fischer baumler

Christian Kracht Die Toten

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Inhaltsangabe zu „Die Toten“ von Christian Kracht

In seinem SPIEGEL-Bestseller 'Die Toten' führt uns Christian Kracht, gefeierter Autor von 'Faserland' und 'Imperium', in die letzten Tage der Weimarer Republik, in denen alles auf dem Spiel steht. Während die einen Fackeln anzünden, sitzen die anderen auf gepackten Koffern. Verrat und Lüge, Angst und Leidenschaft, Liebe und Gewalt bestimmen das Leben der Menschen.

Der Schweizer Regisseur Emil Nägeli will einen Film machen, der das ganze Wesen seiner Zeit erfasst. Dieser Film, so hofft Amakasu, der japanische Co-Produzent, wird eine deutsch-japanische Achse begründen und die Hollywood-Streifen aus den Filmsälen Deutschlands wie Japans vertreiben.

Mit Schauplätzen in Berlin und Tokio, in der Schweiz und Hollywood, mit Gastauftritten von Charlie Chaplin und Heinz Rühmann schafft Christian Kracht ein beklemmendes historisches Vexierbild über die Existenz des Menschen: 'absolut meisterhaft' (Die Zeit).

Schöne Sprache, inhaltlich kein roter Faden zu erkennen

— hexhex

Schwierig, um nicht zu sagen krachtianisch.

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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    Die Toten

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    12. February 2018 um 10:46

    Muss ich ein Buch gut finden, nur weil es den Schweizer Buchpreis erhalten hat? - Nein. "Die Toten" von Christian Kracht bleiben für mich tot und lassen mich kopfschüttelnd zurück. Wieso gefällt es dem Autor zum Beispiel, den Leser mit ekligen Details übers Fingernägelkauen zu quälen? (Dies allerdings zugegebenermassen sprachlich sehr gekonnt.)Die Geschichte bleibt diffus, skuril, fetzenhaft. Sie hat mich nicht in ihren Bann gezogen. Ziel erreicht?

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  • Totes Projekt

    Die Toten

    Aliknecht

    16. November 2017 um 13:24

    Es beginnt mit einem tödlichen Schnitt in japanisches Fleisch. Ein junger Offizier lässt eine scharfe Klinge durch das weiche Gewebe in  seine Eingeweide hinein gleiten bis Blut herausspritzt. Christian Kracht erzählt eine Geschichte zwischen Tokio, Berlin und Hollywood in den frühen 30er-Jahren. Mit seinem "fulminanten Meisterwerk Die Windmühle im Rücken" geht der Schweizer Filmregisseur Emil Nägeli  nach Berlin und trifft dort auf Heinz Rühmann, Siegfried Kracauer, Putzi Hanfstaengl und auf Hugenberg, den Medienmogul der nationalsozialistischen Kulturpolitik. Hugenberg  verschafft Nägeli für sein deutsch-japanisches Filmprojekt unter der Bedingung, dass er Rühmann besetzt, ein großzügiges Budget. Ein japanischer Kulturbeamter namens Masahiko Amakasu, dessen Vita parallel ausführlich geschildert wird, bildet mit Nägeli eine kinematographische Achse für ein monströses Filmprojekt zwischen den Partnern aus der Schweiz und Japan. Es steht völlig ausser Zweifel, dass sie die Hollywood-Maschine nicht schlagen werden, obwohl sogar Charlie Chaplin auf einer Party in Tokio mit einem Cocktailglas hilfsweise mit den Protagonisten herumsteht. Der Autor malt jedenfalls ein eindrucksvolles Gemälde der 30er Jahre in der Weimarer Republik und würzt es mit Kenntnissen über japanische Kultur und Gesellschaft, wie sie heutigen Vielfliegern geläufig sind. Dieses  Buch wird - trotz Schweizer Buchpreis 2016,  den Lukas Bärfuss im übrigen am liebsten abschaffen möchte -  später einmal eher nicht zu den besten 1000 Werken der deutschsprachigen Literatur zählen. 

