Christine Sterly-Paulsen

 4,3 Sterne bei 44 Bewertungen
Autorin von Freak Sisters, Abrechnung in Sagres und weiteren Büchern.
Autorenbild von Christine Sterly-Paulsen (©Hans-Jürgen Darlison)

Lebenslauf

Christine Sterly-Paulsen studierte Ethnologie und Romanistik in Hamburg.

Auf ausgedehnten Reisen und Feldforschungen lernte sie neun verschiedene Sprachen, darunter Malagasy, wurde von einer madagassischen Familie adoptiert und fand Material und Inspiration für ihr Schreiben: eine Monographie in Buchform, vier Romane, etliche Erzählungen in Anthologien, Illustrationen in Bilderbüchern und ein Tarot.


Alle Bücher von Christine Sterly-Paulsen

Cover des Buches Freak Sisters (ISBN: 9783967633078)

Freak Sisters

(20)
Erschienen am 10.06.2024
Cover des Buches Abrechnung in Sagres (ISBN: 9783967632590)

Abrechnung in Sagres

(17)
Erschienen am 01.10.2023
Cover des Buches Gegenliebe (ISBN: 9783967631647)

Gegenliebe

(4)
Erschienen am 21.03.2021
Cover des Buches Gegenliebe (ISBN: 9783967631654)

Gegenliebe

(2)
Erschienen am 21.03.2021
Cover des Buches Mangabé (ISBN: 9783940756282)

Mangabé

(1)
Erschienen am 01.10.2008
Cover des Buches Freak Sisters (ISBN: 9783967633085)

Freak Sisters

(0)
Erschienen am 10.06.2024

Neue Rezensionen zu Christine Sterly-Paulsen

Cover des Buches Abrechnung in Sagres (ISBN: 9783967632590)
K

Rezension zu "Abrechnung in Sagres" von Christine Sterly-Paulsen

Krajewsky
Reiseroman und aufrüttelnder Politkrimi

Es erinnert hier ein wenig beim Lesen an den Duktus englischer Reiseromane, oder Maigretkrimis des Belgiers Georges Simenon. Doch dieses Narrativ spielt in Portugal und wurde auf Deutsch aus weiblicher Sicht geschrieben. Die Autorin beschreibt als Ich-Erzählerin die Geschichte einer deutschen verheirateten Anwältin, die in einer Erbschaftsangelegenheit für ihre Klienten nach Sagres reist. Sie bleibt dort eine gewisse Zeit, um sich um ein geerbtes Grundstück samt Haus zu kümmern, das noch bewohnt ist. Das Anwesen und die Leute dort erscheinen ziemlich verwahrlost. Gida, so die portugiesische Koseform von Margarete, taucht über ihre Vermieterin und zwei Freunde aus der Studienzeit langsam ein in die iberischen Lebenswelten – in die Armut und die herbe Schönheit der Landschaft – ja, sie gerät förmlich in die unerzählte(n) Geschichte(n) ihres Domizils auf Zeit hinein. Es ist eine Vergangenheit, die nicht vergehen will und auf die Ära von vor der Nelkenrevolution von 1974 zurückgeht. Plötzlich geschieht ein Mord an einem ominösen und ewig gestrigen Deutschen, der in seinem Auto haust und des Nachts an einer Landzunge getötet wird. Was aber steckt dahinter? Wer waren die Täter und Hintermänner? Welche verborgenen Wahrheiten lauern in der Historie des Ortes Sagres, in dunklen Kellern und dem kollektiven Bewusstsein der Menschen dort? Welche persönlichen Verbindungen gibt es da heute zu entdecken?

Zusammen mit dem Kommissar Rui Gonçalo vor Ort ermittelt die scharf kombinierende Gida plötzlich unfreiwillig in einem Mordfall, während sie zugleich das Haus für ihre Auftraggeber durch attraktive finanzielle Angebote von den lästigen Mietern freikriegen will. Auch Gida wird bedroht, eine Katze stirbt und es geschieht schließlich ein weiterer Mord. Alles scheint hier mit allem verbunden und die Vergangenheit der Salazarzeit samt der Obristenjunta taucht aus dem Untergrund wieder auf.

Die Protagonistin bekocht sich selbst mit Fischsuppe oder wird auch mal eingeladen. Wein und Bier und lukullische Genüsse aus dem Reiche Neptuns im Lokalkolorit von Gastronomie, verlassenen Industriebrachen an den Küsten der Südspitze Portugals um Sagres, Lagos und Faro, spielen hier eine große Rolle. Es ist ein Gesellschaftsporträt mit wunderschönen Reisebeschreibungen, eine mega-spannend erzählte Geschichte mit romantischen Episoden, dem Wechsel der Geschlechter eines glücklosen alten Sängers in der Jugend und abgetauchten, faschistischen Großgrundbesitzern, die anhand von Fotos eines Chronisten und durch Erzählungen von ehemaligen Dienstmädchen aus dem Nebel der Geschichte auftauchen, lebendig werden. Somit legt der Text aus der Zeit vor der Jahrtausendwende, um 1999 spielt der Plot, alte Strukturen und verborgene Seilschaften offen.

