Christian Hardinghaus

 4.5 Sterne bei 155 Bewertungen
Autor von Mindfuck Stories, Mindfuck Stories und weiteren Büchern.
Christian Hardinghaus

Lebenslauf von Christian Hardinghaus

Christian Hardinghaus wurde 1978 in Osnabrück geboren. Nach seinem Studium der Geschichte, Medien und Literaturwissenschaft promovierte er im Bereich Propagandaforschung an der Universität Osnabrück. Später folgte der Abschluss fürs gymnasiale Lehramt und die Ausbildung zum Fachjournalisten an einer Berliner Journalistenschule. Hardinghaus ist seit 15 Jahren als freier Journalist, Autor und Lektor tätig.

Neue Bücher

Ferdinand Sauerbruch und die Charité

 (1)
Erscheint am 01.02.2019 als Hardcover bei Europa Verlag.

Die Spionin der Charité

 (1)
Erscheint am 01.02.2019 als Hardcover bei Europa Verlag.

Alle Bücher von Christian Hardinghaus

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Mindfuck Stories

Mindfuck Stories

 (54)
Erschienen am 15.01.2014
Ein Held dunkler Zeit

Ein Held dunkler Zeit

 (18)
Erschienen am 02.03.2018
Die Hexe von Norderney

Die Hexe von Norderney

 (17)
Erschienen am 01.03.2018
Schlemihls Schatten

Schlemihls Schatten

 (14)
Erschienen am 30.08.2016
Großväterland

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 (11)
Erschienen am 17.10.2016
Wofür es lohnte, das Leben zu wagen

Wofür es lohnte, das Leben zu wagen

 (9)
Erschienen am 02.03.2018

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Neue Rezensionen zu Christian Hardinghaus

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Mary2s avatar

Rezension zu "Ein Held dunkler Zeit" von Christian Hardinghaus

Eine ganz besondere Geschichts-Stunde
Mary2vor 4 Tagen

Ein weiterer Roman, angesiedelt in der Zeit des Zweiten Weltkriegs – kann denn zu der zahlreichen vorhandenen Literatur noch etwas Neues beigetragen werden?

Ja, das kann es, denn die Liebes- und Lebensgeschichte des Wilhelm Möckel (1903 – 1942), Augenarzt aus Osnabrück, ist bisher unbeachtet geblieben.

Wilhelms große Liebe Annemarie, die er 1932 heiratet, wird nach den Rassegesetzen der Nazis als Halbjüdin eingestuft, seine Kinder gelten als Vierteljuden.

Um seine Familie vor den Nazis zu retten, wählt Wilhelm zu Kriegsbeginn 1939 den Beruf des Wehrmachtarztes, in der Hoffnung als dekorierter Kriegsheld seine Familie von Adolf Hitler arisieren zu lassen.

Das Besondere am hier vorliegenden Roman ist der wahre Hintergrund der Geschichte. Tatsächlich gab es diese Arisierungsmöglichkeit für Kriegshelden und Wilhelms Plan hat tatsächlich funktioniert. Seine Frau und seine Kinder überlebten das Dritte Reich in Deutschland.

Die Geschichte selbst ist als „Buch im Buch“ angelegt, berichtet aus der Sicht des Sanitätsassistenten Friedrich, der seine Erinnerungen im hohen Alter niederschreibt.

Der erste Teil des Buches widmet sich den Jahren 1932 bis 1940. Zunächst stehen Annemarie und Wilhelm im Mittelpunkt, ihre privaten und beruflichen Stationen, zunehmend drangsaliert durch das NS-Regime.

Der zweite Teil nimmt den Leser mit an die Ostfront des Zweiten Weltkriegs. Die Berichte vom Alltag an der Front im Winter 1941/42 sind erschütternd und basieren auf Briefen des historischen Vorbilds. Grausamkeiten, aber auch Menschliches werden geschildert und immer wieder Wilhelms heldenhafter Einsatz, um letztendlich die Arisierung seiner Familie zu ermöglichen.

