Das Gedächtnis der Insel

von Christian Buder 
3,6 Sterne bei16 Bewertungen
Das Gedächtnis der Insel
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Puuuh - angelesen, quergelesen, abgebrochen. Hölzerne Dialoge und ab und an eine eingeschobene Lebensweisheit. Reicht mir nicht!

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Inhaltsangabe zu "Das Gedächtnis der Insel"

Als der Pariser Archäologe Yann Schneider für zwei Tage zur Beerdigung seines Vaters auf seine bretonische Heimatinsel zurückkehrt, spürt er die Schatten seiner familiären Vergangenheit: Als Kind traumatisiert durch den Unfalltod seiner Mutter Abigale, muss er dreißig Jahre später erkennen, dass hinter dem Tod seiner Mutter andere Kräfte wirkten, als er immer annahm. Während ein fürchterlicher Sturm aufzieht, kommt Yann seiner eigenen Geschichte, seiner Wahrheit, seinem Schicksal auf die Spur und konfrontiert die Inselbewohner mit ihrer Vergangenheit und ihrer Schuld.
Ein packender, intensiver Roman um einen gewaltigen Sturm und ein jahrzehntealtes Liebesdrama mit tödlichen Konsequenzen

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783896675910
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:Blessing
Erscheinungsdatum:06.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Frau_J_von_Ts avatar
    Frau_J_von_Tvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Stürmisch, ohne Tiefgang
    Stürmische Geschichte ohne Tiefgang

    Der Pariser Archäologe Yann kehrt nach 30 Jahren auf seine kleine Heimatinsel in der Bretagne zurück. Eigentlich wollte er die Insel nie mehr betreten, denn zu schmerzhaft sind die Erinnerungen an seine hier verbrachte Kindheit: seine Mutter Abigail kam bei einem Sturm auf dem Meer ums Leben und zu seiner Stiefmutter, die schon bald nach Abigails Tod zu seinem Vater und ihm ins Haus zieht, hat er ein schlechtes Verhältnis. Sobald er volljährig ist, verlässt er die Insel und geht seinen eigenen Weg. Doch nun wurde die Leiche seines Vaters im Hafen der Insel gefunden und Yann macht sich zur Beerdigung auf. Doch kaum auf der Insel angekommen, wird er mit seiner Vergangenheit eingeholt und genau wie damals nach dem Verschwinden seiner Mutter, kommen Fragen auf, die es zu beantworten gilt. Und dann ist da ja auch noch seine erste Liebe und ein heraufziehender Jahrhundertsturm...

    „Das Gedächtnis der Insel“ - ein Roman, der mich ratlos zurücklässt. Ein Krimi? Eine Familiengeschichte? Eine Mischung aus beidem? Ich weiß es nicht. Der Einstieg in die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Buder schafft es auf klare und ansprechende Weise ein atmosphärisches Bild der kleinen bretonischen Insel zu schaffen. Auch der Spannungsaufbau ist gut gestaltet. Leider blieb dies nur am Anfang so. Die Figuren die der Autor zeichnet bleiben für mich unnahbar und flach. Man erfährt zwar teilweise etwas über Yanns Gefühlswelt, aber so richtig verstanden, wieso der denn nun von allem distanziert und eigenbrötlerisch lebt, habe ich nicht. Auch die übrigen Figuren im Buch werden mir nicht klar genug dargestellt. Vielleicht legt es daran, dass mir nicht wirklich klar ist, was der Autor mit seinem Roman aussagen will. Die Idee für die Geschichte finde ich sehr gelungen, aber man hätte an vielen Stellen einfach viel mehr in die Tiefe gehen müssen. Die ganze Handlung über tobt ein Sturm über der Insel, der zum Schluss in einer alles vernichtenden Flutwelle endet. Beim Lesen vergisst man das allerdings irgendwie schnell. Auch wenn er zwischendurch immer mal wieder kurz angesprochen wird.
    Am Anfang der Geschichte rechnet man als Leser damit, dass es im Roman um die Aufklärung des Todes des Vaters geht. Aber irgendwie driftet das Ganze ganz schnell ab und es geht eher um das Verschwinden der Mutter vor mehreren Jahrzehnten. Und die Auflösung zu dieser Geschichte lässt irgendwie zu wünschen übrig.
    Wie ich bereits zu Anfang sagte, bin ich ratlos, was diesen Roman betrifft. Als Krimi ist er einfach wahnsinnig vorhersehbar, als Liebes- oder Familiengeschichte ist es zu flach. Und als Naturroman geht er eben auch nicht durch, dazu rückt der Sturm und seine Begebenheiten zu sehr in den Hintergrund.
    Meiner Meinung nach hätte die Geschichte mehr Raum gebraucht. Das Tempo das der Autor hier vorgibt, entspricht sicherlich dem des herannahendem Sturms, es nimmt der Tiefe der Geschichte aber leider viel zu viel.

