Christine von Brühl Gebrauchsanweisung für Dresden

(5)

Lovelybooks Bewertung

  • 7 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(1)
(1)
(3)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Gebrauchsanweisung für Dresden“ von Christine von Brühl

Dresden ist gleich nach München und vor Hamburg die Stadt, in der die meisten Deutschen gerne alt werden würden. Was ist es, was das Barockjuwel so attraktiv macht? Christine von Brühl, direkte Nachfahrin des Premierministers im 18. Jahrhundert und Erbauers der Brühlschen Terrasse, spürt Dresdens kulturellen Highlights ebenso nach wie dem Umland mit Sächsischer Schweiz, Radebeul und Schloss Moritzburg. Sie verrät, was es mit der gläsernen Frau auf sich hat, wo der beste Stollen nach Reinheitsgebot gebacken wird und warum 'Pfunds Molkerei' zu Recht zum schönsten Milchladen der Welt gekürt wurde.
  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • "Ist Dresden wirklich nur Kultur?"

    Gebrauchsanweisung für Dresden
    R_Manthey

    R_Manthey

    17. July 2015 um 15:19

    Diese Frage fällt der Autorin auf der letzten Seite dieser Gebrauchsanweisung ein. Dort heißt es nämlich: "Meine Gebrauchsanweisung für Dresden besteht zum Großteil aus Betrachtungen über Architektur, Kunst, Theater, Ausstellungen, Geschichte, Musik, Essen, Sprache, Licht und Atmosphäre. Das klingt vielleicht ein wenig merkwürdig, wenn nicht gar einseitig. Ist Dresden wirklich nur Kultur? Interessieren sich die Dresdner, selbst die jungen, ausschließlich für Kunst und Musik, Architektur und Geschichte?" Natürlich nicht. Zum Leidwesen solcher Menschen interessieren sich einige Dresdner auch für Fußball. Das muss man allerdings nicht in einem Reiseführer erwähnen, es sei denn, dass man in diesem Zusammenhang etwas mehr über die Menschen in dieser Stadt erfahren könnte. Als nämlich kürzlich der örtliche Zweitligist dazu verdonnert wurde, seine Zuschauer für ein Spiel auszusperren, kauften seine Anhänger über 30.000 Karten für ein Spiel, das sie nicht sehen konnten. Und das sagt sehr viel über die Dresdner aus. Wenn es hart auf hart kommt, halten die Dresdner extrem zusammen. Sie lieben ihr Dresden auf eine fast kindliche Weise. Man kann die Beziehung der Dresdner zu ihrer Stadt nur schwer beschreiben. Klar aber ist, dass sie den normalen Rahmen deutlich sprengt. Dresden wird verehrt, fast wie eine Heilige angebetet. Das ist sehr sympathisch, macht vieles aber nicht gerade einfach. Beispielsweise trifft jeder Versuch, in der Innenstadt etwas zu bauen, das dem Vorhandenen widerspricht oder es gar verändert, auf erbitterten Widerstand. Leider gelingt es der Autorin nicht besonders gut, diese gelegentlich irrationale Liebe der Dresdner zu ihrer Stadt zu beschreiben. Überhaupt hat man bei dieser Gebrauchsanweisung einige Male das Gefühl des Fremdelns. Ein Wunder ist das nicht, denn schließlich kommt die Autorin aus einer anderen Welt und hat nur ein paar Jahre im Elbtal gelebt, das in der untergegangenen DDR "Tal der Ahnungslosen" hieß, weil man dort kein Westfernsehen empfangen konnte. Also schreibt Frau von Brühl über alles, was eine kunst- und kulturinteressierte Zugereiste so an einer zunächst fremden Stadt interessiert. Das Meiste kann man auch in einem sehr guten Reiseführer lesen. Und vermutlich sogar besser, denn die Autorin arbeitet sich recht selektiv durch ihre Interessensgebiete. Beispielsweise erwähnt sie aus der facettenreichen Dresdner Theaterlandschaft lediglich das Tanztheater im Hellerauer Festspielhaus, das die meisten Besucher dieser Stadt wohl nie zu Gesicht bekommen werden. Ähnlich geht sie mit der Kneipenszene um. Dort spielt nur die Dresdner Neustadt eine Rolle. Inzwischen jedoch hat sich auch in der für Touristen sicher näheren Altstadt eine vielfältige Kneipenkultur entwickelt. Das Buch wirkt wie eine Liebeserklärung an Dresden als Stadt. Aber das scheint nicht ganz der Zweck einer solchen Publikation zu sein. Auf das Besondere, das Eigentümliche dieser Stadt geht Frau von Brühl nur soweit ein, wie es zu ihr vorgedrungen ist. Das konnten andere Bücher dieser Reihe in anderen Fällen etwas besser. Natürlich kann man das der Autorin nicht zum Vorwurf machen, denn sie hat sicher mit bester Absicht aufgeschrieben, was sie mit Dresden verbindet. Entstanden ist so ein ganz guter, aber selektiver Reiseführer zu Kultur und Geschichte Dresdens und seiner näheren Umgebung. Das Lebensgefühl in dieser Stadt und die Mentalität ihrer Bewohner trifft die Autorin dagegen kaum.