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  • Jetzt Kracht es endgültig

    Die Toten

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    25. September 2017 um 10:24

    Eine real überlieferte Videoaufzeichnung eines rituellen Suizids bildet die Ausgangslage von Christian Krachts neuem Roman die Toten. Menschliches Grauen ist zentral für das Thema des Textes, genauso wie die mediale Verarbeitung desselben und nicht vergessen sollte man auch  „den Glauben an das Unechte“. Der Schweizer Regisseur Emil Nägeli ist eine Art One-Hit-Wonder der Filmbranche, verdankt er doch seinen internationalen Ruhm einem einzigen Meisterwerk. Bemüht um ein neues Projekt zieht es ihn zunächst nach Berlin, wo ihm unter anderem „Schrumpfgermane“ Heinz Rühmann sowie Hitler-Freund und NS-Finanzier „Putzi“ Hanfstaengel über den Weg laufen, er sich aber auch mit den Flimkritikern Siegfried Kracauer und Lotte Eisner befreundet. Vom UFA-Boss und Nazi Alfred Hugenberg erhält er das Kapital um eine Komödie zu drehen, eine Idee, die zum japanischen Gruselfilm mutiert, bevor das Projekt schliesslich ganz versandet. Auslöser dazu ist der bereits in Kinderjahren als Genie erkannte hohe japanische Misteriumsbeamte Masahiko Amakasu, der fanatisch nach Regisseuren aus dem ‚germanischen Kulturraum‘ rekrutiert, um die japanische Filmbranche auf ein internationales Level zu bringen. In Krachts letztem Roman Imperium entwickelte sich lediglich der historische Kokovorismussektierer und Südseespinner August Engelhardt allmählich zum ‚Nagelkauer‘ bis hin zur Autophagie. In Die Toten greift dieses ‚Virus‘ nun weiter um sich, so dass so gut wie alle zentralen Figuren dazu neigen, sich die Fingerkuppen wund zu beissen. Das alles bleibt im Romangefüge letztlich psychologisch ‚unmotiviert‘. Eventuell liesse sich dieses Verhalten auf die Todesthematik zurückführen. Der durch das Nagen an den Fingerkuppen verursachte Schmerz diente dann buchstäblich der ‚Lebensversicherung‘. Andererseits offenbart und befördert diese Verhaltensweise aber auch wieder den letztlich unausweichlichen Zerfall. Damit erscheint dann die Namensgebund des Protagonisten durchaus motiviert und auch Nägelis Zuneigung in Kindertagen gegenüber seinem beisswütigen Kaninchen vermöchte dies zu erklären. Stilistisch wartet der Text mit vielen vor allem japanischen Fremdwörtern auf. Auch spart Kracht bei der Kombination eines Namens mit einem Adjektiv den Artikel aus. So steht dann da: „Und gerührter Nägeli erfindet irgendeine Geschichte“. Allerdings zieht Kracht dies nicht konsequent durch und so soll etwa  „der weltberühmte Schauspieler Charles Chaplin geehrt werden“. Trotz einiger sehr gekonnter Sprachbilder überzeugt der Stil also nicht abschliessend. Gelungene Beispiele wären etwa: Nägeli „erkennt in den verschwindenden weißen Würfeln abwechselnd Kleeblätter, Zylinder, Tränen, die Silben ve-ri-tas, als dämmere ihm, diese frostige, umgedrehte Neuauflage des aus der Kindheit vertrauten Bleigießens“. Ebenfalls geglückt ist, wenn wir über Nägeli erfahren: „er trug sein Nervenkostüm sozusagen außerhalb der Haut“ oder er „ein Nervenkostüm, das sich anfühlt, als sei es in ein Säurebad getaucht worden“ aufweist. Auch inhaltlich bleibt letztlich schlicht zu viel unklar oder vage. Bereits der Deutungsvorschlag zum ‚Herumknabern‘ der Figuren an sich selbst ist im Roman zu wenig deutlich vorbereitet. Über die Bedeutung vieler Motive kann man nur rätseln. Bestenfalls werden sie im Text mehrfach aufgenommen, wie jenes einer rotbemalten Frau oder das von den violetten Bleistiften. Zur Farbsymbolik liesse sich vielleicht spekulieren, dass violett – es ist im Text auch die Farbe der Angst, eventuell der Todesangst – eine Verbindung zum Nicht-Erkennbaren, dem Transzendentalen herstellen soll. Dies wäre etwa plausibel, wenn man an das ausserhalb des menschlichen Sehspektrums liegende Ultraviolett denkt. Christian Krachts Die Toten lässt keine eindeutige Absicht oder Motivation erkennen – etwas was man von einem Autor einfordern sollte, bevor man ihm den Schweizer Buchpreis verleiht.