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    herrzetts avatar
    herrzettvor 6 Monaten
    Eine Insel, ein Sturm und das große Geheimnis

    Über Christian Buders Roman "Das Gedächtnis der Insel" bin ich bereits vor einer Weile gestoßen. Nun fiel mir dieses Buch geradezu zu und ich hab es innerhalb kürzester Zeit förmlich weggeatmet. Die Geschichte der Insel - Eine spannende Konfrontation mit der Vergangenheit und Träumen die zu Albträumen mutierten.

    "Ich habe immer wieder beobachtet, wie Menschen die Liebe gerade dann als das Höchste empfinden, wenn die Liebenden dabei zugrunde gehen. Überleben die Liebenden, dann sind sie nicht mehr dieselben. Davon handelt mein Roman." - Christian Bruder

    Der Tod ruft den Archäologen Yann zurück auf die kleine bretonische Insel. Der Körper seines Vaters wurde vor kurzem in einer Bucht aufgefunden und soll nun beerdigt werden. Dass ihn dieser Besuch nun vor ein großes Mysterium stellt, hätte selbst Yann bei seiner Ankunft noch nicht erwartet. Aber die Ermittlungen der französische Gendarmerie oder besser gesagt Yanns früherer Freundin Gwen, werfen in Yann noch mehr Fragen auf. Nicht nur der Selbstmord seines Vaters, sondern auch das frühere Unfalltod seiner Mutter scheinen mehr als als unzufällig zu sein. Und gerade diese Vermutung macht Yanns Besuch bei den Inselbewohnern so unbeliebt. Sie scheinen ihm etwas zu verschweigen. Gerade der drohende Jahrhundertsturm soll nun bei der Findung der Wahrheit helfen und Yanns Schicksal wird sich in Sachen Zuneigung und Liebe neu aufrollen. 

    "Die kantigen Granitfelsen, das ewige Heranschlagen der Brandung, die Stürme, die selbst die Leuchttürme zum Wanken brachten, formten den wahren Charakter der Bewohner. Wer hier geboren war, hatte es in den Adern. Das Meer färbte seine Seele."

    Ein Roman, ein Krimi, eine spannende Geschichte... Über dieses Buch habe ich bereits einige interessante Unterhaltungen geführt. So kamen auch erstaunte Fragen wie: Und kam dir da nichts komisch vor? Dass sie bei dem Wahnsinnssturm über die schmalen Wege gehen zum Beispiel? Und dazu kann ich nur sagen: Nein, ich war so gebannt von dieser Geschichte, dass solche Elemente für mich zur Spannungssteigerung einfach dazugehörten. Das Einzige was für mich nicht rund war, waren ein paar vereinzelte Sprünge innerhalb des Plots, die plötzlich neue Informationen hervorzauberten und Fragen aufwarfen. Ansonsten habe ich dieses Buch geliebt. Ich war ergriffen, berührt und auch ein bisschen begeistert und habe mit Yann und Gwen bis zur letzten Seite mitgefiebert. 

    "Sein Tod wäre kein Erdbeben, für niemanden. Jeden Tag starben Menschen auf diesem Planeten. Sie zerplatzen wie Regentropfen. Jeder zerplatzt, jeder kommt irgendwann einmal unten an."

