Christian Schüle Das Ende unserer Tage

(4)

Lovelybooks Bewertung

  • 2 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 1 Leser
  • 3 Rezensionen
(0)
(1)
(1)
(1)
(1)

Inhaltsangabe zu „Das Ende unserer Tage“ von Christian Schüle

In der ehemals reichen Kaufmannsmetropole Hamburg werden Kirchen in Eventagenturen umgebaut. Die legendäre Kammfabrik im Süden Hamburgs wird von chinesischen Investoren übernommen und von Bürokraten abgewickelt. Skrupellose Manager des Verfalls frönen ihrer Überspanntheit in elitären Salons, vereinsamte Individualisten suchen nach Sinn und Wert. Christian Schüle erzählt die Geschichte zweier Männer, die in dieser Welt treiben und von ihr getrieben werden: Charlie Spengler, ein gefeuerter Fabrikdirektor, der zur Gallionsfigur einer Arbeiterrebellion wird. Und JanPhilipp Hertz, ein Jungunternehmer, der auf den Stoßwellen des Umbruchs dem allgemeinen Verhängnis seiner Stadt entgegensurft.

Stöbern in Romane

Ein Gentleman in Moskau

Ein Einblick in eine große Menschenseele und in die russische Geschichte! Wunderbar!

Edelstella

Die zwölf Leben des Samuel Hawley

Eine wunderbar mäandernde Geschichte über einen Gauner und seine Tochter, der seiner Vergangenheit zu entkommen versucht. Sehr lesenswert.

krimielse

In einem anderen Licht

Wie geht man mit der Vergangenheit um, wie stellt man sich seiner Verantwortung?

Bibliomarie

Wer hier schlief

Philipp verlässt sein durchschnittliches Leben für Myriam. Doch es kommt ganz anders. Statt mit ihr aufzusteigen fällt er, und fällt er...

Buchstabenliebhaberin

QualityLand

Verrückt und schwarzhumorig. Mit schrulligen Charakteren und einer leicht bedrückenden Stimmung, die trotzdem skurril-komisch ist.

Mlle-Facette

Britt-Marie war hier

Ein echter Backman

Engelmel

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Wenn alles aus den Fugen gerät

    Das Ende unserer Tage
    dominona

    dominona

    22. May 2016 um 17:34

    Diesmal trifft es Hamburg, aber nichts Endzeitliches, sondern nur der allgemeine Globalisierungswahnsinn, die neumoderne Krankheit Krebs und das merkwürdige Menschheitsempfinden zwischen Emo und Masochist - und wo endet das alles? Vielleicht in der Politik? oder dem Selbstmord? Wer weiß. Mir war es jedenfalls zu wirr, wenn auch gut gemeint, nur eben von der Umsetzung her nicht gelungen.

