Christian Sidjani Stillmanns Münzen

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Inhaltsangabe zu „Stillmanns Münzen“ von Christian Sidjani

Kannst du deinen Augen vertrauen? Michael Martens glaubt an einen nächtlichen Begleiter, der ihm seit Jahren Geschichten diktiert. Zwischen Wahn und Realität entdeckt er Zusammenhänge in Zufällen, die mit der Zahl 1973 verbunden sind. Bei seinen Recherchen stößt er auf beängstigende Parallelen zu einer Geschichte, die sich nicht sein Begleiter sondern er sich selbst ausdachte. Alles erscheint nun miteinander verbunden und ein hagerer Mann wird zu seinem Zentrum. Michael nennt ihn Stillmann... "Tiefsinnige und sehr anspruchsvolle Unterhaltung für Fans von Schauergeschichten." -Claudia Junger, Krimi & Co Über den Autor: Christian Sidjani, geboren 1976 in Hamburg, schreibt seit 25 Jahren Kurzgeschichten, Romane und Erzählungen, vorwiegend in den Genres Horror, Mystery und Noir. Er ist Soziologe und wohnt mit seiner Frau in jener Stadt, die stets der Handlungsort seiner Geschichten ist, im Stadtteil Barmbek, „aus dem es kein Entkommen gibt“. Stillmanns Münzen ist eine Novelle aus der Reihe Hamburg Horror Noir. Dieses Ebook ist nun in der 2., überarbeiteten Auflage und enthält eine Leseprobe zu "Der mittlere Turm". Ebenfalls erhältlich: - Patrick: Eine finstere Erzählung - Blanks Zufall: Roman (Quelle:'E-Buch Text/15.03.2013')

Anspruchsvoll und spannend!

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  • großartig, dieses literarische Spiel