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    Gulans avatar
    Gulanvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Trauer, Schuld, eine raue bretonische Insel, die Zutaten sind gut, aber die Kriminalgeschichte ist so altbekannt und vorhersehbar.
    Plot mit Bart.

    „Jacques hat sich seinen Verstand über die Jahre weggesoffen. Wenn du einen Rat von mir willst: Begrabe deinen Vater und verlasse die Insel.“

    „Du weißt, warum meine Mutter rausgefahren ist.“
    Rose konnte nicht ruhig stehen. Sie blieb in Bewegung, als hinge ihr Leben davon ab. „Jeder hat damals mitbekommen, was passiert ist. Die Insel ist kein guter Ort von Geheimnisse.“
    „Für die Geheimnisse, die jeder begraben will, ist es der perfekte Ort.“ (S.182)


    Der Archäologe Yann kehrt erstmals nach zwanzig Jahren zurück auf seine Heimalinsel vor der bretonischen Küste, um seinen Vater zu beerdigen. Dieser soll sich mit einem Sprung von der Fähre ins kalte Wasser selbst umgebracht haben. Doch als er auf der Insel eintrifft, begegnet ihm als erstes seine Jugendfreundin Gwenn, die inzwischen bei der Gendarmerie arbeitet und ihm gegenüber Zweifel äußert, ob es sich beim Tod seines Vaters wirklich um Selbstmord handelte.


    Mit der Wiederankunft auf der Insel holt Yann auch ein altes Trauma wieder ein. Im Alter von acht Jahren fuhr seine Mutter mit einem Unbekannten auf einer Yacht aufs Meer, die dann in einem Jahrhundertsturm sank. Mit der neuen Partnerin seines Vaters, Rakel, konnte er sich nie anfreunden. So verließ Yann mit 18 die Insel. Doch nun beginnt er mit Hilfe Gwenns sowohl den Selbstmord seines Vaters als auch den Unfalltod seiner Mutter anzuzweifeln.


    Von der Inselbewohnern sagte man, dass sie weder zum Festland gehörten noch zum Meer. Seit Jahrhunderten hockten sie auf einem grauen Granitfelsen und harrten aus, als warteten sie auf ein Zeichen des Aufbruchs. (S.8)

    Das Setting gelingt Autor Christian Buder durchaus ansprechend. Eine (fiktive) kleine, felsige Insel an der Küste der Bretagne. Ein Leuchtturm, Steinhäuser, ein kleiner Hafen. Der Menschenschlag rau, zurückhaltend, verschwiegen. So gelingt es Yann zunächst auch nicht, das Schweigen über die Ereignisse von damals zu brechen, doch die Schuld des Mitwissens nagt schließlich doch an einigen wenigen, während andere zunehmend mit aller Macht verhindern wollen, dass Vergangenes wieder hervorgeholt wird. Und zu allem braut sich wieder ein großer Sturm zusammen – wie damals vor 30 Jahren.


    Autor Christian Buder war zunächst als Journalist tätig, veröffentlichte schließlich zwei Kriminalromane und zuletzt ein philosophisches Sachbuch. Seine Intention für diesen Roman hat er auf der Rückseite formuliert: „Ich habe immer wieder beobachtet, wie Menschen die Liebe gerade dann als das Höchste empfinden, wenn die Liebenden dabei zugrunde gehen. Überleben die Liebenden, dann sind sie nicht mehr dieselben. Davon handelt mein Roman.“

    Das hörte sich für mich ein wenig bedeutungsschwanger an. Aber ich hätte mir vorstellen können, dass dieses Unterfangen dem Autor gelungen wäre, wenn er sich auf die Aspekte von Trauma, Schuld und Vergangenheitsbewältigung in dieser isolierten Inselatmosphäre vollständig gekonzentriert hätte. Stattdessen konstruiert er einen Kriminalfall und da beginnen meine Probleme mit dem Roman.


