Christine Koschmieder

 4 Sterne bei 50 Bewertungen
Autor*in von Frühjahrskollektion, Dry und weiteren Büchern.
Autorenbild von Christine Koschmieder (©Foto: Grit Hartung 2023 )

Lebenslauf

Christine Koschmieder (*1972). Autorin und Übersetzerin (u.a. Lubi Barre, Paula Bomer). Nach dem Studium der Theater- und Kommunikationswissenschaften in Leipzig und Intercultural Communication & European Studies in Fulda habe ich von 2003 - 2023 die Literaturagentur Partner + Propaganda betrieben und für Violence Prevention Network, die Dresdner Hilfsorganisation arche noVa e.V., Frauen für Frauen e.V. in Leipzig u.a. als Fundraiserin gearbeitet. Mein erster Roman »Schweinesystem« (Aufbau Verlag 2014) war für den aspekte Literaturpreis nominiert, es folgten  »Trümmerfrauen. Ein Heimatroman« (Edition Nautilus 2020), »DRY« (Kanon Verlag 2022) und das essayistische Sachbuch "Schambereich. Über Sex sprechen" (Kanon Verlag 2023). Mit einem Auszug aus dem aktuelle Roman "Frühjahrskollektion" (Kanon Verlag 2025) war ich 2024 auf Einladung von Mithu Sanyal zum Bachmannpreis in Klagenfurt eingeladen. Nach 30 Jahren in Leipzig lebe ich inzwischen in Aken an der Elbe. 

Alle Bücher von Christine Koschmieder

Cover des Buches Frühjahrskollektion (ISBN: 9783985681594)

Frühjahrskollektion

(20)
Erschienen am 27.02.2025
Cover des Buches Dry (ISBN: 9783985681372)

Dry

(12)
Erschienen am 17.07.2024
Cover des Buches Ein Haus für mich (ISBN: 9783985682089)

Ein Haus für mich

(5)
Erschienen am 17.03.2026
Cover des Buches Schweinesystem (ISBN: 9783351050122)

Schweinesystem

(5)
Erschienen am 18.08.2014
Cover des Buches Schambereich (ISBN: 9783985680962)

Schambereich

(4)
Erschienen am 11.10.2023
Cover des Buches Trümmerfrauen. Ein Heimatroman (ISBN: 9783960542209)

Trümmerfrauen. Ein Heimatroman

(1)
Erschienen am 02.03.2020
Cover des Buches Dry (ISBN: 9783985680443)

Dry

(3)
Erschienen am 17.08.2022

Neue Rezensionen zu Christine Koschmieder

Cover des Buches Ein Haus für mich (ISBN: 9783985682089)
Buch_und_Schules avatar

Rezension zu "Ein Haus für mich" von Christine Koschmieder

Buch_und_Schule
Wie wollen wir wohnen und leben? Christine Koschmieder in der Tradition von Virginia Woolf

"Aber es sind eben doch eher nicht die Häuser, die Menschen unglücklich machen, als die Menschen einander gegenseitig."

In ihrem Memoir "Dry" setzte Christine Koschmieder sich mit dem Weg zur trockenen Alkoholokerin auseinander. Mit "Ein Haus für mich" folgt nun der zweite Teil ihrer Memoiren, in dem sie von ihrer Lebenssituation und dem Wandel des Wohnens allgemein schreibt. Dabei stellt sich die Frage: Was macht ein Haus zum (Zu)Haus(e)?

Nicht nur der Titel ihres Buches liefert Reminiszenzen an Virginia Woolf s A room of one's own, auch inhaltlich und stilistisch drängt sich der Eindruck von Schwestern im Geiste auf (-wenn man das so blumig sagen darf). Koschmieders Erzählstil changiert zwischen spröde -faktisch und poetisch-nostalgisch, sie bildet damit (ost-)deutsche Geschichte und Alltagsleben ab. Eingebettet in architektur- und gesellschaftshistorische Ausführungen erzählt sie von ihrem Entschluss, ein altes Haus bei Dessau zu kaufen und zu sanieren, führt die Leser in die Geschichte von Dessau und Bauhaus-Architektur ein. 

"Die Schönheit von Dessau erschließt sich nicht auf den ersten Blick und manchen nie."

Die Autorin gibt Einblick in Lebensentscheidungen und listet bisweilen detailliert, geradezu akribisch einzelne Schritte im Ausbau auf,  erläutert die Unterschiede verschiedener Türklinken und Lichtschalter. Damit verknüpft sind ihre Gedanken zum Bauhaus-Stil, ebenso wie Bezahlbarkeit von Wohnraum.

