Christine Preißmann

 4.3 Sterne bei 15 Bewertungen

Neue Bücher

Überraschend anders: Mädchen & Frauen mit Asperger

 (7)
Erscheint am 07.10.2020 als Taschenbuch bei TRIAS.

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Neue Rezensionen zu Christine Preißmann

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Rezension zu "Mit Autismus leben" von Christine Preißmann

Mix aus Erfahrungsbericht und Tipps
Flaventusvor 6 Monaten

Dieses Buch ist eine Mischung aus Erfahrungsbericht einer Autistin und einem Sachbuch. Auch wenn jeder Autist anders ist, eine gut gelungene Mischung.

+++ Ein Mix +++

Der Grundtenor von Büchern, die sich mit dem Thema Autismus auseinandersetzen, ist immer gleich: kennst Du einen Autisten, kennst Du einen. Diese Individualität macht die Diagnose derart schwierig und wir kennen kaum jemanden, dessen Weg dorthin nicht steinig war. Gleichfalls ist es schwierig, ein Buch zu schreiben, das allen gerecht wird.

Auch wenn man die Erfahrungsberichte der Autorin nicht verallgemeinern kann, so kann es doch hilfreich sein, wenn sie erzählt, wo sie in der Vergangenheit gerne Hilfe gehabt hätte und wie sie auf ihre Umwelt reagiert. Dennoch sehen wir bei unserem betroffenen Familienmitglied, wie unterschiedlich bestimmte Situationen wahrgenommen werden.

+++ Hilfestellungen +++

Dieser Erfahrungsbericht ist zwar interessant zu lesen, für Betroffene aber nicht in dem Maße hilfreich, wie der Klappentext vermuten lässt. Anders sieht es mit den Tipps und möglichen Hilfestellungen aus, die am Ende eines jeden Erfahrungsberichts folgen. Hier gibt es konkrete Anregungen, wie eine jeweilige Situation gestaltet werden kann. Allerdings weiterhin mit dem Vorbehalt, dass es sehr stark von der Lebenssituation des Autisten abhängt, ob etwas wirklich hilfreich ist.

Ein kleiner Hinweis zu der Formatierung des Buchs. Die Bulletpoints wurden in einem dezenten grau eingefärbt. Vor allem auf den E-Books wird dadurch der Kontrast erheblich reduziert, so dass im Sehen Beeinträchtigte Probleme mit dem Lesen haben können. Für ein Buch, das die Andersartigkeit von Menschen hervorhebt, eine unglückliche Wahl.

+++ Fazit +++

Die angesprochenen Themen sind sehr vielfältig und auf fast jede Lebenslage anwendbar. Der Mix aus Erfahrungsbericht und Tipps, die möglicherweise eine Hilfe für einen Betroffenen sind, hat durchaus seinen Reiz, zeigt aber auch, wie schwierig es ist, ein Sachbuch zu diesem Thema zu schreiben, das allen gerecht wird. Dennoch ist das Buch lesenswert für all jene Menschen, die in irgendeiner Art mit dem Autismus-Spektrum in Berührung kommen.

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Rezension zu "Mit Autismus leben" von Christine Preißmann

Erfahrungsbericht und Ratgeber in einem
seschatvor 7 Monaten

Wie leben Autisten und wie kann man ihnen das Leben leichter machen? 

Christine Preißmann (*1970) hat viele Antworten auf diese und weitere Fragen rund um das Thema Autismus im vorliegenden Buch zusammengestellt. Da sie selbst betroffen ist, kann sie aus erster Hand berichten, was es heißt, anderen Menschen nicht in die Augen schauen zu können, ständigen Reizen ausgesetzt zu sein, immer die Wahrheit sagen zu müssen und sich vor Veränderungen zu ängstigen. Bei der Ärztin für Psychotherapie und Allgemeinmedizin wurde erst mit 27 Jahren Asperger diagnostiziert, vorher hat sie sich stets anders als ihre Altersgenossinnen wahrgenommen, dies aber nicht einordnen können. Von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter legt sie ehrlich Zeugnis über ihr Leben ab und bindet dabei allerlei Tipps für Alltag und Therapiemöglichkeiten mit ein. Von letzteren können Betroffene, Angehörige, Freunde, Kollegen etc. gleichermaßen profitieren, weil sie nicht nur klar und deutlich formuliert sind, sondern auch zeigen, dass es Mittel und Wege gibt, auch als Autist ein glückliches Leben zu führen. Dass dies für Betroffene nicht immer einfach ist, davon weiß Preißmann aus eigener Erfahrung viel zu erzählen. Denn schon im Kindergarten wollte sie nicht mit anderen Kindern, die noch dazu laut und fremd waren, spielen. In der Schule traten dann motorische Schwächen im Sportunterricht und Verständnisprobleme im Deutschunterricht zutage. Auch in Sachen Freizeitgestaltung ticken Autisten anders. Sie lieben Gleichförmigkeit und Ruhe statt Action und laute Musik. Sinnesreize nehmen sie wesentlich stärker wahr und diese können wie bei der Autorin zu seiner Depression führen. Preißmann haben vertrauensvolle Therapeuten geholfen, ihren Alltag (u.a. Einkaufen, Körperhygiene, Freizeitgestaltung etc.) zu bewältigen. Dabei zeigte sich, dass eine gute Planung und die Einübung bestimmter Verhaltensweisen, Ängste und Stress lindern können. Nun ist Autismus leider nicht heilbar, aber es lohnt sich für Betroffene Stück für Stück am "normalen Leben" teilzunehmen und eigene Grenzen auszuloten. 