    Normalerweise bin ich ja ein ziemlicher Verfechter, dass dem Krimigenre endlich mal auch der literarische Wert anerkannt wird. Hier allerdings muss ich konstatieren, dass die Kriminalgeschichte der Handlung nicht gut tut. Je weiter die Geschichte kommt, desto vorhersehbarer wird der Plot. Die Story entpuppt sich als Gier- und Eifersuchtsdrama, dass man schon x-mal in ähnlichen Varianten erleben durfte. Echte Spannung kommt erst spät und dann noch sehr spärlich auf. Obwohl der Roman literarisch ansprechend geschrieben ist, war der Plot für mich hintenheraus ziemlich enttäuschend. Mit dem passenden Drehbuch könnte diese Geschichte durchaus auch sonntags um 20:15 Uhr im ZDF laufen. Das ist vielleicht ein wenig hart, aber ein wenig mehr Finesse hätte man durchaus erwarten können.

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor einem Jahr
    Enttäuscht

    »Wer weggeht und wieder zurückkommt, der findet nicht mehr denselben Ort vor. Alles war in Bewegung und das, was wir kennen, eine Illusion.«

    Yann Schneider kehrt aus Paris nach 20 Jahren in die Heimat zurück, eine kleine Insel in der Bretagne. Er will seinen Vater beerdigen, der Selbstmord begangen hat, am gleichen Tag, an dem 30 Jahre zuvor die Mutter starb. Die Mutter, die im Sturm auf einem Boot mit dem Maler Jojo abhauen wollte und ertrank. Eine Nacht, nimmt Yann sich vor, schnell wieder weg. Dort hält ihn nichts, nur böse Erinnerungen, der Tod der Mutter, der Vater, mit dem er nicht klarkam, der damals gleich nach der Beerdigung diese andere Frau, Rykel, ins Haus nahm, die Yann hasst, die immer gern seine Mutter gewesen wäre. Yann hatte ihr das Wort Mutter verweigert. Yann kehrt auch nicht ins Elternhaus zurück zu Rykel, trifft auf Gwenn, seine Jugendliebe, die nun Polizistin ist, auf der Insel Kurzurlaub macht. Gwenn kommt der Suizid merkwürdig vor, sie untersucht den Fall. Und sie stellt fest, der Vater von Yann muss ermordet worden sein. Yann interessiert das nicht, er will weg, möchte auch keine Beziehung mit Gwenn anfangen, die ihn immer noch liebt. Doch nun zieht ein Jahrhundertsturm auf, wer sich auf der Insel befindet, kommt nicht mehr weg. Wer hat Yanns Vater umgebracht? Wer ist Jojo und war der Tod der Mutter vielleicht auch ein Mord? Gwenn will es wissen und sie will Yann. Doch der hält sich die Ohren zu.

    »An Rykels Eigenart, in Befehlen zu reden oder Sätze wie Marmorsäulen aus dem Nichts zu schaffen, vor denen Yann als Kind tagelang und manchmal sogar wochenlang zurückschreckte, hatte er sich gewöhnt. ›Ich kann das tun, glaube mir. Ich kann das tun, weil ich es so will.‹«

    Sprachlich hat mir das Buch gut gefallen, teils wortgewaltig in der Landschaftsbeschreibung und mit Metaphern, die stimmen, das Buch ist vom Ausdruck eine Lesefreude. Insel, schweres Unwetter, Sturm, ein unaufgeklärter Todesfall, ein Mord … irgendwie ist die Geschichte schon mehrfach erzählt worden. Mir fehlte eine echte Story, eine Bereicherung. Diese Handlung, in Abwandlung, wurde schon oft erzählt und gelinde gesagt, sie sagt mir auch nichts. Das ist schlicht meine persönliche Meinung. Von Plotaufbau betrachtet, steht die Tür sperrangelweit offen. Ich wusste nach einem Drittel, wer der Täter ist und warum. Manchmal ist das nicht schlimm, nämlich dann, wenn es in dem Krimi oder Thriller um etwas ganz anderes geht, um eine Milieuschilderung, um ein Thema, der Mord als Sache zum Zweck ist. Aber wenn es letztendlich nur um die Aufklärung eines Mordes geht, man frühzeitig weiß, wer der Täter ist, obendrauf noch warum, dann ist das Buch langweilig. Leider. Yann und Gwenn sind für mich als Person nicht stimmig und ein paar andere Charaktere sind überzogen klischeehaft, alles so verdammt bekannt. Der Verlag hat sicherlich aus diesem Grund das Buch als »Roman« bezeichnet, nicht Thriller.

