Christian Stahl In den Gangs von Neukölln

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Inhaltsangabe zu „In den Gangs von Neukölln“ von Christian Stahl

Die Wut ist Yehyas Sucht. Die Kriminalität seine Droge. Was er braucht, ist Entzug. Aber in den Gangs von Neukölln sind alle auf dieser Droge. Mit dreiundzwanzig hat Yehya E. eine eindrucksvolle Karriere hinter sich: Sohn palästinensischer Flüchtlinge aus dem Libanon, die erste Straftat mit sieben, Einser-Schüler und Tyrann an der Rütli-Schule, mit 15 Boss von der Sonnenallee. Drei Jahre Gefängnis, dann Vorzeige-Aussteiger aus der kriminellen Szene, Streitschlichter in Neukölln, Liebling der Politiker. Er scheint es geschafft zu haben. Plötzlich der Rückschlag. Wer hat versagt? Schonungslos und kritisch erzählt Christian Stahl von einer steilen kriminellen Karriere und dem schwierigen Weg des Ausstiegs, der jederzeit scheitern kann. Ein ebenso einzigartiger wie intimer Bericht über das kriminelle Leben in der parallelen Welt von Neukölln jenseits der Klischees des deutschen Boulevards.

Sollte jeder lesen! Sehr persönlich und trotzdem mit der nötigen Distanz erzählt. Berührt, öffnet einem die Augen!

— franziskaberit
franziskaberit

Eindrucksvoller Einblick in eine Welt, die den meisten Menschen leider verschlossen bleibt, was zu fatalen Missverständnissen führt!

— MiraBerlin
MiraBerlin

Ein Blick in das "andere" Neukölln - für mich eine neue Perspektive auf meinen eigenen Bezirk.

— WunderKind90
WunderKind90

Authentisch, erschreckend und einfühlsam! Ein Bericht, der zum Nachdenken und Hinterfragen anregt.

— CanYouSeeMe
CanYouSeeMe

Ein verblüffend ungeschminkter und damit lesenswerter Einblick in ein anderes Deutschland, das der Straße, der Kriminalität u. der Ausländer

— seschat
seschat

Ein absolut lesenswertes Buch, das die Hintergründe zum medienbekannten Intensivstraftäter Yehya E. aufzeigt.

— Lesemaus_im_Schafspelz
Lesemaus_im_Schafspelz

Glaubhafter, authentischer Bericht über ein aktuelles Thema unserer Gesellschaft, das mehr Information und Aufklärung fordert.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • "Der Boss von der Sonnenallee"

    In den Gangs von Neukölln
    WunderKind90

    WunderKind90

    Ich habe dieses Buch bei einer Leserunde gewonnen und mich sehr darüber gefreut. Ich wollte besonders gerne mitlesen da ich selber in Neukölln wohne. Ich war daher natürlich besonders gespannt auf die Geschichte, die hier erzählt wird. Ich kann vorab sagen, dass ich das Buch sehr gerne gelesen habe. Man merkt, dass der Autor Christian Stahl sich intensiv mit der Geschichte von Yehya E. aber auch mit der politischen Lage in Deutschland beschäftigt hat. Zwar sagt der Autor zu Beginn des Buches, dass er sicherlich nicht objektiv berichten kann sondern eine subjektive Sicht auf die Dinge hat - ich fand aber, dass der Autor doch sehr rational und objektiv urteilen konnte. Er beschönigt in diesem Buch nichts und in meinen Augen liegt auch kein Schwarz-Weiß-Denken vor, das man in den Medien sonst leider oft findet. Weder sieht der Autor den Jungen als ausschließliches Opfer noch als ausschließlichen Täter. Ich fand es sehr gut und angenehm, dass der Autor diese Haltung einnehmen konnte. Ich finde dem Autor ist es sehr gut gelungen darzustellen wie das Zusammenspiel der deutschen Asylpolitik und dem Charakter von Yehya zu der unvermeidlichen Entwicklung führte. Es ist sehr interessant sich gemeinsam mit dem Autor auf eine Reise in die Parallelwelt Neukölln Nord zu begeben - ich konnte so meinen eigenen Bezirk doch noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive heraus kennenlernen (Neukölln hat über 300.000 Einwohner - wenn man nicht in Neukölln Nord lebt, bekommt man eher weniger davon mit). Möglicherweise werde ich nun aber mit anderen Augen durch Neukölln laufen. Fazit: ein absolut empfehlenswertes Buch!

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    • 2
    schmoeker-rike

    schmoeker-rike

    23. November 2014 um 18:59
  • Leserunde zu "Wut: Plädoyer für ein verpöntes Gefühl" von Heidi Kastner

    Wut: Plädoyer für ein verpöntes Gefühl
    Verlag_Kremayr-Scheriau

    Verlag_Kremayr-Scheriau

    Darf Wut sein? Ja, sie soll sogar   Worum geht's? In unserer Gesellschaft ist Wut, diese heftige Gefühlsregung, geächtet und negativ bewertet. Sehr zum Schaden für ein gelingendes Zusammenleben. Denn wer dieses Gefühl immer im Zaum hält, schafft sich andere Ventile: Zynismus, der beleidigt und entwertet; psychosomatische Erkrankungen; chronisches Gekränktsein; oder der lange zurückgehaltene Wutstau entlädt sich in einem fatalen Affektdelikt. Heidi Kastner weiß als Gerichtspsychiaterin nur zu genau, wohin Wut führen kann, wenn sie nicht ins Alltagsleben integriert ist. Anhand von Fallbeispielen und Rückgriffen auf Psychologie und Geschichte zeigt sie, wie sich die Spielregeln im Umgang mit Wut im Lauf der Zeit geändert haben und in welch engem Korsett der Gefühlsäußerungen wir heute leben. Das Buch ist ein Plädoyer für die Geradlinigkeit des Ausdrucks und die Anerkennung der eigenen Emotionen – der „guten“ wie der „bösen“. Denn, so schrieb schon der französische Philosoph Montaigne: „Alle offen zutage tretenden Laster sind weniger schlimm; am gefährlichsten werden sie, wenn sie sich unter dem Mantel seelischer Gesundheit verstecken.“ Wie wahr! Erscheinungstermin: 8. Oktober 2014   Heidi Kastner geboren 1962 in Linz, ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Seit 1997 Gerichtspsychiaterin; Aufbau und Leitung dreier forensischer Nachbetreuungsambulanzen; seit 2005 Chefärztin der forensischen Abteilung der Landesnervenklinik Linz; Gerichtsgutachterin für Strafrecht. Mehrere Buchveröffentlichungen. >> Informationen zum Buch Leseprobe: Wut als Charakterzug? Jeder kennt und keiner liebt sie: Menschen, die bei geringstem Anlass unverhältnismäßig heftig reagieren, die sofort die Beherrschung verlieren oder meinen, dass Beherrschung einen Aufwand erfordere, den sie sich selbst lieber nicht zumuten möchten. In der distanziert-formalen Sprache derjenigen Wissenschaften, die sich mit psychischen Phänomenen befassen, handelt es sich bei solchen Personen um Menschen mit hoher Impulsivität, womit ein weiterer „technischer Begriff“ benannt ist, mit dem wir Emotionen anderer distanziert-emotionsfrei etikettieren. [...] Bewerbung zur Leserunde: Wenn ihr mehr über die Macht der Wut erfahren wollt, dann bewerbt euch bis einschließlich 5.10.2014 für eines von 15 Leseexemplaren von "Wut: Plädoyer für ein verpöntes Gefühl". Sagt uns, wie ihr mit eurer Wut umgeht und auf welchen Plattformen ihr eure Rezension veröffentlichen werdet. Dafür könnt ihr gerne das Unterthema "Bewerbung" verwenden. Eine baldige Beteiligung an der Leserunde sowie das Schreiben einer Rezension sind gewünscht! Natürlich sind auch alle LeserInnen mit einem eigenen Exemplar herzlich eingeladen, an unserer Leserunde teilzunehmen. Wir freuen uns auf eure Teilnahme! > Besucht unsere neue Webseite! www.kremayr-scheriau.at > Folgt uns auf Facebook und Twitter und verpasst keine Neuigkeiten und Buchverlosungen mehr.