Dieser Roman gleicht einer intensiven Geschichts-Stunde.

Die Anreicherung mit fiktiven Anteilen, um daraus einen historischen Roman zu machen, ist meiner Ansicht nach gelungen. Als Leser kann man sich mühelos in die Zeit und die Personen hineinversetzen. Sprachlich gelungen und gründlich recherchiert ist daraus ein Buch geworden, dem ich viele Leser wünsche.

Ein intensiv geschriebener Roman, der lange nachwirkt.

Von mir gibt es die volle Punktzahl und den Hinweis, dass auch ein Sachbuch von Christian Hardinghaus zum gleichen Thema erhältlich ist.

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Igelmanu66s avatar

Rezension zu "Die Hexe von Norderney" von Christian Hardinghaus

Flott zu lesen, spannend und mit ungewöhnlicher Thematik
Igelmanu66vor 11 Tagen

»Vor Kurzem erst habe ich herausgefunden, dass eine meiner frühesten Vorfahren eine Hexe mit dem schönen Namen Dortje war. Die hat im sechzehnten Jahrhundert auf Norderney gewohnt und wurde als Hexe verurteilt.«

 

Über ihre Urahnin hätte Merle Onken besser geschwiegen. Ohnehin musste das rothaarige Mädchen auf Norderney unter ständigem Mobbing leiden, die erwähnte Vorfahrin lässt die letzten Hemmungen fallen, ihre Mitschüler unterziehen sie einer bizarren Hexenprobe.

Als Merle zwei Tage später ertrunken an Land gespült wird, gehen alle von einem Selbstmord aus, auch die ermittelnde Polizei schließt schnell die Akte. Merles Mutter will sich damit nicht zufriedengeben, sie ist davon überzeugt, dass ihre Tochter ermordet wurde. In ihrer Not wendet sie sich an ihren Ex-Liebhaber Carsten Kummer, Hauptkommissar bei der Kripo Bremen und zudem – was er jetzt erst erfährt – der leibliche Vater von Merle.

Als Carsten beginnt, sich auf Norderney umzuhören, stößt er schnell auf Ungereimtheiten. Und dann geschehen weitere Morde…

 

Ein flott zu lesender und spannender Thriller war das! Zunächst erscheint der Fall für den Leser klar, je weiter man liest, desto mehr Überraschungen tauchen aber auf. Und die Auflösung fand ich sehr gelungen! Ein wenig hatte ich befürchtet, dass es zu übersinnlich wird, das war aber nicht der Fall, die Sage um die Hexe Dortje spukt gewissermaßen als Rahmenhandlung und zeigt ihre Auswirkungen in der Neuzeit.

Gruselig waren die Morde, vor allem den zweiten empfand ich als ziemlich heftig. Bei den Charakteren sind einige interessante dabei, einige erschienen mir aber auch deutlich zu simpel gestrickt. Von den Ermittlern war mir leider nur Bärlein sympathisch, speziell zu Carsten Kummer fand ich noch gar keinen Zugang. Vielleicht entwickelt sich die Figur aber noch, der Schluss lässt vermuten, dass es weitere Fälle für ihn auf Norderney geben wird. Ich werde es herausfinden!

 

Fazit: Flott zu lesen, spannend und mit ungewöhnlicher Thematik. Sollte eine Reihe draus werden, werde ich sie weiter verfolgen.

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Anteks avatar

Rezension zu "Ein Held dunkler Zeit" von Christian Hardinghaus

Gegen das Vergessen, Sanitätsgehilfe Tönnies erzählt
Antekvor 3 Monaten

Nachdem der 95-jährige Friedrich Tönnies, der in einer Seniorenresidenz sehr zurückgezogen lebt, einen Flashback erlebt, entscheidet er sich dazu, seine Kriegserlebnisse in der Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16 und seine Zeit mit Unterarzt Wilhelm Möckel, niederzuschreiben. Schnell ist eine Schreibmaschine besorgt und innerhalb kürzester Zeit ein Roman entstanden, der von ihm und seinem „Helden“ handelt.


