Wer sich dieses Buch kauft, ringt vermutlich selbst mit der Frage sich räumlich so zu verändern, dass dabei nicht nur ein Umzug herauskommen, sondern damit auch ein räumliches, dauerhaftes Verankern verbunden sein sollte. Wer sich also (ausschließlich) auf ein Buch mit vielen technischen Details zum Kauf und/oder Umbau eines Hauses freuen sollte, wird – enttäuscht werden.
Denn dieses Buch ist viel mehr. Den Rahmen dieses Buches gibt der Kauf und Umbau eines um 1840 errichtetet Schifferhauses vor, welches nicht, wie der Name suggeriert, auf großem Grundstück, idyllisch am Ufer eines Flusses liegt, sondern in Reih und Glied neben, gegenüber und zwischen anderen Häusern steht (gemeinhin als Reihenhaus bezeichnet), die sich äußerlich nur durch ihre Fassadenfarbe zu unterscheiden vermögen. Ein Fluss allerdings liegt zumindest in der Nähe, es ist die Elbe und nicht weit davon Dessau, eine Stadt, die allgemein als d i e Bauhausstadt gilt, da die prägenden Bauten hier entstanden sind.
Der Kaufpreis von 21.000 Euro liegt, dass wird recht schnell deutlich, gerade so im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Autorin und lässt zugleich auch auf den baulichen Zustand des Hauses schließen. Es gibt also viel zu tun. Und so heißt es denn auch: Selbst ist die Frau - die hier Speis und Farbe anrührt und verstreicht, den Lehm an die Wand schmeißt und endlos Bretter und dergleichen schleift. Zugleich gibt es Sonderwünsche zu erfüllen, die, jenseits ihrer Funktionalität, zum Glücksempfinden der Bauherrin beitragen: „Ich kenne inzwischen drei unterschiedliche Lichtschaltersysteme, Kippschalter, Wippschalter und Drehschalter. Jeder Schaltertyp erfordert eine unterschiedliche Bewegung, um das Signal durch die Leitung zu schicken, das dafür sorgt, dass es hell oder dunkel wird. Kippschalter, Wippschalter, Drehschalter, es liegt eine Poesie in diesen Begriffen und in den Bewegungen, sie sie erfordern. […] für mich tanzen sie.“
Zum Glück gibt es hilfreiche Geister, von denen einer der Geister besonderes hervorsticht und vermutlich auch maßgeblich dazu beiträgt, dass dieses Lebensprojekt tatsächlich einem zumindest vorläufigen Abschluss finden kann – und zwar in der „Schönheit des Unfertigen“. Auch weil dieses Haus als eine Art offenes Haus gedacht ist, in der sich Menschen begegnen aber auch für eine Zeitlang wohnen können – wenn es denn passt. Es ist ein Plan, ein Entwurf, mit dem man sich sofort anfreunden kann, und der nicht zuletzt aus der Vergangenheit der Autorin herrührt, in der Häuser als eher beengend und begrenzend wahrgenommen wurden.
Mit Fortdauer der Lektüre wird man quasi bereits zum Mitbewohner, kann es sich jedenfalls gut vorstellen. Das liegt auch daran, dass neben der ganzen planerischen und gestalterischen Tätigkeit, auch tiefe Einblicke in das Leben der Autorin gewährt werden, in deren dunkle Kammern, in denen Alkohol, eine fragile Kindheit, problematische menschliche Beziehungen und nicht zuletzt ein in „Sich-selbst-in-die-Tasche-lügen“ eine prägende Rolle spiel(t)en. Dass dabei die Lebensfreude nicht abhandengekommen ist, merkt man auch daran, dass dies kein knochentrockener Stoff über Haus, Sucht und sonstige zu bewältigende Probleme geworden ist, sondern ein sehr offenes, in Teile recht amüsant zu lesenden Buch.
(14.4.2026)
Dass neben allem Persönlichen auch noch Themen wie die bereits erwähnte Bauhausentwicklung, der Art. 15 des Grundgesetztes (Vergesellschaftung von Gemeineigentum) oder der „Zusammenhang zwischen steigenden Wohnkosten und dem Erstarken rechter Parteien“ zur Sprache kommen, ist eine besondere Stärke dieses Buches. Vielleicht gelingt es ja der Autorin in ihrer optimistischen Art doch noch das geplante „Bücher-Café“ zu eröffnen. Zu wünschen wäre es ihr jedenfalls.