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  • In den Gangs von Neukölln

    In den Gangs von Neukölln
    CanYouSeeMe

    CanYouSeeMe

    Die Wut ist Yehyas Sucht. Die Kriminalität seine Droge. Was er braucht, ist Entzug. Aber in den Gangs von Neukölln sind alle auf dieser Droge. Mit dreiundzwanzig hat Yehya E. eine eindrucksvolle Karriere hinter sich: Sohn palästinensischer Flüchtlinge aus dem Libanon, die erste Straftat mit sieben, Einser-Schüler und Tyrann an der Rütli-Schule, mit 15 Boss von der Sonnenallee. Drei Jahre Gefängnis, dann Vorzeige-Aussteiger aus der kriminellen Szene, Streitschlichter in Neukölln, Liebling der Politiker. Er scheint es geschafft zu haben. Plötzlich der Rückschlag. Wer hat versagt? Schonungslos und kritisch erzählt Christian Stahl von einer steilen kriminellen Karriere und dem schwierigen Weg des Ausstiegs, der jederzeit scheitern kann. Ein ebenso einzigartiger wie intimer Bericht über das kriminelle Leben in der parallelen Welt von Neukölln jenseits der Klischees des deutschen Boulevards. Ich stand ‘In den Gangs von Neukölln‘ zunächst etwas kritisch gegenüber, ich komme selbst aus Berlin, kenne Neukölln und die dortigen Gepflogenheiten gut. Ich weiß auch, wie viele verschiedene Standpunkte es zu der Situation in Neukölln gibt, die Yehya E. zum Teil widerspiegelt. Dieses Buch ist, ganz ohne Frage, ein polarisierendes Werk, das zum Nachdenken und Hinterfragen anregt. Christian Stahl hat es jedoch gleich zu Beginn der Lektüre geschafft einen eindringlichen und authentischen Erzählstil zu wählen, so dass der Leser von Beginn an in der Geschichte drinnen ist. Mir gefiel der Aufbau des Buches auch sehr gut, es war nicht alles chronologisch angeordnet, einige Dinge wurde vorweg genommen, andere zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen. Dadurch entstand meiner Meinung nach ein sehr lebendiges Lesegefühl und die Atmosphäre des Buches passte zum dargestellten Inhalt. Christian Stahl hat Yehya E. zehn Jahre begleitet, da bleibt die Objektivität natürlich außen vor. Daher hat Christian Stahl eine bewusst subjektive Perspektive gewählt, durch welche sich der Leser besonders mit emotionalen Faktoren konfrontiert sieht. Denn eins ist das Buch unausweichlich: emotional. Es wurde nicht versucht die Taten zu beschönigen oder zu rechtfertigen – das ist auch nicht das Ziel des Buches. Hier wurde ein Tatsachenbericht geschrieben, der trotz der Subjektivität, oder grade deswegen, erschreckend einfühlsam und authentisch ist, der zum Nachdenken und Diskutieren anregt, der aufwühlt und noch lange im Gedächtnis bleibt.

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    • 3
  • Leserunde zu "In den Gangs von Neukölln" von Christian Stahl

    In den Gangs von Neukölln
    Hoffmann_und_Campe_Verlag

    Hoffmann_und_Campe_Verlag

    Die Wut ist Yehyas Sucht. Die Kriminalität seine Droge. Was er braucht, ist Entzug. Aber in den Gangs von Neukölln sind alle auf dieser Droge.  Mit dreiundzwanzig hat Yehya E. eine eindrucksvolle Karriere hinter sich: Sohn palästinensischer Flüchtlinge aus dem Libanon, die erste Straftat mit sieben, Einser-Schüler und Tyrann an der Rütli-Schule, mit 15 Boss von der Sonnenallee. Drei Jahre Gefängnis, dann Vorzeige-Aussteiger aus der kriminellen Szene, Streitschlichter in Neukölln, Liebling der Politiker. Er scheint es geschafft zu haben. Plötzlich der Rückschlag. Wer hat versagt?  Schonungslos und kritisch erzählt Christian Stahl von einer steilen kriminellen Karriere und dem schwierigen Weg des Ausstiegs, der jederzeit scheitern kann. Ein ebenso einzigartiger wie intimer Bericht über das kriminelle Leben in der parallelen Welt von Neukölln jenseits der Klischees des deutschen Boulevards. In "In den Gangs von Neukölln" beschreibt der Journalist Christian Stahl das Leben von Yehya E., den er mehrere Jahre lang für die Dokumentation "Gangsterläufer" begleitet hat. Gemeinsam mit dem Leser geht er den Ursachen für dessen Verhalten auf den Grund und sieht hilflos zu, wie ein vielversprechender Charakter an den deutschen Gesetzen scheitert.  Am 16. September erscheint "In den Gangs von Neukölln" und zusammen mit dem Autor laden wir Euch zu einer Vorab-Leserunde und gemeinsamen Diskussion ein. Ihr könnt Euch bis einschliesslich 14. September hier dafür bewerben!  Christian Stahl, geboren 1970 in Köln, ist gelernter Journalist, hat in Bonn und Oxford Literaturwissenschaft und Geschichte studiert und viele Jahre beim Radio und Fernsehen gearbeitet. 2005 gründete er eine Agentur für Kommunikation. Christian Stahl dreht Filme, coacht, lehrt andere, ihre Geschichten zu erzählen, und erzählt selbst. Facebookseite von Christian Stahl +  Sein Dokumentarfilm "Gangsterläufer" hat mehrere Preise erhalten und gibt bereits einen Einblick in das Leben des Yehya E.:

