Manchmal liest man ein Buch – und ist plötzlich nicht mehr auf dem Sofa, sondern mitten im Jahr 1837 in Toronto. Genau so ging es mir mit Das Wagnis der Wäscherin.
Im Mittelpunkt steht Sara O’Connor, die sich nach schweren Verlusten in sehr armen Verhältnissen durchschlagen muss. Ihre Großmutter ist ihr Halt – warmherzig, klug und eine echte Stütze. Vom früheren besseren Leben ist nicht viel geblieben. Also verdient Sara ihr Geld als Wäscherin. Und ich hatte beim Lesen wirklich das Gefühl, ich stehe mit ihr im Dampf der Waschküche, schrubbe Hemden und kämpfe gleichzeitig mit ihr um Würde und Selbstachtung.
Denn leicht ist ihr Weg nicht. Sie muss lernen, sich unterzuordnen, obwohl so viel Stärke und Eigenständigkeit in ihr steckt.
Besonders berührt hat mich die Begegnung mit der kleinen Evie. Ein zehnjähriges Mädchen ohne Mutter, klug, sensibel – und doch voller Sehnsucht nach Halt. Zwischen Sara und Evie entsteht etwas sehr Zartes. Und plötzlich ist Sara nicht mehr nur Wäscherin, sondern Gouvernante. Und natürlich wird es spätestens dann turbulent.
Evies Vater James, ein engagierter Anwalt, bemüht sich redlich, seiner Tochter alles zu geben. Und doch merkt man schnell: Auch er ist ein Mensch mit eigenen Kämpfen. Zwischen ihm und Sara knistert es leise – nicht kitschig, sondern vorsichtig und glaubwürdig.
Was die Geschichte zusätzlich spannend macht: Sie spielt in einer Zeit politischer Unruhen. James gerät durch einen Freund in brisante Situationen – und man spürt, dass nicht nur Herzen, sondern auch Lebenswege auf dem Spiel stehen.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Der Schreibstil hat mich getragen. Er ist lebendig, bildhaft und voller Atmosphäre. Es ist eine herzbewegende Geschichte über Mut, soziale Unterschiede, Glauben, Verantwortung und die Frage, ob man es wagen darf, seinem Herzen zu vertrauen.
Für mich war dieses Buch mehr als nur eine historische Liebesgeschichte. Es war eine Reise in eine andere Zeit – mit Figuren, die einem ans Herz wachsen.
Ich hoffe sehr, dass ich noch viele weitere Geschichten dieser Art von Christine Hill Suntz lesen darf. Mir hat dieses Buch große Freude gemacht.



