Christine Pfammatter Schnee im März

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Inhaltsangabe zu „Schnee im März“ von Christine Pfammatter

Kunst oder Leben? Sitzenbleiben, lautet die Antwort in Christine Pfammatters neuem Prosaband, in dem sie die Absurdität einer schreibenden Weltaneignung befragt. Dabei trifft der Leser auf eine Erzählerin, die aufgrund einer Liebeserschütterung nicht um philosophische Fragen umhin kommt. In hybrider Form werden Themen wie Politik, Kunst, Magie, Apokalypse, Freiheit, Liebe, Vergänglichkeit, Technologie, Evolution oder Märtyrertum aufgeworfen, wobei die essayistisch-erzählerische Anordnung die Wechselbeziehung von Fiktion und Realität spiegelt. Leseprobe: Aus Mangel traktiere ich die Tasten. Aus Überfluss reihe ich Wörter aneinander. Für dich tippe ich diesen Satz ein, dieses Komma, diese Zeile und auch das Ende, denn der Punkt ist der Schluss und nicht von Belang. Was zählt, ist der Weg und der ist lang. Aber wenn ich schon mein Leben vergebe, kann ich es auch für dich tun. So hat sich meine Zeit doch noch verwandelt, so wird sie wenigstens in eine Form gebracht. Eine Form, die von uns spricht, auch wenn sich die Sache recht einseitig gestaltet. Anfang und Ende liegen im Dunkeln und sind nicht anders, als wie wir auf die Welt kommen: nackt, ohne Netz und doppelten Boden. Davon kann einem schwindlig werden, sicher, aber so ist nun mal unsere Natur: nicht zu wissen, was wir tun. Oder es zu wissen und trotzdem zu tun. Hier wird vergeudet. Das ist meine Wahl. Ob sie sich lohnen wird, weiss ich nicht. Es ist mir egal. Und warum fragen? Ich habe gerade erst angefangen. Dir gehören die Gedanken, die an die Oberfläche finden und auch die Gefühle, die sie binden. Halte davon, was du willst. Ich bleibe dir verbunden. Und wenn du nur geschmeichelt bist, ist es gut. Denn du bist mir teuer. Von Beginn an habe ich geglaubt, dass du zu gut für mich seist. Zu schön. Zu erfolgreich. Zu alles. Daran hat sich nichts geändert. Keine Angst, ich habe nicht die Absicht, dich zu belästigen. Sollten dir diese Zeilen unter die Augen kommen, wirst du ohnehin denken und fühlen, was du willst. Aber solltest du dich eines Tages darin suchen, so wünschte ich, dass du dich wiederfindest. Will ich dir gefallen? Mit der Zeit ist nicht einmal das mehr von Belang. Denn ich bin, was ich bin und du bist mehr. Also bin ich gebunden, auch wenn es nichts Gemeinsames gibt. Nur das hier. Dieses seltsame Erzeugnis. Es begann ohne Aufsehen und nun sitze ich da als würde ich das Steuer mit geschlossenen Augen lenken, als würde ich blind weiterfahren. Aber was erzähle ich. Ich wünschte, ich fände andere Vergleiche. Andere als aus der Schifffahrt oder dem Strassenverkehr. In unserer deutschen Sprache scheint das Motorisierte eine Konstante, das Kraftfahrzeug gegenwärtiger als alles andere. Schon ist man geneigt zu glauben, seine ungebremste Verwendung weise auf die deutsche Seele. Die deutsche Seele, die davon träumt, wegzukommen. Als würde sie sich danach sehnen, abzuhauen und alles hinter sich zu lassen. Die Sprachpsychologie mag einseitig wie eine Autobahnspur sein, aber führt man sich die Geschichte diese Landes vor Augen, scheint sie nicht weit hergeholt. Vielleicht ist sie auch nur Ausdruck von Angst. Jedenfalls ist mir dieses Gefühl nicht unbekannt. Nur zu gern möchte ich flüchten, vor allem vor den eigenen Unzulänglichkeiten und der Aufgabe, die ich mir gegeben habe. Ein Geschehen, das sich, anders als der Strassenverkehr, ziemlich geräuschlos gestaltet, um nicht zu sagen geheim. Wie es zu dieser Art von Beschäftigung gekommen ist, weiss ich nicht mehr. Obschon der Anfang entscheidend ist. In der Kunst zumindest ist er der halbe Weg. Aber oft geschieht etwas beiläufig und erst später bemerken wir Umfang und Bedeutung. Was dich betrifft, ist der Anfang das, was mir vergönnt war. Ich habe nichts anderes, weshalb ich nicht umhin kann, ihn mir immer wieder vor Augen zu führen. Seitdem sind Jahre vergangen wie ein einziger Tag. Manchmal noch bilde ich mir ein, dass du in meiner Nähe seist. An jenem Sonntag im frühen Dezember, es war kalt und windig, glaubte ich, du würdest hier irgendwo in einem Café sitzen und auf mich warten und den Zufall herausfordern. Es war Advent, die Sterne zierten schon die Strassen und man bereitete sich auf einen anderen König vor. Ich war noch nicht bereit. Weder auf Weihnachten noch auf dich. Du hier - die Vorstellung schien mir schon ungeheuerlich. Dich zu sehen, nach all den Jahren. Welch ein Übergewicht an Träumen. Und welch ein Graben. Das Wort Hoffnung hätte neu definiert werden müssen. Wie auch das Gegenteil davon. Aber wahrscheinlich habe ich mir nur etwas eingebildet. Man kann sich viel einbilden, wenn man sehnt und scheinbar Berge versetzen. Glaubst du an Gedankenübertragung? Manchmal kam es mir so vor. Schreibt man darüber, gerät man ohne Umschweif in den Ruf einer Esoterikerin. Aber was kümmert mich das. Offen gesagt, ich schliesse Magisches nicht aus- gerade weil du mir all die Jahre nicht abhanden gekommen bist. Mehr darüber zu sagen, verbietet die Höflichkeit. Versucht man diese Dimension zur Sprache zu bringen, verwandelt sie sich in Staub. Im übrigen ist sie nichts Übersinnliches. Im Gegenteil. Sie ist reine Sinnlichkeit und als solche eine ziemlich diesseitige Angelegenheit. Vielleicht fragst du dich, warum ich mir diese absurde Aufgabe überhaupt gegeben habe. Die Antwort wird dich, wie die Wahrheit, kaum überraschen: weil ich nicht anders kann. Weil das Einfache unlösbar scheint. Und das Schwierige einfach. Zur Autorin: Christine Pfammatter: geb. 1969 in Leuk-Stadt, Schweiz, lebt in Berlin, Veröffentlichungen in manuskripte, entwürfe, ndl, Nord Sud Passage, in der Anthologie Natürlich die Schweizer! u.a.

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