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    • 149
  • Ein Buch das nachdenklich macht

    In den Gangs von Neukölln
    michaela_sanders

    michaela_sanders

    26. October 2014 um 19:39

    Das Buch handelt um einen Tatsachenbericht. Der author, ein Journalist erzählt vom leben des yehya, einem Jugendlichen der aus dem Libanon als Baby nach Deutschland kam, und nun immer noch im Asyl verfahren hängt und immer noch nur geduldet ist, mit all den verbundenen Schwierigkeiten, wie z.b. Sich nicht frei bewegen zu können und nicht das Abitur machen zu dürfen. Der author deckt zusammenhänge zwischen den Straftaten des yehya und den Bedingungen unter denen er zu leben hat, auf. Er stellt da wie das asylgesetz den Jugendlichen seine Position erschwert und wie der Reiz der Kriminalität, des schnellen Geldes, des Wohlstands in mitten all der Einschränkungen immer größer wird. Die Darstellung der verschiednen Behörden und stellen und deren Einfluss auf yehya leben ist beeindrucken und detailliert geschildert. Viele Gedanken sind mir neu und haben mir die Augen geöffnet, für neue zusammenhänge und Beziehungen. Dafür bin. Ich sehr froh. Allerdings hat das Buch auch einige Schwächen, wenn gleich die Botschaft für mich sehr wichtig ist, und meines Erachten von möglichst vielen Menschen gelesen werden sollte. Im Klappentext heißt es "Wut ist yeyas antrieb, die Kriminalität seine Drogen.". Mit dieser Informationen hätte ich auf einen Einblick in yehyas Psyche erhofft. Leider bleibt die Psyche sehr unbeleuchtet, warum die Wut oder der Hass in yehya aufflackert bleibt für mich ungeklärt. Viel mehr scheint es so, dass yehya aus andern gründen wieder zurück in die Kriminalität fällt ( keine Chance in normalen leben, Außenseiter in der Clique, wünsch nach schnelle Geld) , seine Wut ist nicht das übermäßig treibende. Zudem finde ich das der author sich zu sehr in den Mittelpunkt stellt, er beschreibt seine Psyche viel besser. Er stellt da, warum er handelt wie er handelt. Mich nervt das an mehreren stellen, z.b wenn er die Preise die er mit dem Film einfährt detailliert beschreibt. Das interessiert mich in einem Buch über yehyas leben nicht sonderlich. Außerdem sehe ich in yehya angeblichen vorzeige Karriere als etwas ziemlich künstliches, nur weil der author den jungen zufällig ausgewählt hat, um ihn zu puschen, heißt das ja noch lange nicht, das er ohne dieser zusätzlichen Zuwendung auch so eine "gute" ausgangschance hatte. Als dann doch nichts aus diesem Projekte es authors wurde, lag es dann plötzlich nur noch an den ausländerbehörden und den Schwierigkeiten die yehya von außen zu erleiden hat. Dieser Eindruck bekomme ich eben dadurch, das die author sehr aus seiner Sicht schreibt und nicht wirklich in der Psyche von yehya sucht. Ich hätte mir weniger vorwürfe ( z.b. Gegen die ausländerbehörden, asylbehörde) und mehr reflektion gewünscht, Warum es zu den einzelnen Straftaten kommt.

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  • Wieso fühlt sich niemand verantwortlich?

    In den Gangs von Neukölln
    MiraBerlin

    MiraBerlin

    19. October 2014 um 15:21

    Inhalt Die Wut ist Yehyas Antrieb. Die Kriminalität ist seine Droge. Was er braucht, ist Entzug. Aber in den Gangs von Neukölln sind alle auf dieser Droge. Yehya E. ist ein sogenannter Intensivstraftäter, dessen Intelligenz, Charme und Energie verblüffen und erschrecken: zwischen kindlichen Gangsterträumen, vom Krieg traumatisierten Eltern und dem Wunsch nach Normalität in Deutschland lebt Yehya E. ein zerrissenes Leben. Jeder hat schon einmal Vorurteile über Ausländer gehört und manche scheinen sich teilweise ja auch zu bestätigen. Das besagen auch viele Statistiken. Aber woran liegt das? Genau danach sucht Christian Stahl in diesem Buch Antworten mit schockierendem Ergebnis: denn der deutsche Staat ist teils selbst schuld, dass die Ausländer nichts für ihn tun können, einfach weil sie die Erlaubnis dazu nicht erlangen. Damit wäre das Problem für die Ausländer geklärt. Aber das Problem der Gesellschaft ist das weit verbreitete Unwissen über die Beschlüsse bezüglich von Flüchtlingen. Die wenigsten Menschen wissen, was eine Residenzpflicht überhaupt ist, obwohl dies das Leben der Flüchtlinge massiv bestimmt. Aber wie kann es soweit kommen? Niemand wird gezwungen, kriminell zu werden. Das Problem ist aber, dass sich der Hass der Ausländer gegen die deutschen Behörden und so gegen das System richtet. Zurück können sie nicht, da sie keine Heimat mehr haben. Sie machen ihrem Ärger durch Straftaten Lust und bestätigen damit viele Deutschen wieder, indem sie die Vorurteile erfüllen. Natürlich gibt es auch viele Ausländer, die nicht auffällig werden bei Straftaten, aber dennoch gibt es erschreckend viele kriminelle Ausländer. Um das Denken dieser kriminellen Jugendliche zu verstehen, ist dieses Buch perfekt geeignet, weil es ein Einblicke in das Leben eines solchen Menschen bietet: natürlich ist das Buch sehr subjektiv geschrieben, da der Schwerpunkt auf der Sicht der Ausländer liegt, aber dennoch kommen auch die Behörden und die deutschen Politiker zu Wort. Es ist kein Buch, das aufzeigt, wie schrecklich Deutschland doch ist, sondern es ist ein Buch, das aufzeigt, was für Missstände es in Deutschland gibt, für die sich aber niemand zuständig zu fühlen scheint. Es zeigt, dass jedes System seine Schwächen hat und dass man vor allem in dieser Richtung die Bestimmungen nochmal überarbeiten sollte.   Auch in das Gefängnisleben man einen guten Einblick, da Stahl Yehya dort auch immer besuchte. Das Besondere ist, dass er ihn niemals aufgibt. Egal, was auch passiert, er hält weiterhin zu ihm und unterstützt auch seine Familie. Das finde ich zutiefst bewundernswert und zugleich auch in gewisser Weise sukrill. Christian Stahl ist nicht einfach nur ein Journalist. Er selbst war der Nachbar von Yehya und begleitete ihn so schon früh in seinem Leben. Yehya beschreibt ihn selbst auch als Freund und sieht in ihm nicht nur ein Mittel zum Zweck, über das er sich vermarkten kann. Gerade durch diese intensive Beziehung der beiden fällt es dem Leser leichter, Yehyas Gedankengänge in gewisser Weise nachvollziehen zu können, da auch ihm Ungerechtigkeit widerfährt. Sein Potenzial, welches er in der Schule beweist, wird nicht unter den Teppich gekehrt, sondern wiederholt betont. Stahl möchte zeigen, dass es Schwachsinn ist, ein Problem zu lösen, indem man versucht, die Wirkung einer Ursache zu verändern, aber die Ursache selbst beim Alten belässt. Vor allem aber beweist dieses Buch, dass unsere Maßnahmen, um Ausländer auf den richtigen Weg zu bringen, die falschen sind, da diese für sie eine Auszeichnung sind bei ihren kriminellen Freunden. Aufgrund der Residenzpflicht kommen die Ausländer auch nicht aus ihrem alten Umfeld raus und sind so immer wieder mit der Kriminalität konfrontiert und zugleich ihrer hoffnungslosen Perspektive. Ein Teufelskreis, der beinahe zur Kriminalität motiviert. Trotz der Subjektivität regt dieses Buch definitiv zum Nachdenken an und regt zugleich auch das Verständnis für Ausländer. Dieses Buch ist nicht als Entschuldigung gedacht, aber es bringt einem diese Menschen näher. Die Botschaft dieses Buches: auch Ausländer verdienen es, den deutschen Staat durch ehrliche Arbeit bereichern zu dürfen. Ein Gedanke, über den es sich definitiv nachzudenken lohnt.