„Je weiter die Touristensaison ihrem Ende zuging, desto mehr verdrängte der alte Ort den neuen. Während viele der modernen Restaurants und Bars eine geisterhafte Erscheinung annahmen, schien die Vergangenheit an Vitalität zu gewinnen. Personen, Gebäude, Plätze, die den Sommer hindurch unsichtbar gewesen waren, kehrten an die Oberfläche zurück. Wie ein versunkenes Reich, dachte ich, und schüttete in meinen Gedanken Zucker in den Kaffee, obwohl ich das nicht mochte. Ich wollte ihn nur versinken sehen. Dabei kam mir ein Gedanke. Ich ließ die halbvolle Tasse stehen und machte mich eilig auf den Weg zum Haus meiner Klienten.“ (S. 109)

Dieser stimmig konzipierte Reisekrimi kommt eben auch engagiert daher und warnt mit leiser, eindringlicher Stimme, wie ein Menetekel, vor der Renaissance des Schrecklichen in den Gesellschaften eines post- bzw. präfaschistischen Europa. Wie sagte Hannah Arendt einst: „Alles ist politisch!“ Hinter der Fassade des morbiden und scheinbar harmlosen Touristenortes liegt das Grauen. Der Bodensatz ist noch vorhanden – dort, hierzulande und anderswo in Europa und der Welt. Aktuell, packend, und erschreckend nah! Droht uns die Rückverwandlung – man denke an Ionescos ‚Rhinocéros‘ ! Wie viele werden es noch, die zu Nashörnern werden? Nicht auszudenken das und dieser Politthriller ist nicht nur für Fans der Algarve ein absolutes Must have!

Jakob Krajewsky

Cover des Buches Abrechnung in Sagres (ISBN: 9783967632590)
Cecropzs avatar

Rezension zu "Abrechnung in Sagres" von Christine Sterly-Paulsen

Cecropz
Leider nicht mein Ding

Es hat gefühlt eine Ewigkeit gedauert, bis ich zu diesem Buch greifen konnte. Noch länger hat es nun gedauert, eine Rezension zu formulieren. Getreu der Aussage: wenn du nichts gutes zu sagen hast, sag einfach gar nichts.

Daran würde ich mich gerne halten, dennoch habe ich das Buch erhalten, um meine (verspätete) Meinung dazu abzugeben. 

Von der Autorin habe ich bislang 'Gegenliebe' gelesen, welches mich in meiner Gedankenwelt noch immer begleitet und beschäftigt, woran ich regelmäßig denke und welches eines meiner 'Für-Immer-Bücher' sein wird. Umso mehr habe ich mich darauf gefreut, ein weiteres Werk lesen zu dürfen. Sobald 'Abrechnung in Sagres' hier ankam, habe ich sofort, nach Beendigung meiner aktuelle Lektüre, danach gegriffen, allerdings ohne in die Geschichte zu finden. Wie es oftmals so ist, ging ich davon aus, dass es einfach nicht die richtige Zeit für mich und das Buch ist. Ich habe es vorerst zur Seite gelegt und erst einmal Monate lang nicht mehr angerührt. Es stellte sich heraus, dass ich einer määächtigen Leseflaute war.

Diese war nun vorbei und ich griff erneut danach. Wieder tat ich mich schwer, in die Geschichte zu finden, Es waren viele Fakten - die Spannung blieb für mich jedoch aus, was schade war, denn ich wollte das Buch wirklich mögen. Der Schreibstil war sehr gut und ich mochte Gida, die sogar einer Nonne ein Bein stellen würde. Warum der Funke nicht übergesprungen ist, kann ich nicht wirklich sagen. Eventuell bin ich einfach nicht so die Kriminalroman-Leserin, sondern brauche immer wieder eher einen Psycho-Aspekt.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich den Schreibstil mochte, der Inhalt mich jedoch weniger überzeugen konnte. Ich denke, da steckt eine Heidenarbeit dahinter, es ist gut recherchiert und man bekommt mehr von Portugal mit, als nur die schnöden Touristenattraktionen. Dennoch leider kein Buch für mich.

