Ein Mann seiner Klasse (ISBN: 9783548064673)

Ein Mann seiner Klasse

 (29)
Erschienen am 29.03.2021
Cover des Buches Klasse und Kampf (ISBN: 9783546100250)

Klasse und Kampf

 (14)
Erschienen am 29.03.2021
Cover des Buches Proleten, Pöbel, Parasiten (ISBN: 9783360013118)

Proleten, Pöbel, Parasiten

 (5)
Erschienen am 12.09.2016
Cover des Buches Schön ist die Nacht (ISBN: 9783548068589)

Schön ist die Nacht

 (6)
Erschienen am 30.11.2023
Cover des Buches Klasse und Kampf (ISBN: 9783548066073)

Klasse und Kampf

 (1)
Erschienen am 27.05.2022
Cover des Buches Ein Mann seiner Klasse (ISBN: B087JN3CH7)

Ein Mann seiner Klasse

 (1)
Erschienen am 23.04.2020
Cover des Buches Ein Mann seiner Klasse (ISBN: 9783844925388)

Ein Mann seiner Klasse

 (0)
Erschienen am 17.04.2020
Cover des Buches Schön ist die Nacht (ISBN: B0B7SLFJ3F)

Schön ist die Nacht

 (0)
Erschienen am 28.07.2022

Neue Rezensionen zu Christian Baron

Cover des Buches Ein Mann seiner Klasse (ISBN: 9783548064673)
Hyperikums avatar

Rezension zu "Ein Mann seiner Klasse" von Christian Baron

Beeindruckende Geschichte
Hyperikumvor 10 Monaten

Kaiserslautern in den 90ern. Christian wächst mit seinem Bruder in einem Mietshaus auf. Sein Vater arbeitet mehr oder weniger als Möbelpacker, seine Mutter ist Hausfrau. Wenn sein Vater abends unter 10 Flaschen Bier nach Hause kommt ist seine Laune absehbar und die Hoffnung gegeben, dass er sich einfach nur vor den Fernseher setzt. Sollte die Stimmung kippen, wird er ihre Mutter im Schlafzimmer verprügeln, ihren Kopf immer wieder vor die Wand stoßen und sie wird schreien. Der Elvis von oben setzt dann seine Kopfhörer auf bevor er an ihrer Türe vorbeiläuft und die selbsternannte Hausmeisterin, die alles weiß, interessiert es nicht. Christian und sein Bruder liegen dann in ihren Etagenbetten, schwitzen und weinen in ihre Kissen und hoffen, dass es diesmal schnell vorbei geht. 


Er warf ihr seinen bösen Blick zu. “Wir lesen sie halt”, sagte er. (Bildzeitung) “Auf Arbeit. Nur weil du dich für was besseres hälst, musste nicht so tun, als wär ich ein Klappspaten. Oder meint ihr, ein Klappspaten könnt seine Familie ernähren?” Er kübelte sein Bier in einem Zug, rülpste seine Alkoholfahne in die stickige Rau,luft und zog den Rotz hoch, so laut und so lange, dass jeder, der es zwischenzeitlich hätte vergessen können, sofort wieder wusste, wer hier der Boss war. S. 107


Heute ist ihre Mutter im Krankenhaus und sorgt damit für Verwirrung bei den Kindern. Es ist der Tag an dem ihrem Vater ein Super Mario Spiel in die Hände gefallen ist, jetzt zocken sie die ganze Nacht durch und brauchen nicht in die Schule. 

Christians Mutter, hat zu ihrer Schulzeit Gedichte geschrieben, bis einer der Lehrer sie der Lächerlichkeit bloß gestellt hat, danach schrieb sie nur noch für Opa Willy, für ihn war sie alles. Mit sechzehn wurde sie schwanger und war einfach nur froh ihrem demütigenden Lehrer den Rücken zu kehren. Doch dann verlor sie das Kind nach einem Kaiserschnitt. Der Vater ihrer Tochter zog sich zurück und der Rotschopf fing an ihr den Hof zu machen, Christians Vater. Als er sie rum bekam war sie schon nicht mehr die Strahlefrau, die jeder bewundert hatte. 

