Christine Kensche

Lebenslauf von Christine Kensche

Christine Kensche, geboren 1982, hat Geschichte, Politik und Germanistik in Bonn und Rom studiert, berichtete als freie Reporterin aus Italien, Israel, Gaza und dem Westjordanland und ist seit 2014 Redakteurin der «Welt» und «Welt am Sonntag».

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Christine Kensche

Cover des Buches Auf der Straße gilt unser Gesetz (ISBN: 9783453218000)strickleserls avatar

Rezension zu "Auf der Straße gilt unser Gesetz" von Khalil O.

Ein Dealer aus einem kriminellen Clan, der den Ausstieg schafft
strickleserlvor einem Jahr

Khalil stammt aus einer großen Familie. Der Zusammenhalt ist groß. Wenn einer Probleme hat, startet er einen Notruf, und schon bald sind jede Menge kampfbereite, bewaffnete Männer zur Stelle, um den Anrufer zu verteidigen. Diese große Familie hält nicht nur bei Gewaltaktionen zusammen, gemeinsam finden sie auch viele Wege, um schnell reich zu werden. Dabei können sie sich aufeinander verlassen, denn sie sind ja Familie.

 

Khalils arabische Familie stammt aus einem Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei. Wegen den Unruhen in der Heimat wandert sein Großvater in den 40er Jahren nach Libanon aus. Als es auch dort unsicher ist, hört die Familie vom guten Leben in Deutschland. 1978 zieht die Familie nach Deutschland, und nach einigen Eingewöhnungsschwierigkeiten entschließen sie sich zu bleiben.

 

Khalil lebt zunächst in einem kleinen Dorf. Er wird gehänselt und weiß nicht, wie er damit umgehen soll. Nach einem Familienbesuch in der alten Heimat entschließt er sich nicht mehr Opfer zu sein, sondern mit Gewalt zu antworten.

 

Nach der Trennung der Eltern zieht der Vater mit seinen Kindern nach Berlin, denn dort lebt seine erweiterte Familie, die sich mit ihm um die Kinder kümmern kann.

 

Schon in seinen ersten Teenagerjahren beteiligt sich Khalil mit Begeisterung an die kriminellen Aktivitäten der Großfamilie. Betrug und Diebstahl, Drogenanbau und Handel, Bordellbesuche und mehr kennzeichnen seinen neuen Alltag. Die Schule bricht er ohne Abschluss ab. Er lebt offiziell von Sozialhilfe und sucht immer neue Verstecke für seine Unsummen an Geld. Bis er sich eines Tages entschließt sein Leben zu ändern. Er ist es müde immer in Angst zu leben. Er will auf ehrliche Weise sein Geld verdienen. Er kommt von den Drogen frei, macht das Abitur nach und studiert Sozialarbeit. Jetzt hilft er gefährdeten Jugendlichen ihr Leben zu überdenken und neue, gewaltfreie Wege zu finden.

 

Dieses Buch wurde von der Journalistin Christine Kensche geschrieben, die Khalil eine Stimme gibt. Der Ton dieser Stimme wechselt im Laufe des Buchs mehrmals. Am Anfang wird recht sachlich über die Familiengeschichte berichtet. Dann kommen die Jahre, die von Kriminalität und Ausschweifungen bestimmt sind. Hier spricht ein wütender Junge von der Straße. Bei der Aufzählung der Taten ist nur wenig Reue zu spüren, obwohl es viele Opfer gibt, die stark unter Khalils Verbrechen leiden. Es soll vielleicht authentisch klingen, aber beim Lesen wirkt die derbe, gewaltverherrlichende und mitleidslose Sprache teilweise abstoßend. Die letzten Kapitel sind wieder sehr sachlich geschrieben. Hier geht es um Ratschläge für den Umgang mit Flüchtlingen und Familienclans, damit diese gar nicht erst in die Kriminalität abrutschen.

 

Fazit: Ein Insiderblick auf die Karriere eines Clan-Kriminellen, der die Umkehr schafft. Trotz der unangenehmen, derben Sprache in weiten Teilen des Berichts ist es beeindruckend zu lesen, wie ein Freund und eine Lehrerin durch ihre Liebe und Annahme die Sehnsucht nach einem anderen Leben in Khalil wecken

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Cover des Buches Auf der Straße gilt unser Gesetz (ISBN: 9783453218000)DrunkenCherrys avatar

Rezension zu "Auf der Straße gilt unser Gesetz" von Khalil O.

Ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus
DrunkenCherryvor einem Jahr

Mir gefiel der Aufbau des Buches sehr gut. Denn in „Auf der Straße gilt unser Gesetz: Arabische Clans – Ein Insider erzählt seine Geschichte“ beginnt Khalil O. Ganz von vorne. Er erklärt, wie die arabischen Familien in ihrer Heimat, kleinen Dörfern funktionierte und wie es dazu kam, dass viele von den dort lebenden nach Deutschland kamen. Wie es sein kann, dass eine Familie hunderte von Mitgliedern hat und wieso es einem Araber unmöglich scheint, einem Streit aus dem Weg zu gehen, wenn jemand seine Mutter beleidigt. Und wie Clans funktionieren – und dass es ganz anders ist, als wir uns das oft vorstellen.

