Christian von Aster Armageddon TV

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Inhaltsangabe zu „Armageddon TV“ von Christian von Aster

Hal Davidson will ein Vorbild sein, Sit Hatlogg sinnt auf Rache, Poe Network braucht die Quote. Und die Welt will einen Star. In einer nicht allzufernen Zukunft ist die mediale Macht fast vollständig in der Hand von Poe Network. Auf allen Kanälen liefern sich Sportler, von Werbepausen unterbrochen, brutale Kämpfe. Doch das Volk ist dem langsam überdrüssig. Die Zuschauerzahlen sinken. Ein neues Format muss her. Für dieses neue Spiel werden noch größere Geschütze aufgefahren. Und so findet sich eine Handvoll Menschen in den unbarmherzigen Mühlen der Medienmaschinerie wieder. ARMAGEDDON TV ist grandiose Social Fiction und eine bitterböse Mediensatire auf Big Brother, Popstars und den Krieg um die Quote.

Eine intelligente Geschichte über die Medien unserer Zeit.

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  • Rezension zu "Armageddon TV" von Christian von Aster

    Armageddon TV
    Ati

    Ati

    21. November 2012 um 14:08

    Ein Blick auf seine Homepage verrät, dass sich der 1973 geborene Autor Christian von Aster als Genregrenzensaboteur und Wortartisten und in gewisser Weise auch als trotzig beschreibt. Von Aster studierte Germanistik und Kunst, schreibt Drehbücher (ohne Hoffnung auf die filmische Umsetzung hierzulande, aber es gibt ja auch die Bühne), Kurzgeschichten, Erzählungen und Romane. Nebenbei führt er auch schon mal Regie bei Hörspielen oder Kurzfilmen. Letztere wurden genau wie diverse Kurzgeschichten bereits mit Preisen bedacht. Seine Lesungen sind wegen ihrer Inszenierungen nicht nur Anhängern der Fantasy- oder Gothic-Szene ein Begriff. Mein SuB, der seit 2011 irgendwie mit Hefeteig verwandt zu sein scheint, wenn ich die Ausmaße bedenke, die er mittlerweile angenommen hat, unterteilt sich in verschiedenen Kategorien. Die eine beinhaltet Bücher, die nur kurz darauf abgelegt und dann gelesen werden. Eine zweite solche, die quasi auf den richtigen Lesetag warten, weil sie mich nicht 100%ig ansprechen. In der dritten landen dann jene, die ich über mehrere Tage verteilt lesen muss, weil eventuelle Schockmomente und Gewaltszenen oder bisweilen ermüdende Erklärungen zu sehr ausufern. Es gibt noch eine vierte, die Bücher beinhaltet, die ich unbedingt noch einmal lesen muss. Dann gibt es noch jene Bücher, die es irgendwie schaffen, sich aus all diesen Bereichen meines SuBs herauszumogeln, hin und her zu wandern, oder - schlimmer noch - womöglich hinter den SuB und damit das Regal rutschen. Eins dieser Bücher ist Armageddon TV von Christian van Aster, dessen zweite überarbeitete Auflage bereits im März 2011 von periplaneta herausgegeben wurde (die Originalausgabe erschien bereits 2004 im Eigenverlag). Ich kann mich noch dunkel erinnern, dass es sich anfangs in der zweiten oder dritten Kategorie befand. Jedenfalls habe ich es gestern zufällig wiederentdeckt und siehe da, es war der richtige Lesetag dafür. Bevor ich damit angefangen konnte, sprach mich jemand auf meinen in seinen Augen abartig hohen Bücherkonsum an. Ich habe etwas in der Art erwidert, dass ich kein Fernsehgerät besitze, worauf ich zu hören bekam, dass das ja noch abartiger sei. Meine Erwiderung, dass angesichts des Fernsehprogramms quer durch alle Sender die Frage nach eventuellen Abartigkeiten vielleicht neu überdacht werden müsse, wurde achselzuckend abgetan. Auch ohne Fernseher kann man sich bedauerlicherweise Sendungen nicht gänzlich verschließen, die davon leben, andere lächerlich zu machen oder sie zu absonderlich anmutenden Taten anzustacheln. Ich war völlig geschockt, als ich mitbekommen habe, wer sich für so ‚hochgeistige‘ Sendeformate wie Big Brother oder das Dschungel-Camp oder diverse Casting-Dauerbrenner begeistert. Kein Wunder, dass Kinder und