Christian Schünemann , Jelena Volic Kornblumenblau

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Inhaltsangabe zu „Kornblumenblau“ von Christian Schünemann

Belgrad – eine europäische Metropole, so nah und doch so fern. Unter der kundigen, atmosphärischen Führung von Milena Lukin erschließt sich nicht nur ein aufsehenerregendes Verbrechen, sondern eine faszinierende Stadt im Brennpunkt europäischer Geschichte.

Interessanter, ruhiger Belgrad-Krimi mit sympathischer Protagonistin. Freue mich auf mehr Fälle mit ihr!

— vanessabln

Tolles Buch mit einer geschickten Mischung aus Vorstellung der Ermittlerin, dem Beobachten des Verbrechers und dem Blick auf den Krieg

— Briggs

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  • Interessanter, ruhiger Belgrad-Krimi mit sympathischer Protagonistin

    Kornblumenblau

    vanessabln

    06. June 2017 um 09:21

    Der erste Fall des deutsch-serbischen Autorenteams führt nach Belgrad, wo zwei Soldaten einer Eliteeinheit tot aufgefunden wurden (das Buch basiert übrigens auf einem wahren Fall, was den Inhalt zusätzlich brisant macht). Offiziell geht man von Selbstmord bzw. einer obskuren Sekte aus, aber der Anwalt der Hinterbliebenen ist anderer Ansicht. Zufällig ist der engagierte Anwalt befreundet mit Milena Lukin, einer Wissenschaftlerin am Institut für Kriminalistik und Kriminologie, die mit Kind, Mutter und Katze in einer kleinen Wohnung lebt und gerade darum bangt, dass ihr Arbeitsvertrag verlängert wird. Die bodenständige Protagonistin schlägt sich mit ganz normalen Alltagssorgen (wenn auch in serbischer Fassung) und deutschem Ex-Mann herum und war mir von Anfang an sympathisch. Auch die Personen in ihrem Umfeld kann man sich gut vorstellen.Das Buch ist genauso wenig aufdringlich wie die Protagonistin, es ist gut geschrieben, liest sich eher ruhig, fast bedächtig, aber geradlinig und immer wieder interessant. Der Leser bekommt einen vielfältigen ersten Einblick in die serbische Kultur und Geschichte. Die Aufarbeitung der Vergangenheit spielt ebenso eine Rolle, ohne dass der Roman zu trocken wird, denn es gibt genug authentischen Alltag. Zitat: "Die Vergangenheit bahnte sich immer wieder einen Weg, suchte sich kleine Kanäle und sickerte in die Gegenwart, wie von oben Nachbars Badewasser." Tatsächlich kommt gleich ein gleichgültiger Handwerker zu Milena ins Badezimmer.... Ab der Mitte des Buches wird es dann immer spannender, auch wenn man die Fäden langsam zusammenlaufen sieht. Das Ende ist nicht befriedigend, aber realistisch. "Kornblumenblau" ist kein kreischender Pageturner, was in diesem Fall positiv zu sehen ist. Gerne würde ich noch mehr Fälle von Milena Lukin lesen.

