Ausnahme

von Christian Jungersen 
4,1 Sterne bei17 Bewertungen
Ausnahme
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Wow, ich bin geschockt

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Inhaltsangabe zu "Ausnahme"

Das Böse steckt in uns allen und macht kaum jemals eine Ausnahme: Iben, Malene, Anne-Lise und Camilla arbeiten gemeinsam im Büro des dänischen Zentrums für Völkerrecht. Gegenseitig machen sie sich das Leben zur Hölle. Als eine von ihnen eine anonyme Todesdrohung erhält, gewinnt ihr Taktieren eine neue Qualität.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492250498
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:666 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:01.03.2009

Rezensionen und Bewertungen

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Wow, ich bin geschockt
    Menschliche Abgründe Tun sich auf

    Im Buch verwischen sich die Grenzen zwischen Gut und Böse aus alltäglichen Dingen. Malene, Iben, Anne-Lise und Camilla vier Arbeitskolleginnen zwischen Realität und Wahnsinn. Ganz normale Frauen die sich durch ihre Gefühle dazu verleiten lassen den Kollegen das Leben zur Hölle zu machen. Jede hat wohl auch ihr Päcklein zu tragen, Rheuma, Entführung, schlechte Kindheitserinnerungen, aber berechtigt das dazu so mit einem Unschuldigen umzugehen? Ich bin geschockt und fasziniert zugleich. Auch wenn es in diesem Buch einige langatmige Abschnitte gibt, ist es fantastisch. Man lernt eine Menge aus den verschiedensten Bereichen unseres Lebens, aus Kriegen, Krankheit und dem Umgang miteinander. Eigentlich ein Buch das in keinem Klassenzimmer fehlen sollte, um schon früh da zu schulen wo es mit dem Horror anfängt.

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    Babschas avatar
    Babschavor 8 Jahren
    Rezension zu "Ausnahme" von Christian Jungersen

    Gibt es sie tatsächlich, diese unterbewusste, originär böse Kraft im Menschen, die nur unter negativer äußerer, massiver wie subtiler Einwirkung durch Personen oder Erlebnisse zum Vorschein kommt, sich dann oftmals der eigenen Wahrnehmung entzieht und als quasi abgespaltener Persönlichkeitszug weder kontrollierbar noch beherrschbar ist?

    Dieser Frage geht der Autor in seinem Roman nach, in dem er die Hauptpersonen im wahrsten Sinne aufeinander prallen lässt. Sie alle arbeiten treffender Weise im Dänischen Zentrum für Information über Völkermord in Kopenhagen, einer kleinen, unabhängigen Institution, in der die weltweite Historie der Genozide für Historiker und die interessierte Öffentlichkeit archiviert und publiziert wird.

    Da ist Malene, die hübsche, studierte Projektleiterin Ende Zwanzig, lose liiert, einerseits intrigant bis ins Mark und die ihr zur Verfügung stehenden äußeren Vorzüge bedingungslos für ihre Ziele einsetzend, andererseits schwach, unreif, Halt suchend, dazu geschlagen mit Gelenkrheumatismus im fortgeschrittenen Stadium.

    Dann Iben, gleichaltrig, Malenes beste Freundin aus Studientagen und deren enge Vertraute und Hilfe, verbissen und weitgehend humorlos, allein stehend aber immer auf der Suche, eine intellektuell brillante Theoretikerin mit Hang zu endloser Rhetorik in Sachen Völkermord, hat eine politisch motivierte blutig beendete Geiselnahme in Kenia soeben überlebt und gilt seitdem allgemein als tough und abgeklärt.

    Weiter Camilla, Sekretärin, deutlich älter, zurückhaltend und still, übergewichtig, ohne Selbstwertgefühl und eigene Meinung, reiner Beobachter, macht ihren Job und darüber hinaus gute Miene zum bösen Spiel ihrer beiden geistig überlegenen Kolleginnen.

    Und noch Anne-Lise, Bibliothekarin, Anfang Vierzig, reich verheiratet, sensibel und mit zunächst positiver Grundeinstellung, erst seit einigen Monaten im Zentrum und seitdem grundlos im Fadenkreuz des täglichen Mobbingterrors von Marlene und Iben, verzweifelt aber erfolglos um ein gutes Klima und Problemlösung bemüht, gleicher Maßen an Kraft verlierend wie sich im Hass steigernd.

    Zuletzt Paul, der Chef des Ganzen, cleverer Taktiker, immer unterwegs, nur die eigenen Ziele, seine Karriere und die Außenwirkung des Instituts im Blick und ansonsten ohne gesteigertes Interesse an Teamgeist und Arbeitsklima seiner Mitarbeiterinnen, führungsschwach.

    Kammerspielartig und aus wechselnder Erzählperspektive der einzelnen Frauen führt Jungersen den Leser in seinem Buch immer tiefer hinein in die bedrückende, alptraumhafte und zunehmend eskalierende Mobbingwelt des Instituts wie auch, teils in Rückblenden, teils aktuell angelegt, in die sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten seiner Protagonistinnen, von denen jede ihr ganz persönliches Schicksal bzw. spezielles Geheimnis mit sich herumträgt. Die Dinge geraten massiv ins Rollen und außer Kontrolle, als die Institutsmitglieder per mail anonyme Todesdrohungen erhalten, hinter denen sie zunächst noch unerkannt abgetauchte Kriegsverbrecher vermuten.