Anspruchsvoll, zutiefst persönlich und klug geschriebene Lektüre für aufmerksame Leser, die sich immer wieder über kleine Juwelen freuen dürfen, wenn sie dran bleiben. Nicht nur für Fans von (Bauhaus-)Architektur lesenswert, sondern auch für alle, die sich zu Kapitalismus - und Gesellschaftskritik Gedanken machen.

Cover des Buches Ein Haus für mich (ISBN: 9783985682089)
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Rezension zu "Ein Haus für mich" von Christine Koschmieder

Hubertus_Feldmann
Offen“herzige“ Selbstanalyse

Wer sich dieses Buch kauft, ringt vermutlich selbst mit der Frage sich räumlich so zu verändern, dass dabei nicht nur ein Umzug herauskommen, sondern damit auch ein räumliches, dauerhaftes Verankern verbunden sein sollte. Wer sich also (ausschließlich) auf ein Buch mit vielen technischen Details zum Kauf und/oder Umbau eines Hauses freuen sollte, wird – enttäuscht werden.

Denn dieses Buch ist viel mehr. Den Rahmen dieses Buches gibt der Kauf und Umbau eines um 1840 errichtetet Schifferhauses vor, welches nicht, wie der Name suggeriert, auf großem Grundstück, idyllisch am Ufer eines Flusses liegt, sondern in Reih und Glied neben, gegenüber und zwischen anderen Häusern steht (gemeinhin als Reihenhaus bezeichnet), die sich äußerlich nur durch ihre Fassadenfarbe zu unterscheiden vermögen. Ein Fluss allerdings liegt zumindest in der Nähe, es ist die Elbe und nicht weit davon Dessau, eine Stadt, die allgemein als  d i e  Bauhausstadt gilt, da die prägenden Bauten hier entstanden sind. 

Der Kaufpreis von 21.000 Euro liegt, dass wird recht schnell deutlich, gerade so im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Autorin und lässt zugleich auch auf den baulichen Zustand des Hauses schließen. Es gibt also viel zu tun. Und so heißt es denn auch: Selbst ist die Frau - die hier Speis und Farbe anrührt und verstreicht, den Lehm an die Wand schmeißt und endlos Bretter und dergleichen schleift. Zugleich gibt es Sonderwünsche zu erfüllen, die, jenseits ihrer Funktionalität, zum Glücksempfinden der Bauherrin beitragen: „Ich kenne inzwischen drei unterschiedliche Lichtschaltersysteme, Kippschalter, Wippschalter und Drehschalter. Jeder Schaltertyp erfordert eine unterschiedliche Bewegung, um das Signal durch die Leitung zu schicken, das dafür sorgt, dass es hell oder dunkel wird. Kippschalter, Wippschalter, Drehschalter, es liegt eine Poesie in diesen Begriffen und in den Bewegungen, sie sie erfordern. […] für mich tanzen sie.“ 

 

Zum Glück gibt es hilfreiche Geister, von denen einer der Geister besonderes hervorsticht und vermutlich auch maßgeblich dazu beiträgt, dass dieses Lebensprojekt tatsächlich einem zumindest vorläufigen Abschluss finden kann – und zwar in der „Schönheit des Unfertigen“. Auch weil dieses Haus als eine Art offenes Haus gedacht ist, in der sich Menschen begegnen aber auch für eine Zeitlang wohnen können – wenn es denn passt. Es ist ein Plan, ein Entwurf, mit dem man sich sofort anfreunden kann, und der nicht zuletzt aus der Vergangenheit der Autorin herrührt, in der Häuser als eher beengend und begrenzend wahrgenommen wurden. 

Mit Fortdauer der Lektüre wird man quasi bereits zum Mitbewohner, kann es sich jedenfalls gut vorstellen. Das liegt auch daran, dass neben der ganzen planerischen und gestalterischen Tätigkeit, auch tiefe Einblicke in das Leben der Autorin gewährt werden, in deren dunkle Kammern, in denen Alkohol, eine fragile Kindheit, problematische menschliche Beziehungen und nicht zuletzt ein in „Sich-selbst-in-die-Tasche-lügen“ eine prägende Rolle spiel(t)en. Dass dabei die Lebensfreude nicht abhandengekommen ist, merkt man auch daran, dass dies kein knochentrockener Stoff über Haus, Sucht und sonstige zu bewältigende Probleme geworden ist, sondern ein sehr offenes, in Teile recht amüsant zu lesenden Buch.