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  • Politikum

    Kornblumenblau

    walli007

    15. January 2017 um 17:24

    In Belgrad werden zwei Soldaten tot aufgefunden, erste Ermittlungen werden mit dem Ergebnis Selbstmord abgeschlossen. Ein Anwalt mag diesem Urteil jedoch nicht vertrauen und lässt dieses Ergebnis in Deutschland überprüfen. Um sicher zu stellen, dass mit der Übersetzung des Berichts aus Deutschland keine Fehler gemacht wurden, wendet er sich an Milena Lukin, die sowohl die deutsche als auch die serbische Staatsbürgerschaft innehat. Tatsächlich weicht ihre Übersetzung des Berichts von der offiziellen ab. Milena, die sich im Rahmen ihrer Habilitation mit der Aufarbeitung von Kriegsverbrechen beschäftigt, ist neugierig geworden. Wieso wurden die Toten ausgerechnet einen Tag nachdem sich ein Kriegsverbrechen jährt gefunden? Als EU-Beitrittskandidat hat Serbien einen gewissen Prozess zu durchlaufen. Und so wird Milena Lukins Stelle sowohl aus Deutschland als auch von Serbien finanziert. Ihre Tätigkeit ist allerdings nicht einfach, denn mit der Aufarbeitung der Vergangenheit scheint sich jedes Regime schwer zu tun. Als sie sich nun auch noch in die Ermittlungen zu den beiden Todesfällen einmischt, stößt sie nicht auf Unterstützung. Man möchte die Sache am liebsten unter den Tisch kehren. Wären da nicht die Familien der Opfer, die ihren tragischen Verlust kaum ertragen können. Schritt für Schritt taucht Milena eine auch ihr fremde Welt ein. Milena Lukin wirkt etwas zerrissen zwischen ihren beiden Staatsbürgerschaften. Wie soll sie ihrem Sohn gerecht werden, dessen deutscher Vater in Hamburg lebt und ihm ein Leben der Sorglosigkeit und des Konsums bieten kann, während sie in Belgrad gemeinsam mit ihrer Mutter jeden Groschen umdrehen muss. Doch die Familienbande sind nicht zu lösen und auch ihre politische Aufgabe betrachtet sie mit großem Ernst. Manchmal wünscht sie sich mehr Leichtigkeit und kann sie doch nicht annehmen. Mit Akribie macht sie sich deshalb auf die Suche nach dem Hintergrund der Todesfälle und stößt dabei auf politische Gleichgültigkeit und tragische Schicksale. Dieser EU-Beitrittskandidat, ein Rest des ehemaligen Jugoslawiens, wirkt doch sehr fremd. Immer noch gezeichnet durch den Krieg ist das Land und immer noch intrigieren die Mächtigen wie eh und je. Nachdem man sich in die Fremdheit hinein gefunden hat, entdeckt man einen spannenden Krimi, der ausgesprochen gut recherchiert wirkt. Gefesselt verfolgt man Milena Lukin, die geradeaus auf ein Ziel zumarschiert, das sie zunächst nicht entschlüsseln kann, das aber mit jedem Hinweis klarer wird und eher betrüblich stimmt. Auch heute noch wird die Aufklärung von Einflüssen bestimmt, die an dem echten Willen Klarheit zu erlangen zweifeln lässt. Und das gilt sicher nicht nur für Serbien. Erst einmal gepackt, lässt einen dieser Roman nicht so schnell los.

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  • Dieses Buch hat Zeit.

    Kornblumenblau

    Briggs

    06. September 2016 um 18:11

    Dieses Buch hat Zeit.Gerade so viel Zeit, dass es sich niemals beeilen muss und doch nie langweilig wird.Es sind keine persönlichen Verwicklungen, die die Spezialistin für internationales Steuerrecht Milena Lukin auf den Fall der (selbst?)ermordeten jungen Gardisten führt. Es ist ihr befreundeter Anwalt Sinisa. Niemand außer ihnen beiden und den Familien der jungen Männer hinterfragt nach dem Abschluss der Ermittlungen die offizielle Version, nach der eine Sektenzugehörigkeit der Todesgrund gewesen sein soll, und während Wochen vergehen, in denen ihre Ahnung bloßer Verdacht bleibt und das Ergebnis des unabhängigen Gutachtens abgewartet werden muss, hat der Leser Zeit genug, diese Ermittlerin, ihre Familie, ihre Motive, ihre Sorge um ihren Arbeitsplatz, ihre Beharrlichkeit und ihre beste Freundin kennen zu lernen.Nie wird es gruselig. Die zweite Erzählperspektive allerdings - von vornherein ist klar, dass es der „Täter“ sein muss, ohne dass aber offenbart wird, um wen es sich handelt – löst ein sehr unwohles Gefühl aus; je länger man ihn durch Belgrad begleitet, umso mehr man von ihm erfährt, umso stärker wird das Unbehagen. Ich mochte Milena und ihre undramatische Überzeugung, weiter zu ermitteln gegen einen offensichtlich sehr starken Gegner.Ich mochte auch die Sprache im Buch, die niemals dick aufträgt und doch genau beschreibt, die den Leser mitnimmt in die Welt und die Kultur, in die Sorgen und gedanklichen Abgründe, in die Küchen und Büros.Ich mochte diese geschickt eingebauten winzigen Wissensvorsprünge, die der Leser immer wieder bekommt, gerade so früh, um zusehen zu können, wie sich der Ring der Ermittlungen zusammenzieht.Dass Milena keine Kommissarin ist, gibt dem Krimi besonderen Pfiff. Gerade wenn der nächste Mord geschieht und ausgerechnet die Polizei schnell entscheidet, dass kein Mörder gesucht wird, ist die Perspektive eine so besondere, weil weder berufliche, noch private Begebenheiten, sondern eben nur eine innere Überzeugung dafür sorgt, dass Milena sich nicht mit den schmalen offiziellen Erklärungen zufrieden gibt.Während der Spannungsbogen zum Ende so aufgebaut wird und es für Milena so brenzlig wird, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann, versteht Milena die Zusammenhänge und kommt zum Glück mit einigermaßen heiler Haut aus der Situation heraus.Der Leser bleibt mit dem mulmigen Gefühl, dass nicht immer alles schwarz oder weiß ist, und dass der Unterschied nicht immer leicht zu erkennen ist ...