Cover des Buches Freak Sisters (ISBN: 9783967633078)
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Rezension zu "Freak Sisters" von Christine Sterly-Paulsen

Buchkomet
Sehr gelungen

Manchmal liest man ein Buch, das sich anfühlt wie eine Reise – nicht durch Länder, sondern durch die Köpfe und Herzen der Figuren. Freak Sisters von Christine Sterly-Paulsen ist so ein Buch. Es erzählt die Geschichte der Zwillingsschwestern Judith und Rebecca, die in einem strengen, religiösen Elternhaus aufwachsen und schließlich beschließen, ihrem einengenden Leben zu entfliehen. Was wie ein naiver Plan beginnt – nach Rom zu reisen, weil man dort Latein spricht – wird schnell zu einer turbulenten und manchmal verstörenden Reise in die große, unbekannte Welt.

Was dieses Buch besonders macht, ist der Blick auf die beiden Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch untrennbar miteinander verbunden sind. Die Autorin nimmt sich Zeit, um uns ihre inneren Kämpfe zu zeigen: ihre Unsicherheiten, die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und die Suche nach dem eigenen Platz in einer Welt, die oft hart und ungerecht ist. Dabei werden auch schwere Themen nicht ausgespart – Isolation, Gewalt und das Fehlen von (Selbst)-Akzeptanz sind allgegenwärtig, aber sie werden auf eine behutsame und nachvollziehbare Weise erzählt.

Die Reise der Schwestern führt sie zwar nicht wie geplant nach Rom, sondern in ein skurriles Dorf in Portugal, doch genau dort entfaltet die Geschichte ihren Zauber. Die Begegnungen, die die beiden erleben, sind manchmal schmerzhaft, manchmal kurios, und immer lehrreich. Sie lernen nicht nur die Welt kennen, sondern auch sich selbst – und genau das ist der Kern dieser Geschichte. Es ist schön zu sehen, wie die beiden Stück für Stück wachsen, wie sie an ihren Erlebnissen reifen und langsam entdecken, was sie wirklich wollen und brauchen.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist der Schreibstil. Sterly-Paulsen schreibt mit einer Ruhe, die man in unserer hektischen Welt nur selten findet. Zwischen den Zeilen steckt so viel Lehrreiches, so viel Leben, dass man das Buch nicht einfach nur liest, sondern regelrecht darin versinkt. Man fiebert mit den Schwestern mit, wünscht ihnen nichts sehnlicher, als dass sie endlich ankommen – bei sich selbst und im Leben.

Freak Sisters ist kein klassischer Wohlfühlroman. Dafür sind die Themen zu ernst, die Erlebnisse zu rau. Aber es ist ein Buch, das Hoffnung macht. Hoffnung darauf, dass man nach allem Schmerz, nach aller Unsicherheit, seinen Weg finden kann. Es zeigt, dass es okay ist, Fehler zu machen, dass es okay ist, Zeit zu brauchen, um herauszufinden, wer man wirklich ist.

Ein Roman über das Suchen und Finden, über Schwesternschaft, Selbstakzeptanz und die kleinen Wunder des Lebens. Für alle, die Geschichten lieben, die das Herz berühren und den Blick auf die Welt ein kleines bisschen verändern. Sehr lesenswert. 

10/10

Gespräche aus der Community

Zwei skurrile Teenager fliehen aus der Enge ihres religiösen Elternhauses. Ihre einzige Fremdsprache ist Latein, die Schule haben sie nie besucht, und über Jesus, der am Bahnhof sein Dosenbier trinkt, wundern sie sich weniger als über die erste Tüte Chips in ihrem Leben.

Auf der Reise entdecken Rebecca und Judith abgelegene Orte und ungewöhnliche Menschen; vor allem aber entdecken sie sich selbst.

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Letzter Beitrag von  Sterly-Paulsen

Oh, das ist natürlich schade. Liebe Grüße trotzdem

Was haben ein verlassenes Landgut, ein toter Faschist und eine stillgelegte Fabrik miteinander zu tun? 

Im Südwesten Portugals, wo im Winter die Wellen an die steilem Klippen brechen, liegt das verschlafene Sagres. Im Herbst 1999 ist die deutsche Anwältin Gida vor Ort, um eine Erbschaftsangelegenheit zu regeln. Doch eines Morgens wird ein anderer Deutscher auf dem Kap gefunden - tot.

77 BeiträgeVerlosung beendet
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Letzter Beitrag von  Sterly-Paulsen

Danke dir für die schöne Rezension!


"Gegenliebe" ist eine dystopische Erzählung - dunkel, unheimlich und ein klein wenig romantisch. Das Buch ist gerade erschienen, nun bin ich neugierig auf die Meinung der ersten unerschrockenen Leser und freue mich über Rezensionen hier und auf anderen Portalen. Neben den angegebenen fünf Print-Ausgaben werden noch zwanzig e-books verlost (also bitte angeben, wenn es auch ein e-book sein darf!)

58 BeiträgeVerlosung beendet

Zusätzliche Informationen

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in 37 Bibliotheken

auf 1 Merkzettel

von 3 Leser*innen gefolgt

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