(14.4.2026)

Dass neben allem Persönlichen auch noch Themen wie die bereits erwähnte Bauhausentwicklung, der Art. 15 des Grundgesetztes (Vergesellschaftung von Gemeineigentum) oder der „Zusammenhang zwischen steigenden Wohnkosten und dem Erstarken rechter Parteien“ zur Sprache kommen, ist eine besondere Stärke dieses Buches. Vielleicht gelingt es ja der Autorin in ihrer optimistischen Art doch noch das geplante „Bücher-Café“ zu eröffnen. Zu wünschen wäre es ihr jedenfalls.

Cover des Buches Ein Haus für mich (ISBN: 9783985682089)
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Rezension zu "Ein Haus für mich" von Christine Koschmieder

Hyperikum
Kluge, sympathische Frau

Christine ist in dreiundzwanzig Jahren einundzwanzig Mal umgezogen. Es kamen Menschen und Kinder hinzu und gingen wieder. Jetzt visioniert sie ein kleines Haus für sich, eines, das zum Bleiben einlädt. In dem sie für Menschen, die an ihrem großen Tisch sitzen kocht, die mit ihr darüber sprechen, wie sich die Welt gestalten lässt. 


Wenn ich also Haus sage, dann will ich über Bedürfnisse sprechen, über Kühlschrankinhalte und Eigentumsverhältnisse, über Provinz und Metropolen, über diejenigen, die die Häuser planen, und diejenigen, die darin wohnen. S. 15


Christine ist Literaturagentin für postjugoslawische Literatur und vertritt bosnische, kroatische und serbische Autor*innen. Es ist kein lukrativer Job. Die Verlage können sie nicht lesen, also braucht es einen Gutachter. Sie arbeitet eher mit kleinen, unabhängigen Verlagen, die solche Stimmen nach Deutschland holen. Das Honorar ist gering und eine Platzierung auf der Bestsellerliste ist nicht zu erwarten. 

Lange hat sie geglaubt, dass Erbe, Ehe und Grundbesitz zwei Menschen unglücklich miteinander macht, samt den dazugehörigen Kindern, so hat sie es schließlich selbst erlebt. So hat sie sich bisher in ihrer früh gewonnenen Lebenswirklichkeit eingenistet, auf Geld, Ehe und Haus verzichtet und versucht ihr Glück zu erzwingen. Es hat lange gedauert, bis ihr klar wurde, dass der Alkohol das Glück ihrer Eltern zerstört hat. 

Nun hat sie ein kleines Häuschen gefunden, in dem sie sich finden und alles bisherige anders machen wird. Zuerst wird entkernt, dann der Elektriker zurate gezogen, der einen Preis aufruft, den Christine gerade noch stemmen kann und dann fährt sie für drei Monate in die Suchtklinik nach Brandenburg. 

Fazit: Christine Koschmieder, Autorin und Literaturagentin, hat nach ihrem großen Erfolg „Dry“ wieder über sich geschrieben. Die Großstadtdiva möchte einen neuen Weg einschlagen. Sie sucht und findet ein kleines sanierungsbedürftiges Häuschen in der Provinz und beginnt mit der Entkernung. Diese zieht die Komplettsanierung der Stromversorgung nach sich. Während der Elektriker ihres Vertrauens sich austobt, begibt sie sich in eine Klinik und bringt den Alkoholentzug hinter sich. Wieder zurück, renoviert sie die alten Holzdielen und bilanziert ihr bisheriges Leben. Dabei erfahre ich einiges über ihre unstete Vergangenheit, aber auch über ihre Träume. Sie möchte einen kleinen Raum ihres Häuschens an bedürftige Autorinnen abtreten, denen Ruheort und Zeit fehlen und insgesamt einen geschützten Ort für Menschen und Gespräche schaffen. Ich erfahre aber auch viel über ihre Interessen. Die Architektur und besonders der Bauhaus-Stil haben es ihr angetan. Sie hat einen feinen Schreibstil, der auch ihre spannenden Gedanken der Selbsterkenntnis transportiert. Alles wird nüchtern erzählt, ähnlich dem schlichten Bauhaus-Stil, frei von Übertreibungen. Und so entsteht das Bild einer klugen, sympathischen Frau, die sich innerlich und äußerlich auf das Wesentliche, das Wahre reduziert. 

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