Das Weiße Schloss

von Christian Dittloff 
3,8 Sterne bei5 Bewertungen
Das Weiße Schloss
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TanyBees avatar

Hier wird der Egoismus und Hedonismus unserer Zeit auf die Spitze getrieben- sehr interessantes Gedankenexperiment!

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Unbequem, klug, bester Diskussionsstoff aber das Potential nicht ganz ausgeschöpft.

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Inhaltsangabe zu "Das Weiße Schloss"

Sie sind ein glückliches Paar. Ada und Yves haben sich für ein Kind entschieden, doch fürchten sie die Unvereinbarkeit von Liebe, Karriere und Erziehung. Deshalb nehmen sie am Prestigeprojekt des Weißen Schlosses teil, wo Leihmütter Kinder fremder Eltern austragen und aufziehen, alles sozusagen Bio und Fair Trade. Elternschaft ist hier Beruf, überwacht und gelenkt von einem alles kontrollierenden Apparat. Der Nachwuchs kann jederzeit besucht werden. Über neun Monate zeigt der Roman die beiden auf dem Weg zum eigenen Kind, folgt den Veränderungen ihres Selbstbilds und ihrer Beziehung. Im Stile von Kazuo Ishiguros »Alles, was wir geben mussten« stellen sich wichtige Fragen unserer Zeit in eigener Versuchsanordnung: Ab wann ist Bindung ein Verlust von Freiheit? Was ist Familie? Sind die tradierten Rollenbilder von Mutter und Vater verhandelbar? Spielerisch erreicht »Das Weiße Schloss« eine stilistische Größe sowie eine gedankliche Tiefe voller literarischer Verweise und Fragestellungen und wird so zu einem fulminanten Gewebe von transzendenter Leuchtkraft.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783827013859
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Berlin Verlag
Erscheinungsdatum:01.08.2018

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    TanyBees avatar
    TanyBeevor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Hier wird der Egoismus und Hedonismus unserer Zeit auf die Spitze getrieben- sehr interessantes Gedankenexperiment!
    Kind auf Bestellung

    Ada und Yves sind ein Liebespaar. Sie sind erfolgreich im Job, sie haben ein schönes Haus. Sie trinken gerne, genießen die schönen Dinge im Leben, haben ein sehr reges Sexleben. Als sich die Frage nach Kindern stellt, entscheiden Sie sich für „Das weiße Schloss“. Dort wird nicht nur eine Leihmutter ihr Kind austragen, sondern es auch dort großziehen.

    Das Buch scheint in einer Art dystopischen Zukunft zu spielen, einerseits gibt es das weiße Schloss, andererseits werden noch andere Veränderungen in der Welt angedeutet. Allerdings erfährt der Leser davon eher am Rande.

    Für mich trifft dieser Roman total den Nerv der Zeit, denn hier ist der heute übliche Egoismus auf die Spitze getrieben. Ada und Yves möchten ein Kind, aber sie möchten nicht ihren hedonistischen Lebensstil dafür aufgeben oder einschränken. Doch warum möchten Sie ein Kind, mit dem sie gar nicht den Alltag verbringen? Ist das nicht der ultimative Egoismus?

    Obwohl Ada und Yves anscheinend schon älter sind, kommen Sie mir vor, als wären sie gerade erst dem Teenager Alter entwachsen. Sie halten sich zwar an ihre Pflichten, aber leben ansonsten einfach nur nach dem Lustprinzip.

    Es fällt mir diesmal sehr schwer, über das Buch zu schreiben, ohne zu spoilern, weil es so unglaublich viel zu diskutieren gäbe. Es werden viele Themen erwähnt, die mit Elternschaft zusammenhängen. Sollte man eine Frau, die im gebärfähigen Alter ist überhaupt einstellen? Was ist der richtige Weg, um seine Kinder groß zu ziehen? Fremdbetreuung? Und muss man sich für Kinder ein Stück weit selbst aufgeben?