Insgesamt fand ich Preißmanns intimen Einblick in ihre etwas andere Lebenswelt sehr spannend und aufschlussreich, weil man als Laie zu verstehen lernt, wie Autisten ticken und was sie umtreibt. Noch dazu erfährt man, wie man sich ihnen gegenüber am besten verhält. Hier hat sich innerhalb der Medizin/Psychiatrie schon einiges getan. Zudem ist Preißmann ein gutes Beispiel dafür, dass man sich als Autist auch berufliche Träume, wie in ihrem Fall ein Medizinstudium, erfüllen kann. 

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Rezension zu "Gut leben mit einem autistischen Kind" von Christine Preißmann

gepusht im Vertrauen in mich selbst
SilkeBauerfeindvor 4 Jahren

„Habe ich schon mal ein „Resilienz-Buch“ gelesen?“, fragte ich mich, als ich das Buch in den Händen hielt. Dafür musste ich erstmal recherchieren, was mit Resilienz überhaupt gemeint ist und ich fand schnell ein paar Stichworte wie: psychische Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, indem man sich auf seine eigenen Stärken und Ressourcen besinnt. Das machte mich neugierig, denn als Mutter eines autistischen Kindes, die genau die Zielgruppe dieses Buches ist, fühlte ich mich spontan angesprochen. Wer braucht sie nicht, diese Bewältigungsstrategien, um wohlbehalten durch Krisen und schwere Zeiten zu kommen?
Beim Lesen merkt man schnell, dass Frau Dr. Preißmann als Medizinerin, Psychotherapeutin und Autistin genau weiß, wovon sie spricht. Das Buch vermittelt von Anfang an großes Verständnis für die Situation von Müttern autistischer Kinder. Es tut unwahrscheinlich gut, sich beim Lesen mit seinen Ängsten und Sorgen angenommen und verstanden zu fühlen. In keiner Zeile hat man das Gefühl wie so oft im Leben, man müsse erstmal etwas klarstellen oder relativieren. Insofern führt das Lesen an sich schon zu einem besseren Gefühl, denn oftmals erlebt man dieses Verständnis im Alltag ja gerade nicht.

Darüber hinaus vermittelt Frau Dr. Preißmann Strategien und Wege zu einer positiven Lebenseinstellung, in der vor allem auch die Sorge um sich selbst, also das Sich-Kümmern der Mütter um ihre eigenen Belange, nicht zu kurz kommen darf. Die Autorin spricht Müttern Mut zu, sich ohne schlechtes Gewissen Auszeiten, Erholungszeiten, Entlastung, Zeit für sich allein, für Hobbys und Sport oder Zeit für die Partnerschaft zu nehmen. Dafür gibt sie ganz konkrete Anregungen. Auch vermittelt sie ein großes Maß an Selbstbewusstsein, denn ein Großteil unserer Kraft, die wir bei der Versorgung eines behinderten Kindes brauchen, kommt aus uns selbst – auch wenn andere Faktoren wie Freunde, Spiritualität oder Familie oftmals Auslöser für Energieschübe sein mögen. Krisen zu durchleben, macht Mütter stark. Schwere Zeiten nehmen nicht nur Energie, sondern können auch den Glauben an die eigene Kraft und das eigene Durchhaltevermögen bestärken und Zuversicht für die Zukunft geben.

Auch Möglichkeiten, die Resilienz der betroffenen Kinder zu stärken, lässt Frau Preißmann nicht aus. Hier gibt sie Anregungen, wie das Vertrauen in unsere Kinder gestärkt werden kann, wie wir sie durch unsere Begleitung und Förderung in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Selbstständigkeit wachsen lassen können und wie sie dadurch selbst aus ihren Ressourcen schöpfen lernen.
Ein wichtiger Bestandteil des Buches sind die persönlichen Erfahrungsberichte betroffener Mütter. Sie sind abwechslungsreich gestaltet und geben einen sehr authentischen und lebhaften Einblick in den Alltag der Familien. Dabei wird nichts verschönt und oftmals ist eine angenehme Prise Humor in den Schilderungen zu entdecken. Manches Mal musste ich schmunzeln, da ich uns und unser Leben so gut wiedererkannte. Manches Mal wurde mein Blick auch für die Probleme anderer geschärft und ließ mich eigene Sorgen in einem anderen Licht sehen. Zentrales Thema ist dabei oft die Schullaufbahn der Kinder, die Wege, Umwege und Sackgassen, die es meist mit einem autistischen Kind zu bewältigen gilt. Ein bisschen schade ist – aber das ist auch mein einziger Kritikpunkt an dem Buch – dass fast alle Erfahrungsberichte von Müttern mit Asperger-Autisten geschrieben wurden. Ich hätte gern noch mehr von Müttern frühkindlicher Autisten gelesen. Aber das ist natürlich ein rein subjektives Anliegen.

Sehr gut abgerundet wird das Buch am Schluss mit Hinweisen auf konkrete Anlaufstellen wie zum Beispiel Selbsthilfegruppen, sozialpsychiatrische Diensten, Ärzte, Kliniken und Hilfsmöglichkeiten in Schule, Studium, Arbeit und Beruf.
Gerade Müttern, die viel an sich selbst zweifeln und sich in einer Phase mit wenig Lebensfreude und scheinbar hoffnungsloser Perspektive befinden, kann das Buch vielleicht einen entscheidenden positiven Schub geben. Ein tolles Mutmach-Buch als Geschenk oder einfach für sich selbst.
Als ich das Buch durchgelesen hatte und aus der Hand legte, war ich gefühlte 5 Zentimeter größer. Ich fühlte mich ein wenig aufgerichtet, bestärkt in dem, was ich täglich leiste, verstanden in dem, was mich umtreibt und sorgt und gepusht im Vertrauen in mich selbst.
Danke, Frau Preißmann

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