Christian Kracht Imperium

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Inhaltsangabe zu „Imperium“ von Christian Kracht

In „Imperium“ erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans eines Melville, Joseph Conrad, Robert Louis Stevenson oder Jack London spielt.

Die Welt wollte er retten, eine neue Religion stiften, gar ein eigenes Reich gründen – eine Utopie verwirklichen, die nicht nur ihn selbst, sondern die Menschheit erlöst, fernab der zerstörerischen europäischen Zivilisation, die gerade aufbricht in die Moderne und in die Katastrophen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Doch in der Abgeschiedenheit der Südsee, in einer Kolonie des wilhelminischen Deutschland, gerät ein von einem vegetarischen Spleen besessener Sonnenanbeter in eine Spirale des Wahnsinns, die die Abgründe des 20. Jahrhunderts ahnungsvoll vorwegnimmt.

Großartig erzähltes Buch zu einer kuriosen historischen Begebenheit, sehr ironisch und sehr klug.

— sursulapitschi

Skurrile Auswandergeschichte mit toller Sprache

— Saralonde

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  • Eigen, ironisch, exquisit

    Imperium

    sursulapitschi

    21. September 2017 um 15:48

    „Die deutschen Schutzgebiete im Stillen Ozean, hierin stimmten die Experten überein, waren im Gegensatz zu den afrikanischen Besitzungen seiner Majestät, Kaiser Willhelms II, allesamt vollkommen überflüssig.“… „Im fernen Berlin aber sprach man von den Inseln wie von kostbaren, leuchtenden Perlen, zu einer Kette aufgereiht.“„Nun, in diese Zeit fällt diese Chronik, und will man sie erzählen, so muss auch die Zukunft im Auge behalten werden, denn dieser Bericht spielt ganz am Anfang des 20. Jahrhunderts, welches ja bis zur knappen Hälfte seiner Laufzeit so aussah, als würde es das Jahrhundert der Deutschen werden, das Jahrhundert in dem Deutschland seinen rechtmäßigen Ehren- und Vorsitzplatz an der Weltentischrunde einnehmen würde und es wiederum aus der Warte des nur wenige Menschenjahre alten neuen Jahrhunderts, durchaus auch so erschien.“Eigentlich habe ich darüber nachgedacht, ob es wohl möglich ist, eine Rezension komplett aus Zitaten zusammenzusetzen, weil der Text so allerliebst ist.„So wird nun stellvertretend die Geschichte nur eines Deutschen erzählt werden, eines Romantikers, der, wie so viele dieser Spezies, ein verhinderter Künstler war und wenn dabei manchmal Parallelen zu einem späteren deutschen Romantiker und Vegetarier ins Bewusstsein dringen, der vielleicht lieber bei seiner Staffelei geblieben wäre, so ist dies durchaus beabsichtigt und sinnigerweise, Verzeihung, in nuce auch kohärent. Nur ist Letzterer im Augenblick noch ein pickliger, verschrobener Bub, der sich zahlreiche väterliche Watschen einfängt. Aber wartet nur, er wächst. Er wächst!“„Imperium“ macht Spaß und erzählt eine wahre Geschichte. August Engelhardt hat Anfang des 20.Jhd. die Insel Kabakon gekauft, um dort eine Kokosplantage zu betreiben und eine Kolonie der Kokovoren zu gründen. Er war überzeugter Vegetarier und Nudist und zu der Überzeugung gelangt, dass die Kokosnuss als Frucht, die der Sonne am nächsten wächst, die vollkommenste Nahrung des Menschen darstellt. In erlesenem Erzählstil und mit bissigster Ironie erzählt Christian Kracht die Geschichte eines Individualisten, der eine Idee hat, sie lebt und sich in dieser Idee verrennt, bis sie absurde Formen annimmt. Man liest, staunt und amüsiert sich, selbst wenn es immer finsterer wird.Dies ist ein Buch, das man mehrmals lesen kann. Beim ersten Mal liest man eine kuriose historische Begebenheit. Aber je länger man darüber nachdenkt, desto mehr feinsinnige Anspielungen findet man. Es steckt noch sehr viel mehr darin.Ich habe dieses Buch mit Begeisterung gehört, auch wenn ich mich erst an die Erzählerstimme gewöhnen musste. Aber je länger man hört, desto passender ist sie. Ein sehr eigener Erzähler für ein sehr eigenes Buch. Großartig!

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  • Skurrile Auswandergeschichte mit toller Sprache

    Imperium

    Saralonde

    31. January 2015 um 15:57

    Im heutigen Neuguinea, 1902. Der junge Deutsche August Engelhardt lässt sich auf einer kleinen Insel im damaligen Deutsch-Neuguinea nieder. Er will dort eine Kokosplantage betreiben und sein Ideal einer natürlichen, vegetarischen Lebensweise pflegen. Er begründet einen Sonnenorden, der vor allem darauf beruht, sich ausschließlich von Kokosnüssen zu ernähren: den Kokovorismus. Zunächst klappt auch alles recht gut, doch es stellen sich Krankheit und Differenzen mit den Wenigen ein, die seinem Orden beitreten. Langsam scheint es auch mit Engelhardts Verstand den Bach hinunter zu gehen. Ich nehme vorweg: Das Buch hat mir wirklich Spaß bereitet. Sprachlich ist es Buch ein Meisterwerk, ein echter Genuss! Ich habe selten so eine anspruchsvolle, schöne Sprache gelesen. Inhaltlich erscheint das Buch recht merkwürdig, was für eine abgefahrene Geschichte, was für ein seltsamer Typ (der, was ich beim Hören nicht wusste, tatsächlich gelebt hat). Man weiß nicht recht, ob man ihn mögen soll. Er hat einerseits, was seine Mitmenschen angeht, durchaus eine gute Einstellung, bei anderen Dingen kann man nur den Kopf schütteln. Ich fand die Geschichte dank Krachts Schreibstil recht komisch, was noch durch den Sprecher Dominik Graf verstärkt wurde, und musste mehrfach laut lachen. Durch das ganze Buch zieht sich Ironie, sowohl Engelhardt als auch die anderen Kolonisten werden fein karakiert. Unter anderem deshalb kann ich die Vorwürfe, die Christian Kracht gemacht werden, das Buch sei rassistisch, nicht nachvollziehen (und ich bin da eigentlich recht empfindlich). Ich weiß nicht viel über Christian Kracht, aber das Buch spielt in einer Kolonie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, natürlich gab es da die Herren und die Einheimischen. Dann dürfte man ja gar kein Buch über diese Zeit schreiben! Und da die sogenannten Herren ja durchweg karikiert werden, kann ich keinerlei Befürwortung dieses Umstandes erkennen.  Man könnte vielleicht noch argumentieren, die dargestellte Schläue einiger Einheimischen sei gönnerhaft, aber das habe ich nicht so empfunden. Zum Sprecher: Zunächst glaubte ich, ich würde Dominik Grafs Sprechweise nicht mögen. Ich habe mich jedoch schnell daran gewöhnt und würde sogar sagen, dass er mit seiner Art und seinen Betonungen zu meinem Spaß an dem Buch beigetragen hat. Daher alle Daumen hoch für den Sprecher. Ein skurriler Auswandererroman, dessen Lektüre sich allein wegen der tollen Sprache lohnt!

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