    Kritik? Wenig. Das Buch ist entschieden zu lang geraten. Es scheint ein ganz besonderes Anliegen des Autors zu sein, historisch belegte Genozide wie in einem Geschichts- oder Sachbuch so oft wie möglich ausufernd zu schildern, mit fiktiven Abhandlungen der Mitwirkenden zu unterlegen und damit teils überflüssige, teils ärgerliche Unterbrechungen des Spannungsbogens der eigentlichen Rahmenhandlung zu provozieren. Auch als hiermit offenkundig erwünschter Selbstzweck, nämlich dramaturgisch den Einfluss menschlicher Gräueltaten auf die täglich hiermit befassten Institutsmitarbeiterinnen und deren eigene Entwicklung transparent zu machen, wird dies zu sehr überstrapaziert. Die Frauen strahlen sowieso durch die Bank eine kaum glaubhafte Abgeklärtheit im Zusammenhang mit der Umsetzung der hochbelastenden Thematik in ihre täglichen Aufgaben aus, die zumindest mir nur schwer zu vermitteln war.

    Lob? Viel. Die Grundidee des Buches inclusive des permanent offen liegenden Grundthemas der in jedem Menschen latent verborgenen Persönlichkeitsspaltung mit aggressivem, zerstörerischem Potential, welches nur noch durch äußere Umstände aktiviert zu werden braucht, ist interessant und ungewöhnlich. Die Mitwirkenden sind trotz einiger überzogener Momente im –weiblich- emotionalen Bereich durchaus glaubwürdig und gut konstruiert. Die Story ist spannend erzählt, so dass man als Leser gerne dran bleibt und erfahren möchte, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Die sich vollständig und sauber auflösenden Handlungsfäden mit ein paar dicken Überraschungen zum Ende hin entschädigen für einige wenige, zunächst etwas unglaubwürdige, später nachvollziehbare Entwicklungen im Mittelteil.

    Eine anstrengende, aber sehr lohnenswerte Lektüre, die tiefe Einblicke in die Abgründe der menschlichen Psyche zulässt und bei mir im Gegensatz zu vielen anderen Werken noch eine ganze Zeit lang zum Nachdenken und zur resumierenden Aufarbeitung von Thema und Storyverlauf angeregt hat. Auch insofern durchaus ein „Ausnahme“buch.

    Kommentare: 2
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    milasuns avatar
    milasunvor 8 Jahren
    Rezension zu "Ausnahme" von Christian Jungersen

    Vier Frauen arbeiten im Büro des dänischen Zentrums für Völkerrecht. Während sie Artikel über die Psychologie des Bösen und Kriegsverbrecher verfassen und Ausstellungen über die Retter des Holocaust planen, haben sie nichts besseres zu tun, als sich gegenseitig zu bekriegen und sich das Leben zur Hölle zu machen. Abwechselnd aus der Perspektive von Iben, Malene, Anne-Lise und Camilla - wobei diese eher eine Randfigur und Mitläuferin bleibt - wird von dem Bürokleinkrieg berichtet und man erfährt, wie die jeweilige Erzählerin die Situation empfindet und wahrnimmt. Die teilweise sehr real beschriebenen subtilen und offensichtlichen Mobbinghandlungen erzeugen eine sehr beklemmende Atmosphäre, was dadurch noch verstärkt wird, dass sich die Geschichte fast ausschließlich in dem kleinen Büro abspielt. Leider ein eher schwaches Ende, doch durchaus lesenswert, wie schnell man die Realität aus den Augen verlieren kann. Zum Schluß bleibt ein bitterer Geschmack auf der Zunge und die Frage: wäre nicht jeder von uns dazu fähig?

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    Dilbertines avatar
    Dilbertinevor 9 Jahren
    Rezension zu "Ausnahme" von Christian Jungersen