Diesen findet man hier in einer Art Buch im Buch, das in zwei Abschnitte gegliedert ist.


Im ersten Teil, die beiden sind schon inmitten des Kriegseinsatzes, erfährt man durch eine Nacherzählung rückblickend davon, wie sich der junge Augenarzt Wilhelm unsterblich in die keck, forsche Medizinstudentin Annemarie verliebt, wie beide plötzlich mit der Nachricht leben müssen, dass Annemarie ein „Mischling ersten Grades“ ist, welche Probleme sich deshalb ergeben, sie aber trotzdem heiraten und wie Wilhelm sich schließlich freiwillig zum Kriegseinsatz meldet. „Schmeiß dich in den Kampf, verdiene die Orden und rette Annemarie und die Kinder!“ Eben nicht weil ihn eine Kriegsbegeisterung treibt, sondern weil er durch eine besondere Tapferkeitsauszeichnung, ein Gnadengesuch beim Führer einreichen kann, das die Chance einer "Arisierung" für seine Frau und die Zwillingssöhne Max und Martin bieten würde.

 

Im zweiten Teil befindet man sich dann direkt mit an der Front. Man erlebt aus Tönnies Sicht Schlachten, die ihn bibbern ließen, erfährt von grausamen Verletzungen, Niederlagen, wenn die medizinische Hilfe zu spät kam, aber auch von Erfolgen, wenn Verwundete aus dem Bombenhagel heraus gezerrt und gerettet werden konnten. Weihnachten an der Front, Heimatpost, Zeiten der Ruhe, tierischer Beistand, Verpflegung und auch das Kennenlernen der verschiedenen Soldatentypen, von kriegsbegeistert, übermütig bis hin zu den guten, die sich auch hier zahlreich finden lassen, sind hier mit dabei. „Angst und Leichtsinn, beides schlechte Begleiter im Krieg“ Wie überlebt man an der Front, welche Bedingungen herrschen? Das wird mehr als eindrücklich deutlich. Zudem gibt es durch zwischengeschobene Kapitel auch einen Eindruck zur Lage in der Heimat oder durch Briefe erfährt man von den Demütigungen, die Annemarie zuhause erleiden muss.

  

Dem Autor gelingt es durch seinen anschaulichen Sprachstil die NS-Zeit lebendig, nachvollziehbar, und spürbar zu machen. „Dass ich Patriot bin steht außer Frage. Natürlich liebe ich mein Vaterland. Aber ob das zählt? Haben Sie Mein Kampf gelesen?“ – „Ein paar Seiten überflogen. Übel geschrieben, bringt mich nicht voran. Und seien wir ehrlich, nach dem, was man so hört, ist meiste doch eh Spinnerei.“. Der Autor fängt die Stimmung unter der Bevölkerung gekonnt ein. Viele haben Hitler und seine Pläne nicht ernst genommen, konnten sich nicht vorstellen, dass solche Grausamkeiten Wirklichkeit werden, andere haben sich unter dem Mantel der Nazis eine Machtstellung erobert und leben diese auf sadistische Art und Weise aus, wieder andere lassen sich aufhetzen und andere ertragen einfach alles duldend. Da Wilhelm und Annemarie direkt von der Judenhetze betroffen sind, erhält man auch hier einen berührenden, mitreißenden Eindruck davon, wie es Schritt für sie enger wird, bei Meidung durch scheinbare Freunde angefangen, über Exmatrikulation an der Uni, bis hin zur Deportation ihrer Mutter. Er beschreibt dabei weder mit erhobenem Zeigefinger, noch verharmlost er oder heißt Grausamkeiten gut. Dieser eher neutrale Stil hat mir sehr gut gefallen, man merkt, dass hier ein Geschichtswissenschaftler am Werke ist, der sein Metier versteht. Trotz aller Sachlichkeit weiß er den Leser gefühlsmäßig einzufangen und alle Emotionen werden beim Lesen angesprochen. „Ein frohes Chanukka-Fest wünschen wir Ihnen, Frau Kötter. Nehmen Sie dieses vorzügliche Mutzengebäck in Erwartung der großen Feier. Meine Frau hat es koscher zubereitet.“. Annemarie ist keine praktizierende Jüdin, wusste ja lange nichts von ihrer Abstammung, mir ist fast das Herz stehen geblieben, als Wilhelm mit dieser Aktion die Kinnlade der bösartigen Nachbarin nach unten fallen sehen hat wollen, allein schon weil ich Angst vor den Konsequenzen hatte. Ich habe eine solche Wut verspürt, als der sadistische Ortsgruppenleiter Wecker Annemarie aufs schrecklichste demütigt, konnte mich hinein fühlen, wenn Fronthündin Norka sich tröstend mit aufs Flohlager kuschelt oder habe schockiert von schrecklichen Verletzungen und Misshandlungen gelesen.


