Christian Saehrendt Alles Bluff!

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Inhaltsangabe zu „Alles Bluff!“ von Christian Saehrendt

Ehrliche Menschen arbeiten sich hoch, Blender sind immer schon da Ein Phänomen macht Karriere. Waren es früher vereinzelte Außenseiter, die sich als falsche Barone, Doktoren oder Offiziere unter die Crème de la Crème der Gesellschaft mischten, ist die Hochstapelei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und breitet sich epidemisch aus. Müssen wir uns heute ständig selbst inszenieren und durch mehr Schein als Sein überzeugen, um überhaupt noch mithalten zu können? Christian Saehrendt und Steen T. Kittl zeigen anhand faszinierender Beispiele, wie der Bluff zur Pflichtübung geworden ist und die Hochstapelei zum Betriebssystem unserer Gesellschaft zu werden droht.

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  • Rezension zu "Alles Bluff!" von Christian Saehrendt

    Alles Bluff!
    thomas_gatzemeier

    thomas_gatzemeier

    27. February 2012 um 18:15

    Ein Buch über uns – ALLES BLUFF. Die Selbsterkenntnis, dass wir irgendwie alle Hochstapler sind - freilich in unterschiedlichem Maß - steht am Ende der Lektüre so gut wie fest. Außer die „Gutten“ unter uns - die betrifft es natürlich nicht. Klar gegliedert in Kapitel, die schiefen Ebenen des Lebens betreffend, werden wir uns selbst vorgeführt. Da wären die simulierten Gefühle im verminten Bereich der Liebe, aber gerecht zwischen Frau und Mann aufgeteilt. Keiner kommt zu kurz. Wir täuschen allerlei vor, um an das Geld (oder was auch immer) des Anderen heranzukommen. Frauen kaufen sich Brüste und Männer verzichten auf Tränensäcke. Ob vom vorgetäuschten Orgasmus die Rede war, habe ich schon wieder vergessen. Aber der gehört ja ohnehin zum Tagesgeschäft. In Kapitel zwei kommt die Arbeitswelt dran. Haben sie schon einmal eine Bewerbung geschrieben? Ja? Dann wissen sie ja, wie das geht. Haben sie schon einmal eine Bilanz erstellt und präsentiert? Ja? Dann wissen sie ja, wie das geht. Von Madoff und dem deutschen Harksen ist da die Rede und wie gierige Anleger auf sie reinfielen. Auch der Immobilienmann Schneider taucht auf. Jedoch sind sie, wenn sie denken, bei der Lektüre heile wegzukommen schon wieder dabei. Sie arbeiten doch auch ständig und können das nicht jedem verheimlichen. Das dritte Kapitel beschreibt den Menschen, der gern Arzt wäre und das dann auch wird, obwohl er eigentlich Postmann ist. Und Politik/Wissenschaft auch. Post und Zumwinkel kommen jedoch nicht vor. Alles sehr angenehm aufgeschrieben und amüsant vorgetragen. Ein wenig mehr Psychologie hätte ich mir vielleicht, bei Reduzierung der Fallbeispiele, gewünscht. Aber doch habe ich dies Buch gern gelesen und weis nun, wie man aus der Falle des Bluffens raus kommt. Man werde Künstler oder am besten Schriftsteller. Der Schriftsteller schreibt eine Geschichte auf, als hätte er sie erlebt und sitzt doch nur allein bei Kaffee, Tee oder Rotwein vor dem Computer. Alles erlogen und erstunken. Aber da Josef Beuys das Diktum „jeder ist ein Künstler“ in die Welt gesetzt hat, dürfen wir alle bluffen, was das Zeug hält.

