Christl Clear kenne ich als unterhaltsame Influencerin auf Instagram. Da plaudert die Wienerin mit nigerianischen Wurzeln genauso gern über die unwichtigen (Makeup, Mode) wie wichtigen (Rassismus, Feminismus) Themen und lässt uns an ihrem persönlichen Mix von Lust und Frust teilhaben, den das Leben als Frau ausmacht. Genauso unverblümt und frei Schnauze wie in ihren Instagram-Storys hat sie auch ihr Buch verfasst. Mit klaren Worten (der Name ist Programm) gibt sie ihre in 37 Jahren gesammelten Lebensweisheiten weiter, von Frau zu Frau. Allen voran: pfeif' auf Erwartungen! Dabei geht es um Sex und Freundschaft, Rassismus und Sexismus, Hochzeiten und Kinderwunsch – alles Themen, die sie selbst erlebt und zu denen sie ganz subjektiv ihre Meinung äußert.
So schrill und laut wie sie selbst ist auch die Aufmachung des Buches mit bold gesetzten Statements zum Verinnerlichen. Ich muss zugeben – obwohl ich Christl Clear als Person ganz sympathisch finde – das Buch hat mich anfangs genervt. Es war mir zu plakativ, zu oberflächlich, zu denglisch. Aber wie das mit neuen Bekanntschaften manchmal so ist: auch wenn sie mich mit ihren Marotten manchmal nerven, irgendwas bringt mich dann doch dazu sie ins Herz zu schließen und einfach so zu nehmen, wie sie sind. So ging es mir auch mit diesem Buch. War es die ungenierte Offenheit? Die Erkenntnis, dass wir trotz unterschiedlicher Persönlichkeiten doch einer Meinung sind? Das häufige Schmunzeln, weil sie doch irgendwie ganz witzig ist? Was mir am Anfang zu gekünstelt wirkte, erschien mir am Ende ganz natürlich. So ist sie halt! Und so schloss ich das Buch mit dem Gefühl, das man hat wenn man von einem Treffen mit einer Freundin nach Hause kommt. Es war kurzweilig und lustig, aber auch mal tiefgründig und berührend. Und auf jeden Fall eine Inspiration und Motivation, sich frei von Erwartungen zu machen, die Frau am Glücklichsein hindern.


