In der Fortsetzung von „Die Wächter Afrikas“ lernen wir die Geisterschiffe kennen. Auf denen leben Wächter, die aufgrund ihres Wanyamas nicht an Leben leben können. Sie beschützen als Geisterflotte die Grenzen Afrikas. Die Geschichte dreht sich um das Geisterschiff Carina Borea unter dem Kommando von Kapitän Farol, genauer gesagt um die junge Offizierin Hanna. Bei ihrer Mission, das Mittelmeer zu beschützen, stößt die Crew der Borea zunehmend auf Flüchtlingsboote, die absichtlich zum Kentern gebracht und deren Passagiere ermordet wurden.
Um das Mysterium der Toten aufzuklären, bittet Farol den Wildhüter und Ausbilder Ajabu um Hilfe, da die Spur tief ins Landesinnere Nordafrikas führt, wo Wasser-Tume nicht hinkönnen. Ajabu stellt Farol seine Schüler Raja und Kio zur Seite, die wir schon aus „Wächter Afrikas“ kennen. Schnell wird klar, dass es den Wächter des „Landes“ und den Wächtern der „Meere“ an gegenseitigem Respekt mangelt, und sich niemand für das Schicksal der ermordeten Flüchtlinge verantwortlich zeigen möchte.
Das machen sich die wahren Täter, angeführt von der geheimnisvollen 'Heimatlosen' natürlich zunutze: Sie schleusen ihre Agenten in die Crew der Borea, bringen sogar das Geisterschiff zum Absturz (ja, Geisterschiffe können schwimmen, tauchen und sogar fliegen!) und ebnen den Pfad für ein furchtbares Ritual, das eine Art Sintflut herbeiführen soll. Nebenbei müssen sowohl Hanna als auch Raja mit alten Bekannten und der eigenen Vergangenheit fertig werden – und Kio kämpft auf seine Art mit seinem Selbstbewusstsein.
Wie der erste Band ist „Wächter der Meere“ wieder in drei Teile gegliedert. Anders als zuvor sind diese aber linear und teilen die Story in spannende Abschnitte. Als neue Hauptfigur wird Hanna eingeführt, die es trotz ihrer Jugend zur Offizierin der Carina Borea geschafft hat und immer noch um den Respekt der älteren und konservativen Crewmitglieder kämpft. Neben ihrer Perspektive werden die Perspektiven von Raja und Kio behandelt. Trivi und Ivoire treten in diesem Buch leider nur kurz auf, da sie kurz nach dem actionreichen Start der Geschichte zu „einer anderen Mission“ aufbrechen, die wahrscheinlich in Band 3 behandelt wird.
Dem Autor gelingt es, die Geschichte um das Wanyama-Universum auf erstaunliche Art zu erweitern. Basierend auf den Legenden um Geisterschiffe wie den Fliegenden Holländer erschafft er eine weitere Gruppe Wächter, deren Vehikel tauchen, schwimmen und fliegen können und die tatsächlich 'sterbliche' Lebewesen sind – und die unterschiedliche Formen wie Viermaster, Trimarane oder einfach nur Flöße annehmen können. Dadurch wird das phantastische-Abenteuer-Genre um einige Solarpunk-Elemente bereichert.
Wie erhofft macht der recht unreif aufgelegte Kio eine Entwicklung durch, die man so nicht erwartet – er selbst wohl an wenigsten. Raja muss sich noch einmal mit ihrer Familie auseinandersetzen und bekommt ihrer Macht Grenzen aufgezeigt, die ihr zu Anfang des Buchs noch gehörig zu Kopf steigt. Die neue Figur Hanna ist ebenfalls gut gezeichnet und ist ein Paradebeispiel dafür, dass der Kampf für das Gute steinhart, aber nicht unmöglich ist. Ihr Gegenüber, der miese Offizier Kerang, spiegelt Hannas Kampf wunderbar und stellt einer hervorragende Allegorie für die Ignoranz der Menschen fernab der Krisengebiete dar. Gegen Ende tauchen etwas zu viele Charaktere auf einmal auf, aber das ist der heiklen Situation geschuldet und tut der Story keinen Abbruch.
Die Geschichte ist im Vergleich zum Vorgänger wesentlich handlungslastiger, da weniger Fokus auf die Einführung der Charaktere gelegt wird (da viele Figuren ja auch schon eingeführt sind). Dadurch wird man sofort in die spannende Geschichte geworfen, die einen bis zum Ende nicht mehr loslässt. Zwar ist sie, auch anders als der Vorgänger, sehr rund abgeschlossen, aber auch ihr bleibt das ein oder andere lose Ende bzw. übergreifende Elemente, das nur noch mehr Lust auf Band 3 macht.
Erwähnenswert ist hier auch die sozialkritische Note des Buchs. Besonders die Aussagen der Figur Kerang erinnern mich erschreckend an menschenverachtende Aussagen in Politik und Social Media über die Mittelmeerroute Ende der 2010er.
Einziges ernsthaftes Manko: Zu kurz! Ich will mehr...
Ich vergebe 5 Sterne für dieses hervorragende Buch aus dem Selfpublisher-Bereich – meine Empfehlung hat es.






