Christian Haller Die Stecknadeln des Herrn Nabokov

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Inhaltsangabe zu „Die Stecknadeln des Herrn Nabokov“ von Christian Haller

Das Leben mit neuen Augen sehen Tempo, Geschwindigkeit und rastloses Tun, die Wesensmerkmale des modernen Lebens, lassen uns zusehends blind werden für die Schönheit des Seins. Dafür, was eigentlich zählt im Leben. Christian Haller macht sich in diesem Buch auf den Weg, das Leben zu entdecken, das unter der täglichen Unrast begraben liegt: Ein Leben, das seine eigene, uns unbekannt gewordene Schönheit und Wahrheit besitzt... Was geschieht, wenn jemand keinen Terminkalender führen und nicht erst sein Smartphone hinzuziehen muss, bevor er sich mit einem Freund verabreden kann? Eine Katastrophe? Ein Chaos aus verpassten Terminen? Dabei geht die Welt vielleicht gar nicht unter, wenn jemand nicht über Wochen hinaus verplant ist und wie Christian Haller aus dem Strom der alltäglichen Verrichtungen heraustritt. Die Zeit beginnt sich nämlich für ihn zu dehnen, sie erlaubt ihm, sich umzusehen und sich wie der große Vladimir Nabokov, der, mit einem Netz ausgerüstet, auf die Jagd nach Schmetterlingen ging, mit dem vermeintlich Nutzlosen zu beschäftigen. Er lernt Umwege lieben, freut sich über unspektakuläre Erlebnisse wie eine Fahrradfahrt durch einen Park oder ist vollkommen verblüfft, dass er eine Landschaft, von der er überzeugt ist, sie gut zu kennen, mit neuen Augen sieht. Überhaupt wird er den lange verweilenden Blick schätzen lernen. Dieser Blick bringt ihm die Schönheit von Gegenständen und unverbrauchte Momente näher – er lehrt ihn ein Leben, das keinem Zweck unterstellt ist; ein Leben, das gerade deswegen seine geheime Pracht entfalten kann, weil es zu nichts gut sein muss.

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  • Rezension zu "Die Stecknadeln des Herrn Nabokov" von Christian Haller

    Die Stecknadeln des Herrn Nabokov
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    05. June 2011 um 00:21

    Über das moderne Leben – oder: die Schönheit des eigentlichen Lebens Wenn man sich in die Innenstadt einer großen Stadt stellt und einige Zeit lang die Menschen um sich herum beobachtet, fällt vor allem eines auf, nämlich dass die meisten ein Handy am Ohr haben oder gerade eine SMS schreiben oder dass sie durch die Stadt eilen um Termine einzuhalten oder Ähnliches. Das sind die Wesensmerkmale des modernen Lebens – Tempo, rastloses Tun und ständige Erreichbarkeit. Aber ist das das wahre Leben? Für Christian Haller definitiv nicht! In „Die Stecknadeln des Herrn Nabokov“ erzählt er von der wahren Schönheit des eigentlichen Lebens, das dem Leser zeigt, wie es ist, wenn man nicht in Unrast lebt, sondern sich die Zeit nimmt um seine Umwelt zu betrachten. Voller Kraft und Mehrdeutigkeit berichtet Haller von dem Nichtstun und der Muße, von dem Glück das wahre Leben zu erkennen. Eine unheimliche Sprachgewalt zeichnet dieses Bändchen aus, das 27 Texte vereint. Staunend wird der Leser nach jeder Geschichte zurückgelassen und bevor alle Fragen geklärt werden können, beginnt der nächste Text. Haller versteht es, mit seinen Texten zum Nachdenken anzuregen und schafft ein atemberaubendes Buch, dessen ungemeine Vielschichtigkeit den Leser ein Stück weiter bringt – in der Betrachtung seiner Umwelt. Lesen und die Schönheit des Lebens erkennen!

