Christine Mangan

 3,6 Sterne bei 30 Bewertungen
Autorin von Nacht über Tanger, Nacht über Tanger und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Über Freundschaft und Vertrauen: Mit ihrem ersten Buch, „Nacht über Tanger“, ist Christine Mangan ein außergewöhnlicher Thriller gelungen. Das Buch, das im Sommer 2018 in seiner deutschen Übersetzung erschien, erzählt von Alice Shipley, die in den 50er Jahren mit ihrem Mann nach Marokko zieht und dort auf ihre einstige beste Freundin Lucy trifft, mit der sie seit einem tragischen Vorfall vor einem Jahr nicht mehr gesprochen hat. Während sich die beiden Frauen wieder annähern, fühlt sich Alice bald erstickt von der Nähe und beginnt an ihrem eigenen und an Lucys Verstand zu zweifeln. Der Leser, der das Geschehen verfolgt, lernt bald, dass er sich auf keine Aussage verlassen kann und kommt ins Zweifeln. Mangan hat eine verstörende, aber faszinierende Geschichte über die Komplexität von Freundschaft und Vertrauen zwischen zwei Frauen geschrieben. Dass sie Schreiben kann, steht außer Frage. Christine Mangan hat einen Master in Kreativem Schreiben von der University of Southern Maine und hat über Gothic Literatur im 18. Jahrhundert promoviert, trägt einen Doktortitel vom University College Dublin. Heute lebt sie in New York und widmet sich Vollzeit der Schriftstellerei.

Alle Bücher von Christine Mangan

Cover des Buches Nacht über Tanger (ISBN: 9783453423640)

Nacht über Tanger

(19)
Erschienen am 13.01.2020
Cover des Buches Nacht über Tanger (ISBN: 9783837143126)

Nacht über Tanger

(10)
Erschienen am 13.08.2018
Cover des Buches Tangerine (English Edition) (ISBN: 9781408709962)

Tangerine (English Edition)

(1)
Erschienen am 22.03.2018

Neue Rezensionen zu Christine Mangan

Cover des Buches Nacht über Tanger (ISBN: 9783453423640)
katiandbookss avatar

Rezension zu "Nacht über Tanger" von Christine Mangan

katiandbooks
Highlight

Alice und Lucy waren nicht nur Mitbewohnerinnen im College, sondern auch beste Freundinnen. Doch nach einer Tragödie haben sich die beiden nicht wieder gesehen. Als Alice nun mit ihrem Mann in die marokkanische Stadt Tanger gezogen ist, steht Lucy eines Tages unangekündigt vor ihrer Tür und mischt sich in ihr Leben und in ihre Beziehung ein.

"Als ob Donna Tartt, Gillian Flynn und Patricia Highsmith gemeinsam das Drehbuch für einen Hitchcock-Film geschrieben hätten - hochspannend und sehr atmosphärisch.", wird Joyce Carol Oates auf der Rückseite des Buches zitiert. Und damit trifft sie es im Grunde auf den Punkt. Keine Frage: ich musste das lesen.

Trotzdem hat es eine Weile gedauert, bis ich mich an "Nacht über Tanger" getraut habe. Wenn man das Maximum erwartet, kann man ja nur enttäuscht werden, oder? Kurze Antwort: nö!

Ganz zu Anfang weiß man: hier muss mal ordentlich durchgefegt werden im Oberstübchen. Aber in welchem? In Alices oder in Lucys? Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verstricken sich beide in Widersprüche, und den/die Leser*in verstricken sie gleich mit. Das Ganze ist in der Tat sehr atmosphärisch und wirklich hochspannend. Ich hatte mich zwar schon sehr früh auf eine Auflösung hinter all dem eingeschossen, kann aber selbst jetzt, nach Beendigung des Buches, nicht sagen, ob ich tatsächlich recht mit meiner Annahme habe.

Doch abgesehen davon wird hier genau das gemacht, was ich gerne lese: es wird gelogen, es wird betrogen, es wird sich so richtig ekelhaft benommen und das hinter der Fassade eines seriös lächelnden Gesichts. Und irgendwann stirbt auch mal einer. Oder zwei. Oder mehr. Das alles mit einem ganz exzellenten Schreibstil und ein paar Hinweisen, die meinen Verdacht von der Auflösung doch irgendwie unterstützen ... oder nicht? 

Fazit: Schade - wenn Christine Mangan weitere Romane herausbringt, wird sie wohl keiner mehr übersetzen. Schließlich hat "Nacht über Tanger" kaum einer gelesen. Sollte man aber, denn die Geschichte ist exzellent geschrieben und für jeden empfehlenswert, der es hintergründig und bösartig mag. Von mir gibt es die volle Punktzahl: 5*****


Cover des Buches Nacht über Tanger (ISBN: 9783837143133)
L

Rezension zu "Nacht über Tanger" von Christine Mangan

lazH
Falsche Liebe, Stalking, Mord

Häufig verglichen Kritiker das Erstlingswerk von Christine Mangan mit einem Film von Alfred Hitchcock. Und hier liegt schon der erste Fehler. Denn Hitchcock ist ein Filmemacher und schrieb nie Romane. Er setzte sie nur immer optisch um. Insofern hinkt der Vergleich Mangan – Hitchcock nicht nur, er hat auch nur ein Bein.