    Mehr
  • Rezension zu "Gebrauchsanweisung für Dresden" von Christine Gräfin von Brühl

    Gebrauchsanweisung für Dresden
    HeikeG

    HeikeG

    20. September 2012 um 17:35

    Wird in Dresden wirklich nur das verprasst, was in Chemnitz erarbeitet und in Leipzig gehandelt wird? . "Ich habe einer schönen Frau beim Ankleiden zugesehen. Ein Geschenk! Ich habe gesehen, wie sie im Bademantel vor der Frisierkommode sitzt, ein wenig gelangweilt schaut sie in den Spiegel. Doch dann richtet sie sich auf, kämmt die Haare, schminkt sich die Lippen, wählt ein Parfum. Sie sucht den passenden Schmuck, das passende Kleid. Sie probiert mehrere Paar Schuhe an, bis sie die richtigen gefunden hat. Prüfend geht sie vor dem Spiegel auf und ab. Dann legt sie noch Ohrringe an, lange, glänzende Steine, streift einen Ring über, wirft sich schließlich den schweren Schal um die Schultern, greift zum warmen Mantel, zieht die schwarzen Samthandschuhe aus der Tasche. Sie strahlt, sie funkelt, sie ist bereit, sich zu zeigen. Ich habe einer schönen Frau beim Ankleiden zugesehen." . Von wem mag Christine von Brühl hier in so poetischen Worten gesprochen haben? Von niemand anderem als der Dame Dresden ist die Rede. Die Ur-ur-ur-ur-ur-Enkelin des einst so mächtigen Premierministers unter August dem Starken erlag wie so vielen dem Zauber dieser Stadt. "Dresden traf mich mitten ins Herz. Es hat mir so gut gefallen, dass ich sesshaft wurde." Mehrere Jahre verbrachte sie nach der Wende in der sächsischen Hauptstadt und reist auch heute noch regelmäßig an den Ort, von dem 1839 der erste deutsche Fernzug startete, an dem die erste Lokomotive gebaut, der Teebeutel, Kaffeefilter, Büstenhalter, Waschmaschine, Zahnpasta, Bierdeckel, Reiseschreibmaschine, Ansichtskarte, Frotteehandtuch, Spiegelreflexkamera, Mineralwasser, das abendländische Porzellan, das digitale Satellitenradio und man höre und staune, selbst der Inbegriff der bayerischen Trachtenmode - der Lodenmantel - erfunden wurde. Doch all dies zeichnet Dresden nicht wirklich aus. Wer selbst einmal um das Schloss gelaufen ist, die wieder aufgebaute Frauenkirche bewundert und sich die Semperoper angesehen hat, wer durch den Zwinger oder auf der Brühlschen Terrasse flaniert ist, den hat die Seele der Stadt wahrscheinlich gleichfalls gekitzelt. . Die vorliegende völlig neu überarbeitete "Gebrauchsanweisung für Dresden" besteht größtenteils aus Betrachtungen über Architektur, Kunst, Theater, Ausstellungen, Geschichte, Musik, Essen, Sprache, Licht und Atmosphäre dieser einzigartigen Stadt. Christine von Brühl hat ihr Büchlein in 18 Kapitel gegliedert. Charmant und äußerst