Cover des Buches Rosen & Knochen (ISBN: 9783959915120)
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Rezension zu Rosen & Knochen von Christian Handel

Die nicht kindertaugliche Version von "Schneeweißchen und Rosenrot"

von Lena_AwkwardDangos vor 7 Jahren

Kurzmeinung: Ein düsteres Märchen voller Spannung und Fantasie - tolles Debut!

Rezension

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Lena_AwkwardDangosvor 7 Jahren
Anfang des Jahres konnte ich bereits in die wundervollen Märchen der von Christian Handel herausgegebenen Anthologie Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln eintauchen, welche mich schlichtweg begeistert hat. Auf das Debut des Autors habe ich mich daher schon seit längerem sehr gefreut, muss aber zugeben, dass ich auch ein wenig Angst hatte, dass Rosen und Knochen mir nicht gefallen könnte. Diese Sorge war jedoch absolut unbegründet. ;)

Anmerkung: Bei Rosen und Knochen handelt es sich um eine Novelle, eine Form der Prosa, die einen etwas geringeren Umfang aufweist als ein Roman. Ich werde das Buch deshalb in seiner Umsetzung als Novelle bewerten, was nicht automatisch gleichzusetzen ist mit einer Bewertung für einen 700-seitigen Roman. Im Buch enthalten sind die Novelle, ein Essay mit dem Thema Grimmige Märchen sowie die Kurzgeschichte Der Flötenspieler, die bereits 2015 in der Anthologie Die Irrlichter erschienen ist. Ich werde mich in dieser Rezension allerdings nur auf die titelgebende Hauptgeschichte beziehen.


♥ Inhalt ♥

Fürchtest du dich, bei Mondschein das Grab einer Hexe zu betreten?

Unter den Decknamen Schneeweißchen und Rosenrot ziehen die Dämonenjägerinnen Muireann und Rose durch die Lande. Sie bekämpfen Trolle, retten Jungfrauen vor Wassermännern und vertreiben Kobolde aus Mühlen und Bauernhäusern. Als sie von den Bewohnern eines kleinen Dorfs angeheuert werden, den spukenden Geist einer Hexe unschädlich zu machen, geraten sie allerdings in ein alptraumhaftes Abenteuer, das sie an ihre Grenzen führt. Und das ein gut gehütetes Geheimnis ans Licht bringt, das eine von ihnen vor der anderen gern für immer verborgen hätte…

Text: Drachenmond Verlag


♥ Cover & Ausstattung ♥

Mit dem Cover war es Liebe auf den ersten Blick! Die talentierte Grafikerin Marie Graßhoff hat sich mal wieder selbst übertroffen, denn alleine die Farben sind einfach ein Traum und ergeben einen grandiosen Kontrast: Mit seiner graustichigen, kühlen Farbgebung ist das Cover sehr düster gehalten, jedoch stechen das saftige Grün der Wiese und das tiefe Blutrot der umherwehenden Rosenblätter heraus. Die Abbildung zeigt das Setting bzw eine Szene aus der Novelle, nämlich wie die beiden Dämonenjägerinnen auf das bedrohliche Hexenhäuschen zusteuern. Umrahmt wird das Cover von Frost, Nebel, kahlen Zweigen und den bereits erwähnten Blütenblättern. Auch der leicht verschnörkelte, matt silberne Schriftzug fügt sich sehr schön in das Bild ein. Insgesamt wirkt das Cover auf eine gruselige Art wunderschön und märchenhaft, es passt perfekt zur Geschichte. Auch im Inneren ist das Großtaschenbuch mit zahlreichen Illustrationen, Verzierungen und viel Liebe zum Detail gestaltet worden.


