Bei der Hausarbeit höre ich am liebsten True Crime Podcasts und am interessantesten sind immer die mysteriösen Fälle, die nie ganz gelöst werden konnten. Mein Favorit ist der Fall der beiden in Panama verschwundenen Holländerinnen Lisanne Froon und Kris Kremers. Auch wenn Überreste von Ihnen gefunden worden, die Umstände ihres Todes bleiben rätselhaft.
Dazu gibt es im Internet zahlreiche Videos und Foren, die sich mit der Aufklärung des Falls beschäftigen. Da mich die Fülle an Informationen und Meinungen aber schlichtweg überfordert, war ich froh, dass es mittlerweile ein Buch gibt, welches noch einmal alle Hinweise zusammenträgt, sowie alte und neue Theorien beleuchtet. Dabei hat sich einer der beiden Autoren sogar vor Ort auf Spurensuche begeben.
Das Buch wechselt von der eher nüchtern formulierten Aufarbeitung des Falls des Autors mit den Logbuch Einträgen der Autorin ab, die um einiges gefühlsbetonter erscheinen.
Außerdem enthält das Buch auch einige der Fotografien, die auf der Kamera der später gefundenen Rucksäcke der jungen Frauen sichergestellt werden konnten, sowie die Zeitdaten der Handys, die sich ebenfalls im Rucksack befanden.
Es gibt zwei Theorien. Die Lost Theorie geht davon aus, dass sich Lisanne und Kris hoffnungslos verirrt haben, nicht wieder aus dem Dschungel herausfanden und an Krankheit oder durch einen Unfall starben.
Die Foulplay Theorie besagt, dass die beiden durch die Hände einer oder mehrerer Personen starben.
Ab Mitte des Buchs wird klar, dass die Autoren zweitere Theorie bevorzugen. Ein großer Teil dreht sich darum, die Unschuld des Tourguide Feliziano und seines Sohnes zu beweisen. Ich glaube auch nicht, das diese etwas mit dem Tod der beiden zu tun hatten. Aber es geht viel zu lange darum, das zu beweisen. Und es ist ja schön, dass die Autorin nicht müde wird zu betonen, wie nett dieser Tourguide ist. Dadurch wirkte sie irgendwann aber einfach nur noch total befangen, sodass ich sie kaum noch ernst nehmen konnte.
Ich persönlich bin einer Anhängerin der Lost Theorie. Es mag ja sein, das verschiedene Fakten nicht plausibel erscheinen, aber wir wissen nicht was die beiden in dieser Zeit wirklich gefühlt oder gedacht haben. Auch wenn ihr Verhalten untypisch gewesen sein mag, vielleicht war es eben das, was ihnen in dieser Ausnahmesituation am logischsten erschien.
Ich finde es schade, dass man versucht hat von der Lost-Theorie wegzukommen, anstatt dort weiter anzusetzen.
Die Autoren geben sich zwar die größte Mühe, die Möglichkeit eines Verbrechens zu erklären. Aber seien wir mal ehrlich: Welcher Mörder macht sich die Mühe Handys und Kamera zu manipulieren, Rucksäcke und Knochenteile so zu platzieren, dass sie gefunden werden können, anstatt das alles in den Weiten des Dschungels oder sonst irgendwo einfach verschwinden zu lassen?
Das Buch ist eine gute Zusammenfassung dieses Falls und versucht die verschiedenen Theorien nachvollziehbar darzustellen. Jedoch wird man manchmal geradezu erschlagen von all den technischen Details und ab der Mitte verlieren sich die Autoren ein wenig.
Wenn, dann hat mich das Buch eher in der Annahme bestärkt, dass Lisanne und Kris aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände nicht wieder aus den Dschungel hinausfanden und durch äußere Umwelteinflüsse gestorben sind. Wir neigen dazu, Dinge in ein mysteriöses Licht zu rücken, wenn sie von der Norm abweichen und übersehen dabei die einfachste Lösung.
Mich hat das Buch auch etwas bedrückt zurück lassen, weil zwei junge Frauen, die doch noch ihr ganzes Leben vor sich hatten, auf so tragische Weise ums Leben gekommen sind. Ich hoffe, dass irgendwann vielleicht doch noch DIE Hinweise gefunden werden, die den Fall zu einem eindeutigen Abschluss bringen können.