Christine Cazon Endstation Côte d'Azur

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Inhaltsangabe zu „Endstation Côte d'Azur“ von Christine Cazon

Tod am Traumstrand von Cannes Sein vierter Fall führt Léon Duval in die Welt der fliegenden Händler von Cannes. Ein Afrikaner wird am Bijou Plage, einem der schönsten Strände der Stadt, tot aufgefunden. Gibt es einen Zusammenhang mit den an der Grenze zu Italien ausharrenden Flüchtlingen, die immer wieder versuchen, mit selbst gebauten Booten nach Frankreich zu kommen? Oder ist alles doch ganz anders? Der Tote ist nämlich ein fliegender Händler aus dem Senegal. Von ihnen gibt es viele in der Stadt, sie verkaufen an den Stränden und in den Straßen ihre Waren an Touristen. Aber wer könnte ein Interesse daran haben, einen armen Straßenhändler zu ermorden? Duval erkennt bald, dass mehr hinter der Sache steckt, als zunächst vermutet. Zumal, als noch eine zweite Leiche auftaucht. Aber auch seine Freundin, die Journalistin Annie, die eigentlich für ein paar Tage Urlaub aus den Bergen nach Cannes gekommen ist, stellt Nachforschungen an. Sehr zum Ärger von Duval und seinen Kollegen.

In Duvals 4.Fall dreht sich alles um Flüchtlinge und Strassenhändler. Zu viel, finde ich.

— talisha
talisha

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  • Die Verlierer der Globalisierung