♥ Umsetzung ♥

Ich hatte große Hoffnungen, dass mir dieses Buch trotz seines geringen Seitenumfangs gefallen würde, aber meine Erwartungen wurden sogar noch weit übertroffen! Christian Handel versucht keinesfalls ein gewaltiges Epos auf wenige Seiten zu quetschen, viel mehr ist Rosen und Knochen ein wundervoller kleiner Einblick in sein Hexenwald-Universum, eine kurze Erzählung über den gefahrvollen Auftrag zweier junger Dämonenjägerinnen. Dabei bedient sich der Autor den altbekannten Märchen von Schneeweißchen und Rosenrot sowie Hänsel und Gretel, welche er zu einer komplett neuen Geschichte, seiner ganz eigenen Version der Geschehnisse, verwebt. Traditionelle und eher moderne Elemente treffen aufeinander - es kam mir so vor, als hätte man zwei toughe Heldinnen aus einem Urban-Fantasyroman in ein Märchensetting aus alten Zeiten verfrachtet - und diese Mischung funktioniert unglaublich gut! Die verschiedenen Ideen und Einflüsse sind sehr fantasievoll ausgearbeitet und zu einem runden Plot verknüpft worden. Dazu gibt es so einige gruselige Stellen, eine winzige Prise Humor, der wunderbar sarkastisch geraten ist, und eine gute Portion Romantik.

Ja, richtig gelesen - Romantik. Man darf allerdings nicht erwarten, hier seinen neuen Book Boyfriend zu finden. :D Muireann und Rose sind nämlich ein gleichgeschlechtliches Liebespaar. Da ich bereits die Kurzgeschichten des Autors kenne, hat es mich persönlich nicht sonderlich überrascht, dass das Buch mit zwei Frauen in den Hauptrollen eine lesbische Romanze beinhaltet. Allerdings möchte ich diesen Aspekt gerne besonders herausstellen, da es für den ein oder anderen durchaus unerwartet kommen könnte. Weder im Klappentext noch auf den ersten Seiten (Leseprobe) wird eine Romanze erwähnt, was ich schon ein wenig schade finde. Selbige steht zwar nicht allzu sehr im Vordergrund, nur kann ich mir vorstellen, dass einige Leser von diesem Aspekt entweder positiv oder negativ überrascht werden könnten. Ich für meinen Teil finde es wirklich erfrischend, dass sich die Liebesgeschichte einmal nicht zwischen Männlein und Weiblein abspielt.

Die Handlung ist von der ersten Seite an sehr spannend, märchenhaft, aber auch düster, skurril und brutal. Wir begleiten Rose und Muireann auf ihrer Suche nach dem Geist einer Hexe, die im Wald ihr Unwesen treiben soll. Dabei stoßen die beiden jungen Frauen auf immer neue Gefahren, Zauber, die auf dem Hexenhaus liegen, und über allem schwebt die Frage, was sich wirklich auf diesem Grundstück abgespielt hat. Zum Ende hin wird es erst etwas verwirrend, was die mysteriösen Visionen angeht. Die Grenzen zwischen Illusion und Wirklichkeit verschwimmen, sodass es auch in der Rolle als Leser allerhöchster Aufmerksamkeit bedarf, um wenigstens ansatzweise den Überblick zu behalten. Da sich im Nachhinein jedoch alles erschließt, fand ich das aber überhaupt nicht schlimm und sehr gut umgesetzt. Einiges an der Auflösung ist vielleicht ein wenig vorhersehbar geraten, dafür kann sie mit ihrer hervorragenden Inszenierung punkten. Es muss ja auch nicht immer alles in einem Buch vollkommen unerwartet passieren, vor allem wenn die Handlung auf einem Märchen basiert, dessen Ende man bereits kennt. Einige Überraschungen hat die Geschichte trotzdem noch in petto und das Ende an sich fand ich auch sehr stimmig und gut geschrieben. Als ich damals Christian Handels Kurzgeschichte Der Fluch der wahren Liebe las, die in seiner Märchenanthologie erschienen ist, war mir der Schluss eindeutig zu seicht geraten und wurde, meiner Meinung nach, der Geschichte überhaupt nicht gerecht. Bei Rosen und Knochen ist dies nicht der Fall, denn "seicht" ist nun wirklich nicht das Wort, das mir bei diesem gelungenen Ende in den Sinn kommen würde.^^


