Neuer Beitrag

ChristianHardinghaus

vor 1 Woche

Alle Bewerbungen

Liebe LovelybookerInnen, 


aufgrund der großen Nachfrage der Teilnehmer zur Leserunde meines Romanes "Ein Held dunkler Zeit" habe ich vom Europa Verlag den Support erhalten, auch für die wahre Geschichte hinter dem Roman eine Runde zu veranstalten. Es hat sich doch heraus gestellt, dass das Sachbuch auch für gewohnte Romanleser hoch interessant ist - eben mit der Rückmeldung, es lese sich spannend wie ein Roman. "Wofür es lohnte das Leben zu wagen" kann als Hintergrund zu "Ein dunkler Held" gelesen werden, oder eben völlig losgelöst. Ihr erhaltet Buch und DVD. Ich hoffe, dass dieses Mal auch ein paar Männer in der Runde sind. 

Um zwei zu beantwortende Fragen nebst dem Versprechen auf Beteiligung an der Diskussion und dem Verfassen einer Rezension bitte ich Euch bei der Bewerbung:

1. Habt Ihr "Ein Held dunkler Zeit" gelesen oder schon davon oder von diesem Buch in den Medien o. Ä. gelesen? 

2. Warum spricht Euch die Leseprobe an (insgesamt ist das Buch sicher keine leichte Kost) und warum interessiert Ihr Euch für die deutsche Sicht innerhalb des Zweiten Weltkrieges?

Im Folgenden eine Leseprobe und ein paar Bilder aus dem Buch. 

Brief von Helmut an Erna vom 05. April 1942 – Osterspaziergang: Hoffnung Menschlichkeit