Ich habe das Sachbuch „Wofür es lohnte, das Leben zu wagen“ betroffen, gierig verschlungen, war mehr als nur aufgewühlt, begeistert und wollte mir deshalb den Roman, den der Autor aus dieser beeindruckenden Feldpostsammlung gestrickt hat, auf gar keinen Fall entgehen lassen. Die wahre Geschichte des Helmut Machemer, der diesen unglaublichen Weg ging, um seine Familie zu retten, ist Vorlage und ich habe in vielen Teilen, das was ich durch das Sachbuch wusste und kannte wiedererkannt. Es ist ein Kriegsschicksal, das auf wahren Tatsachen beruht, das gegen das Vergessen, festgehalten ist, und schon deshalb auf jeden Fall wert ist, gelesen zu werden. Kann man, soll man hier von Spannung reden, ich weiß es nicht? Allerdings denke ich, dass mich Christian Hardinghaus mit seinem Roman noch mehr fesseln hätte können, wenn ich in umgekehrter Reihenfolge gelesen hätte. So wusste ich einfach vielfach schon, was z.B. denn nun an Weihnachten passieren wird, wie es im russischen Lazarett weiter geht und ähnliches, was natürlich das Mitfiebern etwas ausbremst.

 

„Um meine Frau und meine Kinder zu retten, würde ich auch durch die Hölle gehen. Ich werde kämpfen bis aufs Blut.“ Ich hatte schon durch das Sachbuch größten Respekt vor einem Mann, der alles dafür gibt, seine Familie zu retten, diesen brutalen Kriegseinsatz freiwillig auf sich nimmt und stets mit Optimismus ganz viel Leben an der Front gerettet hat. „Wilhelm versteht es glänzend, mich mit Worten zu trösten, wenn ich am Boden bin.“ Hier habe ich noch einmal aus Tönnies Sicht erfahren, welch toller Mann Wilhelm war, wie er seinem Gehilfen stets aufmunternd zur Seite stand, nichts zwischen sie kommen ließ und wie die beiden zu den besten Freunden wurden. Wilhelm ist ein Mann der,  immer mit seinem Ziel, das Eiserne Kreuz I zu erlangen vor sich, mit Zuversicht die Zeit an der Front durchsteht. Er ist kein Mann der, trotz viel Herz, groß Gefühle preisgibt. Diesen Part übernimmt sein Gehilfe Tönnies, dessen Gefühlswelt man aus der Ich-Perspektive natürlich auch toll dargeboten bekommt. Ich mochte den treuen, besten Freund sofort, hatte ihn schon im Altenheim zu Beginn ins Herz geschlossen. Durch ihn bekommt man einen tollen Einblick in die Kriegtraumata. Er ist,, ebenso wie auch alle anderen Darsteller authentisch dargestellt ist, man merkt hier deutlich, dass wohl alle Mitspieler ein real existierendes Vorbild hatten.