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  • Rezension zu "Die Stecknadeln des Herrn Nabokov" von Christian Haller

    Die Stecknadeln des Herrn Nabokov
    HeikeG

    HeikeG

    14. November 2010 um 17:06

    Der Experte für Zwischenzeiten . „Das Leben ist der Narr der Zeit, und Zeit muss enden“, so steht es bei Shakespeare. „Doch bis es so weit ist, dass sie endet und mit ihr unser Leben, haben wir keine Zeit - und danach gibt es sie eh nicht mehr.“, schreibt Christian Haller in seinem schmalen Büchlein. . Wir hetzen durchs Leben und Ungeduld und Rastlosigkeit sind unsere ständigen Begleiter. Die zunehmende Beschleunigung des Alltags, von Robert Musil in seinem „Mann ohne Eigenschaften“ Akzelerismus genannt, galt immer mehr als chic und modern. Tempo war Ausdruck des städtischen Lebensgefühls. Heute werden wir ihr kaum noch Herr. „Das Leben ist der Narr der Zeit - ja, und es hat sein eigenes langsames Vorankommen, das des Wachsens. Muße war das vornehmste Gut des Menschen, ihm als Einziges mit auf den Weg gegeben. Von diesem Gut haben wir nichts mehr, wir haben dafür Waren - und eben keine Zeit.“ Immer mehr Chancen werden verpasst, zu viele wertvolle Menschen im aufgewirbelten Staub übersehen. Entgeht nicht gerade infolge fehlender Aufmerksamkeit für den Augenblick Vieles? Zumal trotz Mechanisierung, Automatisierung und letztendlich Computerisierung der Mensch irgendwie das alte Modell blieb, „urtümlich hergestellt, mit einem biologischen Chassis, einer psychischen Steuerung und einer nicht mehr ganz stimmigen Anpassung an die von ihm selbst geschaffene Welt.“ . Der 1943 im Aargau geborene Christian Haller versucht in seinem wunderbar entschleunigten Buch dieser hohen Rotation zu entkommen, ihr etwas entgegenzusetzen. 27 kurze Texte, die zwischen 2002 und 2009 in der Aargauer Zeitung erschienen und nun erstmals in einem Band vereint sind, lenken unsere luxusverwöhnten Augen auf andere, nicht immer glitzernde Dinge. Haller führt uns weg von den Gadgets der Seele. Denn es sind meist die kleinen, unscheinbaren und unspektakulären Dinge, die Großes bewirken. . Wir begleitet den Schweizer Autor in die Bibliothek seines Kopfes, nehmen teil an einem Gedankenflug durch Gassen, Gärten und Ufer, durch helles, klares Februarlicht, „das in sich schon das Steigen des Jahres trägt und doch noch so winterlicht ist, leicht und flüssig die Luft erfüllt“. Haller erzählt von der wundersamen Metamorphose der Schmetterlinge aus einem „Darm mit viel Füßen“ zu einem filigranen, leichten und flüchtigen Wesen. Der Autor beobachtet Museumsbesucher mit ihren Audioguides, analysiert das Wort Unterhaltung oder sinniert über Aktenshredder im Literaturbetrieb. Er erinnert sich an alte Worte, „halb zugedeckt in einer Seelenfalte“, sinniert beim Radfahren im Park über die Komplexität des Einfachen, sucht sich seine ganz eigene Nische beim Blick in den morgendlichen „Blätterteig der Aktualität“. . Alle seine vielfältigen und vielschichtigen „Lebenszufälligkeiten“ eint eines: Sie werden dem Unscheinbaren gerecht und lassen die Stille neu entdecken: „Selbst die Gedanken, dieses innere Gerede, dieser Lärm einer Selbstbehauptung, wurde aufgesogen wie von einem Fließblatt, trocknete aus zu weißen Wüstenrinnsalen...“ Christian Haller hat genau wie der titelgebende Vladimir Nabokov, „mit dem Netz der Wörter nichts anderes getan (...), als unser flüchtiges Dasein aus dem Licht in die Sprache zu bringen, es über den Tag hinaus in (...) Form festzuhalten.“ Er führt den Leser mit seinen wunderbar ausbalancierten Geschichten aktiv und effizient in verschiedenste Ruhe-Nischen. Worte als „Unterbruch im gleichbleibenden Gang der Dinge“, als Ferien vom Alltag, als Zwischenzeiten, die die Wirkung eines warmen Landregens entfalten. „Lauter Tropfen, die fielen. Lauttropfen, und sie lösten Gefühle und Vorstellungen aus.“ . Der feinfühlige Poet zeigt wie bedeutungslos unsere Wichtigtuer- und Wichtignehmerei eigentlich ist. Seine Erzählungen fungieren perfekt als Übergang aus Alltag und Betriebsamkeit in die Welt der Bilder, in ein inneres Erleben und Wahrnehmen. Hallers Texte lassen Spuren zurück, beruhigen den „Bilderstollen“ des Großhirns und geben uns etwas sehr Wertvolles: „Zurückgewandtsein zur Wurzel“. Denn das „ist Stille. Stille, das ist Rückkehr zur Bestimmung. Rückkehr zur Bestimmung: Das ist Ewigkeit. Wer die Ewigkeit nicht erkennt, der handelt blindlings und unheilvoll.“