kenntnisreich, mit Witz, Esprit, Spürsinn und Kenntnis plaudert sie über den fantastischen sächsischen Kuchen ("Eine Wucht. Eine Katastrophe für die Taille."), empfiehlt die ausgesprochen differenzierte Kinolandschaft, erzählt von dem Bauwerk mit dem wohl symbolischsten und identitätsstiftendsten Charakter für die Stadt - der Frauenkirche - und erholt sich nach ihren Rundgängen bei den "Alten Meistern" ("Nirgends schläft man so gut wie im Museum. (...) Wer einschläft, sieht kurz zuvor noch Wunderwerke, und wenn er wieder aufwacht, findet das Wunder immer noch statt."). Sie sinniert über den sächsischen Dialekt, besucht den schönsten Milchladen der Welt ("Es ist eine Hommage an die Milch, ein Tempel für die Kuh und ihre Melkerin gleich dazu."), feiert am Abend im Szene- und Kneipenviertel von Dresden, der "Äußeren Neustadt" oder aber sitzt einfach nur an einem der vielen Lagerfeuer am Elbestrand. Aber auch die engere Umgebung verdient ihr Augenmerk. Brühl bummelt entlang der Weinhänge und romantischen Täler an der Elbe über Karl Mays ehemaligen Wohnsitz Radebeul bis hin nach Meißen oder elbaufwärts nach Pillnitz ins prächtige ehemalige Lustschloss von August dem Starken. Lohnenswert ist ebenso ein Ausflug in das angrenzende landschaftlich traumhaft schöne Elbsandsteingebirge, die Sächsische Schweiz, vielleicht mit der traditionsreichen, ältesten Raddampferflotte der Welt. . Der Autorin gelingt es, ein unglaublich emotionales Bild der Stadt und ihrer Umgebung entstehen zu lassen, das von einer immensen Liebe zu dieser Stadt zeugt. Harmonisch verbindet sie Altes mit Neuem, Bekanntes mit weniger Auffälligem, sächsische Gastlich-, ja, Großzügigkeit und fröhliche Gutmütigkeit mit manchmal sturem Festhalten an Historischem. Entstanden ist eine harmonische, wissenswerte, liebevolle und informative "Gebrauchsanweisung", die jedem Dresden-Gast und auch seinen Bewohnern nur zu empfehlen sei, so dass ihnen "ein Licht aufgehe". Denn nicht dem Barock und der anmutigen Lage am Fluss verdankt die Stadt den Namen Elbflorenz. Es ist augenscheinlich eben jenes wunderbare Licht, das einen unvermittelt nach Italien versetzt glaubt. "Die ganze Stadt erstrahlt in goldenem Glanz. Das Wasser schimmert orangerot. Die alten Mauern scheinen sich plötzlich zu bewegen, die Bäume auf der Terrasse werfen unendlich lange Schatten. Auf der Elbe tanzen tausend Lichter." . Danke für dieses so treffend und liebevoll gezeichnete Bild Dresdens. Wer nicht - wie ich - in dieser zauberhaften Stadt lebt, dem sei folgender Tipp mit auf den Weg gegeben: "Lieber weggehen und dann wiederkommen. Das hält sonst kein Mensch aus."

    Mehr