"Ein Strahl der frühen Morgensonne fällt durch den Spalt des Fensterladens, und blauer Himmel scheint herein. Also ist wieder schönes Wetter draußen und das Schneien vorbei. So hält es mich nicht länger auf dem Lager, ich schlüpfe in meine Pantoffeln und trete vor die Tür. Blendendes Sonnenlicht übergießt mich mit seinem Glanz! Welch herrlicher Morgen! Weiß und weich ist alles wieder mit Schnee bedeckt, aber jetzt wärmt die Sonne schon so, dass es einem in Hemdsärmeln nicht kalt ist. Ich atme die würzige Morgenluft. Kaum die Augen kann man öffnen vor der Fülle des Lichts.
Fast friedlich ist’s, diese unberührte Zartheit des Schnees und über allem die goldene Sonne. Was Wunder! Heute ist ja auch Ostertag! Ein wenig winterlich für Ostern, würde für Weihnachten besser passen, wenn die warme Sonne nicht wäre. Man kann’s dem Osterhasen nicht verübeln, wenn er bei diesem Wetter nicht kommt. Wo sollte er auch die Eier hinlegen? Er würde sich einen kalten Hintern holen.
Ich stehe eine Weile hier draußen und genieße die Schönheit dieses Morgens. Still ist’s hier überall. Eigentlich zu wundern, aber umso besser! Nur weit in der Ferne hört man ab und zu leises Rollen der Artillerie.
Doch, richtig! Da hat die Sonne doch eine Rata hervorgelockt. Über dem oberen Dorfende zieht sie ein paar Kreise, fliegt dann an der Häuserreihe entlang und gibt ein paar Schüsse ab. Lassen wir ihr das Vergnügen, wir sind daran gewöhnt. Jetzt ist sie auch schon wieder fort. Sollte wohl nur ein Ostergruß sein. Haben wunderbare Umgangsformen, diese Russen.
Meine beiden Kumpane schlafen natürlich noch. Ich nehme die Zeltbahnen von den Fenstern und öffne die Läden. Da sind sie denn auch auf den Beinen. »Frohe Ostern! Und heute wird zur Feier des Tages reiner Bohnenkaffee gemacht!«
Schon knistert im Herd das Feuer, und das Waschwasser ist warm. Heute wird fein rasiert und der Bart geschnitten. Und frische Wäsche gibt es. Meine Hose mit ihren sieben Löchern muss es allerdings nochmals tun, habe ich doch eine umso schönere Weste!
Jetzt röstet das Brot auf der Herdplatte, und der Kaffee dampft. Also her mit dem Mokka, für jeden zwei Gläser! Und Butter ist auch noch da! Was wollen wir mehr? Prost, Kameraden! Es lebe der Soldat! Schnaps haben wir nicht zum Anstoßen, so muss es der Kaffee tun! Jetzt suchen sie zuhause ihre Ostereier im frischen Grün. Könnt ihr euch das vorstellen? Frühling und Osterglocken und kein Kanonendonner und keine Russen? Ja, das gibt’s!
Ich öffne das Fenster, würzig strömt die frische Luft herein. Und mit ihr herein strömen - o Wunder - leise Klänge einer fernen Musik. Woher kommen sie? Jemand muss ein Radio haben. Es ist eine feierliche Musik: Beethoven, ja, richtig: der Erzherzog .
Jetzt erkenne ich es genau. Ja, auch das gibt es noch. Lange ist es her, dass ich sie nicht mehr gehört habe, unvorstellbar lange. Und doch, es gibt so was noch!
Ich greife nach Mütze und Rock. »Ich gehe hinauf zum Kolchos, bin bald wieder zurück.«
»Jawohl, Herr Unterarzt!«
Ja: Unterarzt, Oberarzt, Leutnant und Gefreite! Alles das sind wir, nur das eine nicht: Mensch. Ach, wieder einmal Mensch, wieder ein Selbst sein dürfen! Wo lebt es, unser eigenes Ich? Alles versunken, was früher war, verhüllt von Schleiern der Zukunft. Das Gestern, es ist unwichtig, ein Heute allein kennen wir, ein Morgen vielleicht, aber dann schon liegt alles im Dunkel.
Ich schreite durch den Morgen. Noch ist der Boden hart, wie weicher Flaum bedeckt ihn der Schnee. Wo die Sonne sticht, beginnt er schon zu schmelzen. Wie ich so meinen Weg gehe, allein, begleitet nur von dem Schatten, kommt es mir in den Sinn: Dass das eigene Leben, das Leben des eigenen Ichs, nur noch ist wie ein Schatten, der nebenher läuft, unwesentlich, schemenhaft.
Ich trete von der Straße, überquere das Tal und steige langsam die Höhe hinauf, von wo man das Gelände übersehen kann. Tote Russen liegen hier noch, aus dem schmelzenden Schnee hervorwachsend, und auch Blindgänger von Granaten. Man muss sie vorsichtig umgehen. Ein sonderbarer Osterspaziergang! Es ist jetzt warm in der Sonne. Der Schnee schmilzt und fließt in kleinen Rinnen zu Tal, um irgendwo wieder zu erstarren.
Nun ist der Blick frei. Unter mir das lang gezogene Tal mit der Reihe ärmlicher Häuser, und am Fuß des gegenseitigen Hügels, weit auseinandergezogen, im schmelzenden Schnee deutlich erkennbar: unsere Stellungen. Und ganz weit hinten, über der hohen Linie des Horizontes, die eckigen Schneehütten der Russen. Und dort, sich in Täler senkend, die beiden Wälder, die Ausgangsstellungen ihrer Angriffe.
Da unten liegt es also, das armselige Russendorf, kaum nennenswert in seiner Dürftigkeit, das wir doch so lange schon verteidigten, als wäre es eine der Kostbarkeiten der Erde! Eigentlich kaum zu glauben, dass diese dünn besetzte Kampflinie bisher immer noch standgehalten hat. Was ist es, das ihr die Kraft gibt? Ob die Kameraden da vorne, die da in ihren Löchern liegen, es wohl wissen? Sie tun ihren Dienst, ihre Pflicht, wie man es nennt. Aber das ist es nicht. Nicht allein. Manchmal kämpfen sie um ihr nacktes Leben, wenn der Russe hart drängt. Aber sie ziehen immer wieder aufs Neue hinaus. Und wenn sie dann müde sind, zum Umfallen, und doch auf ihren Posten stehen, hört man es sie wohl mal einmal aussprechen: Hier verteidigen wir die Heimat!
Was ist das, Heimat? Ist es der eigene Besitz? Viele haben ihn nicht, sie sind noch jung und arm, und der Krieg gerade hindert sie am eigenen Besitz. Sind es die Brüder oder Schwestern, Frau und Kind? Viele kennen weder das eine noch das andere, und doch kämpfen sie mit und sterben, wenn es sein muss. Es ist die Heimat, ein dunkel, aber stark gefühltes Ganzes. Sie wissen es, das macht sie so unbesiegbar, aber sie sprechen nicht davon.
Der Soldat kennt kein Pathos. Still treibt er sein Handwerk des Kampfes. Und wie er kämpft, so stirbt er auch, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Der eine stumm, in sich gekehrt, der andere schreiend vor Schmerz. Aber alle ohne große Worte. Es ist natürlich, wenn einer fällt, ohne viele Worte begraben ihn die Kameraden. Ein anderer springt für ihn ein. So ist es.
Mein Blick wandert hinüber zu ihren Gräbern. Viele sind es schon. Viele der Besten von uns. Wie sie gekämpft, so starben sie, und wie jene starben, so kämpfen diese weiter. So leben sie unter uns und wir bei ihnen.
Auch diese, ja auch sie kennen das eigene Ich nicht mehr! Soldaten sind sie im grauen Rock und weiter nichts. Ich bin, wie Ihr seid, Kameraden. Euch gehört mein ganzes Herz!
Ein MG schießt seine Garben über die Hänge, ein eigenes und dann auch eins der Russen. Ich gehe wieder herunter, diesmal etwas gedeckt durch eine Baumreihe. Weich ist jetzt der Boden schon, und überall rinnt es herunter. Noch sind die Knospen der Sträucher fest geschlossen: Aber der Frühling naht!
Helmut."