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  • Das andere Deutschland

    In den Gangs von Neukölln
    seschat

    seschat

    08. October 2014 um 15:30

    VORGEPLÄNKEL:Dieses Buch rüttelt auf. Es beschönigt nichts. Es nimmt den Leser gefangen. INHALT:"In den Gangs von Neukölln" ist die Geschichte von Yehya E., einem 23-jährigen Palästinenser, der in Deutschland aufgewachsen, kriminell und medial auffällig geworden ist. Er entstammt einer Flüchtlingsfamilie und seine Heimat sind die Straßen Neuköllns. Nur hier findet er Anerkennung und Ablenkung von seiner staatlich verursachten Perspektivlosigkeit. Denn als Staatenloser, sog. Geduldeter mit Residenzpflicht darf er von staatlicher Seite aus Neukölln nicht verlassen, keine Wohnung mieten, keinen Führerschein machen und keiner Arbeit nachgehen. Obschon er bereits mit 8 Jahren das erste Mal straffällig wird, um nach den Gesetzen der Straße nicht als Versager dazustehen, ist er hochintelligent und gewillt eine gute schulische Ausbildung zu absolvieren. Er will raus, aus dem kriminellen Milieu, will auf eigenen Füßen stehen und nicht mehr bei seiner Familie wohnen müssen. Doch das Ausländeramt unterbindet seine schulischen Hoffnungen. Nach der Mittleren Reife ist Schluss, an ein Studium oder gar an einen Job ist nicht zu denken. Was bleibt dann noch? Letzter Ausweg: Intensivstraftäter? Mit 17 Jahren sitzt Yehya in U-Haft. Mithilfe des Autors schöpft Yehya E. Hoffnung, der gemeinsame Film "Gängsterläufer" bringt großes mediales Interesse und Ruhm. Zwischenzeitlich arbeitet er sogar für den deutschen Staat als Sozialassistent und Deeskalationshelfer. Doch auf den kurzweiligen Aufstieg folgt der abermalige Abstieg. Yehya E. wird wieder straffällig. Gemeinsam mit seinen Kumpels begeht er mehrere Überfälle und wandert dafür für 6 Jahre in die Justizvollzugsanstalt Moabit, wo er noch bis 2018 einsitzt. MEINUNG:Der Autor Christian Stahl hat sich mit dem Buch "In den Gangs von Neukölln" an eine brisante Thematik gewagt, doch ohne sich dabei in ausgetretenen Vorurteilen/Klischees gegenüber Ausländern zu verlieren. Sein Porträt über Yehya E. basiert auf 10-jähriger Recherchearbeit. In dieser Zeit tauchte Stahl weiter in die (Lebens-)Welt des Palästinensers ein, indem er sich mit seinem Vater Rached anfreundete und eine Unmenge an Interviews mit Yeyha und dessen Freunden führte. Ausgewähltes Bild- und Textmaterial komplettieren das aufschlussreiche Buch. Der Autor hielt selbst bei Yehyas kriminellen Rückfall an seinem Buchprojekt fest, das den Leser ab der ersten Zeile fesselt; nicht nur weil es aus subjektiver Sicht geschrieben wurde. Es widmet sich kritisch und schonungslos Yehyas Opfer- und Täterrolle und spart nicht an Fakten. Hier treffen wir auf eine bipolare Persönlichkeit; auf einen charmanten, gebildeten jungen Mann und auf einen brutalen, haltlosen Kämpfer. Mehr noch Stahls Bericht offenbart das Versagen des staatlichen Gesetzes- und Rechtssystems. Wie soll man als Geduldeter mit Residenzpflicht aus der kriminellen Spirale ausbrechen können, wenn das Umfeld das Schicksal teilt? Kurzum, viele Fragen, wie die folgenden bleiben unbeantwortet: Wer hat Schuld - Staat oder Yehya selbst? Warum greift keiner ein? FAZIT:Lesenswertes, tiefgründiges Buch, das viele Fragen zum Thema Integration aufwirft und sowohl beim deutschen Normalbürger als auch beim Politiker zum Umdenken führen sollte. Denn aus sozialer/beruflicher Perspektivlosigkeit erwachsen Probleme, von deren Folgen wir alle irgendwann betroffen sein werden.

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  • Zuerst kommt der Mensch, dann die Menschenordnung? Leben als "Langzeit-Asylant" in Deutschland