    Der Autor hat mich von seinem erzählerischen Talent überzeugt, absolut. Aber das reicht für einen Krimi / Thriller nicht. Die Geschichte muss stimmig sein, denn auch das war arg konstruiert, die Figuren müssen glaubhaft sein, Spannung sollte bei einer Mordaufklärung nicht fehlen. Gehen wir von einem Roman aus, wie vom Verlag ausgewiesen, welche Geschichte wird erzählt? Die von Yann? Dann ist mir das zu wenig, denn wir erfahren nur wo er wohnt, was sein Beruf ist, ein klein wenig über seine Kindheit und minimal etwas über die Jugendliebe zwischen Yann und Gwenn, über sein Trauma. Geht es um das Dorfgeflecht? Dann hätte ich gern ein wenig mehr über die Bewohner und die Beziehung untereinander erfahren, es ist nicht ihre Geschichte. Worum geht es?, habe ich mich gefragt. Es geht um die Aufklärung, was damals mit der Mutter geschah. Und das ist einerseits zu ahnen, andererseits zu konstruiert. Und so landen wir wieder beim Krimi. Gwenn, die Polizistin, ist die treibende Kraft. Yann zieht zunächst nicht mit, doch dann, gefangen auf der Insel, will er es wissen. Und überhaupt mag ich keine Bücher, die schon zigmal im Grundkonzept geschrieben wurden. 

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    KristinSchoellkopfs avatar
    KristinSchoellkopfvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Beeindruckt von der ersten Seite an
    Ich bin gespannt auf weitere Werke des Autors

    Symbolik und Metaphorik machen ein Werk zu etwas ganz besonderem. Sie lassen nicht nur die Geschichte, die erzählt wird, in einem anderen Licht erscheinen, sondern schaffen es, bei dem Leser auf eine beispiellose Weise Eindruck zu hinterlassen. Wie auch Christian Buders „Das Gedächtnis der Insel“.

    Literatur ist niemals eindeutig. In kaum einem anderen Werk wird dieser Satz so bestätigt, wie in diesem. Der Leser kann fast jeden Satz auf die unterschiedlichsten Arten deuten, obwohl eine kohärente Geschichte erzählt wird. Denn bis zum Ende wird nicht klar, wo sich das Geschehen ereignet oder ob der Leser sich die gesamte Lesezeit in einem Gedankenkonstrukt befindet.

    Romane wie diese, da bin ich ehrlich, beeindrucken mich. Der Autor beweist in jeder Formulierung, dass er den Leser versteht und ihn so lenken kann, dass dieser selbst von seinen eigenen Gedankengängen überrascht wird. Aus diesem Grund konnte ich den Roman auch nicht innerhalb weniger Stunden beenden, sondern benötigte einige Tage, allein um meine Gedanken zu ordnen und über das Gelesene zu reflektieren. Dies macht den Roman zu so viel mehr als nur einem von vielen – der Roman bewegt und beschäftigt. So sehr der Leser es auch versucht, er kann das Gelesene nicht mehr abschütteln und ist gezwungen sich nicht nur dem Geschriebenen, sondern auch seinem eigenen Verstand zu stellen.

    FazitDas Gedächtnis der Insel von Christian Buder gehört zu den spannendsten und komplexesten Romanen, die ich dieses Jahr lesen durfte.

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    wandablues avatar
    wandabluevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Krimi, der Literatur ist! Wunderbar erzählt! Ein bisschen Krimi und ganz viel Insel. Und Sturm. Leseempfehlung!
    Kriminalistische Erzählung vom Feinen.

    Kriminalistische Erzählung vom Feinen.
    Christian Buder, Jahrgang 1969, freier Autor und Journalist, hat ein Gespür für Atmosphäre. Vielleicht liebt er auch nur Meer, Wellen, Wind und Insel. Jedenfalls, als ich mit ihm, beziehungsweise seinem Protagonisten Yann, die kleine Insel in der Bretagne betrete, die Gegenstand seiner Erzählung ist und die nur von 200 Menschen bewohnt wird, aber stets von einigen verrückten Touristen besucht wird, die entweder der Ornithologie frönen oder sensationslüsterne Sturmfotografen sind, bin ich gleich mitten drin im Wetter, in der Gischt, dem Möwengeschrei und der Brandung.