    Stillmanns Münzen

    Ariela

    24. August 2013 um 12:36

    Von diesem Autor wurde bereits ein anderer kurzer Text hier mit fünf Sternen rezensiert, die er für “Stillmanns Münzen”, eine Schauernovelle, von mir wieder bekommt. Gleich ab dem Prolog hat man das Gefühl, es mit einem Profi des Genres zu tun zu haben, mit einem Profi des geheimnisvollen Erzählens. Seinen Ellipsen kann man als Leser vertrauen, hier schreibt einer, der weiß was er tut und wann er die Informationen rausrückt, die er zum gelungenen Spannungsaufbau vorenthält. Die narrative Strategie kurz benannt ist das Spiel mit der mise en abyme, eine Geschichte, die sich selbst noch einmal erzählt (die Geschichte in der Geschichte, im Drama bekannt als play in the play). Der namenlose Ich-Erzähler der Rahmenhandlung beschreibt sich selbst als “sozial verstört”, studiert, scheint ohne Sozialkontakte zu leben, ohne Ziel vor allem und flüchtet sich desillusioniert und unglücklich in das Geschichtenerzählen. Sein Arbeitsplatz, das Kino, für den Erzähler eine in sich abgeschlossene und nach außen hin abgeschottete Welt, zu dessen Inventar er werden will, ist gleichzeitig Hauptschauplatz der Erzählung, ein Platz, an dem wieder Geschichten erzählt werden und an dem der Erzähler seine eigenen Inspirationen erhält. Die Inspirationsquelle ist aber nicht etwa die dort gezeigten Filme, sondern sein persönlicher Begleiter und Gesprächspartner, der Tod. Die Geschichten, zu denen dieser Begleiter den Ich-Erzähler inspiriert, sind die vom Ende des Menschen, vom Ablauf der individuellen Zeit. Wenn der Erzähler über sich sagt: “Wie im Wahn schreiben, nenne ich das”, sollte man ihn dafür ernst nehmen. Denn dann wird der intradiegetische Erzähler der Rahmenhandlung (Erzähler auch an Handlung teilnehmende Figur) zum extradiegetischen Erzähler der Binnenhandlung (Erzähler nur noch Erzähler, nimmt an Handlung nicht mehr teil) um Michael, eine vom Ich-Erzähler erfundene Figur, die ihrerseits genau wie der Ich-Erzähler in einem Kino arbeitet, in dem selben sogar wie der Ich-Erzähler “oder einem genauen Abbild dessen”.  ”Ich nenne ihn Michael”, kündigt der Erzähler an, dekonstruiert in metafiktionalen Kommentaren immer wieder das Erzählen als künstliche Produktion und seine Abhängigkeit von Wahrnehmungscodes (die man “aus klassischen Situationen (…) aus einigen Filmen” kennt) und deklariert auch seine Unsicherheiten als Autor über jenen Erzählvorgang, den er zum ersten Mal ohne die Anleitung durch den Tod unternimmt. Die Binnenhandlung wird dabei zum Abbild der Rahmenhandlung, zum Spiegelbild, das sich selbst spiegelt. Was der Spiegel zurückwirft, produziert wiederum Unsicherheit im Ich-Erzähler über seine Welt, die er zunehmend auch als Erzählung begreifen will: “die perfekte Traumfrau”, die “wie ausgedacht wirkt”, die vom Erzähler künstlich hergestellten Zusammenhänge, die seiner Meinung nach das Gehirn braucht, “um Eindrücke zu ordnen”, die zunehmende Interpretation von Zufällen als Hinweise auf etwas. Die Wohnung des Erzählers und der erzählten Figur unterscheiden sich nur durch Anwesenheit bzw. Abwesenheit eines Schreibtischs, der Ort an dem in der ersten Erzählebene die Geschichte der zweiten Ebene entsteht, wobei die zweite Ebene die erste Ebene aufnimmt und weiterführt. Zum Beispiel in der Erscheinung des hageren Mannes von der Bahnhaltestelle, der per künstlerischer Entscheidung von der ersten in die zweite Ebene getragen wird und dort eine Mystik verliehen bekommt, die der Ich-Erzähler ihm in seiner realen Welt nur künstlich andichten kann. In allem ähnelt Michael dem Ich-Erzähler, selbst wenn der Erzähler das Leben der Figur für erbärmlicher hält als sein eigenes es ist. Im Finden einer zweiten Münze aber, gehen ihre Geschichten auseinander, wird die eine Geschichte fantastisch und übertrumpft die andere an Mystik und Spannung. Hier, in der zweiten ist jene Dramatik erzählt, die in der ersten nicht recht aufkommen will, in der ersten, die eben Leben ist, das in seiner Erzählbarkeit Grenzen hat. Da wird Dunkelheit durch Stromausfall produziert, wo in der zweiten Ebene Blindheit herrscht, da geht der hagere Mann am Haus vorbei, wo er in der zweiten Eben ins Haus eindringt und im Erzählen an sich besteht für den Erzähler die Gefahr, sich im Vermischen der Ebenen zu verlieren. Jenseits dieses literarischen Spiels, dem zu folgen Teil des Lesegenusses ist, arbeitet der Autor gekonnt mit Sprache, mit Andeutung und Auslassung, um gut lesbare Spannung zu erzeugen. Eigentlich geschieht gar nicht viel, aber als Michael sich die Münzen auf die Augen legt, hält man dennoch den Atem an, ebenso wie beim stromausfallbedingten Fahrstuhlstopp, bei dem man auf eine Wende im Leben des Ich-Erzählers hofft. Noch nach Beendigung der Lektüre wird man vielleicht eine Weile über den Zusammenhang von Dunkelheit, Blindheit, unbemerkten Begabungen und der Gabe des Sehens nachdenken und selbstverständlich den Tod als seltsamen Begleiter. Der Text, der jenseits des Mainstreams einzuordnen ist, endet ambivalent, passend zur mise en abyme, die nicht endet, nicht enden muss – man könnte es mit dem Kinderlied “Ein Mops kommt in die Küche” vergleichen, um die Struktur der Weiterführung plakativ zu machen. Der Text endet, die Geschichte aber… Und wenn es weitergehen würde, wäre ich noch immer gespannt, was aus dem Ich-Erzähler wird, der sich selbst zum Schluss ein Versprechen gibt. Die Originalrezension wurde für den Blog Autorenfreiheit. Die Seite für unabhängige Literatur erstellt www.autorenfreiheit.de

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  • Des Autoren Geschichte in des Autoren Geschichte