Aber im Prinzip erzählt ein mittlerweile mitten im Leben stehender Mann einfach nur aus seinem Leben. Wie er in einem Dorf in Baden-Württemberg noch relativ behütet aufwächst, dann aber immer mehr in kriminelle Kreise abdriftet. Kreise, aus denen man sich nicht so leicht befreien kann, weil es eben in der eigenen Familie stattfindet. Aber die man sich auch nicht so mafiös vorstellen sollte, wie es uns manchmal im Fernsehen weis gemacht wird.

Interessant fand ich vor allem den Abschnitt, in dem Khalil über seine Heirat berichtet hat. Was auf den ersten Blick anmutet wie ein Viehhandel, wurde mir in einem späteren Abschnitt viel begreiflicher.

Das Buch hilft auf jeden Fall, seinen Blickwinkel auf gewisse Sachen zu ändern. Nein, Khalil ist kein Unschuldslamm – und das weiß er auch. Aber die ganze Dynamik innerhalb einer Großfamilie und wie es das Leben versauen kann, darin gefangen zu sein, wenn man nicht stark genug ist, sich freizustrampeln, wurde mir einfach viel bewusster und war sehr interessant.

Lediglich der Anhang, erzählt von der Journalistin, der Khalil O. Seine Geschichte erzählt hat, war für mich nicht gut ausgearbeitet. Zu sachlich geschrieben, wo hingegen in der aus Khalils Perspektive berichteten Passagen sehr unterhaltsam waren. Auch gab es einfach zu viele Informationen auf zu wenigen Seiten, die ich irgendwann gar nicht mehr richtig erfassen konnte.

Prinzipiell fand ich das Buch aber sehr unterhaltsam und informativ zugleich. Ich habe auf jeden Fall etwas gelernt und kann das Buch jedem empfehlen, der gerne mal einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus wagen möchte.


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Cover des Buches Auf der Straße gilt unser Gesetz (ISBN: 9783453218000)Zsadistas avatar

Rezension zu "Auf der Straße gilt unser Gesetz" von Khalil O.

Rezension zu "Auf der Straße gilt unser Gesetz"
Zsadistavor einem Jahr

„Auf der Straße gilt unser Gesetz“ ist ein Buch von Khalil O. und Christine Kensche. 

 

Khalil O. erzählt seine Geschichte, ungeschönt und gerade heraus. 

 

Er erzählt über seine Familie, beginnend von seinen Großeltern bis hin zum jetzigen Zeitpunkt. Es fängt an mit zwei Dörfern und Familien im Streit. Die Story erzählt den Weg bis zur Ankunft in Berlin. Hier wird die Geschichte dann zu Khalils Geschichte. 

 

Es ist faszinierend und zugleich absolut erschreckend, was man so erfährt. Natürlich sind auch hier nur wenige der Großfamilien kriminell, doch gerade die Kriminellen schlagen hier mächtig ein. 

 

Khalil erzählt seine Geschichte aus Berlin. Seine enge Familie wohnt in Berlin. Doch das Ausmaß der ganzen Sache kam mir dann auf Seite 176 entgegen, als ich las, dass ein Onkel von ihm in Saarbrücken wohnt. Selbst hier im tiefsten Saarland findet man Verwandte aus diesem Clan. Da merkt man erst einmal, was hier für ein Netzwerk am Laufen ist. 

 

Khalil selbst hat vor 15 Jahren den Knacks bekommen und hat sein Leben grundliegend geändert. Er arbeitet jetzt mit straffälligen Jugendlichen und versucht sie, auf die richtige Bahn zu bringen. 

 

Die Problematik, die er beschreibt ist eigentlich schon bekannt. Ich zumindest habe schon mehrfach darüber diskutiert, dass es zum Beispiel besser ist, wenn muslimische Polizisten in kriminellen Fällen von Muslimen dazu gezogen werden würden. Weil diese Muslime deutsche Polizisten nicht wirklich akzeptieren. Ich finde es auch gut, dass Khalil Lösungsansätze für kriminelle Jugendliche gibt. Ich schätze, das würde auch gut funktionieren und einige wieder gerade biegen. Nur wird das in Deutschland niemals so gehandhabt werden, da bin ich mir sicher. Der Großteil der Gesellschaft ist viel zu verweichlicht, um solche Maßnahmen gut zu finden. Viele denken immer noch, gut zureden hilft. All jenen empfehle ich solche Bücher wie dieses hier. 

 

Ich fand das Buch richtig gut und konnte kaum aufhören zu Lesen. Sehr gut geschrieben, erzählt und nahe gebracht. Es ist nichts schwierig zu verstehen und alles gerade heraus. Ich muss sogar gestehen, dass es am Anfang schon auch etwas ironisch humorvoll ist. 

 

Ich kann das Buch wirklich empfehlen, vor allen Dingen bringt es einen ganzen Berg Stoff zum Nachdenken mit. 

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