*Was für eine Frau! Sie hatte mich dermaßen in ihren Bann gezogen, dass ich kaum dazu gekommen war, Fragen zu stellen.*
In den späten Achtzigern bekommt der Wiener Student Christian eine einmalige Chance – er bekommt ein Stipendium für einen Aufenthalt in Manaus. Im Amazonasregenwald soll er Makifrösche erforschen. Sein Aufenthalt im Regenwald und in der Stadt gleicht einem Abenteuer – besonders, als er die schöne Nadime kennenlernt, die schwarze Messen feiert und an einheimische Dämonen glaubt. Was soll ein Wissenschaftler davon halten? Und doch zieht ihn die geheimnisvolle Frau in ihren Bann.
Die Geschichte wird von Christian selbst erzählt und beginnt mit seinem Flug nach Brasilien. Dort kommt er in einer für ihn exotischen Welt an. Von nun an verbringt er seine Wochen im Regenwald. Christian ist ein eigener Charakter: Zum einen Wissenschaftler aus Leidenschaft, der viel Zeit der Natur und seinen Fröschen widmet. Zum anderen jemand, der alles über Menschen herausfinden will, die er interessant findet. Dazu legt er Dossiers an und schreibt Hefte voll mit den Informationen, die er über sie bekommt. Zudem ist er ein junger Mann, der sich von der Aufmerksamkeit der Frauen überwältigen lässt. Und daran fehlt es ihm nicht. Fast schon befremdlich wirkt es, welche Privilegien die Gringos haben und wie sich ihnen eine Frau nach der anderen auf der Suche nach einem besseren Leben an den Hals wirft.
Die Geschichte spielt abwechselnd im Regenwald und in Manaus. Beide werden so beschrieben, dass einerseits ihre faszinierenden Seiten zu Tage kommen, andererseits die abschreckenden. Umso authentischer wirkt es, wenn er über die Favelas, die Armut oder – im Wald – die Parasiten, die drückend schwüle Luft und die vielen Gefahren schreibt. Und doch zeigen beide Schauplätze auch ihre schönen Seiten. An Abenteuern mangelt es ihm weder in der Stadt noch im Wald.
Da sich Christian soviel Zeit mit der Analyse der Menschen in seiner Umgebung nimmt, nehmen diese auch einen Teil der Geschichte ein. Zum einen sind da seine „Mitwissenschaftler“, mit denen er die Wochenenden verbringt. Eine wichtige Rolle nehmen auch die Mateiros ein, die das Revier im Wald mit ihm teilen. Behandeln sie ihn zu Beginn noch verächtlich, so keimt langsam eine Freundschaft auf, die sich an die Charaktere der jeweiligen Männer anpasst. Dafür muss Christian allerdings hart kämpfen.
Und dann ist da noch Nadime. Die Schönheit wirkt von Beginn an auf ihn. Ihre geheimnisvolle Art lässt beim Leser nichts Gutes ahnen. Bald schon entwickelt Christian eine toxische Liebe zu ihr. Als sie ihm offenbart eine Hexe zu sein, befasst er sich mit dem einheimischen Glauben und den schwarzen Messen, die dem Voodoo ähneln. Von den Gottheiten hält er nicht viel, doch er macht einige Erfahrungen, die ihn zweifeln lassen. Die Rolle, die er Nadime in seinem Leben zugesteht, nimmt immer mehr Platz ein – ob er sie nun sieht oder nicht.
Mich haben besonders die Szenen im Regenwald fasziniert. Er zeigt einen exotischen Lebensraum auf, der sich nicht nur durch seine Schönheit, sondern auch durch die Gefahren, die einen Unerfahrenen dort erwarten, auszeichnet. Einerseits betrachtet Christian ihn mit den Augen eines Wissenschaftlers, andererseits mit der Angst eines Fremden. Nach der relativen Einsamkeit des Waldes frischten die Szenen in Manaus mit ihren Begegnungen mit interessanten Menschen, die Geschichte auf.
Fazit: Einerseits strotzt die Geschichte nur so vor Abenteuern – dennoch werden diese nicht übertrieben in den Vordergrund gestellt. Viel mehr geht es darum, wie sich Christian in der für ihn neuen Welt zurechtfindet, wie er neue Erfahrungen – auch mystische – macht, sich den Personen in seiner Umgebung annähert und immer wieder auch scheitert. Dabei lernt er so einiges, das nichts mit seinem Forschungsprojekt zu tun hat. Mir hat besonders diese Stimmung der Unaufgeregtheit gefallen. Obwohl Christian Vieles durchmachen muss – auch emotional – wird hier nicht effektheischend darauf eingegangen, sondern die Erfahrung als eine von vielen auf seinem Weg gesehen.


