Christian Seidel

 3 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Die Frau in mir, Gewinnen ohne zu kämpfen und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Christian Seidel

Ich komme

Ich komme

 (1)
Erschienen am 22.01.2018
Die Frau in mir

Die Frau in mir

 (2)
Erschienen am 13.01.2014
Gewinnen ohne zu kämpfen

Gewinnen ohne zu kämpfen

 (2)
Erschienen am 28.03.2011
Gender-Key

Gender-Key

 (0)
Erschienen am 26.09.2016

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Rezension zu "Ich komme" von Christian Seidel

Meilenstein der Sachbuchliteratur & ein starkes Stück männlicher Emanzipationsgeschichte
Tintensportvor 3 Monaten

Ein Werk, das - lange nach den Standardwerken der 80er & 90er (wie der Prinzenrolle oder dem Eisenhans, zuletzt Himmel auf Erden und Hölle im Kopf) - eine große Lücke schließt und endlich einen Mann zeigt der beginnt wirklich zu sprechen, von sich, ganz persönlich, seinem Empfinden - ohne sich hinter Verallgemeinerungen zu verstecken.


Hier zeigt sich ein Mensch - wie Du und ich.

Ich bin übrigens eine Frau und der schönste Erkenntnisgewinn des Buches für mich ist: wir Geschlechter sind gar nicht so verschieden. Heureka! Ich habe es immer geahnt (und vermisst). Jetzt aber weiß ich es, bestätigt aus Männersicht!

Seidel ist ehrlich, in seinem Bericht, auf unprätentiöse Art. Er setzt Normen für eine neue Männlichkeit, zeigt wie mann sich vergegenwärtigen kann, wie es mann geht, mit ....
- seinen Sehnsüchten, wie seinen Verführbarkeiten
- auch seinen Verantwortungslosigkeiten
- seinen Verletzlichkeiten,
- seiner Lust, aber auch den sexuellen Problemen mit den Partnerinnen ...

Geglücktes soziales Lernen stellt in der männlichen Entwicklung eine massive Stolperschwelle dar. Davon kann jeder dort arbeitende & forschende Mensch Lieder singen. Fehlentwicklungen sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Ja man muss sie regelrecht als Massenphänomene begreifen, an denen letztlich die Welt krankt - volkswirtschaftlich, soziologisch, demographisch, politisch ... in jeglicher Hinsicht.
Wie schön hier von einem Mann zu lesen, der das nicht mehr verleugnen muss (nebst Zitaten und Belegen aus berufenem Munde, von männlichen Wissenschaftlern anbei), sondern konsequent weiterdenkt!

Hier liegt das eigentliche Verdienst des Buchs/Autors.

Der Autor ergeht sich in seinen Erzählungen nicht (wie in e. Rez. bei Amazon behauptet wird) in Exibitionismen. Er bedient sich der Biographiearbeit, dem narrativen Erforschen des Phänomens Sexualität und dessen Bedeutung für sein eigenes Leben, seine Beziehungen, sein Umfeld. Der Autor begreift sich als handelnden – wie auch irrenden Teil - der Welt, sieht sich notwendig im Gesamtkontext des Phänomens - die eigene Sexualität und die Welt -, anstatt sich aus seiner Verantwortung zu stehlen.

Das ist wohl Emanzipation im besten Sinne ... nämlich die noch immer ausstehende Ema(n)zipation des Mannes. Mein Gott, was war, ach quatsch, was IST die ü-b-e-r-f-ä-l-l-i-g !!!
Wäre der Großteil der Männer doch nur halb so weit, so offen, so klar. Was würde der Gesellschaft an Leid und Schmerz, Gewalt und Unrecht, Ausbeutung, Männerseilschaften und Machtgeschachere und ... und ... und ... erspart! Wer hier etwas Anderes behauptet, der sieht mit Scheuklappen Nachrichten.

Ich bin nicht der Meinung, dass Frauen per se gut sind .........
[Anbei: von Seidel zu lesen wie grobmotorisch und unoffen Frauen sind, wie sehr auch sie ihr Gegenüber traumatisieren können, etc. (dies jedoch geschrieben ohne seine Expartnerinnen vorzuführen – und das ist eine Leistung!), ich habs nicht für möglich gehalten wie unfähig in Sachen Beziehung/Sex auch Frauen sein kömnen. Aber das ist nur folgerichtig. Ich lasse mir das gerne sagen, ich bin sehr für die Wahrheit zu haben. Wissenslücken schließe ich immer gerne. Vorurteile lege ich nur allzugerne ab - weil echtes Lernen einfach das Beste ist , was einem denkenden Wesen passieren kann.]
..... doch die Definitionsmacht von Männern im Weltgeschehen, die Erfolgs-, und Unterdrückungsgeilheit - aber vor allem die chronische männliche Gefühlsunterdrückung und Sprachlosigkeit - die sind DAS Übel der Welt, seit Erfindung des Patriarchats.

Tjaaaa ... und wie das alles nun bloß mit diesen "Nebensachen" Orgasmus, Sex und so (von wegen Nebensachen!) zusammenhängt, das kann man hier wunderbar kurzweilig und persönlich, mit Herz und Verstand geschrieben, erfahren.