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  • Die Todgeweihten grüßen sich (nicht)

    Die Toten

    Eiseisbaby

    10. September 2017 um 17:54

    Leider verstehe ich nicht viel von Filmgeschichte. Ich bin auch nicht wirklich groß in der Welt herum gekommen. Intellektuelle Anstrengungen ermüden mich dummerweise rasch und nachhaltig. Ich bin gerne faul und träume viel und so habe ich Krachts Geschichte auch gelesen, Japan, Berlin, Drittes Reich und USA hin oder her. Schlafwandelnd zog es mich durch die schön gestalteten Kulissen, in die der Meister Spiegel gestellt, doppelte Wände gebaut und Gucklöcher gebohrt hat, für kleine und große Götter und solche die es werden wollen. Nein. All die Querverweise und Insider haben mich nicht gestört, ich hab sie einfach subkutan weggeraucht. Und ja. Natürlich ist das pathetisch, erkennbar artifiziell und wird vom nicht so geneigten Publikum vor allem als deplaziert empfunden. Vor allem auch in diesen Zeiten, aus deren Mitte sich der Autor wie Held des Romans eine "Metaphysik der Gegenwart" erträumt. Und auch wenn Kracht beharrlich alle seherischen Fähigkeiten weit von sich weist, so muss der Leser seiner Werke doch immer wieder erschauern. Mal mehr (1977, Imperium, Metan) mal weniger wohlig (Die Toten, Ich werde bei euch sein). Für mich ist dieser Autor immer ein unheimliches, sprachverliebtes Medium gewesen. Ein zartes, kluges Monster, das mit den Augen rollt und mir aufmunternde Dinge zuraunt. Und wenn es für uns alle sieht und schreibt, dann schimmern die alten Stoffe und persönlichen Geschichten einfach so durch, sei das Ganze noch so gazeverhangen, codiert und verspielt. Bei Kracht geht es (bei aller Detailverliebtheit und seinem Perfektionismus) immer um Gut oder Böse, Kultur und Barbarei, Hoffnung und Desillusion, Exzess und Melancholie. Die wichtigen Sachen, eben. Er kann nur groß träumen und es ist irgendwie zum Lachen und zum Weinen. Und ich bin froh darum, denn er ist einer der Wenigen, der es so radikal und auf seine Art und Weise wagt. Ein Buch, das mich berührt hat. Salve!

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  • Leider No!

    Die Toten

    martinst

    13. May 2017 um 12:46

    Teil 2 und Teil 3 können nicht halten, was Teil 1 verspricht. Das No-Theater hat mit diesem Buch leider wenig zu tun. Gerade Teil 3 wirkt schnell runtergeschrieben. Zeitsprünge aus Teil 2 werden im letzten Teil nicht aufgelöst. Formal und inhaltlich enttäuschend. Revolution? Mitnichten. Sein bestes Buch bislang in meinen Augen ist: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten.

