In der Bilderwelt von Christine Langer bekommt man den Eindruck, dass der Mensch Teil eines großen Musikinstruments ist, das aus allem in der Natur besteht und vom Weltgeist gespielt wird. Wir sind mal eine Saite, mal ein Ventil, ein Hämmerchen dann, ein Bund und oft, vor allem bei Langer, ein reiner Resonanzkörper.
Vielleicht sind wir auch das Lied; gerne hielten wir uns für die Melodie. Doch wenn man innehält, sich an die Grenze der eigenen Bedeutung begibt, wenn man horcht und vor allem schaut, bietet sich die Welt meist als eine elementare Angelegenheit dar, an der wir nur begrenzt Anteil haben können, die dirigiert, ohne uns als Solostimme aufzurufen.
Dennoch sind wir eine Wahrnehmung. Wir versuchen zu rezipieren, was geschieht, an Großem, an Kleinem. Unser Mitteilen verläuft sich und die Verläufe der Tage führen tiefer in uns selbst hinein. Wir sind ganz klein in etwas sehr Großem. Wieso ist dann unser Wunsch so groß, warum wollen wir eine Bedeutung haben? Wieso ist unsere Sehnsucht so weich, dass wir uns stets hineinfallen lassen?
Langer zeigt die Welt als eine Ansammlung gehegter und reger Wunder mit magischer Frequenz, aber ohne magischen Anspruch. Ihre Gedichte sind Empfänger dieser Frequenzen – und verblüfft blättert man und fragt sich: ist das Rauschen eine schlechte Verbindung oder ist es das Eigentliche?
Christine Langer
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Christine Langer
Ein Vogelruf trägt Fensterlicht
Findelgesichter
Jazz in den Wolken
Neue Rezensionen zu Christine Langer
„Den Schatten, die nunmehr alle Winkel schlucken, / Stelle ich einen Zeilenanfang entgegen. / Das Gegenteil von Verzicht? / Das Licht fällt ein, bricht sich / Im Fensterglas“ (Zitat aus „Innere Ordnung“, Seite 13)
Inhalt
Dieser Gedichtband ist in fünf Abschnitte geteilt, jeder trägt als Überschrift einen vertiefenden Gedanken, ein einleitendes Gedicht, bereits auf die Themen der nachfolgenden Gedichte verweisend. Auch diese poetische Einleitung öffnet schon ein eigenes Gedankenbild. „Doch auch, wenn du Gedanken vorauseilst, / Ziehst du deinen Körper hinter dir her“ (Titel Abschnitt III., Seite 41)
Themen und Sprache
Jedes der Gedichte der Abschnitte I bis IV ist eine poetische Momentaufnahme, ein Dialog mit der Natur, mit dem Umfeld, mit einer Situation an irgend einem Tag. Daraus ergeben sich Fragen, Gedanken, Erinnerungen, Ausblicke oder auch Schlussforderungen für diesen einen, speziellen Moment. Manchmal wendet sich das lyrische Ich in seinem Dialog auch an ein fiktives Du. Die Sprache malt und vertieft die Farben der Natur, das Gelb des Rapsfeldes, immer wieder das Grün der Blätter, der Bäume. Bewegung bringen die Wolken und das Blau des Himmels, auch noch in der Dämmerung „Ins Blau fallende Sterne“ (Zitat Seite 8, aus Tage wie dieser). Immer wieder finden wir das Kernthema, Licht und Schatten, Schatten und Licht. Der Abschnitt V. trägt die Überschrift „Traumnuancen – Übungen im poetischen Sprechen“. Hier führt uns Christine Langer in vierzig unterschiedlichen Eindrücken, Beobachtungen, Gedankenflügen durch den Tag, immer in Bewegung, Leichtigkeit in Worte gefasst, in poetische, eindrückliche Bilder zum Nachfühlen, Mitempfinden, Mitdenken. Ein ebenfalls poetisches, interessantes Nachwort des Schriftstellers Mirko Bonné lädt am Ende dieses Gedichtbandes nochmals zum Nachdenken ein.
Fazit
„Schließ die Augen, ich lese dich auf“ (aus Traumnuancen 11, Seite 75). Dieser einfache Satz beschreibt besser als noch mehr Worte von mir, warum es immer wieder ein Erlebnis ist, Lyrik zu lesen. Es sind die Phantasie, Schönheit und innere Ruheräume, die wir in den mit leiser, poetischer Sprache eindrücklich gemalten Gedankenbildern finden.
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