jugendliche heutzutage in Gruppen über (in ihren Augen) Schwächere herfallen, lernen sie in solchen Sendungen doch schon recht früh, wie angebliche Vorbilder sich Aasgeier-ähnlich verhalten und um der Einschaltquoten willen auf dafür prädestinierte Opfer einhacken. Wo das Selbstwertgefühl herkommen soll, wenn sie so mitbekommen, wie sehr manche Leute bereit sind, sich für wenige Momente im Rampenlicht zu erniedrigen, ist mir schleierhaft. Viele Erwachsene sind auch nicht besser und zwar nicht nur, weil sie die teils mehr als ätzenden Bemerkungen mancher 5-Minuten-Berühmtheiten oder Jury-Mitglieder cool finden, auch weil sie mit teils infantiler Begeisterung nacheifern, was sie sehen oder hören. Ich gebe gerne zu, dass meiner Lesewut nicht nur hochgeistige Literatur oder wissenschaftliche Abhandlungen zum Opfer fallen, aber ich lese lieber auch noch den trivialsten Heftroman und lasse mich notfalls auch als abartig titulieren, bevor ich mir so etwas antue. Warum ich das schreibe? Nun, in Armageddon TV geht es nicht um Außerirdische, wie der eine oder andere jetzt vielleicht angesichts des Genres vermutet. Die Geschichte spielt ganz normal hier auf der Erde, handelt von ganz normalen Menschen (meiner Ansicht zwar nicht unbedingt geistig normal, sondern einfach der Spezies Mensch angehörend). Und irgendwie von dem, was ich gerade erwähnt habe. Von Aster bietet seinen LeserInnen eine Lektüre, die pechschwarz satirisch für Schluckbeschwerden sorgt. Einen dystopischen Einblick in eine Fernsehlandschaft, die die oben erwähnten Sendeformate noch weiter pervertiert. Überaus gewinnbringend vermarktet das Medienimperium POE-Network eine Sendung, für die sie Sportler anwirbt. Klingt jetzt erst mal harmlos, ist es jedoch nicht. Neben dem Imperium selbst, verdienen sich Pharmaindustrie und Marketingunternehmen eine goldene Nase, nicht zu vergessen die Rüstungsindustrie. Ihre Produkte werden publikumswirksam bei Wettkämpfen eingesetzt, in der die Sportler eigentlich nur die gegnerische Fahne erobern müssen. Da dabei jedoch nicht mit Platzpatronen geschossen wird und sogar Panzer zum Einsatz kommen, werden die Zuschauer blutig unterhalten und Verluste kühl mit einkalkuliert. Moral war gestern, heute kann man bei Armageddon TV Chips knabbernd vom Sofa aus verfolgen, wie die um ihr Überleben kämpfenden Sportidole weggeputzt werden. Und ähnlich wie bei Unfällen, werden die Blicke unwillkürlich auf bestimmte Dinge gelenkt. Man fühlt sich geschockt, angewidert (etwa vom Sendeformat im Buch) und gleichzeitig ist alles so schrecklich, dass man kaum wegsehen geschweige denn nicht weiterlesen kann. Fazit: Bleibt zu hoffen, dass die bitterböse, medienkritische Vision des Autors nicht irgendwann Nachahmer findet. Wirkliche Unterhaltung sieht irgendwie anders aus. Denn auch wenn van Aster alles gleichermaßen zielsicher, bitterböse und überspitzt darstellt, zeigt die Realität, dass wir grundsätzlich gar nicht so weit entfernt davon sind. Während ich las, dachte ich beständig an die vorab genannten Sendungen, in denen nicht nur von Senderseite um der der Einschaltquote willen, sondern auch von Teilnehmerseite um des Geldes willen so vieles getan wird, was der gesunde Menschenverstand nicht begreifen will. Die Manipulationsfähigkeit mancher Leute trägt sich nur, wenn andere sich manipulieren lassen. Beide Seiten beleuchtet von Aster in seinem dystopischen Roman, mal lenkt er den Fokus auf die Sportler, mal auf die Strippenzieher hinter den Kulissen. Dabei hält er die vordergründig brutalen Beschreibungen der blutigen Wettkämpfe auf einem relativ erträglichen Maß. Er streut Intrigen und Machtspielchen ein, steuert auf den Schlusskampf im Armageddon Dome zu. Das alles nicht unbedingt in einem rasanten Tempo, aber trotzdem schockierend. Für alle, die sich etwas abseits des Mainstream-Geschmacks tummeln. 2012, Antje Jürgens (AJ)