    In den Gangs von Neukölln
    Talitha

    Talitha

    04. October 2014 um 17:46

    Der Autor erzählt die wahre Geschichte des palästinensischen Flüchtlings Yehya, der mit seiner Familie aus dem Krieg im Libanon in den 1990er Jahren geflüchtet ist und seitdem als "Langzeit-Asylant" über 20 Jahre nun in Neukölln Nord lebt. Was für die Eltern-Generation noch ein Segen war, aus dem Flüchtlingslagerelend zu entkommen, für das sie Deutschland dankbar ist, wird für die Kinder-Generation zur Hölle. In Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen, haben sie dennoch nicht dieselben Rechte wie ihre Mitschüler: Sie dürfen nicht Berlin verlassen, sie dürfen nicht arbeiten, keinen Führerschein machen, selbst höhere Schulen bedürfen einer Ausnahmeregelung. So sitzt diese Generation, zu der Yehya gehört, wortwörtlich in Deutschland fest, ohne Perspektive, ohne Integration, stattdessen in einer gewalttätigen Parallelgesellschaft in Neukölln, in der ganz andere Regeln gelten, nämlich das Recht des Stärkeren und der Gewalt. So verwundert es nicht, dass die Jugendlichen schnell straffällig werden, wodurch sie sich jegliche Perspektiven erst recht verspielen. Der Autor verfolgt die Geschichte von Yehya als Beispiel für eine ganze verlorene Generation, die keine Chance bekommt, in Deutschland oder anderswo jemals heimisch und akzeptiert zu werden (eine Ausweisung ist nicht möglich, da es keinen Staat gibt, der sie aufnehmen würde). Eine Generation, die mit Gewalt und Perspektivlosigkeit aufwächst und von der trotzdem erstaunlicherweise nur wenige so kriminell wie Yehya werden. Das Buch zeigt auch sehr deutlich die Zwickmühle, in der diese Leute zwischen Arbeitsverbot und Armut leben, die Behördenwillkür und der Irrsinn der Ausländerbehörde (z. B. wollen sie Yehya in die Ukraine ausweisen... ?!?). Der Erzählstil ist sehr eindringlich und da er dem Ich-Erzähler und Autor folgt, teilweise auch sehr emotional, was aber sehr gelungen ist, da dieses Thema einfach nur emotional angegangen werden kann. Die Gesetze und ihre Konsequenzen für die Menschen werden dagegen so objektiv wie möglich dargestellt. Auch weitere sachliche Fakten und Zahlen werden genannt, die das Einzelschicksal abrunden und als gesellschaftliches Problem deutlich machen! Mich hat das Buch sehr berührt. Ich habe viele neue Informationen erhalten, die mich teilweise auch deprimiert und wütend zurückgelassen haben. Fazit: Ein sehr eindrucksvoller Lebensbericht, der eine gesellschaftliche Fehlentwicklung sehr deutlich darstellt und eine Grundlage zum Diskutieren bietet! Sehr zu empfehlen! (Anmerkung: Das Zitat im Titel stammt aus "Der Hauptmann von Köpenick". Der Film wird u. a. im Buch beschrieben und ich fand ihn thematisch auch sehr passend).

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  • Persönliche Einblicke in das Leben eines Intensivtäters

    In den Gangs von Neukölln
    paevalill

    paevalill

    Im Buch "In den Gangs von Neukölln" greift Autor und Journalist Christian Stahl ein höchst aktuelles Thema auf, mit dem er sich nicht erst seit seinem Film Gangsterläufer beschäftigt: Das Leben eines Intensivstraftäters und Flüchtling, Yehya E. In diversen Zeitungen bekannt als ein Aussteiger aus dem kriminellen Milieu, sitzt er zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buches bereits erneut im Gefängnis. Wie konnte das passieren? Wie rutschte er überhaupt in die Kriminalität ab? Der Autor schreibt bereits am Anfang, dass nichts das Verhalten Yehyas rechtfertigen oder gar verharmlosen kann. Tatsächlich sind einige der Taten wirklich erschreckend und abstoßend. Trotzdem muss sich selbst der kritischste Leser im Laufe der Geschichte fragen, ob der Verlauf, sprich Absturz nach dem persönlichen Hoch, nicht irgendwo auch fast schon vorhersehbar war. Wie viele ungünstige Faktoren können letztlich zusammentreffen? Trotz absichtlich subjektiv gehaltenen Beschreibungen bleibt Christian Stahl sichtlich bemüht, sich auch an objektiven Fakten zu halten. Insbesondere das letzte Kapitel ist sehr nüchtern und nach dem vorherigen Geschriebenem schockierend. Der Bericht ist sehr fesselnd und zu keiner Sekunde langatmig, lässt dem Leser viel Raum zur eigenen Interpretation und Meinungsbildung. Die Art und Weise wie der Rechtsstaat Deutschland mit den Flüchtlingen umgeht, erinnert in diesem speziellen Fall arg an Willkür und der sinnfreien Suche nach dem Passierschein bei Asterix und Obelix.  Ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen, der nur ansatzweise an den Themen Flucht, (Jugend-)Kriminalität und Rechtsstaat interessiert ist.

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    • 2
  • Fernab von Schwarz und Weiß

    In den Gangs von Neukölln
    buchfeemelanie

    buchfeemelanie

    30. September 2014 um 20:04

    *spoiler* Dieses Buch hat mich noch tagelang zum Nachdenken gebracht. Ich habe dazugerlernt, war verblüfft, ja sogar fassungslos und wütend. Der Schreibstil gefällt mir gut. Der Autor erklärt die Situation ohne sie zu beschönigen, informiert und behält dabei seinen gesunden Menschenverstand. Wir können das Leben eines Asylanten erleben, mit seinen vielen Hindernissen und Träume. Obwohl ich mich auch oft über Yehya geärgert habe, möchte ich nicht in seine Situation kommen. Ich war beispielsweise sehr gerührt, als ich gelesen habe, wie gerne er doch das Klavierspielen erlernen würde und stattdessen im Boxklub gelandet ist. Aber auch über die Aggressivität und Teilnahmslosigkeit - oder soll ich sagen Ignoranz - der Eltern habe ich mich sehr geärgert. Der Autor schildert uns sehr gut die Lebensbedingungen und was den Asylsuchenden verboten ist, was für uns selbstverständlich ist. Freiheit? Nur auf die Stadt beschränkt! Arbeit? Verboten! Anerkennung? Für die kriminellen Ausländer etwa !? Als Fazit ist mir wieder mal bewusst geworden, wie gut es mir hier geht und das wir mehr die Augen öffnen müssen. Danke für dieses Buch