    Endstation Côte d'Azur
    Bri

    Bri

    01. May 2017 um 13:54

    Ein junges verliebtes Paar findet die Leiche eines Afrikaners - am Bijou Plage, dem schönsten Strandabschnitt von Cannes. Mord könnte es gewesen sein und deshalb muss Commissaire Duval seinen einwöchigen Urlaub, den er in trauter Zweisamkeit mit seiner Freundin Annie genießen wollte, unterbrechen. Doch Annie, Journalistin von Beruf, interessiert sich ebenso sehr für die Aufklärung des Falls, wie Duval. Der Tote gehörte zu einer Gruppe afrikanischer Männer, die jedes Jahr nach Cannes kamen, um dort ihr Geld mit billigem Tand zu verdienen. Straßenhändler sind sie. Früher verkauften sie traditionell gefertigte Kunst aus Afrika, heute eher in China produzierte Billigware. Wieder einmal der Beweis dafür, dass die Globalisierung vor niemandem wirklich Halt macht - die meisten Menschen jedoch erfahren durch sie keine Verbesserung ihrer Lebensumstände.Zunächst ist unklar, ob der Tod des Afrikaners mit unaussprechlichem Namen quasi mit einer Clan-Angelegenheit zu tun hat oder ob tatsächlich ein Zusammenhang mit den an der italienischen Grenze zu Frankreich festsitzenden Flüchtlingen besteht. Denn auch in Cannes regen sich die Stimmen, die keine geflüchteten Menschen - gleich welcher Nation - in ihrer Mitte haben wollen - Nous sommes chez nous - Nationalismus ist angesagt. Irgendwie. Nicht ganz offen, soweit ist es noch nicht, doch irgendwer muss ja die rechtsradikalen Plakate des nächtens geklebt haben, die einfordern, Frankreich den Franzosen zu überlassen. Annie wittert hier eine starke Verbindung zu dem Todesfall und lotst Duval an die Grenze, um die Situation der dort gestrandeten Menschen persönlich in Augenschein zu nehmen. Sie schätzt und bewundert den deutschen Umgang mit der sogenannten "Flüchtlingswelle" und wünscht sich für Frankreich ein ähnliches Vorgehen. Eine Änderung des Verhaltens im Konsum jedes Einzelnen könnte langsam aber stetig auch global die Lebensumstände vieler Menschen verbessern, sodass diese nicht mehr gezwungen wären, sich über zwielichtige Schlepper teure, gefährliche Fluchtwege zu erschließen. Das ist ihr Credo. "Annie schwieg. »Trotzdem«, sagte sie irgendwann. «Jedes andere Land ist großzügiger und menschlicher mit den Flüchtlingen als unseres. Ich schäme mich für Frankreich. Hast Du Deutschland gesehen? Eine erzkonservative Bundeskanzlerin, aber sie hat menschlich gehandelt! Und wir haben einen linken Präsidenten und machen die Grenzen dicht! Pah! Was für eine Schande!«"Während Annie ohne Wenn und Aber solidarisch und menschlich argumentiert, sieht Duval pragmatisch die vielfältigen Schwierigkeiten, die auf ein Land zukommen, das plötzlich mit einer solchen Situation konfrontiert ist. Wobei fairerweise gesagt werden muss, dass Europa diese Situation durchaus hätte voraussehen können ...So recherchieren die Journalistin und der Kommissar letztendlich in unterschiedliche Richtungen mit unterschiedlichen Ansätzen, was sich auch auf ihr Privatleben auswirkt.Christine Cazon legt mit Endstation Côte d'Azur den vierten Band ihrer Krimireihe um Commissaire Duval vor. Wie viele andere französische Kommissare wurde er von Paris wegversetzt - mit Cannes als neuem Wirkungsort hatte er jedoch Glück, waren doch seine Großeltern bereits aus Italien an die Côte d'Azur gezogen, um ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Schon damit zeigt sich, dass doch die allermeisten Menschen ihre Wurzeln weiter verzweigt haben, als sie es sich selbst eingestehen (möchten). Während die vorangegangenen drei Bände der Reihe kaum gesellschaftskritische Aspekte, aber dennoch Lebensrealität widerspiegeln, besticht Endstation Côte d'Azur gerade durch die Darstellung einer lebhaften und reellen Diskussion um eine der größten Herausforderungen, denen wir uns derzeit gegenüber sehen: Wie können wir die negativen Folgen einer unkontrollierten Globalisierung auffangen und es vielen Menschen wieder ermöglichen, ein Leben in Freiheit und ohne Angst vor Hunger oder Krieg in ihrer Heimat zu führen.Eingefleischte Fans von spannungsgeladenen Krimis wird Christine Cazon damit wahrscheinlich nicht begeistern können. Doch Leser*innen wie mir, die weder parapsychologische begabte Ermittler, noch allzu blutige Mordfälle bevorzugen, atemlose Spannung auch mal gegen eine lebhafte sozialkritische Diskussion tauschen mögen, beschert sie damit ein angenehmes und unterhaltsames Leseerlebnis. Zumal die Auflösung der Fälle nicht wirklich vorhersehbar ist. Nebenbei erweitert Cazon auch noch den musikalischen und kulturellen Horizont. Neben Brel, der Duvals Lieblingschansonnier ist, habe auch ich meine CD von Aznavour heraus gekramt ... und nach gesucht, in dem die Gefühle so vieler Einwanderer perfekt beschrieben werden. Der von ihr erwähnte Clown und Stand-up Comedian Coluche, der selbst aus armen Verhältnissen stammte und sich für soziale Gerechtigkeit engagierte, war mir trotz seiner tragenden Rolle in einem meiner liebsten Louis-de- Funès-Filme kein Begriff. »Ich bin nicht neureich, sondern ein ehemaliger Armer«, hatte er [Coluche] gesagt und gegen soziale Ungerechtigkeit gewettert: »Es ist doch nicht normal, dass in Frankreich, dem Land des Fressens, die Leute nichts zu beißen haben.« Obwohl die ursprüngliche Idee eines klassischen Restaurants, in dem jeder zahlt, was er kann, und die Reicheren der Gesellschaft den Ärmeren ein Essen ausgaben, mehr und mehr einfachen Kantinen und Suppenküchen gewichen war, so galten diese Orte dennoch als unantastbar. Dem in ganz Frankreich agierenden Verein gleichen Namens flossen viele Spenden zu und Tausende von Menschen arbeiteten dort ehrenamtlich mit. Musiker, Sänger und Prominente komponierten und sangen unter dem Titel »Les Enfoirés«, die Verrückten, jedes Jahr einen schmissigen Song ein, dessen gesamter Erlös den »Herzensrestaurants« zufloss. Auch 30 Jahre nach dem frühen Tod Coluches, der all das ursprünglich finanziert hatte, wurde die Hilfe für die Armen engagiert weitergeführt. Wie lange noch?"Fazit: Für mich wird diese Reihe Band für Band interessanter, und so bin ich gespannt, was auf Léon Duval - und Annie - weiterhin zukommen wird, inklusive musikalischer und kultureller Horizonterweiterung meinerseits.