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  • Morde, die keine waren?

    Kornblumenblau

    Briggs

    16. August 2015 um 19:53

    Dieses Buch hat Zeit. Gerade so viel Zeit, dass es sich niemals beeilen muss und doch nie langweilig wird. Es sind keine persönlichen Verwicklungen, die die Spezialistin für internationales Steuerrecht Milena Lukin auf den Fall der (selbst?)ermordeten jungen Gardisten führt. Es ist ihr befreundeter Anwalt Sinisa. Niemand außer ihnen beiden und den Familien der jungen Männer hinterfragt nach dem Abschluss der Ermittlungen die offizielle Version, nach der eine Sektenzugehörigkeit der Todesgrund gewesen sein soll, und während Wochen vergehen, in denen ihre Ahnung bloßer Verdacht bleibt und das Ergebnis des unabhängigen Gutachtens abgewartet werden muss, hat der Leser Zeit genug, diese Ermittlerin, ihre Familie, ihre Motive, ihre Sorge um ihren Arbeitsplatz, ihre Beharrlichkeit und ihre beste Freundin kennen zu lernen. Nie wird es gruselig. Die zweite Erzählperspektive allerdings – von vornherein ist klar, dass es der „Täter“ sein muss, ohne dass aber offenbart wird, um wen es sich handelt – löst ein sehr unwohles Gefühl aus; je länger man ihn durch Belgrad begleitet, je mehr man von ihm erfährt, umso stärker wird das Unbehagen. Ich mochte Milena und ihre undramatische Überzeugung, weiterzuermitteln gegen einen offensichtlich sehr starken Gegner. Ich mochte auch die Sprache im Buch, die niemals dick aufträgt und doch genau beschreibt, die den Leser mitnimmt in die Welt und die Kultur, in die Sorgen und gedanklichen Abgründe, in die Küchen und Büros. Ich mochte diese geschickt eingebauten winzigen Wissensvorsprünge, die der Leser immer wieder bekommt, gerade so früh, um zusehen zu können, wie sich der Ring der Ermittlungen zusammenzieht. Dass Milena keine Kommissarin ist, gibt dem Krimi besonderen Pfiff. Gerade wenn der nächste Mord geschieht und ausgerechnet die Polizei schnell entscheidet, dass kein Mörder gesucht wird, ist die Perspektive eine so besondere, weil weder berufliche, noch private Begebenheiten, sondern eben nur eine innere Überzeugung dafür sorgt, dass Milena sich nicht mit den schmalen offiziellen Erklärungen zufrieden gibt. Während der Spannungsbogen zum Ende so aufgebaut wird und es für Milena so brenzlig wird, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann, versteht Milena die Zusammenhänge und kommt zum Glück mit einigermaßen heiler Haut aus der Situation heraus. Der Leser bleibt mit dem mulmigen Gefühl, dass nicht immer alles schwarz oder weiß ist, und dass der Unterschied nicht immer leicht zu erkennen ist …

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  • Die beginnende Aufarbeitung serbischer Geschichte.