    Ein Roman mit sehr interessanten Gedanken und viel Diskussionspotential. Er passt so gut in unsere Zeit. Und doch war ich manchmal angewidert, wollte nichts mehr hören von Ada und Yves Ausschweifungen. Denn die werden doch recht ausführlich geschildert. Deswegen gebe ich 4 Sterne und eine Empfehlung an alle, die sich für solche Gedankenexperimente begeistern können (wie ich!). 

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    katzenminzes avatar
    katzenminzevor einem Monat
    Kurzmeinung: Unbequem, klug, bester Diskussionsstoff aber das Potential nicht ganz ausgeschöpft.
    Wer will schon Mutter sein?!

    Hier haben mich Klappentext und Cover direkt unglaublich neugierig gemacht! Das weiße Schloss in dem Berufsmütter die Kinder anderer Leute austragen und aufziehen hat einen wunderbar dystopischen Touch. Und von einem Paar zu lesen, das diese Möglichkeit für sich in Anspruch nimmt, klang ebenfalls sehr interessant. Nach dem lesen kann ich sagen, dass ich zwar einige Kritikpunkte habe aber dass ich schon lange nicht mehr so intensiv über eine Geschichte nachgedacht habe. Auch habe ich mir lange nicht mehr so viele Notizen gemacht und Stellen markiert. Aber erstmal zur Geschichte:

    Wir begleiten Ada und Yves, die sich dafür entschieden haben, ihr Kind mithilfe des Weißen Schlosses zu bekommen. Die beiden führen eine sehr intensive Beziehung. Er ist Künstler, sie eine absolute Genießerin. Beiden Leben im hier und jetzt, rauchen, trinken, feiern gerne, haben sooft es geht Sex, kochen exotische Gerichte, haben Geld und ein schönes Haus. Sie leben ihr Leben in vollen Zügen, genießen es auszuschlafen und tun und lassen zu können was ihnen gerade in den Sinn kommt. Da passt ein Kind natürlich nicht rein. Zu groß die Gefahr, den hohen Lebensstandart zu verlieren. Oder die Nähe zum Partner. Also haben sie sich für das Weiße Schloss entschieden. Ehrlich gesagt, waren mir die beiden – insbesondere Ada – eher unsympathisch. Sie sind einfach zu cool, zu hip, etwas zu überheblich und zu glatt. Ihr einziges Problem ist die Frage, ob die Entscheidung für das Kind die richtige war.

    Ada hat einen sehr interessanten Job, der darin besteht, bestimmten Menschen ins Land zu holen, die der Gesellschaft des Landes dienen. Auf die Einreise wird sich beworben und Ada versuchte die Nützlichkeit der Bewerber zu eruieren. Ist die Prognose gut, dürfen sie einreisen. Über diese Tätigkeit und über das Land, das sich diesen Kniff ausgedacht hat, hätte ich gerne mehr erfahren. Die Mischung aus Normalität und futuristischen Details hat mir gefallen, kam aber sehr kurz.

    Sehr schade fand ich, dass die Idee von Weißen Schloss nicht intensiver verfolgt wurde. Ja, es war da, als Institution, aber ich hätte furchtbar gerne einen internen Blick hinter die Kulissen gehabt. Eine Mutter die erzählt wie es ist ein eigentlich fremdes Kind aufzuziehen. Warum sie diesen Beruf gewählt hat. Ob man es überhaupt als Beruf sehen kann, wie es den Kinder dabei geht, dass einmal im Monat Menschen kommen, die sich Eltern nennen. Verstehen sie dieses Konzept überhaupt? Und wie kann ich ein Kind das ich ausgetragen, geboren und aufgezogen habe nicht mein eigenes nennen? Die Frage der sozialen Elternschaft gegenüber der natürlichen kommt hier insgesamt zu kurz. Dabei wird über die Frage der Elternschaft und ihre Umsetzung tatsächlich sehr viel nachgedacht. Nur eben allgemeiner und nicht nur auf das Schloss bezogen. So fragt sich Yves, als er eine Schwangerschaftapp benutzt berechtigterweise welche der beiden Frauen er als Mutter eintragen soll. Die biologische oder die, die tatsächlich schwanger ist. Er entscheidet sich bezeichnenderweise für die Schwangere.

