Christine Wunnicke

 3.7 Sterne bei 46 Bewertungen
Autorin von Katie, Der Fuchs und Dr. Shimamura und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Christine Wunnicke

Christine Wunnicke wurde 1966 in München geboren. Nach dem Abitur studierte sie Linguistik, Altgermanistik und Psychologie in Berlin und Glasgow. Sie ist als freie Autorin für Radio und Hörspiele tätig und schreibt auch Romane und Novellen. Wunnicke lebt und arbeitet in München.

Alle Bücher von Christine Wunnicke

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Der Fuchs und Dr. Shimamura

Der Fuchs und Dr. Shimamura

 (11)
Erschienen am 04.03.2015
Katie

Katie

 (12)
Erschienen am 01.03.2017
Serenity

Serenity

 (5)
Erschienen am 22.02.2008
Nagasaki, ca. 1642

Nagasaki, ca. 1642

 (3)
Erschienen am 01.08.2010
Die Nachtigall des Zaren

Die Nachtigall des Zaren

 (2)
Erschienen am 05.07.2010
Jetlag

Jetlag

 (2)
Erschienen am 01.01.2002
Fortescues Fabrik

Fortescues Fabrik

 (2)
Erschienen am 01.01.1998

Neue Rezensionen zu Christine Wunnicke

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pardens avatar

Rezension zu "Katie" von Christine Wunnicke

Zur Blütezeit des Spiritismus...
pardenvor einem Jahr

ZUR BLÜTEZEIT DES SPIRITISMUS...

1870 gingen die Uhren noch anders - auch in London. Hochmodern waren zu jener Zeit Séancen, spiritistische Sitzungen, in denen mit Hilfe eines Mediums versucht wurde, mit dem Jenseits in Kontakt zu treten. Zur Blütezeit des Spriritismus lebte auch Florence Cook, ein berühmtes Medium, das bereits als Jugendliche Berühmtheit erlangte. Ihr gelang es, einen leibhaftigen Geist erscheinen zu lassen, wobei Florence selbst gefesselt und mit den Haaren festgebunden in einem Schrank lag. Die Materialisierung des Geistes entpuppte sich als eine vor 200 Jahren verstorbene junge Frau, Katie: in gleißendes Weiß gewandet (vermutet wurde Ektoplasma), spukte die ehemalige Piratenbraut während der öffentlichen Auftrittte Florence Cooks herum.

Was für eine blühende Fantasie, dachte ich beim Lesen - doch ein Satz des Klappentextes machte mich stutzig: "Eine herrlich übersinnliche Geschichte. Und das Beste: Es ist alles wahr. Wirklich." Google half wie immer weiter: Florence Cook gab es seinerzeit wirklich, ebenso 'ihren' Geist Katie, dazu noch Sir William Crookes (Physiker, Chemiker, Wissenschaftsjournalist und selbsternannter Parapsychologe) sowie seinen Gehilfen Pratt, die den Nachweis antreten wollten, ob diese geisterhafte Erscheinung real war oder aber betrügerischer Humbug. Alle damals bekannten wissenschaftlichen Untersuchungen wurden herangezogen, um Florence und Katie auf Herz und Nieren zu prüfen. Genau davon handelt dieses Buch.

Christine Wunnicke schafft hier ein herrliches Panoptikum skurriler Gestalten. Entlang der historisch verbrieften Personen und Geschehnisse führt sie den Leser hinein in eine absurde Geschichte, bei der niemand letztlich genau weiß, ob es sich bei dem Geist des toten Piratenmädchens nun um eine wahre Erscheinung handelt, um eine kollektive Halluzination oder aber um eine geschickte Manipulation. Dabei ist die Geschichte äußerst unterhaltsam - ich habe mich beim Lesen schon lange nicht mehr derart amüsiert! Christine Wunnicke hat jeden der Charaktere auf eine Weise angelegt, dass man keinen davon sonderlich mag oder auch nur ernst nimmt.  Obgleich die sorgfältig recherchierten Details der historischen Darstellung allesamt stimmig sind, kann man angesichts der Geschehnisse oft nur kichernd den Kopf schütteln - wohl wissend, dass viele der damaligen 'wissenschaftlichen Erkenntnisse' genauso Humbug waren wie es der Geist von Florence Cook womöglich zu sein schien.

Besonders verblüffend und unterhaltsam fand ich den damaligen unfassbar sorglosen Umgang mit Medikamenten und Chemikalien! Herrlich! Quecksilberkügelchen als Spielzeug für zwischendurch, Arsenik in der Wandfarbe, und dann das seinerzeit gängige Chlorodyne: eine Mischung aus Opium, Canabis und Chloroform, ein Allheilmittel, das nahezu jeder wie Bonbons schluckte - auch unsere Helden in dieser Geschichte. Da brauchte es eigentlich keinen Geist mehr, um Absonderliches zu sehen oder zu erleben. Dies aber nur als Anekdote am Rande.