    Kornblumenblau

    Iudas

    15. October 2013 um 23:56

    Eigentlich ist die Professorin Milena Lukin Expertin für Internationales Strafrecht an dem Belgrader Institut für Kriminalistik und Kriminologie und behandelt Mordfälle und dergleichen eher auf theoretischer Basis, während sie versucht, ihr alltägliches Leben in der serbischen Hauptstadt zusammen mit ihrer Mutter Vera und ihrem Sohn Adam zu meistern. Als ein mysteriöser Todesfall in der Kaserne Topčider an die Öffentlichkeit kommt, in dem zwei Elitesoldaten auf seltsame Weise ums Leben gekommen sind, wird sie von ihrem Bekannten, dem Juristen Siniša Stojković, dazu angehalten, dem auf den Grund zu gehen. Lukin, die Serbin mit deutscher Staatsangehörigkeit ist, wittert einen Mord, nachdem sie das Gutachten der deutschen Ärzte lesen konnte – und diese Annahme widerspricht der offiziellen Aussage von Seiten des serbischen Militärs, von wo aus man von einem Selbstmord der beiden Soldaten ausgeht und das so auch der Öffentlichkeit präsentiert. Milena Lukin beginnt auf eigene Faust, unterstützt von Stojković, zu recherchieren und kommt langsam aber sicher einem Geheimnis von einem Ausmaß auf die Schliche, das sie und ihre Familie bald in Lebensgefahr bringt. Anscheinend schreckt Lukin mit ihren hartnäckigen Nachforschungen höchste Miltärkreise auf, die nun darum bangen müssen, wegen ihres gut gehüteten Geheimnisses angeklagt zu werden. Doch welches Geheimnis ist es, dessentwegen die beiden Soldaten in Topčider Es ist eine Geschichte um einen realen Kriminalfall. Am 5. Oktober 2004 wurden auf dem Geländer der Kaserne Topčider zwei Soldaten tot aufgefunden, bei denen trotz offizieller Meldungen um einen Selbstmord durch ein Gutachten auf Mord geschlossen wurde. Schünemann und seine serbische Schriftstellerkollegin Volić nehmen diesen Fall auf und entspinnen eine spannende Erzählung mit Namen »Kornblumenblau. Ein Fall für Milena Lukin« (Diogenes) darum. Sie entwerfen ein Gedankenspiel, warum die beiden Soldaten sterben musste – und trotz aller Fiktion bleibt mit dem Wissen um die literarische Basis ein fahler Beigeschmack, der den Leser immer wieder glauben lässt, es hier weniger mit Fiktion denn mit unerbittlicher Realität zu tun zu haben.   Die Protagonistin Milena Lukin bleibt erfreulicherweise eine sehr bodenständige und mit Fehlern behaftete Frau, die versucht, ihren Weg zu gehen und sich dabei sich auch derbe Schnitzer leistet – kurz gesagt: ein Gegenentwurf zum oft in Kriminalromanen auftreten Über-Ermittler. Die Probleme, die sie in ihrem Leben bewältigen muss und die primär nichts mit dem Mordfall um die Elitesoldaten zu tun haben, werden mit derselben Ernsthaftigkeit thematisiert und ihnen werden angemessene Spielräume gelassen. Das ist zum einen abwechslungsreich und zeichnet ein lebensnaheres Bild aus dem Leben Milenas, die in ihrem Alltag auch eher selten wirklichen Mordfällen derart hautnah nachgehen muss, streckt den Roman allerdings auch und zieht ihn stellenweise in die Länge, was einer durchgehenden Spannung abträglich ist und man manchmal vor lauter Seitengeplänkel ganz den wesentlichen Fall außer Augen lässt. Wahre Hauptperson, um die sich neben dem Mord aber