    Stillmanns Münzen

    Kerry

    21. July 2013 um 17:59

    Er ist ein Einzelgänger, dessen Leben sich hauptsächlich in seiner Wohnung und in einem Kino abspielt, denn in seiner Wohnung lebt er, schaut Fernsehen oder schreibt Geschichten und im Kino arbeitet er, wobei das Kino seine Welt ist. Er ist namenlos und wird es auch in dieser Geschichte bleiben - denn er ist nicht wichtig, dass was er zu erzählen hat, schon. Er hat schon viele Geschichten geschrieben, ja eigentlich schon immer, doch dabei ist er fast nie allein - er hat einen Co-Autoren, den stillsten überhaupt, den Tod. Nun wird er eine Geschichte schreiben, über einen Quarter-Dollar aus dem Jahr 1973, den er selbst ebenfalls besitzt - sein kostbarster Besitz und eine große Entscheidungshilfe für ihn. Und so beginnt er, die Geschichte von Michael und der Münze nieder zu schreiben und was es damit auf sicht hat. Michael arbeitet genau wie er in einem Kino, genau wie er liebt er Filme und genau wie er wohnt er in einer kleinen Wohnung und ist ein Einzelgänger. In der Geschichte findet Michael einen Quarter-Dollar von 1973, sein Leben verläuft ganz ähnlich dem von ihm, doch bald wird sich Michaels Leben drastisch ändern, denn ihm wird das Glück zu Teil, dass das Schicksal ihm einen zweiten Quarter-Dollar des Jahres 1973 zuspielt. Doch welche Folgen das Zusammentreffen dieser zwei Quarter-Dollar aus dem Jahre 1973 hat, ist zunächst nicht absehbar, aber Michael lernt schnell. Das er nur zufällig den zweiten bekommen hat, ist eigentlich kaum zu glauben, vielmehr war er dazu bestimmt, diese Beiden zu besitzen, zu viele Zufälle weisen in seinem Leben auf das Jahr 1973 hin, das Jahr, in dem die beiden Dollar gefertigt wurden, doch mit dem Einzug des zweiten Dollars in seinem Leben, zog auch ein Feind mit ein, der alles dafür tun würde, Michaels wertvollsten Besitz in seinen eigenen zu verwandeln. Des Autoren Geschichte in des Autoren Geschichte! Der Plot wurde sehr detailliert erarbeitet und so überzeugend, dass ich anfangs leichte Probleme hatte herauszubekommen, was mir der Autor erzählt und was der Protagonist. Der Protagonist und dessen Protagonist Michael sind von ihrer Art her fast identisch und ich muss gestehen, ein solches Leben würde ich nicht führen wollen. Sicherlich sind die jeweiligen Protagonisten zufrieden mit ihrem Leben, doch kann das jeweils alles gewesen sein? Die Arbeit, das einsame Zuhause und die Fixierung auf eine Münze aus dem Jahr 1973? Fest steht, die Protagonisten wirken nicht unglücklich, lassen aber Zweifel zurück, ob sie zu wahrem Glück fähig sind und dennoch, wurden sie sehr tiefgründig erarbeitet, sodass der Leser ihnen jeweils in den Kopf schauen kann. Den Schreibstil empfand ich als fordern, aber angenehm zu lesen. Dieses Buch ist definitiv keine Nebenbei-Lektüre, nein, sie regt zum Nachdenken an, zum Nachdenken über sein eigenes Leben, die Welt in der wir Leben und das ganze Drumherum und ganz ehrlich, wie viele mögen sich in den Protagonisten wiedererkennen?

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  • Anspruchsvoll und spannend

    Stillmanns Münzen

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    02. June 2013 um 18:50

    Der Autor Christian Sidjani erzählt gekonnt eine zunächst seltsame Geschichte, die sich zum Ende hin immer mehr als tiefsinnige, vielschichtige Mysterystory entpuppt. Ich möchte auf jeden Fall zum besseren Verständnis erwähnen, dass es sich hierbei um eine "Geschichte in einer Geschichte" handelt. Ist man sich als Leser nicht darüber im Klaren, könnte das zu Verständnisproblemen führen. Eines darf der Leser allerdings bei dieser Story nicht: Auf gar keinen Fall auch nur ein einziges Wort überlesen. Ganz klare Leseempfehlung! Fazit: Tiefsinnige und sehr anspruchsvolle Unterhaltung für Fans von Schauergeschichten.

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