Fazit: Christian Baron erzählt seine schreckliche Geschichte absolut authentisch. Ich glaube ihm jedes Wort. Mit seinem großen Schreibtalent schildert er seine Eltern so, dass ich glaube, sie vor mir zu haben und dabei zu sein. Auch die wenigen Momente, die sein Vater durchscheinen ließ, nicht nur ein aggressives Ekel zu sein, lässt Baron nicht aus. Obwohl die Geschichte brutal ist, mag ich sie sehr. Sie plädiert für ein mehr an Miteinander, mehr Zivilcourage.

Cover des Buches Ein Mann seiner Klasse (ISBN: 9783548064673)
Faidits avatar

Rezension zu "Ein Mann seiner Klasse" von Christian Baron

Psychogramm unserer Gesellschaft
Faiditvor einem Jahr

Was dieses Buch ausmacht, ist die unverblümte Selbstehrlichkeit des Autors, die ungeschönte Wahrheit über das Aufwachsen ohne Perspektive und in Mangel sowie die erschreckende Realität der Stigmatisierung einer deutschen Unterschicht.

Gleich zu Beginn des Buches hat mich die vergebende Haltung des Autors Christian Baron tief berührt. Durch seinen ehrlichen Umgang mit seiner eigenen Wut ist er ebenso während der gesamten Schilderung seiner Kindheitsgeschichte relativ objektiv mit dem Charakter seines Vaters und seiner gesamten Familie umgegangen. Baron zeigt seinen Vater, der seine Hauptfigur in seiner Erinnerung ist, nicht nur von seiner lauten brutalen Seite, sondern auch die leisen Zeichen seiner unter der Krankheit des Alkoholismus schlummernden Liebe, wenn der Vater z. B. die kleine Schwester auf seinem Arm hält oder dem schwerkranken Christian im Krankenhaus beisteht. Der Autor schildert die Täter auch als Opfer, indem er die Ursachen für deren Sucht benennt, gegen die sie ihr ganzes Leben mit ihrer von Scham belasteten schwachen Psyche kämpfen müssen. 

Beim Lesen habe ich schließlich über das Wort „asozial“ nachgedacht, das als Titel für in unserer Gesellschaft gemiedene Menschen benutzt wird, welcher keinen gehobenen Status verleiht, sondern tatsächlich als Schimpfwort gemeint ist. Das Wörterbuch definiert „asozial“ als unfähig zum Leben in der Gemeinschaft, sich nicht in die Gemeinschaft einfügend; am Rand der Gesellschaft lebend. Doch das ist falsch, denn es setzt eine fehlende Eigenschaft und eigenes Verschulden eines Menschen ohne Geld, Bildung und Selbstbewusstsein voraus, die ihn alleine an den Rand der Gesellschaft gebracht haben. Aber es ist genauso wenig eigenes Verschulden in unserem Land in Armut geboren zu sein und aufwachsen zu müssen, wie mit einem goldenen Löffel im Mund zur Welt zu kommen. Der Autor hält dem Leser seines biografischen Romans jedoch frei von Anklage den Spiegel vor. Denn er will aufklären und sensibel für die Respekt und Lieblosigkeit gegenüber der Arbeiterklasse und den Sozialhilfeempfängern machen. Baron kämpft für Chancengleichheit und die Aufklärung, um der Armut die Scham zu nehmen. Immer wird Alkoholismus als die größte Ursache für diesen sozialen Abstieg gesehen. Aber familiäre Gewalt und Drogensucht findet in gleichem Ausmaß hinter teuren Häuserfassaden, in schicken Autos und Klamotten und mit dickem Geldbeutel in der Tasche statt. Mangelnde Intelligenz der Mittellosen wird außerdem als Grund vorgeschoben. Doch für eine gute Bildung und Ausbildung werden von denen, die die Chancen vergeben könnten, stattdessen oft Steine in den Weg gerollt. Wer Geld hat, kann sich Bildung in unserem Land erkaufen. Aber Reiche sind nicht unbedingt belesener als Arme. Und Intelligenz beweist sich nicht alleine durch Geld. Dies macht einen Menschen nicht wertvoll, sondern seine Fähigkeit zu lieben und zu vergeben. Und diese Fähigkeit, welche die einzige ist, die soziales Miteinander fördert, haben im gleichen Maße auch sogenannte Asoziale. 