    „Lohnen sich Anstand und Moral noch im Job?“
    ***************
    ...eine viel diskutierte Frage, die in der heutigen Zeit mit ihren zahlreichen Skandalen immer häufiger im Fokus unserer Gesellschaft steht.
    Iben, Malene, Camilla und Anne-Lise, Mitarbeiterinnen im Dänischen Zentrum für Völkermord, haben sich entweder mit dieser Frage nicht auseinandergesetzt oder sie wurde von allen Beteiligten mit einem klaren „Nein“ beantwortet.
    In ihrem Büro und der angrenzenden Bibliothek, wird intrigiert, verleumdet, ausgegrenzt, perfide Pläne werden entwickelt, Allianzen geschmiedet und wieder aufgekündigt. Im Epizentrum des Verderbens wird gemobbt, was das Zeug hält. Die Grenzen des normalen Verhaltens sind bei allen Beteiligten längst überschritten und haben sich verwischt. Keiner weiß mehr genau, wer auf wessen Seite steht, wer gut oder böse ist. Auch für den Leser bleibt dieser Psychoterror bis zum Ausgang des Buches ein einziges Verwirrspiel.
    „Wir zweifeln, bevor wir eine schwere Wahl über unser Verhalten treffen. Nachdem wir unsere Wahl aber getroffen und uns entsprechend verhalten haben, beeinflusst das Verhalten unsere Gedanken. Es läßt uns weit überzeugter sein als vorher, daß wir die richtige Wahl trafen. Daß wir uns so verhalten haben, läßt die Zweifel verschwinden und unsere Werte passen sich unseren Handlungen an.“
    Alle Relativierungen und Klärungsversuche der gebildeten Frauen, die sich tagtäglich mit der Psychologie von Völkermorden beschäftigen, einen anderen Standpunkt zu erlangen und ihre Konflikte zu lösen sind halbherzig und von vornherein zum Scheitern verurteilt.
    „Ein Konflikt mit den Henkern, über die das Zentrum schreibt, ist eine Frage von Leben und Tod. Eine einzige kleine Fehleinschätzung, und alles ist vorbei. Anders ist es mit einem Konflikt im Büro. Der müßte organisatorisch zu lösen sein.“
    Der Psychothriller, der in Teilbereichen auch ein Sachbuch ist, wird aus der jeweiligen Perspektive der vier Frauen erzählt. Jede Mitarbeiterin des Zentrums wird vom Autor gut portraitiert, ihre Sichtweisen, persönlichen Missverständnisse, Geheimnisse, Ängste, Sorgen und Fehlinterpretationen werden detailliert dargestellt. Durch die perspektivische Erzählweise erhält der Leser mindestens zwei Aussichten auf des jeweils Erlebte und Erfahrene.
    Im Hintergrund des Bürokrieges setzt sich der Autor mit dem Thema Entstehung und Ursachen von Völkermorden auseinander. Interessant ist, dass er für diese analytische Auseinandersetzung der internationalen Vereinigung zur Erforschung des Völkermordes beigetreten ist.
    Die erste Hälfte des Sozialdramas habe ich ein wenig zähflüssig empfunden, die zweite Hälfte hat dafür entschädigt, hier ist mir häufiger der Atem gefroren. Besonders gut gefallen haben mir der Mix aus Roman und Sachbuch und die perspektivischen Erzählungen, die mir ermöglicht haben, die entsprechende Situation besser zu beurteilen.
    „Ausnahme“ ist ein abgründiger und intelligenter Roman über die Entgleisung der Moralvorstellung von vier Frauen, die Psychologie des Bösen, die Frage der Entstehung von Genoziden, Täter und Opfer, unbewusste gruppendynamische Prozesse und die unaufhaltsame Abwärtsspirale eines Mobbingprozesses.
    Absolut empfehlenswert!

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    Liisavor 11 Jahren
    Rezension zu "Ausnahme" von Christian Jungersen

    Der dänische Schriftsteller Christian Jungersen hat in Dänemark bereits mit seinem Debütroman »Krat« (Unterholz) für Aufsehen gesorgt. Sein zweiter Roman, der jetzt in der neuen Piper-Nordiska-Reihe auf Deutsch mit dem Titel »Ausnahme« erschienen ist, wurde mehrfach ausgezeichnet und hielt sich lange an der Spitze der dänischen Bestsellerliste. Inzwischen ist sogar eine Verfilmung geplant.

    Und der Roman hat es wirklich in sich und hat auch mich bis zur letzten Seite in seinen Bann gezogen. Jungersen erzählt von vier Frauen, die zusammen im fiktiven Dänischen Zentrum für Information über Völkermord arbeiten. Als einige von ihnen anonyme Droh-E-Mails erhalten gerät die scheinbare Harmonie ins Wanken. Jungersen hat sich mit »Ausnahme« des Themas Mobbing angenommen und von dort den Bogen weitergezogen zur grundsätzlichen Frage nach dem Bösen in uns überhaupt. Sehr nüchtern, authentisch und oft geradezu beklemmend erzählt er die Geschichte, wechselt von Kapitel zu Kapitel die Person und damit auch die Perspektive und als Leser macht man so eine wahre Achterbahnfahrt mit, denn immer wieder tauchen Informationen und Entwicklungen über die jeweiligen Personen auf, die alles wieder in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.

    Ich fand den Roman ungeheuer dicht geschrieben, zumindest was das Grundthema und die zwischenmenschlichen Mechanismen angeht. Die Auflösung kam mir dagegen etwas schwach vor aber letztlich ist die auch gar nicht so wichtig. Wie Jungersen die Beziehungsgeflechte zwischen den vier Frauen und auch deren Vorgesetzten und anderen Kollegen seziert ist meisterlich. Wer sich mit dem Thema Mobbing befasst, findet in diesem Roman auf jeden Fall das klassische Szenario beschrieben sowie die unterschiedlichen Reaktionsweisen darauf. Wegen des für mich etwas schwachen Endes gebe ich »nur« vier Sterne, was die Thematik Mobbing/das Böse in uns angeht, glatte fünf Sterne.

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    Queenelyzavor einem Jahr
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    MofaWillyvor 6 Jahren

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