 

„Und haben sie das gewusst mit den Juden?“ –„Nein. … Das Nein entspricht der Wahrheit, sonst wäre ich nicht imstande, dies hier zu verfassen. Dass ich vom Krieg jedoch nicht erzählt, habe, tut mir heute unfassbar leid, denn ich merke, dass die Jugend von heute zu wenig weiß. Die Gefahr neue Kriege zu führen ist groß.“ Mit diesem Zitat ende ich mit einer Empfehlung für diesen bewegenden Roman, der gegen das Vergessen hilft.


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Gespräche aus der Community

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ChristianHardinghauss avatar
Liebe LovelybookerInnen, 

aufgrund der großen Nachfrage der Teilnehmer zur Leserunde meines Romanes "Ein Held dunkler Zeit" habe ich vom Europa Verlag den Support erhalten, auch für die wahre Geschichte hinter dem Roman eine Runde zu veranstalten. Es hat sich doch heraus gestellt, dass das Sachbuch auch für gewohnte Romanleser hoch interessant ist - eben mit der Rückmeldung, es lese sich spannend wie ein Roman. "Wofür es lohnte das Leben zu wagen" kann als Hintergrund zu "Ein dunkler Held" gelesen werden, oder eben völlig losgelöst. Ihr erhaltet Buch und DVD. Ich hoffe, dass dieses Mal auch ein paar Männer in der Runde sind. 

Um zwei zu beantwortende Fragen nebst dem Versprechen auf Beteiligung an der Diskussion und dem Verfassen einer Rezension bitte ich Euch bei der Bewerbung:

1. Habt Ihr "Ein Held dunkler Zeit" gelesen oder schon davon oder von diesem Buch in den Medien o. Ä. gelesen? 

2. Warum spricht Euch die Leseprobe an (insgesamt ist das Buch sicher keine leichte Kost) und warum interessiert Ihr Euch für die deutsche Sicht innerhalb des Zweiten Weltkrieges?

Im Folgenden eine Leseprobe und ein paar Bilder aus dem Buch. 

Brief von Helmut an Erna vom 05. April 1942 – Osterspaziergang: Hoffnung Menschlichkeit

"Ein Strahl der frühen Morgensonne fällt durch den Spalt des Fensterladens, und blauer Himmel scheint herein. Also ist wieder schönes Wetter draußen und das Schneien vorbei. So hält es mich nicht länger auf dem Lager, ich schlüpfe in meine Pantoffeln und trete vor die Tür. Blendendes Sonnenlicht übergießt mich mit seinem Glanz! Welch herrlicher Morgen! Weiß und weich ist alles wieder mit Schnee bedeckt, aber jetzt wärmt die Sonne schon so, dass es einem in Hemdsärmeln nicht kalt ist. Ich atme die würzige Morgenluft. Kaum die Augen kann man öffnen vor der Fülle des Lichts.
Fast friedlich ist’s, diese unberührte Zartheit des Schnees und über allem die goldene Sonne. Was Wunder! Heute ist ja auch Ostertag! Ein wenig winterlich für Ostern, würde für Weihnachten besser passen, wenn die warme Sonne nicht wäre. Man kann’s dem Osterhasen nicht verübeln, wenn er bei diesem Wetter nicht kommt. Wo sollte er auch die Eier hinlegen? Er würde sich einen kalten Hintern holen.
Ich stehe eine Weile hier draußen und genieße die Schönheit dieses Morgens. Still ist’s hier überall. Eigentlich zu wundern, aber umso besser! Nur weit in der Ferne hört man ab und zu leises Rollen der Artillerie.
Doch, richtig! Da hat die Sonne doch eine Rata hervorgelockt. Über dem oberen Dorfende zieht sie ein paar Kreise, fliegt dann an der Häuserreihe entlang und gibt ein paar Schüsse ab. Lassen wir ihr das Vergnügen, wir sind daran gewöhnt. Jetzt ist sie auch schon wieder fort. Sollte wohl nur ein Ostergruß sein. Haben wunderbare Umgangsformen, diese Russen.
Meine beiden Kumpane schlafen natürlich noch. Ich nehme die Zeltbahnen von den Fenstern und öffne die Läden. Da sind sie denn auch auf den Beinen. »Frohe Ostern! Und heute wird zur Feier des Tages reiner Bohnenkaffee gemacht!«
Schon knistert im Herd das Feuer, und das Waschwasser ist warm. Heute wird fein rasiert und der Bart geschnitten. Und frische Wäsche gibt es. Meine Hose mit ihren sieben Löchern muss es allerdings nochmals tun, habe ich doch eine umso schönere Weste!
Jetzt röstet das Brot auf der Herdplatte, und der Kaffee dampft. Also her mit dem Mokka, für jeden zwei Gläser! Und Butter ist auch noch da! Was wollen wir mehr? Prost, Kameraden! Es lebe der Soldat! Schnaps haben wir nicht zum Anstoßen, so muss es der Kaffee tun! Jetzt suchen sie zuhause ihre Ostereier im frischen Grün. Könnt ihr euch das vorstellen? Frühling und Osterglocken und kein Kanonendonner und keine Russen? Ja, das gibt’s!
Ich öffne das Fenster, würzig strömt die frische Luft herein. Und mit ihr herein strömen - o Wunder - leise Klänge einer fernen Musik. Woher kommen sie? Jemand muss ein Radio haben. Es ist eine feierliche Musik: Beethoven, ja, richtig: der Erzherzog .
Jetzt erkenne ich es genau. Ja, auch das gibt es noch. Lange ist es her, dass ich sie nicht mehr gehört habe, unvorstellbar lange. Und doch, es gibt so was noch!
Ich greife nach Mütze und Rock. »Ich gehe hinauf zum Kolchos, bin bald wieder zurück.«
»Jawohl, Herr Unterarzt!«
Ja: Unterarzt, Oberarzt, Leutnant und Gefreite! Alles das sind wir, nur das eine nicht: Mensch. Ach, wieder einmal Mensch, wieder ein Selbst sein dürfen! Wo lebt es, unser eigenes Ich? Alles versunken, was früher war, verhüllt von Schleiern der Zukunft. Das Gestern, es ist unwichtig, ein Heute allein kennen wir, ein Morgen vielleicht, aber dann schon liegt alles im Dunkel.
