Christian Haller

 3.6 Sterne bei 22 Bewertungen
Autor von Im Park, Der seltsame Fremde und weiteren Büchern.
Christian Haller

Lebenslauf von Christian Haller

Christian Haller wurde 1943 in Brugg, Schweiz geboren, studierte Biologie und gehörte der Leitung des Gottlieb Duttweiler-Instituts bei Zürich an. Er wurde u. a. mit dem Aargauer Literaturpreis (2006) und mit dem Schillerpreis (2007) ausgezeichnet. Sein aktuelles Werk "Die verborgenen Ufer" erscheint im Winter 2015. Er lebt als Schriftsteller in Laufenburg und Zürich.

Alle Bücher von Christian Haller

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Im Park

Im Park

 (6)
Erschienen am 13.06.2011
Der seltsame Fremde

Der seltsame Fremde

 (5)
Erschienen am 09.03.2015
Die Stecknadeln des Herrn Nabokov

Die Stecknadeln des Herrn Nabokov

 (3)
Erschienen am 15.11.2010
Das unaufhaltsame Fließen

Das unaufhaltsame Fließen

 (2)
Erschienen am 11.09.2017
Sie nannten mich "Held"

Sie nannten mich "Held"

 (3)
Erschienen am 16.04.2018
Die verschluckte Musik

Die verschluckte Musik

 (1)
Erschienen am 01.03.2003
Trilogie des Erinnerns

Trilogie des Erinnerns

 (1)
Erschienen am 02.01.2008
Das schwarze Eisen

Das schwarze Eisen

 (0)
Erschienen am 05.08.2004

Neue Rezensionen zu Christian Haller

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Rezension zu "Sie nannten mich "Held"" von Christian Haller

Utopie und Wahnsinn
Literatur-Universumvor 8 Monaten

Ich fand die Geschichte von Christian Haller im Vorfeld irrsinnig interessant. Die Vorstellung sich in ein fremdes Land zu begeben und zur Waffe zu greifen, ist für mich so fern, dass es mich interessierte, was einen Menschen dazu bewegen musste, so etwas tun zu müssen. Die Beweggründe von Christian Haller scheinen mir sehr dünnhäutig, nahezu erschreckend und wenig nachvollziehbar. Diesen Eindruck bekam ich sehr schnell, während der Lektüre und es ging dem Protagonisten wohl nicht anders. Überzeugung, Irritation und Unsicherheit waren ständige Begleiter für den Deutschen.

Diese gesamte Anekdote ließe sich viel brisanter, aktueller und vor allem treffender in einem Zeitungsbericht, oder gar in einem längeren Essay verfassen. Das Buch war die Vielzahl an Seiten nicht gerecht, ein solches zu werden eine Zumutung. Dazu wurde es zu sehr gepumpt durch Inhalte, die unwichtig und uninteressant geschildert wurden. Die wenigen spannenden Momente, verloren ihre Brisanz durch zu viele unnötige Erzählungen in den Zwischensequenzen.

Der Titel suggeriert auf eine Heldengeschichte. Helden, sofern es sie gibt, werden nicht in oder durch Kriege geboren. Sie manifestieren sich durch menschliche, mystische und gesellschaftliche Taten. Diese liegen hier nicht vor.

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Rezension zu "Das unaufhaltsame Fließen" von Christian Haller

Wackelige Existenz
YukBookvor einem Jahr

Es gibt Einschnitte im Leben, die einen zwingen, auf sein bisheriges Leben zurückzublicken und sich neu zu orientieren. Bei Christian Haller war es ein Hochwasser, das sein Haus am Rhein wegriss. Im zweiten Band seines autobiografischen Romanprojekts "Das unaufhaltsame Fließen" besichtigt er die Renovierungsarbeiten und erinnert sich, dass ihm seine Existenz als Zwanzigjähriger ähnlich brüchig vorkam wie das Fundament seines Hauses. Mit seinen Gedanken und Erfahrungen konnte ich mich stellenweise gut identifizieren. Ich kenne sie auch – diese Phasen, in denen man an mehreren Schreibprojekten arbeitet, aber nirgends so richtig vorankommt. Auch der Ich-Erzähler wartet auf einen Befreiungsschlag. Nachdem er für seine Märchen und Gedichte keinen Verleger findet, stürzt er sich euphorisch auf ein neues Projekt: den Nachlass des Dichters Adrien Turel zu sichten und zu sichern.

Gut nachvollziehen konnte ich auch das Gefühl, in einer Parallelwelt zu leben, in der man von literarischen Texten und Romanfiguren umgeben ist. Man spürt die Notwendigkeit, sich der Wirklichkeit zu stellen und mit realen Menschen in Kontakt zu treten, findet jedoch keine passende Gelegenheit. Erstaunt hat mich dann doch, dass der Ich-Erzähler nach einer Tätigkeit als Aushilfslehrer ein Zoologie-Studium aufnimmt, was so gar nicht zu dem Bild passte, das ich mir bis dahin von ihm gemacht hatte. Das Gebiet stellt sich zwar auch nicht als seine Berufung heraus, liefert ihm jedoch immerhin interessante Einsichten, zum Beispiel wie gegensätzlich die Vorgehensweisen in der wissenschaftlichen und in der literarischen Arbeit sind.