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  • Ausgiebige politische Diskussionen, wenig Krimi.

    Endstation Côte d'Azur
    Wedma

    Wedma

    29. March 2017 um 19:55

    Klappentext schildert die Ausgangssituation recht treffend: „Sein vierter Fall führt Léon Duval in die Welt der fliegenden Händler von Cannes. Ein Afrikaner wird am Bijou Plage, einem der schönsten Strände der Stadt, tot aufgefunden. Gibt es einen Zusammenhang mit den an der Grenze zu Italien ausharrenden Flüchtlingen, die immer wieder versuchen, mit selbst gebauten Booten nach Frankreich zu kommen? Oder ist alles doch ganz anders? Der Tote ist nämlich ein fliegender Händler aus dem Senegal. Von ihnen gibt es viele in der Stadt, sie verkaufen an den Stränden und in den Straßen ihre Waren an Touristen. Aber wer könnte ein Interesse daran haben, einen armen Straßenhändler zu ermorden? Duval erkennt bald, dass mehr hinter der Sache steckt, als zunächst vermutet. Zumal, als noch eine zweite Leiche auftaucht. Aber auch seine Freundin, die Journalistin Annie, die eigentlich für ein paar Tage Urlaub aus den Bergen nach Cannes gekommen ist, stellt Nachforschungen an. Sehr zum Ärger von Duval und seinen Kollegen.“ Zusammen mit Leon bewegt man sich überwiegend im Milieu von Straßenhändlern von Cannes. Die Ermittlungen des Todes des älteren Afrikaners führen Leon zu einer kleinen, heruntergekommenen Wohnung im Haus am Rande der Stadt, in der seit Jahrzehnten fliegende Händler wohnen. So erfährt man, wie sie ihr Geschäft seit etlichen Jahren organisieren, lernt den Verantwortlichen, den Boss sozusagen, kennen, der in etwa im Alter vom Verstorbenen ist, und von seinem bewegten Leben ausführlich erzählt: zunächst als Händler überall auf der Welt, zum Schluss wechselweise in seiner Heimat bei seiner großen Familie und zur Sommersaison in Cannes. Man bekommt auch einiges von der Mentalität dieser Menschen mit, sowie von den Schwierigkeiten, die die Einheimischen in Cannes mit der Anwesenheit der Straßenhändler haben. Hier kommt auch FN (Front National) zur Sprache, da seine Anhänger versuchen, den „Gästen“ das Leben schwer zu machen.   Annie, Leons frisch gebackene Partnerin, freie Journalistin, ist vom Thema Flüchtlinge ergriffen. Sie recherchiert im Flüchtlingsheim an der französisch-italienischen Grenze und so werden vor Augen der Leser menschenunwürdige Umstände dort geschildert. Auch einen freiwilligen Helfer macht sie ausfindig.  Einzelne Schicksale von jungen Fliehenden werden beschrieben, ihre Motive, ihre Ziele und Träume. Annie ist der Meinung, dass Frankreich zu wenig Flüchtlinge aufnimmt, dass die Grenzen auf gehören, denn viele sind auf dem Weg in den Norden und wollen nur durch Frankreich passieren. Über dieses Thema wird ausgiebig diskutiert, fast bei jeder Gelegenheit und auch beim schönen Essen. Hier wurde das Leben vom neuen Partner Annies Mutter vor Augen geführt. Er war vor etlichen Jahren aus Italien nach Frankreich gekommen und dort sein Leben um einen bescheidenen Restaurantbetrieb aufgebaut. Er erzählt quasi aus erster Hand, wie es ihm erging. Diese zwei großen Themen bestimmen den vierten Fall. Etwas vom Leben der Muslime in Frankreich und eine tragische Beziehung einer jungen Französin aus gut situiertem Hause zu einem gleichaltrigen Afrikaner, Vertreter der nächsten Generation der Straßenhändler, im letzten Drittel runden das Themengebilde ab. Die politische Seite der Situation überwiegt, da die Ausführungen einen großen Teil der Geschichte einnehmen.  Da Leon Annies Meinung nicht teilt, wird die Beziehung auf Probe gestellt. Die Auflösung des Falls, der erst mit einem weiteren toten Afrikaner zu einem wurde, ist eher einem Thema unterstellt, das man heute für vieles rannehmen kann, und auf mich eher konstruiert und gewollt wirkte. Weitere Figuren, wie Leons Kollegen, blieben mir kaum in Erinnerung. Trotz der durchaus interessanten Informationen zu den o.g. Themen, aber dank deren klaren Dominanz, ist der vierte Fall eher der schwächste. Mal sehen, wohin Leon &Co. der nächste Fall führt. Ich kann hier gute drei Sterne vergeben.