  • Christian Kracht - Die Toten

    Die Toten

    Jari

    15. November 2016 um 22:01

    Herzliche Gratulation an Christian Kracht zum gewonnenen Schweizer Buchpreis 2016! "Die Toten" gehört zu jenen Büchern, die über ein einfaches "gut" oder "schlecht" erhaben sind. Immer, wenn ich mich daran setze, diese Rezension zu schreiben, entzieht sich mir das Buch. Aber genau deshalb gehört Christian Kracht zu meinen Lieblingsautoren. Er entzieht sich geschickt den üblichen Standarts, hebt sich ab vom traditionellen "ist gut, weil..." oder "ist schlecht, weil...". Kracht zieht sein eigenes Ding durch und das zeigt sich auch in seinem aktuellsten Werk. Es herrscht eine düstere, aber oft auch durchaus witzige Stimmung in "Die Toten". Bei Kracht gehen die Toten munter durchs Leben, bis zu einem Zeitpunkt, an dem es sie zerreisst. Zu Beginn lernen wir die Figuren und ihre Hintergründe kennen. Ich muss gestehen, dass mir dieser erste Teil nicht so wirklich zugesagt hat, aber er ist wichtig für die Geschichte, was ich jedoch erst hinterher begriff. Dann beginnen sich die Lebenslinien der Figuren langsam aber sicher zu berühren und zu verwickeln. Kracht schafft es, auf be- und verzaubernde Art und Weise den Untergang der Stummfilmzeit mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus zu verknüpfen, ohne das eine oder andere dominieren zu lassen. Wir treffen auf jede Menge bekannter Namen, doch bleiben uns die agierenden Figuren eher fern. Wir beobachten von aussen, ohne dass man eingreifen will. Ich fühlte mich wie jemand, der Fischen im Aquarium zusieht. Auf keinen Fall will man das faszinierende Spektakel unterbrechen, indem man plump gegen das Glas hämmert. Das Wunderbarste an diesem Buch ist jedoch Krachts Ausdrucksstärke. Er zeichnet unvergessliche Bilder in einer Sprache, die einen fast schon hypnotisiert. Diese Worte nehmen einen in den Arm, geben einem ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit. Nur ungerne tauchte ich wieder aus diesem warm-dunklen Mikrokosmos auf, in welchen einen "Die Toten" unweigerlich hineinzieht. Deshalb freut es mich umso mehr, dass dieses Buch den Preis gewonnen hat, den es verdient. Und Kracht ist damit nun auch ein wenig mehr mein Lieblingsautor geworden, als dass er es zuvor eh schon war.

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  • Beeindrucken durch Krachts Sprache

