Christian Jostmann

 4.8 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Das Eis und der Tod, Nach Rom zu Fuß und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Magellan

Erscheint am 14.02.2019 als Hardcover bei C.H.Beck.

Alle Bücher von Christian Jostmann

Das Eis und der Tod

Das Eis und der Tod

 (3)
Erschienen am 01.01.2017
Nach Rom zu Fuß

Nach Rom zu Fuß

 (1)
Erschienen am 01.06.2010
Magellan

Magellan

 (0)
Erschienen am 14.02.2019

Neue Rezensionen zu Christian Jostmann

Neu

Rezension zu "Das Eis und der Tod" von Christian Jostmann

„Ein Hoch auf die Hunde!“
Ginevravor 3 Jahren

Die Entdeckung des geographischen Südpols ist das spannende Thema dieses informativen Buchs, das man wohl am ehesten als Reisebericht beschreiben kann. Autor Christian Jostmann, geboren 1971, studierte Geschichte, Soziologie, Hispanistik und Psychologie in Bielefeld und Würzburg. Seit 2002 schreibt er für das Feuilleton der SZ.
Im Jahr 1911 brachen zwei Expeditionen auf, um das letzte große geographische Geheimnis zu lüften und zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte den Südpol zu betreten.

Zum Einen Roald Amundsen aus Norwegen mit seiner Mannschaft und dem Schiff „Fram“. Eigentlich war Amundsen wenige Jahre zuvor ganz knapp an der Entdeckung des Nordpols gescheitert, der ihn viel mehr faszinierte (und wo er Jahrzehnte später verschollen ist). Amundsen war bekannt als Kämpfer, der keinen Widerspruch duldete – und der sich bereits bestens mit arktischen Verhältnissen auskannte, nachdem er als erster Mensch die Norwestpassage durchsegelt hatte.

Zum Andern trat die Mannschaft der „Terra Nova“ aus Großbritannien an, um dessen Ruhm als ziemlich angeschlagener Weltmacht aufzufrischen. Leiter der britischen Expedition war Marineoffizier Robert Falcon Scott, mit an Bord waren einige bedeutende Wissenschaftler und ein Fotograf. Scott war als „Gentleman“ in seiner Heimat hoch angesehen, er schrieb ausführliche Tagebücher, machte sich viele Gedanken über die Planung der gesamten Expedition – ein sensibler, dennoch ehrgeiziger Mensch. Sein Ziel war nicht nur die Eroberung des Südpols, sondern die Entdeckung einer bis dato beinahe unberührten Natur. Menschlich gesehen wurde er als kameradschaftlich, beherrscht und sensibel beschrieben, was ihm im unerbittlichen Konkurrenzkampf gegen den vergleichsweise rücksichtslosen, zielstrebigen Amundsen möglicherweise zum Verhängnis wurde.
Jostmanns Buch stellt beide Teams einander gegenüber und beschreibt die Ereignisse im historischen Zeitstrahl parallel, was eine unglaubliche Spannung schafft. Er berücksichtigt dabei zahlreiche Fakten, die sich aus den Berichten vieler Zeitzeugen und Teilnehmer beider Teams zusammensetzen. Auch einige der berühmten Fotos von Herbert Ponting sorgen dafür, dass man ein Gefühl für die Dimensionen der unendlichen Eislandschaft bekommt.
Besonders Scotts Tagebucheinträge finden ihren Platz, ebenso wie seine Listen und mathematischen Gleichungen, mit denen er die Expedition akribisch plante – und wie er das Geplante immer wieder überarbeitete bzw. korrigierte. Im Nachhinein wurde ihm dies als „Zögerlichkeit“ und „Planlosigkeit“ ausgelegt, was ich persönlich als ungerecht empfinde. 
Amundsen siebte gnadenlos aus, wen er für die letzten Meilen zum Südpol für geeignet hielt, und kalkulierte lebende Schlittenhunde als Proviant für Mensch und Tier ein, riskierte zuvor durch einen zu frühen Start das Leben der gesamten Mannschaft. - Scott dagegen sorgte sich stets um die Ernährung und Gesundheit seiner Kameraden UND seiner Tiere, verlor viel Zeit durch die missglückte Verwendung von motorbetriebenen Schlitten, und nahm ein paar gesundheitlich schwächere Forscher mit, um nicht wortbrüchig zu werden – und um der Wissenschaft einen Dienst zu leisten. Außerdem hatte er riesiges Pech mit dem Wetter. Seine letzten Gedanken galten seiner Frau und seinen Kameraden, er ließ die Schwächeren nicht im Stich, und wurde nach seinem Tod als wahrer Held der Südpol- Expedition geehrt – und ging somit in die Geschichte ein. 

Erst seit einigen Jahren wurden Scotts Schriften neu gelesen und etwas kritischer bewertet.
Amundsens Sieg wurde übrigens nicht überall gefeiert – zu einem Eklat kam es, als beim Bankett der Royal Geographic Society deren Ehrenpräsident seinen Toast nicht auf den anwesenden Gast Amundsen ausbrachte, sondern auf dessen Schlittenhunde:
“I therefore propose three cheers for the dogs”!
Aber hierzu bleibt Jostmann angenehm neutral. Dennoch spürt man durch die Zitate aus Scotts Tagebuch, wie hart diese gesamte Expedition für alle Beteiligten war, und wie tragisch ihr Ausgang für die Briten. 

Amundsen dagegen zeigte sich lieber als „Teufelskerl“, der das Ganze hinterher beinahe wie einen Sonntagsausflug mit Schlittenhunden darstellte, und der bereits wenige Jahre später erneut aufbrach – diesmal per Flugzeug und an den Nordpol, welcher später sein Schicksal werden sollte.

Fazit: ein spannendes, super recherchiertes Sachbuch, das sich wie ein Kriminalroman liest!
5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung.

Kommentieren0
6
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 11 Bibliotheken

auf 1 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks