Christian Kracht Imperium

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Inhaltsangabe zu „Imperium“ von Christian Kracht

Eine deutsche Südseeballade In 'Imperium' erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans eines Melville, Joseph Conrad, Robert Louis Stevenson oder Jack London spielt. Die Welt wollte er retten, eine neue Religion stiften, gar ein eigenes Reich gründen – eine Utopie verwirklichen, die nicht nur ihn selbst, sondern die Menschheit erlöst, fernab der zerstörerischen europäischen Zivilisation, die gerade aufbricht in die Moderne und in die Katastrophen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Doch in der Abgeschiedenheit der Südsee, in einer Kolonie des wilhelminischen Deutschland, gerät ein von einem vegetarischen Spleen besessener Sonnenanbeter in eine Spirale des Wahnsinns, die die Abgründe des 20. Jahrhunderts ahnungsvoll vorwegnimmt. In seinem vierten Roman zeichnet Christian Kracht die groteske, verlorene Welt von Deutsch-Neuguinea, eine Welt, die dem Untergang geweiht ist und in der sich doch unsere Gegenwart seltsam spiegelt. Zugleich aber ist Christian Krachts 'Imperium' eine erstaunliche, immer wieder auch komische Studie über die Zerbrechlichkeit und Vermessenheit menschlichen Handelns.

Ein wirklich gutes Buch an das man sich lange mit einem Lächeln erinnert. Tolle Sprache , intensive Figuren, komprimierte Story , klasse.

— Alanda_Vera

Manufactum-Literatur, mal großartig und beglückend, dann auch wieder etwas überheblich und prahlerisch. Insgesamt aber empfehlenswert!

— hundertwasser

Ein bodenlos unsympathischer Protagonist und ganz viel Ekel-Gänsehaut. Nicht mein Roman...

— littleowl

Krasse Lebensgeschichte sprachlich genial verpackt. Stevenson meets Conrad meets Kehlmann. Südseeabenteuer mal anders.

— BrittaRoeder

Krachts Sprache und sein Klarheit begeistern mich immer wieder. Hier kombiniert mit einer faszinierden radikalen Lebensgeschichte.

— SabsB

Eine krasse Geschichte. Ein abgedrehter Protagonist. Ein Autor, der sich um jedes Wort zu bemühen scheint. Sehr speziell und sprachgewaltig.

— Spinelldete

Kokosnuss und Romantik der Südsee

— OsWa68

Formulierkunst auf hohem Niveau. Absolut unterhaltsam und genial ironisch. Werde jetzt in Gedenken an Engelhardt Kokosnuss essen.

— BluevanMeer

Großartig, hochgradig referentiell. Krachts bestes Buch.

— MitAussicht

Komplexe Satzstruktur, irgendwie verwirrend, seltsam amüsant!

— Tonina

Stöbern in Romane

Kukolka

Hammerharte Realität, hammerhart erzählt. aber Umsetzung + Stil waren leider nicht so mein Fall. Sehr distanziert. Dennoch grausame Realität

Yuyun

Lauter gute Absichten

Kurzweilige Geschichte um einen angry young man, der sich gegen die Familie auflehnt - und an den eigenen Ansprüchen scheitert.

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Generationenübergreifend. Legt sich wie eine kuschelige Decke romantisch um deine Schultern! Angenehme Atmosphäre.

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Eine Geschichte, die mich mit ihrer Wärme und liebevollen Erzählart absolut bezaubert hat.

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  • Genialer Schreibstil (sofern man diesen mag)...

    Imperium

    Creed

    29. July 2017 um 21:48

    Wow, was für ein Buch! Was für ein brillanter Schreibstil! Wirklich verblüffend, welche Kostbarkeiten in den weiten Reihen der deutschsprachigen Autoren zu finden sind. Der Schweizer Christian Kracht erzählt in seinem Roman die (zu großen Teilen) wahre Geschichte von August Engelhardt, einem Aussteiger, der Anfang des 20. Jahrhunderts der Zivilisation den Rücken kehrt, sich eine kleine Südseeinsel kauft und dort mithilfe der Eingeborenenbevölkerung eine Kokosnussplantage betreibt. Da er Vegetarier ist und zudätzlich auch noch etwas wirr im Kopf, ernährt er sich fortan ausschließlich von Kokosnüssen und gründet den 'Sonnenorden', eine religiöse Gemeinschaft, die dem von ihm erfundenen 'Kokovorismus' huldigt, die Verehrung der Kokosnuss. Klingt ziemlich skurril, ist aber in weiten Teilen wirklich geschehen (gut nachzulesen bei Wikipedia), auch wenn Kracht im Laufe des Buches sehr viel Fiktives (und sehr Unterhaltsames) einfließen läßt. Über allem steht aber Krachts sensationeller Schreibstil. Er paßt sich vollkommen dem damals herrschenden Sprachduktus an, entwirft ellenlange, aber gutverständliche Sätze voller Ironie und Witz, garniert mit Wörtern, die leider in unserer heutigen Zeit komplett verschwunden sind, und die man erst einmal nachschlagen muß (was nicht weiter stört). Und diesen komplexen Stil hält er bis zur letzten Zeile durch, Hut ab! Völlig aus der Luft gegriffen ist dabei der Eklat, der 2012 das Erscheinen des Werkes begleitet hat. Ein Literaturkritiker einer bekannten deutschen Zeitschrift bezichtigte Kracht in "Imperium" der Verbreitung von rechtem Gedankengut. Diese Anschuldigung untermauerte er mit aus dem Zusammenhang gerissenen Buchzitaten, die bei vollständiger Lesung voller Ironie stecken, und eher den Nationalsozialismus durch den Kakao ziehen, als ihn zu verbreiten. "Imperium" enthält zwar Anspielungen auf den zukünftigen Führer, aber diese sind allesamt kritisch und satirisch. Nebenbei läßt Kracht auch noch Hermann Hesse, Thomas Mann und Franz Kafka auftreten, aber ohne die Herren namentlich zu erwähnen; man errät nur über treffende Beschreibungen, um wen es sich handeln soll. Fazit: Ein opulentes, bizarres Werk, witzig, traurig, nachdenklich, skurril, tragisch und voller Ironie. Sprachlich ein absoluter Hochgenuß, ein Stil, der zum Besten zählt, was ich seit langem gelesen habe. Grandios.

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  • Imperium

    Imperium

    littleowl

    17. April 2017 um 20:21

    Meine Meinung Die öffentliche Diskussion, die „Imperium“ bei seinem Erscheinen ausgelöst hat, ist nach vier Jahren fast vergessen, trotzdem habe ich mich darauf gefreut, mir zu einem so kontroversen Roman eine eigene Meinung zu bilden. Definitiv nicht erwartet hatte ich, mich beim Lesen so sehr zu ekeln und den Protagonisten so innbrünstig zu verabscheuen. In vielen Rezensionen habe ich gelesen, dieses Buch wäre schwer zusammenzufassen, ich finde es aber im Grunde ganz einfach. „Imperium“ ist die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte eines arroganten und lebensuntauglichen Spinners, der Anfang des 20. Jahrhunderts das Deutsche Reich verlässt, um auf einer Südseeinsel als Kokovore zu leben. Soll heißen, sich nur noch von Kokosnüssen zu ernähren (Spoiler: Nein, das ist nicht der Schlüssel zu ewiger Jugend und Gesundheit. Schon vor über hundert Jahren war es manchmal besser, auf den Arzt zu hören). Von Anfang an hat der Protagonist, Engelhardt, in mir vor allem Abneigung geweckt: Die Herablassung, mit der er seinen Mitmenschen begegnet, seine Arroganz und seine absolute Intoleranz gegenüber anderen Meinungen haben ihn für mich von Anfang an unsympathisch gemacht. Homophobie war dann noch die Kirsche auf der Charakter-Torte. Selbst als Engelhardt auf seiner Insel immer mehr von geistiger Umnachtung und anderem zerfressen wird, hat sich mein Mitleid um ehrlich zu sein in Grenzen gehalten. Alles, was dem Protagonisten geschieht, hat er durch dämliche und egoistische Entscheidungen selbst verursacht. Solche negativen Gefühle haben für mich persönlich beim Lesen alles andere überstrahlt. Es gab aber auch definitiv Aspekte der Handlung, die mir sehr gut gefallen haben. Der Autor zeichnet ein kritisches, desillusionierendes Portrait der Südseekolonien des Deutschen Reiches. Wie er mit bösem Humor das machtpolitische Gefüge und den Alltag der Menschen in den Kolonien beschreibt, fand ich sehr unterhaltsam. Und dass Engelhardt brutal von Polizisten zusammengeschlagen wird, nachdem er nackt an einem Strand gesehen wurde, sagt schon eine Menge über die Zustände im Kaiserreich aus. Was den Schreibstil des Autors angeht, bin ich wirklich zwiegespalten. Ich kann definitiv nachvollziehen, warum der Roman in den Feuilletons großer Zeitungen gefeiert wurde. Mit möglichst vielen Begriffen lateinischen Ursprungs um sich zu werfen und für die Intellektuellen noch ein bisschen Literatur- und Kunstgeschichte einzubauen – das ist schon mal ein guter Anfang, um das Herz der Literaturkritiker für sich zu gewinnen. Nicht dass mich eins von beidem gestört hatte, aber ich als Otto-Normal-Leserin war eher von Krachts bitterbösem Humor begeistert. Sehr gelungen fand ich auch die Passagen, in denen uns ein allwissender Erzähler an die Hand nimmt und durch die Geschichte führt. Der Autor findet einprägsame sprachliche Bilder, leider allerdings oft genau im falschen Moment. Ich hatte schon erwähnt, dass ich mich beim Lesen häufig geekelt habe. Das lag vor allem an schrecklich plastischen Beschreibungen wie „ein Rinnsal warmen Schweißes perlte ihm hinterm Ohr ins Gewand“, „der Mond bescheint die beiden hüpfenden Kugeln von Lützows blond behaartem, emporgereckten Hinterteil“ und „wenige Minuten bevor die Mücke, aus deren erigiertem Stechrüssel die Erreger hinab in seiner Blutbahn flossen…“. Eloquenz und bildhafter Schreibstil sind ja schön und gut, aber manchmal will man es einfach nicht so genau wissen. Fazit „Imperium“ ist unterhaltsam zu lesen und hat viel Intelligentes zu bieten. Leider haben es mir Ekel-Gänsehaut und völlige Abneigung gegenüber dem Protagonisten fast unmöglich gemacht, auch nur eins von beidem zu würdigen.

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    • 2
  • Ein typischer Kracht

    Imperium

    OsWa68

    29. January 2016 um 10:56

    Der Kolonialismus wie er leibt und lebt, mit all seine Abarten und Verwirrungen. Das beschreibt Christian Kracht in seiner Novelle der Südsee. Herzensfroh und blauäugig macht sich der Protagonist auf und verlässt das Europa noch vor dem Vorabend der Katastrophe. Interessant und mit einigen Pointen liest sich das Buch ordentlich und mit Leichtigkeit. Nach langer Zeit endlich wieder etwas neues von Christian Kracht.

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  • Kolonialer Wahnsinn

    Imperium

    MitAussicht

    Imperium erzählt die traurigkomische Geschichte des August Engelhardts - Nudist, Vegetarier und Gründer des Sonnenordens auf der kleinen Insel Kakabon. In Deutschland missverstanden und letztlich sogar misshandelt, macht sich Engelhardt in die Kolonien in der Südsee auf, um sich dort exklusiv nur noch von Kokosnüssen zu ernähren, denn "kurz, die Kokosnuß war vollkommen. Wer sich ausschließlich von ihr ernährte, würde gottgleich, würde unsterblich werden." Was folgt ist die Geschichte von geistigem Verfall, von Wahn und Mord. Engelhardt zieht einige Jünger an, von denen einer unter nicht geklärten Umständen stirbt und der andere sich retten kann. Krachts Erzähler ist vielleicht das Sonderbarste an diesem ganzen Buch. Von der ersten Seite an wird klar, dass Unernst hier zelebriert wird, dass die Ironie so eklatant daherkommt, dass sie eigentlich kaum zu übersehen ist. Als auktoriale Instanz überblickt der Erzähler das Gesamtgeschehen, sein Duktus entspricht der Zeit über die er berichtet, ist dabei allerdings so überzogen, dass er das Erzählte nicht selten schon ins Lächerliche zieht. Und immer wieder vergleicht er Engelhardt mit "einem späteren deutschen Romantiker und Vegetarier, der vielleicht lieber bei seiner Staffelei geblieben wäre", wer hier gemeint ist, muss gar nicht ausgesprochen werden.  Diese Parallele taucht immer wieder im Buch auf, ohne jemals Namen zu nennen. Aber die Ironie des Christian Kracht hört genau dann auf, wenn er die Folgen der NS-Herrschaft in knappen Nebensätzen berührt. Der Holocaust ist das Ende der Ironie. Der Leser begleitet August Engelhardt bis ins hohe Alter - und dass er so alt wird, grenzt schon fast an ein Wunder. Denn natürlich kann eine Ernährung, die nur aus Kokosnüssen besteht, nicht ohne Folgen bleiben und Engelhardt, zu Beginn ein Pazifist und Anhänger der Lebensrefombewegung, mutiert immer mehr zu einem Diktator auf seiner kleinen Insel. Mit dem Verfall seines Geisteszustands geht auch eine Veränderung seiner Essgewohnheiten einher, so dass wir als Leser am Tiefstpunkt einen Engelhardt sehen, der zum Autokannibalen wird. Wie Ourobos verschlingt sich Engelhardt selbst (ein Stück zumindest) und versinkt in seiner eigenen Welt, die keine Einflüsse von außen mehr braucht oder duldet. Erst viele Jahre später wird er von Amerikanern aufgegriffen und von ihnen mit Cola und Hotdogs versorgt - welch Ironie. Natürlich ist die Parallele von Vegetarismus und geistigem Verfall nicht zwingend kausal, aber sie dient doch zumindest wiederum als Aufhänger für diese andere große Parallele, die immer wieder durchscheint. Christian Kracht hat mit Imperium vielleicht nicht die "Hitler-Saga" geschrieben, die der SPIEGEL hier vermutet, aber zumindest doch eine meisterhaft erzählte "Südseeballade", die dazu anregt, sie mehrfach in die Hand zu nehmen, noch einmal zurückzublättern und sich noch einmal zu fragen, was hier nun Ernst sei oder eben nicht. Trotz aller Referenzen auf andere große Romane der Kolonialzeit, wie beispielsweise Joseph Conrads Heart of Darkness entzieht sich Imperium jedoch einer kategorischen Einordnung als Kritik am Kolonialismus und macht es vielleicht daher Kritikern so schwer, ihn positiv zu bewerten.

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    • 2
  • Fulminante Chronik über das Scheitern

    Imperium

    PaulTemple

    Der Leser bricht zusammen mit Herrn Engelhardt, einem langhaarigem Vegetarier, Anfang des 20. Jahrhunderts in die deutsche Kolonie Deutsch-Neuguinea auf, in welcher unser Protagonist nichts weiter, als die Vergötterung der Kokosnuss zelebrieren will. Was jedoch als erfolgreiche Abkehr der modernen Zivilisation Europas beginnt, endet nach und nach im puren Wahnsinn. Auf herrlich groteske Art und Weise und einem wunderbarem Feingefühl für Sprache, zeichnet Kracht hier das allmähliche Scheitern einer Utopie nach, die immer mehr von dem Wesen des sturen, folgsamen und starren Deutschen Kaiserreichs eingefangen wird. Absolute Leseempfehlung!

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    • 7

    gorgophol

    16. July 2014 um 08:00
  • Keine Ahnung

    Imperium

    Phil Decker

    23. January 2014 um 10:18

    Mag seitdem keine Kokosnüssse mehr. Skurile Typen hat es zu jeder Zeit gegeben, aber selten wurden sie so gut beschrieben.  Einziges Manko: Zwischendurch verwendet der Autor Sätze oder Satzteile, die so fremd sind, dass man sie erst mühsam recherchieren muss, um diese zu verstehen. Unterbricht irgendwie den Lesefluss und kommt bei mir ein bißchen arrogant rüber. 

  • Christian Kracht: Imperium

    Imperium

    DamonWilder

    25. June 2013 um 11:50

    Ein junger Mann wandert in die Südsee aus, um sich ausschließlich von Kokosnüssen zu ernähren. - Was so skuril und phantastisch klingt, hat allerdings eine historische Vorlage. Krachts Buch über die deutschen Kolonien in Neuseeland ist gespickt mit vielen historischen Wahrheiten, die ohne Kracht sicher in Vergessenheit geraten wären. Dabei ist das Buch äußerst unterhaltsam und nie belehrend. Krachts eingeschobene Metadiskussionen, z.B. über Hitlers Vegetarismus sind komisch und zeigen ein durchaus neues Bild von Deutschland und den Deutschen.

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  • Rezension zu "Imperium" von Christian Kracht

    Imperium

    Xirxe

    Nachdem ich am Rande den 'Skandal' mitverfolgt hatte den dieses Werk verursachte (an rassistisch und demokratiefeindlich kann ich mich noch erinnern), frage ich mich nicht nur nach dem Lesen der letzten Seite, ob es wohl wirklich dieses Buch war, über das damals so geurteilt wurde. Ja, es handelt von der Zeit des Kolonialismus, als viele Deutsche sich als Herren dieser Welt fühlten und auch so aufführten, sie die Bewohner ihrer Kolonien meist mehr wie Tiere denn als Menschen behandelten. Und auch ja, Christian Kracht beschreibt diese Zeit ausgesprochen detailgenau und bildhaft, aber in keiner Weise als würde er sie glorifizieren oder sogar befürworten. Es ist die Geschichte des Aussteigers August Engelhardt, der nicht nur vom Vegetarismus sondern auch von der Einzigartigkeit der Kokosnuss nicht nur als Lebensmittel überzeugt ist. Er emigriert nach Neu-Guinea wo er sich mit seiner ganzen Barschaft und entsprechenden Schuldscheinen ein völlig überteuertes Eiland kauft, um dort seinen Traum, die Erschaffung einer Kolonie der Kokovoren, zu verwirklichen. Kracht beschreibt dieses Leben nebst all den Personen und der Gesellschaft, auf die der Aussteiger trifft, in zumeist ausufernden Satzgebilden so detailliert und anschaulich, immer mit einem leicht ironischen Unterton, wie es bereits die schön gestalteten Umschlagseiten vermitteln. Das Ganze dazu in einer herrlich altmodisch klingenden Sprache, gespickt mit diversen Fremdworten, die der Autor konsequent bis zur letzten Seite durchhält. Unterhaltend fand ich zudem das Auftauchen bekannter historischer Persönlichkeiten, die zwar nie namentlich genannt wurden, aber mit gut fundiertem Halbwissen wohl leicht zu identifizieren sind. Wie man jedoch dazu kommt, dieses Buch als Abenteuerroman zu bezeichnen, ist mir unverständlich. Die Geschichte wirkt trotz teilweiser wirklich unappetitlicher Abschnitte immer beschaulich und voller Gelassenheit, Action und Spannung sind hier nicht zu finden. Vier Punkte für eine amüsant zu lesende und unterhaltsame Geschichte.

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    • 2
  • Rezension zu "Imperium" von Christian Kracht

    Imperium

    aba

    03. March 2013 um 14:05

    Imperium der Kokosnuss Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Deutschland im 19. Jahrhundert eine Kolonialmacht war. Auch wenn von kurzer Dauer -nur ein paar Jahrzehnte- war Deutschland eines der größten (flächenmäßig) Kolonialreiche Anfang des 20. Jahrhunderts. Mehr als 20.000 Deutsche wanderten vor dem ersten Weltkrieg aus. Ihr Ziel war eine dieser Kolonien, oder Schutzgebiete, im Koffer die Hoffnung auf ein besseres Leben. Einer von diesen Auswanderern war August Engelhardt, ein echter Aussteiger, ein Idealist. Seinen Traum hat er auf einer kleinen Insel im Pazifik verwirklichen wollen. Der Nudist und strenge Vegetarier hat sogar das "Imperium der Kokosnuss" gegründet. Für Engelhart war die Kokosnuss der echte Stein der Weisen. Der Schweizer Schriftsteller Christian Kracht hat die Geschichte um August Engelhardt neu geschrieben. Die meisten Figuren (wenn nicht doch alle) in Krachts Roman "Imperium" den Aussteiger Engelhardt haben existiert. Kracht verleiht ihnen ein neues Leben und die meisten werden nicht gerade als ehrenwert dargestellt. Allgemein bekannt ist die Tatsache, dass Kolonialmächte die Tendenz aufwiesen, ihre Kolonien und Schutzgebiete auszubeuten. Deutschland war keine Ausnahme. Kracht schildert in seinem Roman manche Zustände, die auch, wenn vielleicht teilweise aus seiner Fantasie entsprungen, mit Sicherheit aber an der Realität angelehnt sind. Hauptfigur des Romans "Imperium" ist August Engelhardt. Ein Engelhardt, der der objektiven Realität nicht entsprach, erfüllte sicherlich die Vorstellungen von einem Aussteiger, die viele Außenstehende hatten: Jemand, der nicht zurechnungsfähig war... ein Verrückter einfach, eine tragikomische Figur. Beim Lesen von "Imperium" wurde mir klar, dass die beste Bedingung, um erfolgreich bis zum Ende des Buches anzukommen, gute Nerven und Durchhaltevermögen sind. Der Lebenslauf des Krachtschen Engelhardts ist der Lebenslauf eines Versagers auf der ganzen Linie, eines Mannes, der sogar bis über seinen Tod hinaus versagt hat. Und Kracht spart nicht an schockierenden Details, um den Untergang bildlich darzustellen. Gewinner gibt es im "Imperium" nicht... nur Verlierer. Aber wenn ich es mir genauer überlege, gibt es doch nur einen Gewinner. Aber da dieser immer im Laufe der Geschichte der Gegenwart Vorteile aus allem gezogen hat, ist mir dessen Triumph erst im Nachhinein bewusst geworden. Wer sich auf Anhieb nicht vorstellen kann, um welchen "Gewinner" es sich handelt, muss dieses Buch bis zum Ende lesen.

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  • Rezension zu "Imperium" von Christian Kracht

    Imperium

    Gruenente

    03. February 2013 um 13:26

    Roman um den Kokovoren (Verehrer der Kokosnuss) August Engelhardt. Dieser vergetarische Nudist hat Anfang des 20. Jahrhunderts tatsächlich gelebt. Da er in Deutschland nicht seinen gewünschten Lebensstil ausleben konnte, wanderte er nach Neuguinea, damals noch deutsche Kolonie, aus. Er kaufte dort auf Pump eine kleine Insel mit Kokosplantage und will fortan nur noch von der Kokosnuss leben. Nicht nur im übertragenen Sinne, sondern tatsächlich. Er bekommt auch einge Anhänger, wird krank und verrückt. Der Roman hält sich nicht ganz an die Tatsachen, greift aber vieles aus dem tatsächlichen Leben auf. Der Stil ist der Zeit, in der die Geschichte spielt, angepasst und wirkte auf mich manchmal etwas gekünstelt. Über allem schwebt die Satire, so dass ich oft ins schmunzeln kam. Da für mich eindeutig nicht alles ernstzunehmen ist, was da steht, kann ich die Vorwürfe wegen Rassismus und Antisemitismus nicht nachvollziehen. Ich finde das die Äußerungen dazu nur die damalige Zeit wiederspiegeln.

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  • Rezension zu "Imperium" von Christian Kracht