    Die Toten

    leserattebremen

    31. October 2016 um 10:51

    Der Schweizer Regisseur Nägeli nimmt uns in diesem Roman mit in die Filmwelt der 30er Jahre. Dort erlebt er sowohl das ungehemmte Leben mit Partys und Alkohol, aber auch die immer stärker werdende Abneigung gegen alles Jüdische, was besonders der Filmproduzent Hugenberg versinnbildlicht. Der schickt ihn nach Japan, wo er auf Masahiko Amakasu trifft, den der Leser auch bereits im ersten Teil des Romans näher kennengelernt hat. Er soll Nägeli eigentlich dabei unterstützen, den von Hugenberg gewünschten Propagandafilm oder, wie von Nägeli eigentlich geplant, einen deutsch-japanischen Gruselfilm zu drehen. Doch die Verwicklungen, die entstehen, bringen ganz andere Dinge hervor als geplant. Christian Krachts Roman „Die Toten“ hat mich besonders durch die starke Sprache beeindruckt, die einen als Leser mitnimmt und im Kopf regelrecht Bilder zaubert. Das passt sehr gut, geht es in dem Buch doch um die Anfänge des Tonfilms und so liefert Kracht für seine Leser quasi gleich den Kinofilm im Kopf mit. Seine Figuren sind keine einfachen Persönlichkeiten sondern alle mit einer Vielzahl von Komplexen, Problemen und Störungen ausgestattet. Teilweise wirken seine Beschreibungen der Berliner Filmclique, in die Nägeli einmal hereingerät, fast wie eine klischierte Darstellung der frühen 30er Jahre, in die die goldenen Zwanziger mit ihrer Vergnügungssucht und scheinbaren Lasterhaftigkeit noch hereinspielen. Dabei bedient Kracht sich auch bei realen Personen an Namen und Biographien. So beschreibt er beispielsweise mit der Figur des Hugenberg niemand geringeren als den berühmten Verleger und zeitweiligen UFA-Chef Alfred Hugenberg, der später auch Wirtschaftsminister unter Hitler war. Mit „Die Toten“ ist Christian Kracht ein herausragender Roman gelungen, der es schafft, sowohl die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Japan (den späteren Verbündeten im Zweiten Weltkrieg) deutlich zu machen, als auch den beginnenden Siegeszug des Films zu beschreiben. Die Charaktere stellt er dabei sehr prägnant dar und nimmt den Leser mit auf eine Reise, die er so schnell nicht vergessen wird. Man muss sicher auch im Nachhinein noch etwas über die Geschichte nachgrübeln und sie vielleicht auch das ein oder andere mal erneut lesen, um die feinen Zwischentöne von Kracht alle mitzunehmen und die vielen Blickwinkel mitzulesen, die in der wunderbaren Sprache verborgen sind. „Die Toten“ ist sicher kein unkompliziertes Buch, doch mir hat es ausgesprochen gut gefallen. 

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  • Let's go to the movies, see a show

    Die Toten

    JoBerlin

    27. October 2016 um 10:08

    Ja – der Roman gefällt … wegen seiner kühlen Ästhetik und sprachlichen Finesse. Das Vorbild Nabokov spürt man, es gibt auch deutliche Reminiszenzen an den Meister.Naja – vor lauter Formulierungsarbeit misslingt die eine oder andere Metapher, vor allem die Figuren aus der 2. Reihe bleiben blass und leblos. Die Protagonisten Nägeli und Amaksu, in deren Mischung man den Autor vermuten kann, sind gut gezeichnet. So räsoniert der Regisseur Nägeli über die Schweizer Kulturschaffenden, deren beschränkte, kleinliche Attitüden ihn oft aus seinem Heimatland forttreiben, so dass er es verlässt, so oft es nur geht. Und über eine neue Arbeit: „… nun aber muss er tatsächlich etwas Pathetisches herstellen, einen Film drehen, der erkennbar artifiziell ist vom Publikum als manieriert …. empfunden wird“ - besser kann man auch Krachts Roman(motivation?) nicht beschreiben.Naja – der historische Hintergrund versinkt in wohlbekannten Attributen, Klischees und ollen Kamellen (wie z.B. das Ondit von Filmschauspielerinnen, die sich Backenzähne ziehen lassen um „zeitloser“ zu wirken und regieanweisungsartig formulierte Slapstick-Szenen mit Charles Chaplin) - das Romangeschehen in so einer angestaubten Kulisse kann nicht wirklich fesseln, ein Hineinziehen des Lesers gelingt deshalb nicht – der Roman bleibt ohne Nachhall.Nein – ich werde keinen weiteren Roman des Autors lesen

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  • Doch keine Zeitmaschine

    Die Toten

    Neil Jung

    15. October 2016 um 20:56

    Wir sind in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Ein Schweizer Regisseur soll im Auftrag der Nazis in Japan einen Film drehen, als Antwort auf die Übermacht Hollywoods sozusagen. Nette Idee, die hier aber gar nie richtig ins Rollen kommt. Kracht scheint sich lieber mit sprachlicher Originalität und mit erzählerischen Nebenschauplätzen zu beschäftigen, bei denen mir oft nicht so recht klar wurde, in welchem Zusammenhang mit der Geschichte diese stehen. Mehr eine prätentiöse Farce denn eine überzeugende Reise in die 30er.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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  • "Die Toten" von Christian Kracht