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  • Yehyas Geschichte

    In den Gangs von Neukölln
    Orientlady

    Orientlady

    Yehya ist gebürtiger Palästinenser, der in einem Flüchtlingslager im Libanon geboren wurde.  Wenige Wochen nach seiner Geburt, zwingen die aussichtslosen Gräuel des Krieges seine Familie zur Flucht ins Ferne Deutschland. Nach spürbarer Abneigung seitens der Einheimischen gegen die Flüchtlinge, zieht Familie E. schließlich nach Neukölln, einem Viertel in Berlin, das überwiegend von arabischen Großfamilien beherrscht wird. Dort reagiert das Gesetz der Straße; der Stärkere hat das Sagen und schnell wird deutlich, dass Yehya an der Spitze steht. Mit Gewalt und Kriminalität hat er sich einen Ruf erworben; selbst Ältere respektieren ihn maßlos. Familie E. hat es in Deutschland nicht leicht, Die ledigliche Duldung als vorläufige  Aufenthaltserlaubnis verbietet Yehyas Vater arbeiten zu gehen und selbstständig Einkommen zu erzielen, was einer seiner größten Wünsche ist. Der andere Traum besteht darin, dass Yehya endlich zur Besinnung kommt. Der eigentlich intelligente, junge Mann wird immer wieder handgreiflich, stiehlt, bedroht und macht seinem Ruf alle Ehre. Haftstrafen scheinen ihn zwischenzeitlich zur Einsicht zu bringen; schnell wird ihm jedoch bewusst, dass ihm trotz seiner nunmehr sozialen Einstellung als Gedulteter sämtliche Türen verschlossen bleiben.Seine Wut, seine Frustration und sein Ohmachtsgefühl treiben ihn zurück in das Milieu, indem er  wieder Anerkennung findet Das Milieu, das ihm schließlich sechs Jahre Haft einbringt. Yehyas Geschichte wird aus der Perspektive des Autors erzählt, der den Protagonisten 10 Jahre lang begleitet hat und durch intensive Gespräche über diesen Zeitraum hinweg diverse Facetten Yehyas kennengelernt hat. Ihm wird ein Einblick in das Leben einer geduldeten Familie gewährt, die tagtäglich mit den damit einhergehenden Strapazien zu kämpfen hat. Christan lernt die Willkür der deutschen Behörden kennen und das gnadenlose, kontroverse Gesetz, das Menschen wie Yehyas Familie in jeder Hinsicht benachteiligt. Gemeinsam mit Christian beginnen wir zu verstehen, warum Yehya diesen Weg einschlägt, warum er so wird, wie er eben ist.  Auf brisante, spannende, aber ernüchternd, ehrliche Weise erzählt der Autor von einer fremden Welt inmitten der deutschen Hauptstadt. Von einem dort herrschenden, uns unbekannten Wertesystem, bis zu welchem dasdeutsche Gesetz nicht durchgedrungen ist.  Er berichtet von einem Täter, der in dem selben Maße Opfer ist und legt auf schockierende Weise dar, das Kriminalität, wie sie Yehya ausübt, ihre Wurzeln und Gründe auch in Deutschland hat.  Indem er uns die blanke Wahrheit und nichts anderes als die Wahrheit vorführt, bietet er uns eine Perspektive, eine Sichtweise der Dinge, die wir so noch gar nicht wahrgenommen haben. Er sucht nach den Ursachen für den Werdegang eines jungen Mannes, den er trotz allem tief ins Herz geschlossen hat und zeichnet das  vielschichtige Spannungsfeld "Unmenschlichkeit im Rechtssystem Deutschlands gegen die Eigenverantwortung Yehyas" auf. Ein Spannungsfeld das emotionsgeladen ist: Wut, Verzweiflung, Ohnmacht, Demütigungen, Einsicht, Träume und Leere erlebt der Leser an Yehyas Leib, was zu dem seinen wird. Das Buch ist schockierend, in vielerlei Hinsicht. Es öffnet einem die Augen und entreißt das Denken in schwarz-weiß. Schuld oder Unschuld, Opfer oder Täter, Wahl oder Zwang - das Buch verwischt die Grenzen und durchleuchtet das gängige Bild des ausländischen, jungen,  Kriminellen mit einem ganz neuen Licht.  Das Buch liefert eine ganze Reihe Antworten, aber ebenso viele Fragen, die auch Christian nicht beantworten kann.   Ich halte dieses Werk für ausgesprochen lesenswert  und spreche meine besten Empfehlungen aus. Ich bin sehr froh, dass ich es lesen, ja erleben, durfte, denn es hat mich Dinge gelehrt, mir Dinge gezeigt, die ich so nicht vermutet hätte.

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    • 3
  • Yehya E - Opfer des Systems oder seiner selbst?

    In den Gangs von Neukölln
    Lesemaus_im_Schafspelz

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    Der gebürtige Palästinenser Yehya E. kommt mit seinen Eltern bereits mit wenigen Wochen nach Deutschland. Hier erhält die Familie jedoch lediglich den Status der „Duldung“, die eine jederzeitige Abschiebungsmöglichkeit beinhaltet, es dafür aber dem Familienvater verbietet, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Der Staat geht von einer kurzen Aufenthaltsdauer aus. Yehya E. wächst in Berlin-Neukölln auf, wo die Gesetze des Stärkeren gelten und es heißt, seine Rolle im jungen Alter zu definieren: Opfer oder nicht. Dabei kristallisiert sich schnell heraus, dass der charismatische Junge definitiv kein Opfer sein will und alles tut, um als Stärkerer zu gelten, um zu Ruhm und Respekt unter den anderen „Kiezkids“ zu gelangen. In der Schule sowie zu Hause ist er lange der unauffällige, brave Schüler, der nur Einsen heim bringt, doch auf der Straße hat er längst schon die Führung übernommen, so dass er mit nur 15 Jahren den „Ritterschlag“ des Intensivtäters bekommt und auch in den Medien kein Unbekannter ist. Christian Stahl, Journalist und ARD-Korrespondent, lernt Yehya auf seine eigene Weise kennen und schätzen, ohne anfangs zu ahnen, wer da vor ihm steht. Als die kriminellen Taten immer mehr in den Vordergrund rücken, begleitet er den Jugendlichen und recherchiert an seiner Seite, zunächst auch mit dem Ziel einen Film („Gangsterläufer“) mit und über ihn zu machen. Er begleitet ihn durch die Höhen und Tiefen des jungen Lebens und schildert in diesem Buch seine Erlebnisse privat mit ihm ebenso, wie er Yehya den Platz einräumt, seine Sicht der Dinge zu schildern. Diese beiden Seiten, ergänzt durch Polizeiprotokolle und anderen Daten, bieten eine ganzheitliche, neue Sicht der Dinge. Wer bisher nur den Kriminellen Yehya E. sah, wie man ihn als Intensivstraftäter aus den Medien kannte, lernt hier auf 245 Seiten einen intelligenten, ehrgeizigen jungen Mann kennen, der Opfer wie Täter ist und sich – für mich persönlich sehr erstaunlicherweise – trotz seiner leider nach wie vor kriminellen Karriere doch verändert hat. So waren ihm früher die Opfer egal, bei den letzten Taten hatte ich fast den Eindruck, er möchte niemanden mehr verletzen oder bedrohen. Dies soll natürlich seine kriminellen Handlungen in keinster Weise schmälern, jedoch wurden mir auch die Hintergründe seiner Perspektivlosigkeit vor Augen geführt. Er hat selbst kaum eine Chance, über den Duldungsstatus hinauszukommen, womit – unabhängig von seiner kriminellen Vergangenheit – es quasi unmöglich scheint, Fuß zu fassen in unserer Gesellschaft, einen angesehenen Beruf zu erlernen und sich damit ein rechtschaffenes Leben aufzubauen. Im Jugendgefängnis bildete er sich weiter, machte seinen Abschluss und kämpfte dafür, sich für die Zeit „danach“ Perspektiven aufzubauen. Doch alles scheint umsonst gewesen zu sein, als er schon am zweiten Schultag aufgefordert wird, die Schule zu verlassen, auf der er sein lange ersehntes Abitur erlangen wollte. Zu paradox erscheinen hier die deutschen Gesetze, die den ehrgeizigen Yehya auf seinem „geraden“ Weg immer wieder ausbremsen. Studium? – Verboten! Führerschein? – Verboten! Arbeit suchen? – Verboten! Selbst die Stadt verlassen darf er nicht, um möglicherweise an einem anderen Ort ohne sein gewohntes Umfeld ein neues Leben aufzubauen. All dies sind Infos, die mir bisher in der Art und Weise nicht klar gewesen sind. Zwar bin ich noch immer schockiert bzgl. seiner kriminellen Karriere, insbesondere über die Brutalität, die er in jungen Jahren an den Tag gelegt hat – immerhin war er mit 15 Jahren der „Boss der Sonnenallee“, vor dem selbst die älteren einen Heidenrespekt hatten! Aber die Hoffnungslosigkeit, der ständige Kampf gegen Windmühlen, die permanente Perspektivlosigkeit, die paradoxen Gesetze… All dies stimmt mich doch sehr nachdenklich. Man möchte gerne helfen, Yehya und natürlich all den anderen, die in einer ähnlichen Situation stecken, in einer Sackgasse… Doch ist mir klar, dass dies leider nicht von heute auf morgen geschehen kann. Eigentlich war hier ein Buch geplant, das den „Aussteiger“ Yehya E. in seinem neuen, nicht mehr von Kriminalität geprägten Leben aufzeigt. Eines, das verdeutlicht, dass es auch anders kommen kann. Leider wurde Yehya jedoch am Ende doch wieder Opfer, Opfer seiner selbst und auch Opfer des Systems. Bleibt ihm zu wünschen, nach seiner nun noch 6jährigen Haftstrafe doch noch einen andreren Weg einschlagen zu können und diesem dann treu zu bleiben! Ich möchte Christian Stahl danken für ein unglaublich interessantes Buch, das dem Leser auch mal „die andere Seite“ des jungen Täters Yehya aufzeigt, ihn dabei auch zu Wort kommen lässt und damit vielleicht den einen oder anderen Schalter umlegen kann. Sehr gerne möchte ich diesem Buch eine absolute Leseempfehlung aussprechen!