alles dreht, ist die pulsierende serbische Hauptstadt Belgrad, die in den schillerndsten Farben beschrieben wird. Milena darf auf ihrer Suche wohl sämtliche Ecken der Stadt erkunden – von schäbigen, dunklen Spelunken bis zu feinen Gassen mit ihren noblen Restaurants. Und dabei wird der Weg so bildhaft beschrieben und benannt, dass man mit der Straßenkarte danebensitzen könnte und Milenas Schritte nachvollziehen könnte. Man merkt Volić’ Liebe zum ausschweifenden Erzählen besonders in den Passagen an, wenn über ihre Heimat gesprochen wird (über den Erzählstil der beiden Autoren geben sie in einem Interview selbst Auskunft) – detailliert werden Belgrad und seine Umgebung geschildert, genauso detailliert versucht man in den Schilderungen historischer Zusammenhänge zu sein, die der Leser benötigt, um das Geschehen in der Kaserne  und im Land der Serben verstehen zu können. Lobend zu erwähnen ist dieser Roman auch deshalb, weil er endlich auch einmal einen neuen Schauplatz für das literarische Genre aufarbeitet: den Balkan, seine turbulente Geschichte und die Gegenwart sowie die Menschen und ihre Sorgen und Nöte in den zum Teil noch arg gebeutelten Ländern. Für mich war gerade der geschichtliche Aspekt und der Dreh- und Angelpunkt des Romans, das Massaker von Srebrenica, eine große Stärke der Erzählung und eine gelungene Hinführung zu weniger populären Kriminalschauplätzen. Aber die Geschichte dehnt sich. Und an manchen Stellen ist es fast unmöglich, den Gedankengängen und Worten noch mit voller Aufmerksamkeit zu folgen und man verfällt in eine Art des flüchtigen Lesens, wie man es Büchern eigentlich nicht angedeihen lassen möchten. Der Wille, Milena möglichst lebensnah darstellen zu wollen, verführt auch dazu, es ein wenig in Grau verkommen zu lassen, den Alltag zu trist malen zu wollen, selbst wenn der Mordfall ihre Tage mehr als turbulent gestaltet. Abwechslung bringen da spärlich gesäte Perspektivwechsel zu einer bis zum Ende hin unbekannten Person, die aber auf unerklärliche Weise mit dem Schicksal Milenas verbunden scheint. Das Rätsel um diese Unbekannte ist einer der spannendsten Punkte in »Kornblumenblau«, denn dem Leser wird das elementare Rätsel um den Tod der beiden Elitesoldaten recht schnell auf dem Silbertablett präsentiert und man ahnt auch, dass jedes Puzzlesteinchen in diesem Fall, dass Milena aufdeckt bis hin zum obligatorischen Showdown, zum Fall dazugehören zu scheint. Viel Knobelfreude wird da bei Lesern, die besonders das Mitraten bei Krimis schätzen, nicht aufkommen dürfen.   Dieser Roman ist auch eher eine Möglichkeit, in einem allseits bekannten und beliebten Genre das Land der Serben und deren Geschichte dem Leser näherzubringen. Und das ist ihm gelungen, wenn man besonders auf die Einbettung historischer Begebenheiten achtet und einen schön geschriebenen literarischen Führer durch Belgrad sucht. Trotz seiner Längen und Schwachstellen ist es eine solide Geschichte und so möchte ich trotzallem Schünemanns und Volić’ Roman »Kornblumenblau« zum Lesen empfehlen. Und wer mehr von der resoluten Serbin erfahren will, darf sich freuen, denn »Kornblumenblau« wird der Auftakt zu einer mehrbändigen Reihe um Milena Lukin sein.