    Die Toten

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    13. October 2016 um 17:35

    Autor: Christian KrachtTitel: Die TotenGattung: Roman, Historisches, Gothic NovelErschienen: 2016Gelesene Ausgabe: Kiepenheuer & Witsch, 2016ISBN: 978-3-462-04554-3 Gelesen auf: DeutschGelesen im: Oktober 2016   Zum Buch: Der Schweizer Christian Kracht ist aus der deutschen Literaturszene seit den 90ern nicht mehr wegzudenken. Sein Debut "Faserland" schoss 1995 durch die Decke und begründete die deutschsprachige Popliteratur, mit seinem letzten Roman "Imperium" stand er schwer in der Kontroversen. Nun legt er mit seinem neusten Werk "Die Toten" einen weiteren Meilenstein. Es spielt in der Filmszene Mitte der 30er Jahre zwischen Deutschland und Japan. Der Schweizer Filmregisseur Nägeli wird vom Deutschen Reich, genauer gesagt dem UFA-Tycoon Alfred Hugenberg dazu beauftragt einen Film im fernen Japan zu drehen, angestachelt von Lotte Eisner und Siegfried Kracauer reist er nach Asien um nicht nur Hugenberg ein wenig auf das Kreuz zu legen, sondern vor allem um einen Horrorfilm zu filmen. Er trifft nicht nur seine Verlobte Ida und den berühmten Charlie Chaplin, sondern auch den geheimnisvollen Japaner Masahiko Amakasu, der eine "zelluloide Achse" zwischen dem faschistischen Berlin und Tokio herstellen, um dem amerikanischen Kulturimperialismus und möglichst auch dem Tonfilm zu vertreiben. Für mich war es der allererste Kracht und ich bin restlos begeistert. Es ist Wahnsinn, wie intensiv Krachts Sprache ist, wie sehr man in den Sog gezogen wird - der Vergleich zu Thomas Mann wird nicht unverdient gezogen. Doch nicht nur an hab ich mich erinnert gefühlt, sondern auch an Eichendorff, Hoffmann, an die Romantik, allerdings eher die düstere Seite eben dieser. Schwarze Romantik, die Ästhetisierung des Schrecklichen, die Kracht regelrecht inszeniert wenn er schon auf den ersten Seiten den kunstvollen Ritualmord durch einen Dolch beschreibt. Doch auch seiner Einfärbung durch die Popkultur bleibt er treu, allerdings sind die zahlreichen Anspielungen auf Filme, die Filmwelt und historische Ereignisse eher verträumt retro - und damit natürlich auch historisch korrekt. Mir hat es verdammt gut gefallen. Mr. Kracht hat sich sehr schnell einen riesen Platz in meine Must-read und damit auch mein Herz erkämpft. Definitiv mehr!   Eine der Lieblingsstellen:Zitat: "Ein mechanischer Vogel aus kunstvoll bemaltem Blech sitzt dort im Baume auf dem Ast, putzt sich das Federkleid und tiriliert: Fi-di-bus. Eine Kirschblüte fällt im Sterben, stirbt im Fallen, so ist es vollkommen."[1]   Stil und Sprache: Zauberhaft romantisch, adjektivreich und doch klar und prägnant.Zitat: "Man hatte cut! gerufen, ein Assistent hatte die Nahaufnahme der Träne vorbereitet, indem er sich dem Darsteller mit einer Pipette näherte, dieser verharrte in der Hocke, gleichsam seine Mimik einfrierend. Zeitgleich riß er seine Augen auf, um bequemer auf natürlicher Art weinen zu können, sollte die künstlich erzeugte Träne, wie es so oft der Fall war, doch allzu theatralisch wirken."[2]   Schlüssigkeit der Handlung: Erst zwei separate Erzählstränge, die sich später verflechten. Das hat mir gefallen: Ich hab mich zu einem kleinen Kracht-Fangirl entwickelt. Was für eine Kraft in seinem Roman steckt, was für eine Sprache! Das hat mir nicht gefallen: Ein-zwei Wendungen waren einen Tick zu viel. In One Sentence: Zauberhafter, brutal ehrlicher Blick hinter die Kulissen der Filmbranche in den 30er Jahren. Sterne: 5 [1] S.158f.[2] S.17

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  • Kombattanten im Kulturkampf

    Die Toten

    jamal_tuschick

    13. September 2016 um 20:43

    He had often said to me: I am not long for this world, and I had thought his words idle. So beginnt “Dubliner” als Schleuse über dem “Ulysses”. Ich sage noch einmal ein Wort, das das Unbegreifliche in den Griff zu kriegen versprach: stream of consciousness. Dubliner ist wie ein Dorf über dem Strom, die Bewohner versagen sich des Lebens Fülle zugunsten der Konventionen. Sie gehören der Gesellschaft, alle geben ihr Bestes in katholischer Folgsamkeit. Alle profitieren vom Programm des Ungelebten in ihren Träumen. James Joyce lässt “Dubliner” enden mit der Novelle “Die Toten”. So heißt nun Christian Krachts jüngster Roman. Gegenwartsflüchtig schwelgt er im Entlegenen. Das Gegenteil passt genauso gut zur Feststellung. Die Prosa taucht in den Farben und Aromen der Kolonialwarenfächer zu Zeiten, da Deutschland seinen Platz an der Sonne suchte. Das Geschehen gewinnt Lebhaftigkeit mit einem rituellen Selbstmord im Aufschluss der Neunzehnhundertdreißigerjahre - japanisch elegant und konserviert in Zelluloid. Der von einer Geringfügigkeit zum Kappuku Bekehrte, ein Mishima Yukio, soweit es männliche Anmut und militärisches Ansehen betrifft, stirbt als Protagonist einer an Wirklichkeitsnähe nicht zu überbietenden Gewaltdarstellung. Während er sich klassisch entleibt, splattert er/es. Die Szene erinnert an eine Beobachtung von Heiner Müller. Das intensivste Theater des viktorianischen Zeitalters waren Hinrichtungen. Das Publikum parodierte populäre Überseeweisen, nur ersetzte man zum Beispiel “Susanna” mit den Namen der Delinquenten. Man drosch aufeinander ein, da war kein Marsyas, der einen Sieg einfach zu verschenken die Selbstvergessenheit besessen hätte. Den Suizidporn trägt man Masahiko Amakasu zu, einem Düpierten, der hochrangig (und mit verschwiegenem Irrwitz) in der kaiserlichen Administration Haltung (als Lebenszweck) bewahrt. Der Kulturdezernet liebt Hölderlin, seit sein Vater ihm Heine nahebrachte. Sein Gegenspieler ist ein Schweizer Regisseur ohne Verdienste. Bemerkbar machte sich Emil Nägeli mit einer gemächlichen Geisterschau des Real-Alpinen zwischen Holzscheit, Zopfkranz und Gipfelkreuz. Die Antagonisten erkennen sich in einer Geste der Abwehr, die transkontinental von den todessehnsüchtigen Nationen Deutschland und Japan zur Staatsräson erhoben wurde. Sie sind Kombattanten in einem Kulturkampf gegen das Supremat der amerikanischen Filmindustrie. *1643 schildert Miyamoto Musashi seinen Weg der Kampfkunst so aus, dass man ihm folgen kann. Er bezeichnet den Weg als Zwei Schwerter-Schule. In einer Einführung berichtet er von seinem ersten Treffen mit dreizehn. Es versteht sich, dass er dabei den Sieg davon trug. Miyamoto Musashi bleibt bis zum Ende seines Lebens unbezwungen, er ist noch keine dreißig als ihm das verdächtig wird. Fast geringschätzig spricht er von seiner Begabung. Er sucht “den wahren Weg der Kampfkunst” als einer grundsätzlich überpersönlichen Angelegenheit. Wahr kann nur sein, was jeder erreichen kann, dessen Bereitschaft sich formen zu lassen, unbegrenzt ist. Diese Position verkörpert Masahiko Amakasu. Emil ist sein falscher Schatten, ein Alimentierter, dessen Genie zur Rechtfertigung diverser Gleichrangigkeitsbehauptungen förmlich herbei gebetet werden muss. Denkt er an den Vater, fällt Emil “das Bouquet von Exkrementen” in einem Pariser Restaurant ein, wo die Familie zu dicht am Abort platziert worden war. Der alte Nägeli nannte Emil so konsequent wie verächtlich Philip mit “nur schlecht als Humor getarnter Grausamkeit”. Der Augenblick eines Aufstiegs koinzidiert mit einem finalen Abstieg. Der Tyrann haucht sein Leben mit einem H aus - H wie Hollywood. Über Emil bricht Berlin herein. In einem Varieté am Nollendorfplatz begegnet er Alfred Hugenberg, der ihn dem Sagenhaften schmeicheln lässt. Siegfried Kracauer, Leiter des Feuilletons der Frankfurter Zeitung, erscheint mächtig betrunken. Heinz Rühmann quietscht vergnügt, da er als Hugenberg-Mündel zu einem deutschen Charlie Chaplin hochgejazzt werden soll. Eine lunare Episode in einer Berliner Vierundzwanzigstundennacht klärt das Verhältnis von Kino und Politik kurz vor dem Reichstagsbrand. Man sitzt auf gepackten Koffern, Emil reist mit der Verlobten Ida von Üxküll nach Japan, wo Chaplin in den “Gärten des elektrischen Schattens”, so nennen die Japaner das Kino, und auf zig Empfängen dem historischen Augenblick sein mitgenommenes Gesicht leiht. Dies zu bellizistischer Metaphorik. Die Nähe der Kamera zum Maschinengewehr ergibt ein Motiv. Film sei “Schießpulver für die Augen, Kino ist Krieg mit anderen Mitteln ”.