Ich schreite durch den Morgen. Noch ist der Boden hart, wie weicher Flaum bedeckt ihn der Schnee. Wo die Sonne sticht, beginnt er schon zu schmelzen. Wie ich so meinen Weg gehe, allein, begleitet nur von dem Schatten, kommt es mir in den Sinn: Dass das eigene Leben, das Leben des eigenen Ichs, nur noch ist wie ein Schatten, der nebenher läuft, unwesentlich, schemenhaft.
Ich trete von der Straße, überquere das Tal und steige langsam die Höhe hinauf, von wo man das Gelände übersehen kann. Tote Russen liegen hier noch, aus dem schmelzenden Schnee hervorwachsend, und auch Blindgänger von Granaten. Man muss sie vorsichtig umgehen. Ein sonderbarer Osterspaziergang! Es ist jetzt warm in der Sonne. Der Schnee schmilzt und fließt in kleinen Rinnen zu Tal, um irgendwo wieder zu erstarren.
Nun ist der Blick frei. Unter mir das lang gezogene Tal mit der Reihe ärmlicher Häuser, und am Fuß des gegenseitigen Hügels, weit auseinandergezogen, im schmelzenden Schnee deutlich erkennbar: unsere Stellungen. Und ganz weit hinten, über der hohen Linie des Horizontes, die eckigen Schneehütten der Russen. Und dort, sich in Täler senkend, die beiden Wälder, die Ausgangsstellungen ihrer Angriffe.
Da unten liegt es also, das armselige Russendorf, kaum nennenswert in seiner Dürftigkeit, das wir doch so lange schon verteidigten, als wäre es eine der Kostbarkeiten der Erde! Eigentlich kaum zu glauben, dass diese dünn besetzte Kampflinie bisher immer noch standgehalten hat. Was ist es, das ihr die Kraft gibt? Ob die Kameraden da vorne, die da in ihren Löchern liegen, es wohl wissen? Sie tun ihren Dienst, ihre Pflicht, wie man es nennt. Aber das ist es nicht. Nicht allein. Manchmal kämpfen sie um ihr nacktes Leben, wenn der Russe hart drängt. Aber sie ziehen immer wieder aufs Neue hinaus. Und wenn sie dann müde sind, zum Umfallen, und doch auf ihren Posten stehen, hört man es sie wohl mal einmal aussprechen: Hier verteidigen wir die Heimat!
Was ist das, Heimat? Ist es der eigene Besitz? Viele haben ihn nicht, sie sind noch jung und arm, und der Krieg gerade hindert sie am eigenen Besitz. Sind es die Brüder oder Schwestern, Frau und Kind? Viele kennen weder das eine noch das andere, und doch kämpfen sie mit und sterben, wenn es sein muss. Es ist die Heimat, ein dunkel, aber stark gefühltes Ganzes. Sie wissen es, das macht sie so unbesiegbar, aber sie sprechen nicht davon.
Der Soldat kennt kein Pathos. Still treibt er sein Handwerk des Kampfes. Und wie er kämpft, so stirbt er auch, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Der eine stumm, in sich gekehrt, der andere schreiend vor Schmerz. Aber alle ohne große Worte. Es ist natürlich, wenn einer fällt, ohne viele Worte begraben ihn die Kameraden. Ein anderer springt für ihn ein. So ist es.
Mein Blick wandert hinüber zu ihren Gräbern. Viele sind es schon. Viele der Besten von uns. Wie sie gekämpft, so starben sie, und wie jene starben, so kämpfen diese weiter. So leben sie unter uns und wir bei ihnen.
Auch diese, ja auch sie kennen das eigene Ich nicht mehr! Soldaten sind sie im grauen Rock und weiter nichts. Ich bin, wie Ihr seid, Kameraden. Euch gehört mein ganzes Herz!
Ein MG schießt seine Garben über die Hänge, ein eigenes und dann auch eins der Russen. Ich gehe wieder herunter, diesmal etwas gedeckt durch eine Baumreihe. Weich ist jetzt der Boden schon, und überall rinnt es herunter. Noch sind die Knospen der Sträucher fest geschlossen: Aber der Frühling naht!
Helmut."