Natürlich könnte man sich das Buch auch rein auf die Lesart `Sex, Orgasmus und Co.´ zu Gemüte führen. Eine triftige Interpretation wäre auch `Die Sex-Industrie und wie sie unsere Sexualität korrumpiert´. Oder man liest das Thema "Mann – Frau" heraus. Oder … oder … oder. Doch das muss jede/r tun wie er/sie es versteht.

Ich nehme aus der Lektüre vor allem viel Psychologisches mit, das meiner Seele gut tut. Denn das große grausame Schweigen der Männer in meinem Leben - vielleicht (oder hoffentlich nur noch) symptomatisch für meine Generation - ist das Moment, gegen das mir eine solche Sprache das beste Heilmittel zu sein scheint.

FAZIT:
Unverzichtbar.
Überfällig.
Überragend - gerade in seiner scheinbaren Schlichtheit.

Ein wichtiges, für mich sogar ein heilsames Buch.

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Rezension zu "Die Frau in mir" von Christian Seidel

Nichts Neues
alascavor 5 Jahren

Nichts Neues
Christian Seidel hat in jedem Winter eine Bronchitis. Warum? Männerunterwäsche wärmt entweder zu gut, oder gar nicht. Was aber, wenn er Nylonstrümpfe unter der Hose trüge? Sein Ausflug in die Welt der schillernd vielfältigen Damenbekleidung fasziniert ihn dermaßen, dass er entschlossen ist, die Limitierungen seiner männlichen Existenz abzuwerfen. Damenkleidung muss her, samt künstlicher Doppel-D-Brüste, BH und Beinrasur.

Um es gleich ganz klar zu sagen: Seidel ist während seines Experiments nie wirklich als Frau durchgegangen. In Stilettos über 1,95 groß und mit seiner transig-tussig aufgebrezelten Erscheinung ist er allerspätestens auf den zweiten Blick als Grenzgänger zwischen den Geschlechtern erkennbar. Die Reaktionen, die er bekommt, sind also keine auf sein Frau-Sein, sondern auf seine Grenzüberschreitung. Dass Frauen neugierig und Männer irritiert bis feindselig reagieren, hat mich nicht überrascht. Auch nicht, dass seine Frau Probleme hat, diese Entwicklung zu verkraften – Chapeau für ihre Toleranz.

Immerhin war ich fasziniert zu lesen, dass ein Mann tatsächlich ein solches Experiment gewagt hat. Seidel berichtet euphorisch über sein neues weibliches Körpergefühl und ist begeistert von der emotionalen Offenheit, mit der Freundinnen miteinander umgehen. Seine Identifikation geht so weit, dass sogar sein Testosteronspiegel sinkt, etwas, das mich an seiner Stelle alarmiert hätte.

Seinem originellen Ansatz zum Trotz sind die Erkenntnisse, die er gewinnt, nicht neu. Dass Männer in ihrer Rolle wesentlich limitierter sind als sie selbst wissen. Dass Frauen emotional freier sind als Männer. Dass Männer ihre „weiblichen“, sprich anlehnungsbedürftigen Anteile nicht zulassen, weil sie fürchten, ihrer Männlichkeit verlustig zu gehen. Dass die Frau die biologische Urform ist. Dass dennoch auch Weiblichkeit ein Konstrukt ist. Dass Frau sich verbiegen muss, um in der männlich geformten Welt zu bestehen. Dass in der Sexualität erschreckende beiderseitige Unkenntnis herrscht, weil Mann und Frau zu wenig miteinander reden. Das alles, sorry, weiß, wen´s interessiert, schon lange. Nach einem nächtlichen Überfall auf „Christiane“, dessen er sich mit männlicher Kraft erwehren kann, geht Seidel immerhin auf: „Nein, wie es wirklich für eine Frau ist, weiß ich nicht.“

Das sehe ich auch so, denn: Haben Frauen wirklich keinen Leistungsdruck? (Wie bitte?!) Haben sie wirklich weniger zu tun als Männer, weil Männer ihnen die Türen aufhalten und heruntergefallene Handtaschen aufheben? (Wollen Sie uns verarschen?) Kann frau in High Heels dauerhaft schmerzlos wandeln? (Mitnichten!) Ist es wirklich so toll, dem zeitaufwändigen weiblichen Gepflegtheitsanspruch genügen zu müssen? (Wohl kaum.) Konkurrieren Frauen wirklich nicht miteinander? (Blödsinn!) Seidels Idealisierung der weiblichen Welt und vor allem seine Konzentration auf das Äußere ging mir über weite Strecken ziemlich auf die Nerven.

Am Ende deduziert Seidel Forderungen aus seinen Erfahrungen, die erstmal verwirren. Was soll das heißen, wenn er sagt, Männer sollten nicht mehr Anrecht auf Jobs haben als „den Umfang ihres gesellschaftlichen Anteils“? Meint er den demografischen Anteil? Der wäre 49 Prozent per 2009. (Wäre es der gesellschaftliche Anteil, z. B. 96 Prozent in Firmenvorständen per 2012, so würde der Status quo zementiert.) Geregelt werden soll dies von einer überparteilichen Frauenorganisation. Ein schöner Traum. Seidels Fazit: „Die Männer werden sich nie von allein bewegen. Sie werden immer ihr Spiel spielen.“

Erzählen Sie mir was Neues, Herr Seidel.

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