  • Rezension zu "Das Ende unserer Tage" von Christian Schüle

    Das Ende unserer Tage
    Sky

    Sky

    01. May 2012 um 09:30

    Über das Ende unserer Tage Im Wandel der Wirtschaft wird Hamburg immer mehr von der neuen Industriemacht China aufgekauft. Chinesische Investoren verlagern die Produktionen, wo unter Billiglöhnen auf Masse produziert wird. Darunter leiden muss der Kleinste, der Fabrikarbeiter, der Angestellte, dessen Existenz zu Grunde geht. Kirchen werden umgebaut zu Eventagenturen und die neue Religion ist die Spiritualität, im Zeichen von Selbstmotivationslehren und innerer Selbstreflexion und -reinigung. Riten, die aus den asiatischen Kulturen zu uns überlaufen. Mitten in diesen Wandel ist Charly Spengler, ehemaliger Direx der erfolgreichsten Kammfabrik Hamburgs, die mit ihren „Lady Star“ den Markt erobert hat. Mit seinem ganzen Herz hing er an der Produktion der Kämme und war für seine Mitarbeiter immer da. Jetzt, wo alles aufgekauft wurde, die Produktion verschifft, soll auf dem Gelände Neues entstehen. Von heute auf morgen stehen seine Mitarbeiter auf die Straße und für ihn ist es der Auslöser gegen die Übermacht der Großunternehmer und ihr Treiben vorzugehen. An seiner Seite steht Jan-Philipp Hertz, der seinen Platz als Human Ressource-Fachmann, verloren hat. Er gründet eine Logistik und Consulting-Agentur, die das Bindeglied zwischen Spengler und den Großen der Wirtschaft bildet. Beide zusammen stehen im Sturm der dekadenten Gesellschaft, die sich immer weiter in einem Kampf zwischen westlicher Industriekultur und östlicher Übernahme entwickelt, wo die Kleinen gegen die Großen stehen. „Das Ende unserer Tage“ zeichnet ein Hamburg, wo der Osten - und damit die Industriemacht China -, die westliche Welt aufzukaufen droht. Ein schrecklich reales Szenario, welches seine Wurzeln schon jetzt in der heutigen Zeit trägt. Zwischen Sozialphilosophie und Spiritualität steuern die Leute immer weiter auf den Untergang der Welt, im wirtschaftlichen Sinne, zu. Großunternehmer treffen sich in Salons und frönen einem dekadenten Leben, während die Kleinen zusehen müssen. Dabei gibt der Autor einen bunten Querschnitt der Gesellschaft. Sei es die depressive Künstlerin, die ihr Leben über den Tod definiert, die Frau eines krebskranken Unternehmers, die einen „Spürsalon“ eröffnet um der Spiritualität und dem Leben selbst auf den Grund zu gehen oder doch die kleinen Fabrikarbeiter, die als Gastarbeiter einst gekommen sind, und heute ihr Geld nicht mehr verdienen können, weil die Raffinerien, in denen sie einst gearbeitet haben, nicht mehr existieren. Jede Personengruppe wird eingeschlossen und gibt einen umfassenden Blick auf das Dystopische in diesen Roman. In diesen Schmelztiegel geht es vor allem um die Suche nach dem eigenen Sein, das heute in der schnellen und immer effizienter werdenden Welt auf der Strecke bleibt. Religion wird durch Spiritualität überlagert, von Motivationsformeln angetrieben, die man aus Amerika zu Genüge kennt, mit einen Glauben und Gleichgewichtsbewusstsein aus der asiatischen Kultur. Ein ausgeglichener Körper, ein reiner Körper, bringt die Kraft, dass zu ermöglichen, was man immer wollte. Alles Dinge, denen man heute schon begegnet. Sei es das Feng Shui oder doch das im Kollektiv betriebene Yoga, die Akupunktur beim Heilpraktiker oder die speziellen Massagetechniken zur Tiefenentspannung. Im Laufe des Prozesses nach dem Sterben nach den schneller, höher, weiter, suchen wir unsere eigene