Autor: Christian Hardinghaus
Buch: Wofür es lohnte, das Leben zu wagen
4 Fotos

Bellis-Perennis

vor 1 Woche

Plauderecke

Hallo Christian,

schön, dass es geklappt hat, die Leserunde auf die Beine zu stellen. Ich werde gerne mit meinem eigenen Exemplar daran teilnehmen. Auch, wenn ich das Buch schon gelesen habe, eröffnen sich durch den Austausch vielleicht andere Sichtweisen oder Gedanken.
lg aus Wien

ChristianHardinghaus

vor 1 Woche

Plauderecke
Beitrag einblenden
@Bellis-Perennis

Ja, Wahnsinn. Ich danke Dir für Deinen Einsatz!!!!!

Beiträge danach
43 weitere Beiträge (Klassische Ansicht)
Beiträge davor

Antek

vor 4 Tagen

Plauderecke

Oh welch super Nachricht darf ich im der Kaffee Pause hier entdecken. Ich freue mich riesig, dass ich auch dabei sein darf. 😊 tausend Dank

Glückwunsch auch an die anderen Gewinner das wird bestimmt eine tolle Runde

Wedma

vor 3 Tagen

Plauderecke

Ich freue mich, dass ich dabei bin.

Bin sehr auf das Buch und die Leserunde gespannt!

Isabell47

vor 3 Tagen

Alle Bewerbungen
Beitrag einblenden

ChristianHardinghaus schreibt:
es tut mir so leid, dass es Dich nun zwei mal trifft. Du stehst jetzt bei mir aber auf dem Wartelistenplatz No. 1, falls der Verlag noch einen Bonus drauflegt.

Mir tut es auch leid... Na, dafür habe ich heute "Ein Held dunkler Zeit" fast zu Ende gelesen.... und nicht bereut es gekauft zu haben.... also hatte ich doch Glück....

Bellis-Perennis

vor 2 Tagen

Plauderecke

ChristianHardinghaus schreibt:
kann bald losgehen!

Sorry, dass ich mich ein paar Tage nicht gemeldet habe. War von So bis heute auf einem Kongress.

Puh, da hast du es diesmal wirklich sehr schwer gehabt, deine Auswahl zu treffen. Gut, dass auch zwei Männer dabei sind - die sind ja leider bei LR eher Mangelware.
Freu' mich schon und bin sehr gespannt ...

Bellis-Perennis

vor 2 Tagen

Plauderecke

ChristianHardinghaus schreibt:
Ich bin gerade auf der Reise nach Frankreich zu Recherchezwecken für mein neues Projekt (wieder Sachbuch und Roman über Ärzte im Dritten Reich).

Oh, das klingt ja wieder extra interessant!

skiaddict7

vor 1 Tag

Plauderecke

Juhuu, ich freue mich sehr dass ich dabei sein darf und bin sehr gespannt auf das Buch. Auch das neue Buch für das du recherchierst klingt ja schon wieder sehr spannend! Wir dürfen also gespannt bleiben :)

ChristianHardinghaus

vor 6 Stunden

Alle Bewerbungen
@Isabell47

Dankeschön. Das freut mich wirklich! Hier noch ein aktueller TV Beitrag mit einem Interview auch mit Hans Machemer, so hast Du noch ein wenig von dem Hintergrund der wahren Story:

https://www.ardmediathek.de/tv/Lokalzeit-M%C3%BCnsterland/Aus-Liebe-an-die-Front/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7293612&documentId=52517740

Neuer Beitrag

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks