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Lelana

vor 3 Jahren

(10)

"Die Liebe zu so ziemlich allem" ist wohl das Buch mit dem schönsten Cover diesen Jahres: ein Setzkasten mit kleinen Kostbarkeiten auf Holz mit abbröckelnder blauer Farbe. Das Bild lädt zum Verweilen beim Betrachten ein. Ähnlich die Geschichte, die sich hinter diesem zauberhaften Buchdeckel verbirgt:
In einer kleinen, malerischen Stadt in Deutschland befindet sich das Gayette Museum. Zwischen Saurierskeletten, Fossilien, Ritterkostümen, Harfen, Schmuck und Bildern schwedischer Maler arbeiten die verschiedensten Charaktere. Eine von ihnen ist die vierzigjährige Kuratorin Carlotta Goldkorn, deren Leben gründlich durcheinandergewirbelt wird, als der Besitzer einer Leihgabe persönlich vorbeikommt um das Bild zu übergeben. Doch nicht nur Carlotte erfährt einschneidende Erlebnisse. Das Gayette Museum ist Bühne für die kleinen und großen Wunder des Lebens.

Meinung:
Was den Leser in "Die Liebe zu so ziemlich allem" erwartet, vermag der Klappentext oder eine einfache Inhaltsangabe nicht wirklich zu vermitteln. Das Buch ist, mit einem Wort ausgedrückt, komplex. Das fängt beim Erzählstil der Autorin an, der erfrischend anders ist - abwechselnd poetisch, malerisch und präzise, direkt - und endet mit der Geschichte, die so viele unterschiedliche Perspektiven und Geschichten beinhaltet, dass man es nicht für möglich halten könnte, dass alles am Ende zu einem harmonischen Ganzen zusammenfindet.
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus den verschiedensten Perspektiven, jeder Protagonist kommt einmal zu Wort - man erhält auf 460 Seiten Einblick in das Innenleben jeder agierenden Person und keine der Personen bleibt dabei flach und eindimensional. Man hat als Leser auch nicht das Gefühl sich zwischen den Seiten zu verlieren oder den roten Faden zu verlieren. Nein, man wird hineingezogen in eine bunte, detailgenaue Welt, fühlt sich ein wenig wie Alice im Wunderland, obwohl man doch nur den Fast-Alltag der normalen Welt beobachtet. Wie die Autorin das geschafft hat, ist schwer zu beschreiben - man muss es einfach selbst erlesen.
Dieser Roman ist genau das richtige, um an grauen, regnerischen Herbsttagen etwas Sonnenschein in sein Leben zu lassen. Er regt an, sein Auge für die Details zu schärfen, um genauer hinzusehen und vielleicht auch einmal die Liebe zu so ziemlich allem zu empfinden. Eine absolute Leseempfehlung an alle, die gerne filigrane Geschichten lesen, die übersättigt sind von den Geschichten des Mainstreams, die sich gerne in Erzählungen verlieren.

Autor: Christine Vogeley
Buch: Die Liebe zu so ziemlich allem
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