    Was einem sehr seltsamen Eindruck machte: Es gibt hier keine einzige normale, funktionierende Famile. Adas Schwester mit ihren drei Kindern schreibt ständig Sms von ihrer Überforderung, Dammrissen und Kinderkotze. Die Nachbarn, die ganz klassisch ein Kindermädchen zur Betreuung angestellt haben, schlittern in eine Katastrophe. (Langweiler sind die beiden noch dazu. Was sonst?) Und ob das Modell des Weißen Schlosses für Eltern, Kinder und Berufsmütter tatsächlich funktioniert erfährt man nicht genau.

    Auch die vielen Kinder- oder Mütterfeindlichen Aussagen haben mich irritiert. Da sind junge Frauen, die wegen Karriere, Beziehung, ihrer Lebensgestaltung oder einem höheren gesellschaftlichen Ziel an dem sie arbeiten keine Kinder wollen. Das ist ja soweit ok, aber es geht noch weiter: Muttersein wird – außer es geschieht gegen Bezahlung und manchmal auch dann – mit Verlust der eigenen Freiheit gleichgesetzt. Kinder stören nur, machen Dreck, Lärm und Chaos, sind egoistische kleine Zeitfresser. Mütter gelten als isoliert, kennen nur noch andere Mütter. Ständig wird gezweifelt ob die Entscheidung für ein Kind – egal ob selbst oder von jemand anderem großgezogen - tatsächlich die Richtige ist. Selbst die Chefin traut ihren künftigen Mitarbeiterinnen nicht zu, Beruf und Mutterschaft zu vereinen. Eine Mutter, die in den Beruf zurückkehren will, wird wie folgt beschrieben:
    „Die werde doch nur die alten Strukturen wiederherstellen wollen, werde nur ihr Kind im Sinn haben und das Büro mit Familienfotos zumüllen.“
    - S. 217
    Ich denke, hinter diesen Aussagen steckt viel Absicht, viel Provokation. Und es wirkt auch! Obwohl ich Kinderlos bin und keines in Planung habe, fühlte ich mich angegriffen. Recht einseitig wirkte diese Darstellung auf Dauer aber dennoch.

    Dann war es nett gemacht, wie in verschiedenen Rückblicken wissenschaftliche Entdeckungen im Bezug auf die Fortpflanzung beschrieben wurde. Wie genau der Ablauf einer Schwangerschaft beschrieben wird. Oder wie im Kontrast zum Rest des Buches auf die neue Rolle der liebenden Mutter der späten 1800er Jahre eingegangen wurde. Wurden die Kinder doch erst ein paar Jahrzehnte früher als noch unfertige Menschen an eine Amme abgeschoben.

    Oha, ich sehe schon, ich könnte einen Roman über diesen Roman schreiben. Ich versuche mich kurz zu fassen: Ich denke Dittloff hat die Provokationen im seinem Roman sehr genau kalkuliert. Er hat ein sehr kluges und auch unterhaltsames Buch geschrieben. Trotzdem hatte ich insgesamt das Gefühl, das Buch kratz zu sehr an der Oberfläche und konzentriert sich mehr auf die immer gleiche Beziehungsgeschichte als die innovativen Ideen weiter zu verfolgen, die hier definitiv drin stecken. Wer etwas zum drüber nachgrübeln sucht, das durchaus unbequeme Meinungen vertritt sollte es mit dem Weißen Schloß auf jeden Fall einmal versuchen. Für Leserunden oder -zirkel kann ich mir keinen besseren Diskussionsstoff denken! Und auch wenn ich viel meckere, hat es mich doch irgendwie gekriegt...

    „Es wäre nicht mehr mein Kind“ fuhr sie stiller fort, „wenn eine anderes es vollendete.“ - S. 201

    Kommentare: 2
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    19angelika63s avatar
    19angelika63vor einem Monat
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    herrzettvor 2 Monaten
    Tordiss avatar
    Tordisvor 2 Monaten

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