    Die Insel ist karg, die Vegetation nicht nennenswert und Yann war seit über zwanzig Jahren nicht mehr hier. Der Menschenschlag ist rau. Ich wollte, ich könnte sagen, rau, aber herzlich. Nix. Rau. Harsch. Verschlossen. Kurz angebunden. Man erkennt Yann fast nicht wieder, dann bekommt er doch ein Zimmerchen in Roses kleiner Pension. Er hätte auch in sein Elternhaus gehen können. In das große Steinhaus, in dem er aufgewachsen ist. In dem aber Rykel haust. Die seinen Vater geheiratet hat, der nun tot ist. Deswegen ist Yann gekommen. Oder? Nun, ich sag es gleich, da ist noch mehr. Unter anderem Gwenn, seine Jugendliebe. Doch gemach, der Sturm zieht ja herauf und sicherlich regnets.

    Christian Buder legt in seiner kriminalistischen Erzählung das Gewicht nicht auf die Aufklärung eines Falles, sondern auf die Stimmung und Schilderung des heraufziehenden Jahrhundertsturms. Kann man ihm trotzen? Standhalten? Überleben? Wasser ist wunderbar, Meer ist superschön, Wasser ist tödlich, Meer ist gefährlich. Hungrig. Nach Insel.

    Christian Buders Schilderungen der Leute, des Lands und des Wetters kann man nicht anders als großartig bezeichnen. Seine Sätze sind oft kurz. Man hat schließlich in den Sturmvorbereitungen keine Zeit für Langatmiges. Kurz sind seine Sätze, aber nicht stakkatohaft. Seine Vergleiche sind schön und treffen ihr Ziel. Gegen Ende hin vermischen sich Kriminalistik und Sturm zu einer Einheit und mir wird es ein bisschen zu actionreich.

    Fazit: Sehr gut gelungener Krimi mit ganz viel Meer, Sturm, Wind und Wellen, knorrigen Leuten, Spuren der Vergangenheit und natürlich unvermeidlicher Leichen, die aber nicht weiter stören.

    Weitere Bücher von Christian Buder sind - (Kriminalromane): Die Eistoten. Der Tote im Meer. (Sachbuch): Schwimmen ohne Nass zu werden, wie man mit Philosophie glücklich wird.

    Kategorie: Krimi bzw. kriminalistische Erzählung
    Verlag: Insel, 2017

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    alberteinstein204vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Atmosphäre der Bretagne, Spannung, ein düsteres Familiengeheimnis und tolle Charaktäre.
    Niemand entkommt seinem Schicksal

    Yann kommt nach Jahren wieder zurück auf die Insel, die der Ort seiner Kindheit war. Was man anfangs für eine Kriminialgeschichte halten kann, entpuppt sich im Laufe der Geschichte als ausgefeilter düsterer Roman über Liebe, Schicksal und der Endlichkeit des Lebens. Alles komprimiert auf dieser Insel und nur wenige Tage, um alles zu verstehen. Für mich ein Roman, der mich an die Brandungswelle von Claude Gallay erinnerte, aber spannender als Gallays Roman war. Ich freue mich, noch mehr vom Autor zu lesen.

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    alberteinstein204vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Atmosphäre der Bretagne, Spannung, ein düsteres Familiengeheimnis und tolle Charaktäre.
    Das Meer der Vergangenheit

    Dichte Atmosphäre, spannende Geschichte. Die Geschichte ist nur vordergründig ein Kriminalfall, dahinter steckt ein schönes Stück Literatur. Nach dem Lesen hatte ich den Eindruck, dass der Kriminallfall nur der Einstieg in die Geschichte war. Das Schönste waren die Ausführungen über verpasste Liebe und wie das Leben doch manchmal seine eigenen Wege sucht. Am Ende nennt man den Ausgang Schicksal. Davon handelt das Buch. Für mich ein großartiges Buch, das ich so schnell nicht mehr vergessen werde.