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  • Rezension zu "Armageddon TV" von Christian von Aster

    Armageddon TV
    michaentdeckt

    michaentdeckt

    17. June 2012 um 17:41

    Dieses Buch hatte auf der Lesung direkt auf ein Festival gekauft da seine Lesungen genial sind. Dieses Buch beschreibt übertrieben das System "Deutschland sucht den Superstar" nur das es da nicht um Musik geht, sondern das zwei Menschen sich mit Kriegswaffen über den Haufen schiessen sollen. Das alles nur damit neuer Schwung in die TV-Kette reinkommt. Den nur Gewalt bringt Einschaltquoten. Dabei ergeht es den Helden des Buches nicht so gut, aber mehr möchte ich nicht verraten da sonst die Spannung fehlt. Habe dieses Buch selbst auf Arbeit für die Pause mitgenommen weil ich es nicht aus der Hand legen wollte. Sehr schön ist auch der Sarkasmus und schwarze Humor des Autoren.

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  • Rezension zu "Armageddon TV" von Christian von Aster

    Armageddon TV
    Ternolawitschman

    Ternolawitschman

    13. May 2011 um 18:15

    Ein Spielfeld, zwei Mannschaften und ein Ziel: Die Flagge des Gegners erreichen. Und hierfür werden in Christian von Asters Armageddon TV auch Waffen und sogar Panzer zur Hilfe genommen. Denn das Publikum der Zukunft ist von normalen Sportarten gelangweilt und so findet Krieg Einzug auf den Sportplätzen und in die Wohnzimmer der Zuschauer. Moderne Gladiatorenkämpfe sind der Gipfel des Unterhaltungsfernsehens. In seiner Mediensatire entwirft von Aster ein schreckliches Bild, wohin sich das Fernsehen und besonders wir als Konsumenten uns entwickeln könnten... Der Roman ist eine Mischung aus mediengelenkter Zukunftsvision, Actionfilm und Verschwörungsthriller. Darum wird geballert, intrigiert und natürlich konsumiert. Besonders schockierend ist, wie man als Leser auf das alles reagiert. Schon komisch, wenn man feststellt, das man zum einen zwar von den Vorgängen angewidert ist, zum anderen aber auch irgendwie mitfiebert, wenn die Gladiatoren sich gegenseitig abballern. Dieses Spiel mit dem Leser macht das Werk so beängstigend. Denn das Buch spricht sowohl Kopf als Bauch an. Der eine denkt sich: Das ist ja furchtbar. Und der andere: Ich will mehr! Für mich ist der Gradmesser, ob eine Dystopie als Geschichte funktioniert immer, ob wirklich die Gefühle der Personen sowie die Vernetzung in das Gesellschaftskonstrukt lebendig rüberkommen. Und das schafft von Aster auf gekonnte Weise. Zum einen ist das alles kein exotischer Gedanke, sondern eine Steigerung der realen Gegebenheiten. Alles wird für die Quote getan und das Volk macht mit. Und zum anderen sieht man nicht alles aus dem Blickwinkel einer Person, die irgendwo in den Mühlen dieser Gesellschaft umherirrt. Denn auch die Mächtigen und Großen dieses abstoßenden Medienstaates bekommen genügend Raum, ihre Angestellten und die Sportler wie Marionetten zu lenken. Und hier dreht sich mehrmals der Magen des Lesers um: Wenn man mit ansieht, wie Hal Davidson von Euphorie gelenkt in den Abgrund geführt werden soll, nur damit die Quote gesteigert wird. Insgesamt also ein Leseerlebnis, das auf unterhaltende und schockierende Weise berührt. Zwar dauert es etwas, bis sich die vielen Machenschaften entfalten und die schrecklichen Actionszenen sind rar gestreut, aber hierdurch wird wiederum Spannung aufgebaut. Man fiebert einfach dem großen Showdown im Armageddon Dome entgegen, während die düstere Vision vor dem Leser entworfen wird. Und wer mehr von den blutigen Spielen sehen will, muss vielleicht einfach noch ein bisschen warten, bis auch unser Fernsehen so was ausstrahlt.

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