Nicht alle dargelegten wissenschaftlichen Details aus dem Jahre 1870 habe ich wirklich verstanden, manche Passagen mit längeren Aufzählungen fand ich zudem etwas ermüdend. In der Summe jedoch hat mich dieser Roman, der nun auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2017 steht, aufs Beste unterhalten. Eine tolle Überraschung!


© Parden

Kommentare: 11
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Xirxes avatar

Rezension zu "Der Fuchs und Dr. Shimamura" von Christine Wunnicke

Japanischer Fuchsgeist trifft auf die Anfänge der Neurologie
Xirxevor 3 Jahren

Ich muss zugeben, dass mir der Einstieg in dieses Buch nicht gerade leicht fiel. Der junge Neurologe Dr. Shimamura reist 1891 in die japanische Provinz um Frauen zu untersuchen, die vom Fuchsgeist besessen sein sollen. Fuchsgeist? Besessene Frauen? Soll damit die Tollwut gemeint sein? Bevor ich weitergrübelte, recherchierte ich ein bisschen und stieß auf eine Seite der OAG, der Ostasiatischen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, die mir die besondere Beziehung der japanischen Gesellschaft zum Fuchs deutlich machte (siehe oag.jp/images/publications/oag_notizen/Notizen_Feature_Fuchs_und_Fuchsglaube_in_Japan.pdf). Danach fiel mir das Lesen deutlich leichter ;-)
Doch ich blieb beim Recherchieren. Denn nicht nur Dr. Shimamura (wie auf der Umschlagseite vermerkt) war eine reale Person, auch alle anderen auftauchenden Figuren, denen er während seines Stipendiums in Europa begegnete, waren existent, sodass ich mir nach und nach einen umfangreichen Überblick über die Anfänge der Neurologie verschaffen konnte. Alle äußeren Merkmale wie auch öffentliche Beziehungen scheinen wahrheitsgetreu wiedergegeben worden zu sein - das Ganze dann angereichert durch die vermutlich fiktiven persönlichen Merkmale der Einzelnen und deren Verhältnis zu Dr. Shimamura.
Diese Verflechtung von Realität und Fiktion wirkt mustergültig - als ob die Autorin als Zeitgenossin an den Geschehnissen beteiligt gewesen wäre. Wer über das reine Lesen des Buches hinaus sich ein wenig mit den darin vorkommenden Personen beschäftigt, wird vielleicht bald von der Geschichte der Neurologie und Psychoanalyse gefesselt sein (siehe beispielsweise spiegel.de/einestages/jean-marie-charcot-und-die-hysterieforschung-in-der-pariser-salpetriere-a-951005.html). Mir ist es zumindest so ergangen und so hat das Lesen dieses dünnen Büchleins wesentlich länger gedauert als gedacht ;-) Und mich nicht nur sehr gut unterhalten, sondern auch mein Wissen erweitert.
PS: Das Buch war auf der Longlist 2015 für den Deutschen Buchpreis.

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BiancaStueckers avatar

Rezension zu "Fortescues Fabrik" von Christine Wunnicke

Rezension zu "Fortescues Fabrik" von Christine Wunnicke
BiancaStueckervor 6 Jahren

"Fortescues Fabrik" war der erste Christine-Wunnicke-Roman, über den ich vor einigen Jahren rein zufällig gestolpert bin. Mit nachhaltigen Folgen: Mittlerweile besitze und kenne ich all ihre Bücher.

Die Geschichte selbst ist schon sagenhaft: London, 19. Jahrhundert. Der erfundene Douglas W. Fortescue ist auf der Suche nach menschlichen Gefühlen und auch einer Bestimmung. Auf hochinteressanten Wegen färbt er sich die Haare schwarz, entwickelt die industrielle Produktion von Gedichten und wird schlagartig berühmt. Und dann wird ganz plötzlich alles noch einmal ganz anders.

Das Allerschönste ist aber, ganz unabhängig von Zeit, Ort und Handlung, Frau Wunnickes Erzählkunst, die ihresgleichen sucht, und der feinsinnigste Sprachwitz ever.
Wer hinter "Fortescues Fabrik" einen gewöhnlichen historischen Roman vermutet, sollte sich vielleicht lieber etwas anderes aussuchen, aber wer gut erzählte Geschichten mag und schlechte Witze verabscheut, hat die Chance, eine zukünftige Lieblingsautorin zu entdecken.

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Christine Wunnicke wurde am 01. Januar 1966 in München (Deutschland) geboren.

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