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  • Rezension zu "Alles Bluff!" von Christian Saehrendt

    Alles Bluff!
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    16. June 2011 um 12:55

    Mehr Schein als Sein macht Schule Das ist die These der Autoren, wenn sie jene, die klassisch als „Blender“ bezeichnet werden, in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit rücken. Ausgehend von teils auch prominenten Fällen von Hochstaplern, die als Heiratsschwindler, mit angemaßten Doktor- und Professorentiteln, als Chefärzte ohne Ausbildung oder als Finanzgurus ohne Geschick fürs Geld durchaus erfolgreich andere an der Nase herum führen und dies rein zu ihrem persönlichen Vorteil. Dass sich „ehrliche Menschen hoch arbeiten und Blender immer schon da sind“, in Zeiten des Plagiats und der wieder einkassierten Doktortitel auch hochrangiger Persönlichkeiten bekommt das Thema eine hohe Aktualität. Und im Umkehrschluss, dass dies alles nur die Spitze des Eisbergs ist, verweisen die Autoren durchaus zu recht und durchaus im Buch begründet nach, dass das „Blenden“ auch in alltäglichen Bezügen massiv um sich greift. Dass so gut wie jeder in der Gefahr steht, durch das ständige getrieben sein zum „Klappern der eigenen Vorzüge sich selbst zu inszenieren“ und es häufig dann mit der Wahrheit nicht mehr so genau nimmt, dass ist die Quintessenz des Buches. In vier großen Lebensbereichen legen die Autoren ihre Gedanken und Schlüsse dar. Die Liebe oder wie man ganz große Gefühle simuliert, um ans Ziel zu kommen. Das echte Verliebtsein lieber vermeidend, denn das würde ja bedeuten, sich wirklich auszuliefern. Die Arbeitswelt mit ihren Bluffs und Bluffern, in dem das „Blenden“ gar als „Schlüsselqualifikation“ im Raume steht. Die wahren Künstler des Krankfeierns und des Opfer Daseins, die von Mitleid bis zu handfester finanzieller Unterstützung so einiges an Vorzügen durch ihre Schauspielkunst erhalten. Im letzten Teil arbeiten sich die Autoren durch die „Egoakrobatik“ hindurch. Visionäre und Titeljäger in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, deren vermeintliches „Charisma“ samt „Visionen“ einzig und allein auf Illusionen beruhen. Perfekte „Blender“ übrigens, auch das findet man im Buch und kann es trotz allen Kopfschüttelns nur als Tatsache hinnehmen sind jene, die zu guter Letzt völlig selbst von ihren Märchen überzeugt sind. Die tatsächlich sich Kopfschmerzen erzeugen, um beruhigt krankfeiern zu können. Warum das so ist, wohin das führt, aus welchen Gründen heraus solches entsteht und wie die Mechanismen des Bluffs und der Blendung funktionieren, auch in fast jedem der Leser des Buches, dass ist interessant und, zudem, unterhaltsam im Buch nachzulesen. Desto besser übrigens funktionieren die Bluffs, desto weniger die Gruppe oder Gesellschaft innerlich zusammenfindet. Die losen Fäden der Gemeinschaft sind es, die im Bluff hervorragend ausgenutzt werden können, da kaum jemand über den anderen, den Nachbarn, den Kollegen, noch genügend fundiertes Wissen besitzt, um einen Bluff frühzeitig enttarnen zu können. Eine Mischung aus Distanz, Desinteresse und umgreifender Egozentrik begünstig das „Blenden“ ungemein. Im ganz Kleinen, wie sogar auf Staatsebene, auch hierzu finden sich Beispiele im Buch, ebenso, wie Guttenberg seinen Platz unter manchen „Blendern“ findet. Auch eine Analyse er modernen Gesellschaft schwingt so hintergründig mit im Buch. Unterhaltsam und fundiert zeigen die Autoren auf, wie sehr der „Bluff“ und die „Blendung“ in die Gesellschaft bereits Einzug gehalten haben, wie sehr gar jene unredlichen „Selbstvermarktungsmittel“ als Voraussetzungen für Karrieren gefordert und gefördert werden. Interessant zu lesen und durchaus mit einem eigenen Wiedererkennungswert versehen.

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