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Atmosphärische, intensive Naturbeschreibungen und ein mysteriöses Familiengeheimnis. Nur der Kriminalfall konnte mich nicht ganz überzeugen.
    Dem Vergessen entrissen

    „Wer weggeht und wieder zurückkommt, der findet nicht mehr denselben Ort vor. Alles war in Bewegung und das, was wir kennen, eine Illusion.“

    Inhalt

    Yann Schneider kehrt nach 20 Jahren Abstinenz an seinen Heimatort auf einer abgelegenen Insel in der Bretagne zurück. Jenem Ort, der ihm als Kind seine Mutter nahm und nun seinen Vater holte. Direkt an der stürmischen Atlantikküste trotzen nur wenige den Kräften des Meeres, Menschen verschwinden und tauchen nicht mehr auf und andere tragen bittere Geheimnisse mit sich herum.

    Yann nimmt die bevorstehende Beerdigung seines Vaters als Anlass dazu, ein allerletztes Mal an den Ort der Verdammnis zurückzukehren, um die wahre Geschichte hinter dem tragischen Tod seiner Mutter herauszufinden. Denn an Schicksal mag er nicht glauben, ebenso wenig wie an die Unschuld seiner Stiefmutter und gemeinsam mit seiner Jugendliebe Gwenn, die bei der Gendarmerie tätig ist, begibt er sich auf eine Reise in die Vergangenheit.

    Doch während ein gigantisches Sturmtief über das Eiland hinwegfegt, eröffnen sich neue Perspektiven auf ein längst verjährtes Verbrechen. Die Frage ist nur, ob Yann schneller Licht ins Dunkel bringen kann als dass sein Leben verlischt, getilgt durch die monströsen, unmenschlichen Naturgewalten in Kombination mit mörderischer Energie …

    Meinung

    Auf dieses Buch bin ich sowohl wegen seines gelungenen Coverbildes als auch wegen der stimmigen Beschreibung, die einen beeindruckenden Roman über die dunklen Mächte der Liebe verspricht, aufmerksam geworden. Und beide Aspekte finden sich in zahlreichen Formulierungen des Textes wieder, so dass allein die erzeugte Stimmung beim Lesen eine Wucht ist. Der Autor vermag es auf grandiose Art und Weise das Leben auf einer ausgesprochen eigenen, minimalistischen Insel darzustellen, auf der jeder jeden kennt und die Gerüchteküche brodelt.

    Seine Charaktere sind geradlinig, klar strukturiert und glaubwürdig. Und die entworfene Geschichte, die sich gerade zu Beginn des Buches mit der Vergangenheitsbewältigung eines Mannes beschäftigt, der schon sehr lange als Einzelgänger durch die Welt streift, führt den Leser in eine Welt voller Geheimnisse, Intrigen und Ungereimtheiten.

    Begleitet von einem heraufziehenden Unwetter, welches unheimlich bedrohlich geschildert wird, erkennt der Leser, dass hinter dem Tod zweier Verstorbener nicht zwangsläufig die Naturgewalt steckt sondern über die Jahre ein Verbrechen verschleiert werden sollte, dessen Schuldige noch immer an gleicher Stelle ein bis dato unbehelligtes Leben führen. Christian Buder verbindet Mystik mit Aberglauben und Rache mit Mord und balanciert die kriminalistische Erzählung gekonnt durch eine Handlung voller Atmosphäre und undurchschaubarer Zusammenhänge.

    Im zweiten Teil des Buches gefiel mir persönlich der gewählte Spannungsbogen nicht mehr so ganz, was in erster Linie an der Aufklärung der Vorgänge aus den letzten drei Jahrzehnten lag. Eine Wendung, die ich so nicht erwartet hatte, nahm der bis dahin wahnsinnig spannenden Erzählung den Wind aus den Segeln und ließ die Verbindungen etwas fragwürdig erscheinen. Ganz in Anlehnung an den Sturm der an der Küste tobt, flaut auch hier der Inhalt nach Bekanntgabe der Hintergründe merklich ab. Hier hätte mir eine etwas geheimnisvollere Auflösung wohl deutlich besser gefallen. Insbesondere weil der Schreibstil diese Undurchsichtigkeit und Abhängigkeit von den äußeren Umständen geradezu herausfordert. 