Existenz, die doch bedroht ist, durch den wirtschaftlichen Umschwung. Die Großen, die Geldverdiener regieren die Welt und machen die Kleinen unter sich platt ohne Reue, ohne Moral. Die Kleinen wehren sich, suchen sich ihre Anführer und schreien nach Revolution, wollen beachtet und nicht immer vertröstet werden. Und dabei fällt immer wieder eins bei diesem Roman auf: Das große Ganze ist genauso wichtig, wie das Kleine. Der Teufel steckt im Detail, im undurchschaubaren Netz der heutigen Wirtschaft. „Das Ende unserer Tage“ besticht durch seinen absoluten Realismus. Die Fundamente für eine solche Entwicklung wie sie Christian Schüle beschreibt sind längst gelegt und dadurch wird „Das Ende unserer Tage“ zu einem Leseerlebnis. Der Roman lebt durch seine Fülle, seinen kleinen Zusammenhänge der einzelnen Figuren, die einen oberflächlich erschienen, aber auf die Oberflächigkeit dieser Welt aufmerksam machen und doch so viel Tiefgang besitzen, dass man ein Bild von ihnen hat. Man ist ihnen fern und doch nah und hat einen distanzierten Blick auf die dunkle, alles verschlingende Maschinerie der Wirtschaft. Die Dekadenz des neuen Lebens tritt sogar in die Welt der Fernsehmedien ein, so dass man Leuten auf ihren letzten Wegen begleiten kann, Leuten beim seelischer Selbstausschabung zusehen kann und gebannt vor der dem LCD-Bildschirm die für den Zuschauer wirklichfremde, fiktive Screening-Welt betrachtet. Eine Kritik an die heutige Medienwelt, die ihre Niveaulosigkeit und Persönlichkeitsausschlachtung jeden Tag auf Neue unter Beweis stellt und uns serviert. Doch auch wenn der Inhalt stimmig ist, die reale Angst erschreckend greifbar gemacht wird, die Suche nach dem Selbst, den Individualisten im Gesamtkonstrukt der Welt, des globalen Netzes, in dem man immer kleiner wird, klar herausgestellt wird, ist es gerade die Sprache, die einem das Lesen schwer macht. Christian Schüle schreibt wunderbar philisophisch, atmosphärisch, poetisch und metaphorisch. Bildgewaltiger und stilmittellastiger kann ein Schreibstil fast nicht sein. Es ist ein Genuss die Sprachkonstrukte zu lesen und ihnen zu folgen. Aber es bleibt das Problem, dass diese Detailverliebtheit, die Konzentration und den Lesevorgang massiv hemmt. Oft hat man Mühe beim Lesen zu Erfassen, was der Autor von einem will, ist gezwungen Passagen öfters zu lesen, weil die Gedanken ins Nirwana verschwinden. Außerdem fehlt es bei diesem Roman an einer gewissen Linie, der ständige Perspektivwechsel und gleichzeitige Wechsel zu verschiedenen Macharten der Literatur, lassen manches unstimmig erscheinen. Manchmal ist man als Leser sich nicht sicher, was der Autor erreichen will, soll es eine Wirtschafssatire sein, eine Sozialkritik, eine Dystopie oder doch etwas völlig anderes. Eine ganze Fülle von Eindrücken rieselt auf einen hinab und verschwimmt den klaren Blick auf die Geschichte, aufgrund seiner vielen äußeren Einflüssen und Unstimmigkeiten. Teilweise zu überspitzt kommen bestimmte Geschehnisse und trüben den eigentlich hervorragend ausgearbeiteten Realismus der Geschichte. Fazit „Das Ende unserer Tage“ ist Satire, Sozialkritik und –dystopie zugleich und hebt sich vor allem durch sein erschreckend realistisches Szenario hervor, die den Leser erzittern lässt. Einziges Manko ist die Machart des Romans, bei der Christian Schlüte oftmals den Bogen sprachlich wie inhaltlich zu sehr überspannt hat.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Ende unserer Tage" von Christian Schüle

