Mit schneidigem Grinsen öffnete ich nach dem Lesen des sogenanten, von Hintze selbst geschriebenen Werbetextes auf dem Buchumschlag diesen Gedichtband und las nach dem ersten Gedicht "Lyrische Erhebung" mit ehrfürchtiger Leidenschaft eines nach dem anderen.
Ihren Anlass finden diese Gedichte, so Hintze, in "Gedichten, die andere, von mir als groß verehrte Dichter vor mir geschrieben haben." Dabei sagt er deutlich, dass diese dann natürlich keine Nachahmungen davon sind, "sondern eigene Formen, die ihren Anlass haben."
Dennoch ein wunderschönes Paradox, diese Gedichte apart von den Zugeeigneten zu lesen und sie dennoch auf eine Weise auf sie rückzubeziehen.
Nicht einfach zugänglich sind sie, aber sie klingen nach, lange.
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DER GEWOEHNLICHE TIEFSINN
nach Xenia Nekrassowa, "Die Sonne"
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Verstreut ueber die Wiesen meiner Kindheit:
bescheidenes Nicken von Himmelsgenossen, Flotten von
Gänseblumen,Kirschblütenschnee.
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Windverwittert damals schon: das welke Augenpaar der
Hände. Nur weil es Unnahbarkeit gibt, gibt es das Wort.
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In Höhe meiner Stirn: schwebende Gärten,
gegrenzt von Tabernakelzaeunen. Weit und breit Gebete,
Witterlaute, goldstinkender Erdunrat.
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Meine Kleidung damals war Entblößung.
Rezension zu "Die Goldene Flut" von Christian I. Hintze