    Imperium

    bogi

    15. October 2012 um 09:08

    Christian Kracht erweist sich hier als vielleicht genialster Geschichtenerzähler, den ich kenne. Engelhardt, der Protagonist des Buches, macht sich auf den Weg in die Inselwelt der deutschen Kolonialgebiete im Pazifischen Ozean, die Story spielt hauptsächlich Anfang des vorigen Jahrhunderts, um dort auf einem kleinen Eiland einen vegetarischen Kokosnussorden zu gründen, überzeugt von seiner Idee, die Kokosnuss ist schliesslich in all ihren Bestandteilen von unschätzbarem Wert, macht er das mit grossem Enthusiasmus. Er tut sich allerdings schwer Mitstreiter zu finden. Immer wieder fällt er ernüchtert auf Probanden herein, die sich wahlweise als Gauner, Lügner, Irre, moralische Halunken und Ähnliches herausstellen. Im Laufe der Geschichte wird Engelhardt immer wunderlicher ohne sich dessen bewusst zu werden. Im Endeffekt scheitert sein Projekt, mittlerweile sind bereits zwei Weltkriege vergangen, und er endet als mehr oder weniger bestaunte Tourismusattraktion. Soweit in Kürze, natürlich sehr nüchtern und absolut unvollständig, der Inhalt. Kracht gelingt es, dies alles in eine ungeheuer ulkige Persiflage der damaligen Zeit und Umstände zu komponieren. Er mixt dazu absolut famos diverse Zutaten. Ein durchaus nachvollziehbarer geschichtlicher Rahmen wird mit höchst skurilen Details bestückt (Kokosnuss als geradezu göttlich verehrte Frucht). Protagonist mit äusserst amüsanten Schrullen, Verhaltensweisen und Denkmustern (Daumenlutscher, Ohrenschmalzverspeiser, allzu gutgläubige Menschenbewertung). Handlungsablauf, der sich wunderbar in den geschichtlichen Ablauf einfügt. Nichtzuletzt, die grandiose Gabe und der Instinkt Krachts für Geschichten und Schreiben. Das Buch ist ausgezeichnet lesbar. Sprachlich passt sich das Werk geradezu excellent in die Zeit ein Der Autor schafft es eine Geschichte, die andere Schriftsteller mühelos auf 1000 Seiten ausgewälzt hätten, in abgeschlossener Form, auf unter 300 Seiten zu drücken. Viele sehen darin, ich würde mich dem vorbehaltlos anschliessen, einen ausgesprochenen Autorenqualitätsnachweis. Abschliessend, als Tupfen auf dem i, besticht das Buch mit einer wunderschönen Haptik und Aufmachung. Mich drängt es noch etwas zum Skandal den das Buch beim Erscheinen, zumindest für kurze Zeit, ausglöst hat zu erwähnen. Den Vorwurf des Antisemitismus, der Kracht entgegenschlug, empfinde ich nach Lektüre als geradezu lächerlich. Inhaltlich erkennt man in dem Buch mühelos und völlig eindeutig eine Persiflage mit einer Vielzahl eingestreuter Ironismen, Zynismen und Scotissen. Ausserdem finde ich es schon fast am Rande der bewussten Rufschädigung aufgrund der Tatsache, dass ein Autor eine Geschichte erfindet, die in einer bestimmten Zeit spielt, das Signet des Antisemitismus anzuheften. Insgesamt ein Buch, ich habe es tatsächlich bereits zweimal gelesen, das ich, ohne wenn und aber, als eines meiner fünf Lieblingsbücher klassifizieren würde und vorbehaltlos empfehlen kann.

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  • Rezension zu "Imperium" von Christian Kracht

    Imperium

    Rock-n-Roll

    16. April 2012 um 15:45

    Die Lektüre dieses Buches lohnt sich nicht wirklich. Die Geschichte von August Engelhardt dürfte reichlich bekannt sein und das Buch ist leider frei von jeder Spannung, was sehr schade ist. Man muss sich teilweise zwingen weiter zu lesen. Es mit Joseph Conrad zu vergleichen empfinde ich als mehr als fragwürdig. Die Sprache ist total antiquiert und unnötig verschachtelt - was manchem Leser imponieren mag, mich hat es an Martin Mosebach erinnert, wo auch die Sprache im Vordergrund steht und der Inhalt nebensächlich ist. Wahre Kunst ist es flüssig zu schreiben und im Sinne des Lesers.

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  • Rezension zu "Imperium" von Christian Kracht

    Imperium

    Muskowski

    Kracht macht sich weder zum Anwalt noch zum Richter, eher zum Ermittler der Zeit des Imperiums des Kaisers der Kokosnuss, es ist spannend und amüsant ihm in die Südsee zu August Engelhardt zu folgen.

    • 3

    Muskowski

    12. April 2012 um 20:38
  • Rezension zu "Imperium" von Christian Kracht

    Imperium

    crooks

    Der Adjektiv lastige altertümlich gehaltene und intellektuell abstrahierte Schreibstil macht dieses Buch für mich schwer lesbar und hat den Effekt dass die Figuren distanziert und leblos bleiben. Mehr eine historische Reportage, die als Parabel über die Verblendung und den Fanatismus des Dritten Reiches reüssieren will, weiss dieses Buch nicht wirklich zu überzeugen und wird damit leider keinem seiner Ansprüche gerecht. Die drei Sterne verdient sich der Autor durch seinen Humor und die Eröffnung einer mir bis dato nicht gekannten Welt.

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    • 2
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