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  • "Es war ein schönes Gefühl, zu wissen, mein Leben wird legal"

    In den Gangs von Neukölln
    Ginevra

    Ginevra

    Yehya E. ist der Sohn palästinensischer Flüchtlinge, die kurz vor seiner Geburt in den Libanon und danach nach Deutschland kamen - vor über 20 Jahren. Da die deutschen Behörden davon ausgingen, dass Menschen wie Familie E. nach wenigen Monaten wieder in ihre Heimat zurückkehren können, ist ihr Status nur ein vorläufiger: sie bekommen kein Recht, auf Dauer in Deutschland zu bleiben und haben es schwer, sich eine gesicherte Existenz aufzubauen. Aus dem schüchternen Jungen wird schnell ein harter Kämpfer, der nur eines will: kein "Opfer" zu sein. Schon bei den brutalen Spielen auf den Strassen Neuköllns wird Yehya zum Anführer, durch seine gewinnende Art sammelt er Menschen um sich, die ihn bewundern, aber auch fürchten. Eine Gewalttat folgt der nächsten, der Weg in die Kriminalität ist scheinbar vorprogrammiert. Doch in Yehya schlummert auch etwas anderes: die Sehnsucht nach einem sinnvollen, gesellschaftlich angepassten Leben. Doch dieses scheint für ihn unerreichbar, da er so früh zum "Intensivtäter" wurde. Sein Nachbar ist der Reporter, ARD-Korrespondent und Autor Christian Stahl, der die ganze Familie kennt und zu Yehya eine Art Freundschaft aufbaut. Über 10 Jahre hinweg begleitet er ihn, diskutiert mit ihm stundenlang über seine Probleme, über Recht und Moral - immer in dem Glauben, dass der gute Kern in Yehya siegt, und er die kriminelle Karriere aufgibt. Doch Yehya wird mehrfach rückfällig: weil sich unter seinen Freunden fast nur andere Kriminelle befinden, weil immer wieder das große schnelle Geld lockt, weil die Wut auf die Gesellschaft Überhand nimmt. Die Opfer sind schwer traumatisiert, die Taten sind unverständlich - und der Preis ist sehr hoch, nämlich die Freiheit. Wer trägt letztlich die Schuld? Diese Frage wird in Christian Stahls Buch ausgiebig diskutiert. Mich hat das Buch hin- und hergerissen: am Anfang erkennt man viele positive Ansätze bei dem Flüchtlingsjungen, der um Anerkennung kämpft und auf die schiefe Bahn gerät. Er wandelt sich zum Berater, erhält viele Chancen auf Jobs - doch die Versuchungen sind zu groß, das Ich nicht gefestigt genug, um zu widerstehen. Die Gesetzeslage trägt dazu bei, dass es nicht einfach ist, in der deutschen Gesellschaft Fuß zu fassen. Und doch gibt es immer wieder Menschen, denen dies gelingt. Was können wir tun, wo kann jeder einzelne von uns helfen? Es bleiben viele Fragen offen, auch, wie es mit Yehya nach seiner aktuellen Haftstrafe weitergeht. Ergänzend zum Buch ist sehr empfehlenswert, den Film "Gangsterläufer" desselben Autors zu sehen, um ein umfassenderes Bild von der Persönlichkeit und dem Umfeld Yehyas zu erhalten. Für mich ein richtig fesselndes Buch mit aktuellem Bezug, das viele Menschen - auch Politiker - lesen sollten, um Vorurteile abzubauen, und offener auf Flüchtlinge in unserem Land zuzugehen. 5 von 5 Sternen!