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  • Rezension zu "Die Stecknadeln des Herrn Nabokov" von Christian Haller

    Die Stecknadeln des Herrn Nabokov
    Clari

    Clari

    12. November 2010 um 15:41

    Ein kluger Blick auf die Welt und uns Menschen! In diesem schmalen Büchlein ist Christian Haller mit zahlreichen kleinen Essays der Zeit und seinen Auswüchsen des Mangels auf der Spur. Er bietet mit seinen Gedanken Anstoß, inne zu halten und zu schauen, was in unserem Leben eigentlich wichtig ist. Sind es die Schmetterlinge des Herrn Nabokov? Ist es ein Treffen mit einem Freund? Was bewegt Menschen dazu, sich im Dickicht ihrer Termine zu verlaufen und darüber zu vergessen, dass die Stimme eines Vogels, eine Naturbetrachtung oder ein gutes Gespräch so manchen unnützen Zeitvertreib hundertfach aufwiegen? Wenn man die Zeilen von Christian Haller genau betrachtet, dann kommt man zum Nachdenken und Einhalten. Zeit ist begrenzt und sie geht zu Ende. "Das Leben ist der Narr der Zeit - ja und es hat ein eigenes langsames Vorankommen, das des Wachsens. Muße war das vornehmste Gut des Menschen, ihm als Einziges mit auf den Weg gegeben. Von diesem Gut haben wir nichts mehr, wir haben dafür Waren - und eben keine Zeit." Mit seinen Betrachtungen zur Zeit und ihrer Bedeutung für unser Leben erreicht Haller uns genau an einem wunden Punkt: kennt nicht jeder von uns diesen Einwand, dass man erst den Terminkalender durchforsten muss, bevor man sich zu einem Treffen verabredet? Besondere Zeitgenossen lieben es sogar, aufzuzählen was und an welchem Tag sie etwas vorhaben, bevor sie zur eigentlichen Terminverabredung kommen. Damit bekommt das eigene Leben eine Bedeutung, die es offensichtlich als besonders erfüllt und sinnvoll in den Augen der Mitmenschen machen soll. Kommt einem doch in diesem Zusammenhang sofort der Bibelspruch aus dem Prediger Salomo 9, Vers 11 in den Sinn, in dem es da heißt "Ich wandte mich und sah, wie es unter der Sonne zugeht, dass zum Laufen nicht hilft schnell sein..." und so fort und zuletzt "dass einer angenehm sei, dazu hilft nicht, dass er ein Ding wohl kann; sondern alles liegt an der Zeit und am Glück." Mit anderen Worten: wozu die Hatz und die Jagd nach dem Reichtum und dem vermeintlichen Glück? Christian Haller lässt Szenenfetzen an dem innern Auge vorbei gleiten und bringt uns zum Nachdenken und Träumen. Assoziative Kindheitserinnerungen wechseln mit kleinen Geschichten aus dem Alltag, die nie ohne Tiefengehalt sind. Seine wortgewandten und poetischen Einwürfe sind von besonderer Kraft und Eindringlichkeit, so dass man unweigerlich stutzt, weil man Eigenes wieder erkennt. Und immer wieder ist es der Himmel und die Natur, die uns an die Unendlichkeit gemahnen und uns daran erinnern, dass wir unbedeutende Wesen mit vorübergehendem Aufenthaltsrecht hier nur sind. Ein hoch poetischer, teils tiefsinniger und auch humorvoller Blick auf die Welt und uns Menschen ist dem Autor gelungen. Man liest die Erzählungen mit gleichbleibendem Vergnügen!

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