    Fazit

    Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen intensiven, naturverbundenen Roman, der den Leser in die Unwirtlichkeit entführt und ihm eine kriminalistische Erzählung in Verbindung mit tollen Landschaftsbildern bietet. Der Text wäre auch eine gelungene Vorlage für einen Film, vor allem weil die Sprache voller Bilder ist und regelrecht Lust auf die Bretagne mit ihren isolierten, zerklüfteten Küsten und einer rauen See macht.

    Ein Roman, dem ich gerne 5 Sterne gegeben hätte, allein schon wegen der Lesestimmung, die sich entwickelt hat. Wer subtile Kriminalromane mit besonderen Schauplätzen mag, sollte hier unbedingt zugreifen. Ich persönlich werde mich mit weiteren Romanen des Autors beschäftigen, weil mir der Erzählstil unheimlich gut gefallen hat.

    Kommentare: 7
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    MissNorges avatar
    MissNorgevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Roman über die Macht des Meeres, bildgewaltige Beschreibungen ...
    Das Meer spielt Schicksal

    Kurz zur Geschichte
    Yann Schneider kehrt nach 20 Jahren auf eine kleine bretonische Insel zurück, um seinen Vater zu beerdigen. Hier, auf der Insel, wo jeder jeden kennt, holen ihn seine Erinnerungen ein, die mit dem Tod seiner Mutter zutun haben, die seit 30 Jahren im Meer verschollen ist.Ein heftiger Sturm hält ihn zwangsweise auf der Insel fest und er erkennt, das die Wahrheit und sein Schicksal nicht so sind, wie er immer dachte. 

    Meine Meinung
    Dies ist das erste Buch, welches ich vom Autor Christian Buder gelesen habe und er hat mich von der ersten Seite an, mit seinem Schreibstil und den Beschreibungen von gewaltigen Meeresbildern, begeistern und in seinen Bann ziehen können. Oftmals dachte ich, ich spüre den Sturm am Hafen selbst an mir rütteln und die Meeresgischt sprüht mir in´s Gesicht. Buder beschreibt wie gnadenlos das Meer und der Sturm sein können, wie sie das Leben der Inselbewohner bestimmen und wie sie aber auch Schicksal spielen können und Menschenleben fordern. Man ist den Wellen, dem Regen, dem Sturm förmlich hilflos ausgeliefert und diese Macht beschreibt Buder ausdrucksstark und beängstigend.Das Cover, mit der meterhohen sich auftürmenden Welle die an einer Betonmauer zerschellt, passt hervorragend zum Inhalt und spiegelt diesen sehr gut wieder.Auch die teilhabenden Charaktere sind dem Autor gut gelungen, allen voran Yann Schneider, der auf der Insel sein Schicksal auf einmal aus einer neuen Perspektive sieht und merkt, das alle Inselbewohner irgendwie etwas wissen, was mit dem Tod seiner Mutter vor 30 Jahren zutun hat, aber auch zum angeblichen Selbstmord seines Vaters vor ein paar Tagen, haben alle ihre festgefahrene Meinung. Doch Yann und seine früheren Freundin Gwenn, die mittlerweile Polizistin ist, rollen den alten Fall wieder auf und kommen zu neuen Erkenntnissen. Sie konfrontieren die Bewohner damit und merken zu spät, in welche Gefahr sie sich damit begeben haben.Durch diese Erzählung schleicht sich ein kleines Krimi-Element in diesen Roman, der sich sehr gut und spannend in die Geschichte einfügt.In diesem Roman sind viele Gefühle vereint, die ich als Leserin mit Yann erlebt habe: Angst, Wut, Trauer, Verletzlichkeit, Abschied, aber auch Hoffnung, Liebe, Freude und der Überlebenswille im tosenden Sturm auf einer, von der Aussenwelt, abgeschnittenen Insel. 

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