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  • Zu viel Thema, zu wenig Ermittlungen

    Endstation Côte d'Azur
    talisha

    talisha

    10. March 2017 um 12:17

    Dies war der dritte von mir gelesene Krimi in Folge, der das Thema Flüchtlinge beinhaltet. Bei den ersten beiden gab es immerhin noch andere Aspekte, doch bei "Endstation Côte d'Azur" dreht sich alles darum. Es wird lang und breit durchdiskutiert. Zwischen Léon und Annie, im Café, im Bistro, auf dem Polizeiposten, schlicht überall. Es gibt gefühlt keine einzige Unterhaltung im Buch, die nicht einen Bezug zu Flüchtlingen oder dem Schwarzhandel haben. Sogar die Auswahl auf der Speisekarte wird zur politischen Diskussion.Duval hat Urlaub und Besuch von Annie. Doch nicht lange, denn von höchster Stelle wird er beauftragt in einem Todesfall am Strand zu ermitteln. Zeitgleich gab es an der Grenze zu Italien einen Flüchtlingsaufstand und Duvals Vorgesetzte vermuten einen Zusammenhang. Besser gesagt, sie möchten lieber, dass dem nicht so ist und Duval soll es diskret herausfinden. Seine Freundin, die Journalistin Annie Châtel, ist ganz Ohr, beginnt selbst zu recherchieren und geht dermassen darin auf, so dass Léon zu kurz kommt. Dies sorgt für gehörige Spannungen in der Beziehung, aber Annie will Gleichberechtigung. Léon hat daran zu knabbern.Gefallen hat mir, dass man Annie in diesem vierten Band besser kennen lernt. Bisher war sie eher eine Randfigur, doch nun kommt sie endlich zu Zuge. Léon und seine Mitarbeiter Léa Leroc, Michel Leblanc und Noah Villiers kabbeln sich wie immer, arbeiten aber effizient.Gar nicht gefallen hat mir, dass das Thema dermassen dominiert, dass sogar die Mahlzeitenauswahl der Protagonisten interessanter war. Über das Thema hört und liest man tagtäglich in den Nachrichten und Zeitungen - ich muss es in diesem Ausmass nicht auch noch in einem Krimi lesen. Die Autorin hat zweifellos gut recherchiert. Es werden sämtliche Einstellungen und Lösungsansätze diskutiert, doch sie wären meiner Meinung nach in einem Einzelband besser aufgehoben. Leider gehen auch die Ermittlungen total unter. Sie sind weder spannend noch unterhaltsam und bestehen nur aus Gesprächen, in denen erörtert wird, wieso die Strassenhändler hier leben und wie sie organisiert sind.Die einzig fesselnde Situation im Buch wäre die Festnahme des Täters gewesen, doch nur soviel dazu: hier wurde ein Unterthema bemüht, dem man alles in die Schuhe schieben kann. Es schien mir, als ob die ellenlangen Themendialoge die Fantasie der Autorin ermüdet haben, und sie noch schnell einen - für mich zu einfallslosen und abgenutzten - Schlusspunkt setzte. Schade.Fazit: Ereignisloser Fall und ermittlungsschwächster Teil der Serie. Lesenswert für Leser, die sich für die Hintergründe des Strassenhandels interessieren.3 Punkte.

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