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  • Verbrechen in Belgrad

    Kornblumenblau

    Fuhlsbuecher

    30. May 2013 um 16:37

    Krimis scheinen besonders gut geeignet zu sein, uns Lesern Regionen und Länder nahe zu bringen, von denen wir nicht so viel wissen. Wie dürfen wir uns das tägliche Leben in Belgrad vorstellen? Christian Schünemann und Jelena Volić beginnen nun eine neue Serie um die Juristin Milena Lukin. Auf dem Gelände einer Belgrader Kaserne kommen zwei Elitesoldaten unter ungeklärten Umständen zu Tode. Und schon bald zeigt sich, dass einflussreiche Stellen auch kein Interesse an einer Aufklärung haben. Haben die beiden Soldaten etwas gesehen, dass sie nicht sehen sollten? Auf Bitten eines befreundeten Anwalts beginnt Milena ihre Nachforschungen. Dazu wagt sie sich weit vor, auch auf militärisches Gebiet. Auf dem Rückweg wird sie verfolgt... Das Autorenduo beschreibt ein Land, das versucht, international wieder Anschluss und Akzeptanz zu finden. Alte Kräfte mit dunkler Vergangenheit wollen sich ihrer Schuld nicht stellen, auch neue Mächtige sind aber nicht immer an Offenheit interessiert. Dazwischen eine Handvoll Leute, die glauben, mit Aufklärung dem Land am besten helfen zu können. In diesem Krimi dürfen sie Erfolg haben. Hoffentlich ist das nicht all zu unrealistisch.

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  • Solide serbische Spannung

    Kornblumenblau

    hundertwasser

    03. April 2013 um 15:31

    „Kornblumenblau“ ist der Titel der ersten Kollaboration zwischen Christian Schünemann und Jelena Volic und die Farbe, die die serbischen Ehrengarde trägt. Diese Eliteeinheit steht im Mittelpunkt des Buches des deutschen Krimiautoren (er verfasste die Krimireihe um den Frisör Tomas Prinz) und der gebürtigen Serbin Jelena Volic. Basierend auf einem tatsächlichen Vorfall, der bis heute nicht geklärt ist, entwerfen die beiden Autoren eine Fiktion über die Geschehnisse, die sich damals zugetragen haben: Zwei Soldaten werden auf dem Kasernengelände der serbischen Stadt Topcider tot aufgefunden. Da den Machthabern dies natürlich missfällt, werden die beiden Morde als Selbstmord deklariert und verschwinden in den Akten. Dabei hat aber niemand mit Milena Lukin gerechnet, eine Serbin mit deutscher Staatsbürgerschaft. Diese versucht für den Anwalt Sisina Stojkovic Licht ins Dunkel der damaligen Ereignisse zu bringen, da die Familien der beiden Opfern den Anwalt mit der Aufklärung der damaligen Geschehnisse beauftragt haben. Dabei stößt Milena in den Filz aus Politik und alten Eliten hinein und erkennt schon bald, dass die Vergangenheit Serbiens auch auf die Gegenwart Auswirkungen hat. Ich muss gestehen, dass „Kornblumenblau“ die erste Lektüre aus beziehungsweise über Serbien war, die ich gelesen habe. Dabei bietet das Land wahrlich genügend Stoff für dutzende Romane. Geschickt fügen Schünemann und Volic in die Krimirahmenhandlung immer wieder kleine Exkurse über die politische Vergangenheit des Balkans und Serbiens ein. Schnell wird dem Leser klar, dass der Balkan auch nach den schrecklichen Kriegen und Scharmützeln immer noch ein explosives Fass der Ethnien ist. Leider kann die Handlung von „Kornblumenblau“ leider nicht so recht mit der Vielfalt Serbiens mithalten. Die Suche nach dem Mörder der Ehrengardisten wird ohne große Finten erzählt, dies würde aber auch nicht so richtig zur Protagonistin Milena Lukin passen. Diese ist eine sympathische Spürnase – und zugleich gestresste alleinerziehende Mutter, die sich daheim um Mutter und Sohn kümmern muss. Zugunsten deren Privatleben muss die Jagd nach dem oder den Mördern der Ehrengardisten zurücktreten. Fazit: „Kornblumenblau“ ist solide geschriebene Krimikost, die zwar das Rad nicht neu erfindet, dafür aber Einblicke in ein Land gibt, das auf unserem täglichen Radar meist nicht auftaucht. Zudem ist Milena Lukin eine originelle Ermittlerin, die aus „Kornblumenblau“ einen geerdeten Roman macht, der Potential für weiter Bände bietet. Kommentar Kommentar | Kommentar als Link

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