    Das Ende unserer Tage
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    20. April 2012 um 05:37

    Von der Zerfaserung der Gesellschaft Es ist nicht einfach, in diesen Roman von Christian Schüle hineinzukommen. Das ist zum einen dem assoziativen, teils ins Kleinteilige abschweifenden Sprachstil des Autors geschuldet (wo sich manches Mal nur in Satzfetzen unterhalten wird, wo Gedanken der Protagonisten auch ins unwesentliche abschweifen), zum anderen braucht es eine Weile, sich der bekannt wirkenden und doch verfremdeten Welt des Romans anzunähern. Allein schon der Kampf der Taxifahrer gegen die Fahrradkuriere im Hamburg des Romans setzt Rätsel. „Rache“ soll das Motiv sein, warum Kuriere gnadenlos „umgemäht“ werden von Taxifahrern. Rache wofür, fragt man sich lange. Eine eher atmosphärisch düstere Welt ist es, die Schüle entwirft. Eine Welt, in der „alte Werte“ von jetzt auf gleich den „neuen Regeln“ der Manager (und der Chinesen) zu weichen haben. Und die unaufhaltsam, wie sich hier schon andeutet, in einen neuen „Klassenkampf“ rutscht. Kirchen werden aufgegeben und Eventagenturen ziehen ein, ein Bild für die „neue Religion“ der westlichen Welt, die Schüle bitter aufs Korn nimmt. Der einzelne zählt nichts, wird „freigesetzt“ bei passender Gelegenheit. Was beide Hauptpersonen des Romans betrifft. Jan-Phillip Hertz, aufstrebender Finanzfachmann, noch zu Anfang des Buches in voller Überzeugung seiner Protektion, findet sich unversehens „auf der Strasse“ wieder. Chinesen haben die Bank mit übernommen und für ihn ist kein Platz mehr. „Finito Scheißerchen, das wars“. Gut, das Herz die „neuen Regeln“ völlig internalisiert hat. So kann er jedem und jeder Gruppierung seine strategischen Möglichkeiten andienen, ohne eine eigene, innere, klare Stellung zu beziehen. Charly Spengler, Urgestalt der Haarbürstenindustrie, erfolgreicher Direktor einer Kamm Firma. Auch hier, die Firma geht in chinesische Hand und Spengler wird nicht mehr gebraucht. Und das in einer ganzen Welt voller gestrandet wirkender Gestalten, die monolithisch vor sich hin dümpeln und irgendwas noch suchen. „Trostlos“, das scheint die richtige Bezeichnung für die Grundströmung dieses Buches zu sein. Seltsam matt wirken die Figuren bei ihrem Versuch, irgendwo und irgendwie auch innerlich wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Allein die Figur des Charly Spengler strömt in weiten Teilen der Geschichte noch Aktivität und Kraft aus. Er, der „mit eine paar Flaschen Korn“ durchaus hier und da mit seinen Arbeitern frühstückte, wird im Lauf der Zeit zum „Arbeiterführer“ gegen all diese Gier und die Egozentrik an den Schaltstellen der Macht. Manager, die auf der Überholspur Vollgas geben, Taxi Fahrer, die Fahrradkuriere jagen, die Unsicherheit der Nächte in Hamburg, das teilweise wirkt wie die Bronx zu schlimmsten Zeiten, der junge Hertz, der ermattet versucht, seinen Fuß wieder in die Tür des Erfolges zu bekommen, die Angestellten seines Lieblingscafes, die zu durchaus philosophischen Tiefen neigen, eine Welt, die tatsächlich in zwei Teile zerbricht, in die, die noch mithalten und in die, die stranden. In diese (noch) fiktive Welt hinein verpackt Christian Schüle seine grundsätzliche Kritik am System und seine Warnung vor dem Verfall aller Werte. Dies allerdings in Teilen so kleinteilig und detailverliebt, das zu Lasten des Tempos der rote Faden der Geschichte manches Mal droht, zu zerfasern. Stärken findet der Roman immer da, wo Christian Schüle sich mitten hinein in die Welt der Manager begibt und die Folgen der brachialen Egozentrik spürbar aufzeigt. Das „da unten“ sämtliche Dämme drohen zu brechen. Und das es eines Zusammenhaltes, einer Rücksichtnahme, einer „Klammer“ zwischen allen Teilen der Gesellschaft braucht, damit nicht reine Anarchie zerstört, was sich lang entwickelt hat. Nicht leicht zu lesen in Sprache und Stil, in Teilen sehr kleinteilig und doch den Finger auf die Wunde der Zeit legend, die sich in der Hochfinanz und im Management, sprich im Kapitalismus wiederfindet, entfaltet Christian Schüle in düsteres Bild einer untergehenden Gesellschaft, die erst spät beginnt, sich zu wehren. Durchaus mit Kraft in der Darstellung, aber auch mit Schwächen was Tempo und Zerfaserung angeht.

    Mehr