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ChristianHardinghauss avatar

Winter 1941/42, deutsche Stellungen in der Südukraine. Wilhelm Möckel, Unterarzt in der Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16, kämpft einen verzweifelten Kampf – er benötigt das Eiserne Kreuz I. Klasse. Es ist die einzige Chance, in den Offiziersrang aufzusteigen und beim Führer ein Gnadengesuch einzureichen, um seine halbjüdische Frau »arisieren« zu lassen. Eine Ausnahmeregelung der Nazis verspricht ihr »deutsches Blut«, wenn er zum Helden wird …

Als er Annemarie im Sommer 1932 kennenlernt, ist er wie vom Blitz getroffen. Sie ist die Frau, die er heiraten will, und auch für Annemarie ist es die große Liebe. Doch das junge Glück währt nicht lange, schon bald ziehen dunkle Wolken auf, und mit Hitlers Machtübernahme 1933 beginnt die offene Verfolgung von Regimegegnern und »rassischen Minderheiten«. Trotz eindringlicher Warnungen seines Zwillingsbruders Karl, der auf der Karriereleiter der NSDAP rasch emporsteigt, heiratet Wilhelm und schwört seiner Frau die Treue. Auch als er seine Kassenzulassung verliert, hält er zu ihr und den beiden Kindern. Da er Deutschland nicht verlassen will, sieht er nur noch einen Ausweg: Er meldet sich freiwillig zum Kriegseinsatz, um durch hervorragende Leistungen für das Deutsche Reich beim Führer eine Arisierung für seine Familie zu erbitten. Und so verschlägt es Wilhelm an die Ostfront, wo im eisigen Winter 1941/42 die russische Gegenoffensive beginnt, während Annemarie und die Kinder zu Hause immer stärker von NSDAP-Leuten bedrängt werden. Wird es Wilhelm rechtzeitig gelingen, sein Ziel zu erreichen?

• Roman über eine große Liebe, Menschlichkeit und Kameradschaft im Nationalsozialismus – nach einer wahren Geschichte
• Packende Schilderung vom Leben, Kämpfen und Sterben der einfachen Soldaten an der Ostfront
• Eine Hommage an Erich Maria Remarque: Ein Im Westen nichts Neues des Zweiten Weltkriegs
• Filmrechte angefragt


Eine ganz besondere Geschichte, ein Roman auf wahrer Begebenheit, über Liebe, Hoffnung und Leid zwischen einer Halbjüdin und einem Arzt der Wehrmacht und  über das alltägliche Leiden und Sterben deutscher und sowjetischer Soldaten an der Ostfront. 

Folgende drei Fragen sollen für die Bewerbung zur Leserunde beantwortet werden. 
1.) Obligatorisch: Warum interessiert Ihr Euch für das Thema? 
2.) Habt Ihr selbst Verwandte, die Euch ihre Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg erzählt haben? 
3.) Wie beurteilt Ihr die Thematisierung des Zweiten Weltkrieges im Schulunterricht? 

Viel Erfolg. Ich freue mich über eine spannende Diskussion. 


Christian Hardinghaus (in Absprache mit dem Europa Verlag) 
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KBV_Verlags avatar

Mordet ein Wahnsinniger auf Norderney, oder ist tatsächlich eine Hexe auf blutigem Rachefeldzug? Als das Meer vor der Nordseeinsel der Ebbe weicht, gibt das Watt die Leiche eines rothaarigen Mädchens frei. Ein Selbstmord?

Doch dann stirbt eine weitere junge Frau. Auch sie hat rotes Haar - genau so, wie Dortje Freding, die sagenumwobene Hexe von Norderney, die sich 1544 dem Tod auf dem Scheiterhaufen entzog, indem sie ins offene Meer sprang und verschwand.

Gerd Rickmer, Chef des Polizeikommissariats Norden und sein Team, versuchen  die aufkeimende Panik unter den Bewohnern und Touristen einzudämmen. In der Finsternis der Inselnächte geht das Töten weiter.

Selbst die betont sachlich ermittelnde Polizei zweifelt bald daran, ob sie es mit einem Täter aus Fleisch und Blut zu tun hat.

Unter den Beamten ist der Bremer Hautkommissar Carsten Kummer, der Vater des ersten Opfers. Für Kummer, der bis vor kurzem von der Existenz seiner Tochter nichts ahnte, wird die Reise auf die Insel zu einem Albtraum.

Bizarre Rituale, undurchsichtige Gestalten und dunkler Aberglaube: Zutaten aus denen der Autor Christian Hardinghaus einen atemberaubenden Thriller anrührt.

Norderney ist fortan mehr als eine Urlaubsinsel, Norderney ist nun auch die schaurige Kulisse mysteriöser Morde.

ChristianHardinghauss avatar
Letzter Beitrag von  ChristianHardinghausvor 7 Monaten
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Zusätzliche Informationen

Christian Hardinghaus wurde am 23. April 1978 in Osnabrück (Deutschland) geboren.

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