Und darum gibt es sie, diejenigen, die den Aufstieg aus der untersten Etage unserer Gesellschaftspyramide dennoch entgegen allen Widerständen schaffen. Tatsächlich kommen diese Widerstände auch aus den eigenen Reihen, weil der Mensch egoistisch und von Neid erfüllt ist und keinem gönnt, weiter als er selbst den Kopf aus der Gruppe recken zu können. Heimlich, still und leise kämpfen sich die Klassenflüchtlinge darum Stück für Stück heraus aus dem Morast in ein angenehmeres Leben und sind am Ende die sozialsten und stärksten von allen – weil sie das untere Ende der ökonomischen Nahrungskette kennen und wissen, dass sie nicht von minderem Wert als andere sind. Christian Baron rüttelt die Gesellschaft wach, gibt mit seiner Lebensgeschichte Hoffnung aus der Aussichtslosigkeit und befreit von der Scham.

Cover des Buches Klasse und Kampf (ISBN: 9783546100250)
Faidits avatar

Rezension zu "Klasse und Kampf" von Christian Baron

Die vergessenen „Unberührbaren“- das Kastensystem der Gesellschaft in Deutschland
Faiditvor einem Jahr

Selten habe ich ein Buch derart schnell gelesen, ja verschlungen, wie dieses. Die Einblicke in die privaten Erlebnisse der Autorinnen und Autoren sind packend, berührend, erschreckend und in meinem Fall bestätigend und gaben mir das Gefühl, verstanden und nicht allein mit meinen Erlebnissen zu sein. Denn es gibt sie sehr wohl in Deutschland: die Ungleichheit, die Klassenunterschiede, die Ächtung von Mittellosen in unserer Wohlstandsgesellschaft! Wer als Deutsche oder Deutscher in unserem Land unter offensichtlichen großen Geldsorgen leidet, gilt als faul, dumm und nichtsnutzig, obwohl dies natürlich nicht offen ausgesprochen wird und einzig in den Köpfen nicht nur festsitzt, sondern auch als Wahrheit gepflegt wird. Natürlich ist man nach außen hin tolerant und empathisch! Aber dass die Sache mit dem „Unberührbarsein“ als Mittellose so ist, kann ich aus eigener Lebenserfahrung bestätigen und lässt sich auch in diesem aufrüttelnden Buch in den sehr persönlichen Lebensgeschichten von heute sogenannten gemachten Leuten nachlesen, die dem Sog der unteren Gesellschaftsklasse, dem Dasein als Asoziale, entkommen sind. Denn wer als Sozialhilfempfängerin oder -empfänger oder in eine Familie von Geringverdienern oder auch nur in die Arbeiterklasse in diesem Land geboren ist, hat kaum eine Aufstiegschance, da die Ausgrenzung bereits im Kindergartenalter beginnt und die Aussagen und Urteile von Lehrern, Erziehern sowie dem ganzen Umfeld setzen sich als lähmende Glaubenssätze in der eigenen Meinung über sich selbst bei den Betroffenen fest. Dabei genügt es in diesem Land schon sich als Mutter scheiden zu lassen und alleinerziehend zu werden, um in die finanzielle Abwärtsspirale zu geraten. Auf dem Sozialamt fällt dann schnell das Damoklesschwert, wie besonders auf Seite 72 beschrieben. Diese Missachtung von einem unserer Grundrechte habe ich selbst erlebt und ich kann das dort erzählte Unfassbare darum als wahr bestätigen. 

Eine wertvolle Anthologie, die Mut macht und den Respekt für die unteren Klassen in unserer Gesellschaft fördert. Denn sie sind die Basis der Spitze … 

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