Während Haller noch auf der Suche nach dem für ihn stimmigen Lebenskonzept ist, geht seine Freundin Pippa als Theaterschauspielerin zielstrebig ihren Weg. Dass er durch Zufall einen Posten in der Gottfried Duttweiler Stiftung bekommt, ist Ironie des Schicksals. Zunächst glaubt er, nun endlich die große Welt kennenzulernen und in der Gegenwart und Wirklichkeit anzukommen. Er erkennt jedoch schnell, dass er auch an seinem neuen Arbeitsplatz nichts weiter ist, als eine Figur in einem makabren Drehbuch, das er nicht einmal selbst geschrieben hat. Er wird zur Marionette, die für politische und wirtschaftliche Machenschaften ausgenutzt wird.

Einen Vorteil kann er daraus nur ziehen, indem er einfach mitspielt und Stoff für künftige literarische Arbeiten sammelt. Ich bewundere die Offenheit, mit der der Autor seine verschiedenen Lebensstationen und ernüchternden Erfahrungen beschreibt und kritisch mit sich ins Gericht geht. Bei der Zeichnung der Nebenfiguren und -schauplätze hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht. So ließ in manchen Passagen meine Aufmerksamkeit etwas nach. Vielleicht wartete ich auch vergeblich darauf, dass Haller durch seine vielseitigen Erfahrungen zu einer Erkenntnis kommt, die ihm endlich den richtigen Weg weist. Aber das geschieht ja vielleicht im dritten Band. Man darf gespannt sein.

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J

Rezension zu "Das unaufhaltsame Fließen" von Christian Haller

Amphimiktische Vermengung
jamal_tuschickvor einem Jahr

 Manchmal macht sich die Zukunft in Personen bemerkbar, deren prophetische Kraft abstoßend wirkt. Adrien Turel war ein Umstrittener - „Krüppel, Säufer und Egomane, den zu ertragen allein schon eine Leistung war“. Sein visionäres Potential nahm man in der Schweiz nicht auf die leichte Schulter. Trotzdem geht der Nachruhm nicht über die zirkulare Anerkennung hinaus, die seine Einsichten fanden, solange er sie noch selbst verbreiten konnte. Turel wurde 1890 in St. Petersburg geboren. 1957 starb er in Zürich. Er wuchs in der Gegend von Lausanne auf. Als Student trat er in Kontakt zu Magnus Hirschfeld und Oskar Loerke. Er sah den Übergang des Menschen aus dem Holozän in ein kernphysikalisch und molekularbiologisch determiniertes Anthropozän 2.0 (Reizwort „Ultratechnoikum“) voraus. Turel bestimmte die Koordinaten des Kalten Krieges korrekt in den Vierzigerjahren. Er wusste, „dass in einer Art Umkehr der imperialistischen Bewegung Europa mit Flüchtlingen aus den ehemaligen Kolonialgebieten überschwemmt werde“.
Man hielt das für abwegig.
Daran erinnert der Erzähler in Christian Hallers neuem Roman. Er fasst sich selbst zusammen, als einen Autor, der zum Jünger nicht taugt und sich davor hüten muss, als Epigone um die Häuser zu ziehen. Das kleine Licht ist mit dem Nachlass Turels befasst. So findet es Gelegenheit, die Witwe des verrufenen Vordenkers zu kränken. Die Wände ihrer Teetassen sind hauchdünn, ihre Nerven liegen blank. Frau Turel fängt Streit an, sie fühlt sich und den Geist des Toten verraten. Ein Grobian bilanziert: „Eine typisch großbürgerliche Hysterika, die sich in ihrem Unverstand am Geistigen vergreift. … Sie hatte Turel finanziell unterstützt“, nun will sie die Deutungshoheit über die Leiche.
Das erzählende Ich memoriert schwindsüchtig das eigene Scheitern. Es gelingt kein Gedicht zum Ausgleich. Haller protokolliert ein Elend der Indolenz. Höhepunkte erreicht das Versagen in der Beziehung des Erzählers zu seiner Geliebten. Eines Nachts kommt Pippa nicht nach Hause. Ihr ist ein Kollege „passiert“. Dem Gehörnten passiert so was nie, er entdeckt ein „loses Ende seiner Seele“ und nimmt sich Sándor Ferenczis „Versuch einer Genitaltheorie“ vor. Wikipedia sagt: „Ausgehend von der Beobachtung, dass beim Samenerguss ursprünglich zum Dickdarm und zur Harnröhre gehörende Triebqualitäten aufs Geschlechtsorgan verschoben und dort in amphimiktischer Vermengung verdichtet worden seien, hält es Ferenczi für möglich …“
Der (mit Legasthenie geschlagene) Erzähler mischt Ferenczis psychoanalytische Biologie mit Turels „essayistischen“ Stil und entfernt sich so rasant von der Ursache des Übels. Er sublimiert wie im Bilderbuch. So geht es immer weiter in einem Land, in dem Max Frisch und seine „heruntergewirtschaftete Sprache“ zum Skandal werden konnten, während Robert Walser still verreckte.
„Das unaufhaltsame Fließen“ gleicht einem stillen Sturm auf die Schweizer Bastille der freiwillig-selbstgerechten Isolation. Sein Held beweist pädagogischen Scharfsinn. Er untergräbt einen Widerstand, den er nicht leisten will, bei anderen mit antiautoritären Tricks. Alles gerät ihm zum Refugium, bis er in einem Drama der späten Berufung beschließt, Zoologie zu studieren.

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