Auch das, was mit diesem Vergleich angedeutet werden soll, nämlich dass Mangan in “Nacht über Tanger” Suspense erzeugt, Spannung aufbaut, Dramatik herstellt, vermag ich nicht zu teilen. Zu offensichtlich ist der Plotverlauf, zu schnell sind die Winkelzüge der Gegenspielerin vorhersehbar, zu einfach ist die Welt, die sich Christine Mangan zurecht gestrickt hat.

Okay, ich habe das Hörbuch gehört und grundsätzliche Schwierigkeiten mit den beiden Leserinnen. Wie im Buch, das mal aus der Perspektive der Alice, mal aus der von Lucy geschrieben ist – dramaturgisch zwar nicht neu, aber geschickt, denn so erlaubt der Wechsel der Perspektive dem Leser das zu erfahren, was der jeweilige Ich-Erzähler sieht, empfindet, erlebt – wird auch das Hörbuch von zwei Frauen gelesen: Frederike Kemper als Alice und Bibiana Beglau als Lucy. Beide eigentlich gestandenen Schauspielerinnen, aber hier meines Erachtens eine totale Fehlbesetzung. Während Frederike Kemper mit einer sehr hellen, fast piepsigen Stimme noch die zierliche, nahezu ätherische Alice verkörpert und Bibiana Beglau mit ihrem Mezzo-Sopran die aktive, körperlich präsente, energische, aber auch skrupellose Lucy auch bildlich im Kopf des Hörers präsentiert, gelingt es dagegen beiden nicht, den Figuren wirklichen Charakter einzuhauchen. So wird der Text einfach runter gelesen, es fehlen Betonungen, es fehlt die Dramatik, der die Stimme Bedeutung und Gewicht verleiht.

Bibiana Beglau hat zudem das Problem, dass sie zu oft die Stimme senkt, wo ein Komma steht und so den Eindruck vermittelt, sie habe den Text nie zuvor zu Gesicht bekommen und wisse auch nicht, dass die Stimme eines Vorlesers sich erst am Ende des Satzes, bei einem Punkt oder einem Semikolon, senkt. Dazu liest sie schleppend, dehnt die Endlaute eines Wortes (wo sich die braunschweiger Herkunft der Beglau nicht verleugnen lässt) und lässt Stellen des Buches, wo akustische Spannung, Dramatik, Mysterium angezeigt wären, in seichtem sprachlichem Geplätscher versinken.

Irgendwo las ich, Christine Mangan sei die Idee zu dem Buch nach einem Ferienaufenthalt in Tanger gekommen. So hört sich auch die Beschreibung der Stadt und des Landes an. Ohne Tiefe, dargestellt mit der oberflächlichen Einstellung, mit der viele Amerikaner der alten Welt begegnen.

Das Buch spielt 1956 auf dem Höhepunkt des marokkanischen Kampfes um Unabhängigkeit von der französischen Kolonialmacht. Die wenigen Ausflüge, die Christine Mangan in dieses Kapitel der Geschichte Marokkos macht, lesen sich wie schlecht abgeschrieben aus einem schlechten Geschichtsbuch. Sie lässt Youssip als einzigen Einheimischen beispielhaft eine größere Nebenrolle spielen. Und Youssip ist natürlich ein Gauner, ein Betrüger, ein Blender, ein Hochstapler, ein Touristenverführer. Sein Charakter ist damit negatives Vorbild für ein gesamtes Volk. Damit hat Mangan ihr vielleicht positives Vorhaben, mal über den Tellerrand der USA hinauszusehen, schon wieder zunichte gemacht. Allerdings hat sie mit ihrem französisch klingenden Namen den Vorteil, dass ihr der unerfahrene Leser abnimmt, ihr rudimentäres Halbwissen zu Land, Leuten und Geschichte habe scheinbar Hand und Fuß.

Insgesamt geht es um zerstörerische Liebe, Stalking, Intrige, Mord, Hinterhältigkeit vor der exotischen Kulisse Marokkos. Aber diese Kulisse ist beliebig. Es hätte ebenso Austin/Texas sein können. Das Mississippi-Delta und New Orleans. Oder irgendwo in Mexico. Oder die Niagara-Fälle. Selbst eine Ölbohrplattform gab schon einen glaubwürdigeren Hintergrund für Romane ab, als ausgerechnet das Tanger von Christine Mangan.

Getoppt wird alles von einer Übersetzung, die als grauenhaft zu bezeichnen wirklich noch geschmeichelt wäre. Davon abgesehen, dass Übersetzerin Irene Eisenhut offenbar jedes so genannte Redeverb mit übersetzt hat.