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    Lesemaus_im_Schafspelz

    Lesemaus_im_Schafspelz

    30. September 2014 um 11:43
  • Täter oder Opfer - die verhängnisvolle Variable.

    In den Gangs von Neukölln
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Am 24. März 2014 fand im Kriminalgericht Moabit im ersten Stock, Saal 700 eine Urteilsverkündung statt. Der 23jährige, "polizeierfahrene" Angeklagte Yehya E. wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 5 Jahren verurteilt, zu der noch ein Jahr offene Bewährung hinzugerechnet werden musste, sodass 6 Jahre Freiheitsentzug verhängt wurden, die ihn - falls keine vorzeitige Entlassung erfolgte - bis über seinen 28jährigen Geburtstag hinaus hinter Gittern festhalten würden. Das war die aktuelle Lebenssituation des jungen Arabers Yehya, der im Libanon geboren wurde und im Alter von 4 Wochen mit seinen Eltern nach Deutschland kam. Sie hatten ihre Heimat als Kriegsflüchtlinge verlassen und waren auf beschwerlichen Wegen mit Lkw's, Booten und irgendwelchen Transportmöglichkeiten über Syrien letztendlich mit dem Flugzeug als Asylbewerber auf dem Berliner Flughafen Tegel gelandet, von dort einem Asylheim zugewiesen worden und irgendwann danach in eine Wohnung am Prenzlauer Berg gezogen. Aber auch das war nur die Zwischenstation für kurze Zeit, in der sie bewusste Ausgrenzung, Unverständnis und Feindseligkeit erfuhren, Als tätliche Angriffe auf die Familie erfolgten, deren Ursache ihre Herkunft und Religion waren, zogen sie nach Neukölln, Und hier eröffnete sich dem jungen Yehya eine andere Welt, eine, in der er kein Fremder war, eine, die den Gedemütigten in einen "Macher" verwandelte, in der andere Begriffe herrschen, andere Wertigkeiten eine Rolle spielen, eine differente Parallelgesellschaft, die ihre eigenen Gesetze hat und ihr spezielles Machtgefüge, gebildet aus den Menschen, die eine ständige Gratwanderung vollziehen zwischen Recht und Ordnung, Unrecht und Chaos. Aus welcher Sicht man ihre Handlungsweisen allerdings auch betrachtet oder deren Vorzeichen auch vertauschen mag, so sind sie dennoch auch immer wieder die Verlierer. Und hier kommen die Fragen. Wer macht sich schuldig? Wo liegt die Ursache am Versagen von Lebensformen - hüben oder drüben? Beim Bittenden oder beim Gewährenden? Muss nicht Menschlichkeit einen Teil der Gesetze prägen, die doch für Menschen gemacht werden? Wie soll man auf Fremdes reagieren, das man nicht versteht? Ist es nicht richtig, neugierig zu sein und zu fragen, anstatt auszugrenzen und zu verurteilen? Christian Stahl hat ein aufwühlendes Buch geschrieben. Lebendig und straff, spannend und eindringlich reihen sich hier Ereignisse aneinander, die teils aus seiner eigenen Sicht als Journalist und Freund teils aus der Perspektive Yehyas geschildert werden. Authentisch und ungeheuer aktuell wird der bisherige Lebensweg des jungen Arabers in einer Welt geschildert, die kulturell und geschichtlich nicht der seiner Vorfahren entspricht. Die Gegensätze, die selbstverständlich im Ursprung vorhanden sind, werden zum Anlass von Diskriminierung, Ablehnung und Fremdenhass, gegen die man vergeblich kämpft, um anschließend doch illusionslos aufzugeben. Es sind die Menschen auf beiden Seiten, die an ihre Grenzen stoßen, eingebunden in Gesetzmäßigkeiten, Empörung und Gleichgültigkeit auf der einen, Wut, Enttäuschung und Geltungsbedürfnis auf der anderen Seite. Jeder für sich ist überzeugt und sicher, die richtige Position inne zu haben und die eingeschlagenen Wege driften immer verhärteter auseinander.   Das Buch hat mich stark beeindruckt und lässt mich mit vielen Fragen zurück. Eines aber weiß ich genau: Ein nur "Schwarz - oder - Weiß" -Denken wird es für mich nicht mehr geben. Mit Freude und Hoffnung registriert man von politischer Seite die jüngste Entwicklung zur Lockerung der Residenzpflicht für Asylanten sowie die Verkürzung der Zeitspanne, in der sie keiner Tätigkeit nachgehen dürfen - hoffentlich ein weiterer Schritt zu verständnisvollem Miteinander. An dieser Stelle gibt es von mir eine unbedingte Leseempfehlung.

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  • Topaktuell, brilliant in Szene gesetzt

    In den Gangs von Neukölln
    trollchen

    trollchen

    27. September 2014 um 10:43

    In den Gangs von Neukölln: Das Leben des Yehya E. Ich durfte das Buch im Rahmen einer Leserunde mitlesen und danke dem  HOFFMANN UND CAMPE VERLAG  für das Leseexemplar. Herausgeber ist HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH (16. September 2014) und es hat 256 Seiten. Kurzinhalt: Die Wut ist Yehyas Sucht. Die Kriminalität seine Droge. Was er braucht, ist Entzug. Aber in den Gangs von Neukölln sind alle auf dieser Droge. Mit dreiundzwanzig hat Yehya E. eine eindrucksvolle Karriere hinter sich: Sohn palästinensischer Flüchtlinge aus dem Libanon, die erste Straftat mit sieben, Einser-Schüler und Tyrann an der Rütli-Schule, mit 15 Boss von der Sonnenallee. Drei Jahre Gefängnis, dann Vorzeige-Aussteiger aus der kriminellen Szene, Streitschlichter in Neukölln, Liebling der Politiker. Er scheint es geschafft zu haben. Plötzlich der Rückschlag. Wer hat versagt? Schonungslos und kritisch erzählt Christian Stahl von einer steilen kriminellen Karriere und dem schwierigen Weg des Ausstiegs, der jederzeit scheitern kann. Ein ebenso einzigartiger wie intimer Bericht über das kriminelle Leben in der parallelen Welt von Neukölln jenseits der Klischees des deutschen Boulevards. Meine Meinung: Ich war zwischendurch immer wieder aufgewühlt, denn ich wusste bis zum Schluss nicht, ob es Yehya schafft oder nicht. Aber leider hat er es nicht geschafft, er sitzt wieder im Gefängnis. Aber er hat sich im Laufe des Buches doch geändert. Und auch wenn man beide Seiten sieht, egal, ob er der Täter oder das Opfer ist, er hat sehr viel nachgedacht und viel gelernt. Auch wenn er es aktuell nicht anwenden kann, aber in knapp 4Jahren ist er ja wieder auf freien Fuß. Es war sehr interessant, auch die Seite der Familie, speziell des Vaters zu sehen. Denn bis jetzt hat man die Ausländer auch nur danach beurteilt, wie sie leben, aber den Hintergrund, dass sie auch sehr zu kämpfen haben und auch es nicht immer leicht haben, dies wurde hier sehr gut dargestellt. Es ist auch nicht so herüber gekommen, dass nur die Deutschen oder die Behörden schuld haben, sondern eben auch die Ausländer, aber dass es auch ein Miteinander geben kann. Denn das hat ja der Autor Christian Stahl sehr deutlich gemacht. Und es ist nicht immer leicht, zwischen den Parteien zu differenzieren, denn es ist ein schmaler Grat zwischen Wut, die man selber hat und Wut, die von aussen noch geschürt wird. Und die in Großstädten und den Ballungszentren sehr spürbar ist, wo die verschiedenen Sitten und Bräuche aufeinanderprallen. Mein Fazit: Dieses Buch hat mich emotional sehr erschüttert und es lässt mich mit vielen Fragen zurück und wird mich noch eine Weile beschäftigen. Ich gebe eine absolute Leseempfehlung ab und werde auch weiterhin dem Thema treu bleiben. Denn heutzutage wird es ja immer wichtiger, denn leben müssen wir alle miteinander, nur auf das Wie kommt es an.

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