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MissErfolg

vor 3 Jahren

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Dank Christine Vogeley kann man auch im verregneten, dunklen Leseherbst „Die Liebe zu so ziemlich allem“ empfinden. Ihr neuer Roman wärmt das Herz mit liebenswerten Protagonisten, begeistert mit sprachlicher Raffinesse und unterhält mit ausgefallenen, skurrilen Ideen. Schon nach den ersten Seiten fühlt sich der Leser zwischen den Romanfiguren wie Zuhause und kann auf den letzten Seiten nur betrübt darüber sein, dass die Geschichte irgendwann einmal zu Ende gehen muss. 

 "Du stehst jemandem gegenüber, und du weißt: Das ist es. Ja, einfach so, das ist es."

In dem kleinen deutschen Städtchen Fichtelbach steht ein Museum, wie es vermutlich noch kein Leser bisher erlebt hat. Ein bisschen skurril, zu Beginn durchaus irritierend, aber vor allem mit viel Liebe zum Detail werden hier Exponate ausgestellt, die (nur auf den ersten Blick) überhaupt nicht zusammenzupassen scheinen. Gründer des Museums war August Gayette, seines Zeichens leiderschaftlicher Sammler von „so ziemlich allem“.

Zu Beginn der Erzählung empfängt Carlotta Goldkorn, die sympathische, aber chronisch überarbeitete Kuratorin des Museums, den schwedischen Professor Gösta Johansson. Der ist eigentlich nach Fichtelbach gekommen, um dem Museum ein Gemälde des berühmten Malers Jasper Johansson als Leihgabe zu überbringen. Doch schon bald wird klar: Zwischen den beiden Kunstliebhabern entspinnt sich ganz unerwartet (regelrecht Knall auf Fall) eine mitreißende Liebesgeschichte. Dabei bleibt es auf den insgesamt 450 Seiten jedoch nicht: Die Beziehung zwischen Gösta und Carlotta ist nur einer von vielen liebevoll ausgestalteten Erzählsträngen, die diesen Roman zu einem ganz besonderen Schatz machen.

 "Die kleinen Geheimnisse, die jeder für sich behielt, saßen nicht trennend, sondern beinebaumelnd neben ihnen."

Es fällt mir schwer, meine Begeisterung für diesen Roman in Worte zu fassen. Es gäbe so vieles lobend herauszustellen. Seien es die liebevoll ausgestalteten Figuren, von denen jede ihr eigenes Päckchen zu tragen hat (bei Christine Vogeley wird kein Charakter zur Nebenfigur – sie alle bekommen in diesem Roman ihre ganz eigene Stimme) oder der feinfühlige Einsatz sprachlicher Stilmittel, ohne sich in langen Sätzen oder hochtrabenden Metaphern zu verlieren. Die Autorin schreibt mit einer Leichtigkeit und Authentizität, die wahrlich ihresgleichen sucht. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, in den Familienkreis von Carlotta und Gösta zu gehören. Kein Wunder, dass ich das Buch am Ende nur mit einem gewissen Trennungsschmerz beiseitelegen konnte!

Mein Fazit: Christine Vogeleys Roman hätte definitiv einen Ehrenplatz in August Gayettes Museum verdient. Bei dieser Erzählung handelt es sich nämlich um ein wahres Kleinod, das ich sicherlich in ein paar Monaten noch einmal lesen werde!

Autor: Christine Vogeley
Buch: Die Liebe zu so ziemlich allem
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