Redeverben sind Verben, die als Ergänzung nach einer direkten Rede folgen: sagte sie, erwiderte er, schrieen wir undsoweiter. Jeder Schreibratgeber rät davon ab, zu viele dieser Redeverben zu verwenden, dafür sollte der Autor lieber so schreiben, dass die wörtliche Rede erstens problemlos einem Protagonisten zuzuordnen ist und zweitens die Stimmung und Gemütslage deutlich wird. So erübrigt sich eine Ergänzung, die verdeutlich, dass der Sprechende “schrie”, “weinte”, “tobte”. Nicht so bei Christine Mangan. Sie treibt es auf die Spitze. Ebenso wie die Übersetzerin den sprachlich fragwürdigen Konjunktiv mit “würde” bis zum Exzess einsetzt.

Offenbar hat die Übersetzerin grundsätzliche grammatikalische Schwächen, weshalb sie sich dort, wo der Konjunktiv I (hauptsächlich verwendet für die indirekte Rede) notwendig wäre, in den “würde-Konjunktiv” rettet. Ein sprachlicher wie akustischer Gau, wenn dem Hörer immer wieder die “würde-Formen” in die Ohren gehaucht werden und es sich derart grottenfalsch anhört, dass er es jedesmal in Gedanken korrigiert.

Mit dem Cover zu Buch und Hörbuch nahmen die Kreativköpfe Anleihen an “Casablanca”. Der Kultfilm mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann aus den 40er Jahren muss Pate gestanden haben, als das Titelbild ausgewählt wurde. Es zeigt das Top-Modell der 50er Suzy Parker aufgenommen von Georges Dambier in Marokko (das Originalfoto finden Sie unter diesem Link: https://www.pinterest.at/pin/399764904404788427/). Und Suzy Parker sieht auf dem Bild tatsächlich aus wie seinerzeit Ingrid Bergmann. Was also liegt näher, sich mit einem mittelmäßigen Roman an einen cineastischen Welterfolg anhängen zu wollen?

weitere Rezensionen unter http://benvart.com

Cover des Buches Nacht über Tanger (ISBN: 9783837143126)
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Rezension zu "Nacht über Tanger" von Christine Mangan

katzenminze
Freund oder Feind?

Seit ein paar Monaten lebt Alice in Tanger. Doch so richtig wohl fühlt sie sich in der turbulenten marokkanischen Stadt nicht. Ihr Mann John stürzt sich mit Genuss in dieses Moloch aus Hitze, Trubel, Staub, Lärm und Kif, doch Alice zieht sich mehr und mehr zurück, verlässt kaum noch ihre Wohnung. Eines Tages steht völlig unerwartet ihre Collegefreundin Lucy vor der Tür. Seit einem heftigen Streit ein Jahr zuvor, haben sich die beiden nicht mehr gesehen. Alice ist etwas misstrauisch, doch Lucy zieht sie mit ihrer resoluten Art und der Erinnerung an ihre intensive Freundschaft aus der beginnenden Depression.

Lucy und Alice erzählen abwechselnd von ihren Erlebnissen in Tanger und ihrer gemeinsamen Studienzeit in England. Die beiden Sprecherinnen fangen dabei den unterschiedlichen Charakter der Frauen perfekt ein. So ist Alice schüchtern, unsicher, zurückhaltend und finanziell gut gestellt; Lucy hingegen wirkt selbstbewusst, stark, sagt was sie denkt, kommt aber aus einfachen Verhältnissen.

Der Roman beginnt vielversprechend: Lucys überraschender Auftritt, die lange Funkstille zwischen den beiden Frauen, die mysteriösen Ereignisse am College. Nach und nach erfährt man mehr Details, mal aus Alice', mal aus Lucys Perspektive. Doch wem kann man trauen? Wer sagt die Wahrheit und was ist vielleicht nur Einbildung? Und warum überhaupt ist Alice buchstäblich ans andere Ende der Welt geflohen; in ein Land, das sie nicht mag, mit einem Ehemann mit dem sie nichts verbindet?

So mitreißend die Geschichte auch beginnt, ein paar Dinge fand ich nicht ganz rund: So hat mich beispielsweise Alice' extrem zurückhaltende und selbstzweiflerische Art auf Dauer gestört. Selbst wenn es um viel geht, scheint sie sich nicht durchsetzen zu können. „Reiß dich mal zusammen!“ will man ihr ständig zurufen. Und dann gibt es einige Passage, in denen sie auflebt und eine ungekannte Selbstständigkeit entwickelt. Woher der Impuls dafür kam, war mir nicht immer schlüssig erklärt. Auch die ständig zitternden Hände hätte man sprachlich bestimmt geschickter verpacken können.

„Nacht über Tanger“ ist atmosphärisch, toll gelesen und spitzt sich immer mehr zu, sodass man ständig weiter hören will. Psychologisch spannend, mit ein bisschen Krimi und ein bisschen Historie ein guter Mix. Leider war ich von der Auflösung der Geschichte eher enttäuscht. Ich hatte eine große Enthüllung oder Wendung erwartet, hatte mir schon eine Theorie zurechtgelegt aber stattdessen bleibt der große Knall aus. Klar, ein Aha-Effekt hier und da, aber dass die Geschichte wirklich nur von Alice Unsicherheit und Passivität lebt, war mir insgesamt zu wenig. Trotzdem aber besonders wegen der gelungenen Umsetzung mit dem zwei Sprecherinnen ein guter Roman für einige unterhaltsame Stunden.

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