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  • Hat mich nicht überzeugt

    Die Toten

    BiancaBerlin

    10. September 2016 um 18:48

    Christian Kracht ist ja bekannt für seinen sprachlichen Stil. Der eine findet ihn gut, der andere empfindet ihn als manieriert. Ich selbst habe damit überhaupt gar keine Probleme. Im Gegenteil sehe ich in dem Text durchaus eine literarische Qualität. Was mich an dem Roman allerdings stört: Er hat für mich überhaupt gar keine Relevanz! Und das finde ich besonders schade, weil die Grundidee eigentlich spannend ist: Kracht zeigt eine (fiktive) Momentaufnahme im Jahr 1933, als die Welt vom Tonfilm einerseits und von totalitären, nationalistischen Staatssystemen andererseits erobert wurde. Es geht um Kulturkämpfe, um die Umwälzungen, die sich durch das aufziehende Grauen andeuten sowie um eine cinematografische Achse zwischen Berlin und Tokio. Zahlreiche kulturgeschichtliche Andeutungen und interessantes Personal wie Charlie Chaplin, Heinz Rühmann, Fritz Lang und Siegfried Kracauer sind integriert. Unterm Strich sind die Konstruktion und die Handlung aber weder besonders fantasievoll, noch in irgendeiner Weise beeindruckend. Die Figuren sind, wahrscheinlich absichtlich, sehr umrissartig gezeichnet und bleiben damit bedeutungslos. Ich hatte beim Lesen ständig das Gefühl von „Da wäre mehr drin gewesen“. Als ich es am Ende zugeklappt habe, blieb für mich nur die Frage „Na und?“.

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