♥ Charaktere ♥

Die beiden Dämonenjägerinnen Muireann und Rose waren mir direkt sehr sympathisch. Muireanns Hintergrundgeschichte fand ich sehr interessant und spannend, die Skizzierung ihres Charakters ist hingegen ein wenig auf der Strecke geblieben. Man weiß nicht so recht, was sie mag, was sie nicht mag - was sie gerne tut, außer Dämonen zu jagen. Die Charakterisierung der etwas schrofferen Rosalie, genannt Rose, ist leider noch ein wenig blasser geraten, da man nicht sonderlich viel über sie erfährt. Dies fand ich sehr schade, allerdings durchaus verständlich angesichts des geringen Seitenumfangs. Die Novelle bietet nun einmal einen kurzen Einblick in das Leben der beiden Frauen und folglich nicht genügend Raum für die ausführliche Beschreibung und Entwicklung ihrer Persönlichkeiten - dafür steht das Geschehen einfach zu sehr im Vordergrund. Eine genauere Beleuchtung könnte ja eventuell in einer Fortsetzung erfolgen und wäre wünschenswert.

Trotz allem hat mir aber das Zusammenspiel von Schneeweißchen und Rosenrot wahnsinnig gut gefallen! Zwischen ihnen herrscht eine tolle Dynamik, die einfach Spaß macht, sowohl als Partnerinnen im Kampf gegen die Dämonen als auch als Liebespaar. Die beiden Frauen sind schon seit Jahren zusammen und ich fand es sehr erfrischend, dass sie sich nicht erst in der Geschichte selbst plötzlich unsterblich ineinander verlieben, wie es in so vielen anderen Büchern der Fall ist. Stattdessen liefert uns der Autor eine sehr reife, ernsthafte Beziehung, die sich einfach stimmig und schön in die Rahmenhandlung einfügt.


♥ Schreibstil ♥

Wir lesen aus Muireanns Sicht in der Ich-Perspektive, was uns einen guten Einblick in ihre Gedankenwelt und ihre Visionen gibt. Den Schreibstil finde ich einfach wundervoll: Christian Handel schreibt wortgewandt, atmosphärisch dicht und märchenhaft schön! Man merkt überhaupt nicht, dass Rosen und Knochen sein erstes Buch ist, was mitunter daran liegen könnte, dass der Autor sich schon lange mit dem Thema Märchen und dem Schreiben an sich beschäftigt. Die Novelle steckt von vorne bis hinten voller schöner Formulierungen, die eine wirkliche Leidenschaft zum Schreiben erkennen lassen. Holprige Passagen konnte ich keine entdecken, stattdessen von Anfang an eine kleine Welt vor meinem inneren Auge entstehen sehen, da das Buch unglaublich bildhaft geschrieben ist. Der Autor weiß genau, wie man Spannung erzeugt und die verschiedensten Emotionen, sei es Freude oder Angst, rüberbringt. Abseits des tollen Inhalts konnte mich somit der Schreibstil am allermeisten überzeugen.


♥ Fazit ♥

Ein Debut, von dem ich mir sehr viel erhofft habe, das aber all diese Erwartungen noch übertroffen hat! *.* Ich habe das Buch förmlich verschlungen, da mich der Weltentwurf, der spannende Plot und der einwandfreie, wunderschöne Schreibstil wirklich begeistern konnten. Rosen und Knochen ist ein düsteres Märchen voller Fantasie und Spannung, das genau den richtigen Umfang für unseren (ersten?) Ausflug in den Hexenwald bietet. Weitere Märchenabenteuer mit Muireann und Rose - oder anderen Charakteren - sind definitiv erwünscht, bitte mehr davon!


5/5 ♥


Als Hexenwald-Patenfee durfte ich das eBook bereits vorab lesen. Ein märchenhaftes Dankeschön an Christian Handel für das Leseexemplar! Dies hat keinerlei Einfluss auf meine Bewertung.
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